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7. Dezember 2020

Nicht wieder dieselben Theorien hervorholen

Die Massnahmen zur Verbesserung von Deutsch- und Mathematikleistungen sind zu begrüssen. Der kritische Punkt dürfte dabei wieder einmal die verordnete Weiterbildung der Lehrpersonen werden. Wenn dafür dieselben Dozentinnen und Dozenten aufgeboten werden, die mit ihren Theorien letztlich für die unbefriedigenden Leistungen der Schülerinnen und Schüler verantwortlich sind, darf man sich auch von einer zusätzlichen Lektion nicht allzu viel versprechen: Schreiben nach Gehör, Output-Orientierung, konstruktivistisches Lernen, Kompetenzen, selbst organisiertes Lernen im altersdurchmischten Grossraum, Verzicht auf Fehlerkorrektur, Multiple-Choice-Tests, Lernprogression durch algorithmische Steuerung, und, und, und. Alle diese Reformideen torpedieren das Lernen mehr, als dass sie es fördern. Also bitte: Keine Fortbildung mit untauglichem theoretischem Ballast!

Basler Zeitung, 7.12., Leserbrief von Felix Schmutz

23. Februar 2020

Pseudowissenschaft bei den Fremdsprachen


Wir erinnern uns: Der Fremdsprachenunterricht in Schweizer Schulen beruht auf dem Sprachenkonzept der EDK von 2004. Im Wesentlichen brachte er zwei Neuerungen:
1. die Vorverlegung zweier Fremdsprachen in die 3. und 5. Primarklasse für alle Kinder,
2. die Einführung einer neuen Unterrichtsmethode, der so genannten «Mehrsprachigkeitsdidaktik».
Massgeblich stützte sich die EDK auf Expertenmeinungen, die eine markante Verbesserung der schulischen Leistungen versprachen. In seinem Artikel im «Journal of the European Second Language Association» von 2019 äussert nun aber Raphael Berthele, der frühere Leiter des Instituts für Mehrsprachigkeitsforschung der Universität Fribourg, grosse Bedenken gegen die wissenschaftliche Qualität der Empfehlungen, welche die Experten zuhanden der Bildungspolitik abgaben.[1]
An zwei Fallstudien zeigt er auf, wie leicht sich bei der Erforschung des Zweitsprachenerwerbs abgesicherte Wissenschaft mit reinem «Fürwahrhalten» (doxa) und Pseudowissenschaft vermischt hat. Er legt dar, dass im Falle des schweizerischen Sprachenkonzeptes oft nicht unterschieden wurde zwischen programmatisch (= spekulativ) formulierten Hypothesen und gesicherten evidenzbasierten Erkenntnissen[2], dass ausserdem evidenzbasierte Erkenntnisse, die auf eine bestimmte Situation zutrafen, unzulässigerweise auf Situationen mit andern Bedingungen übertragen wurden.[3] Das führte in der Konsequenz zu unsicheren Schlussfolgerungen, die sich nachteilig auf die Umsetzung im Schulbereich  auswirken konnten.


13. Februar 2020

Nur für Leute, die Französisch bereits beherrschen


Die Lehrmittelfreiheit scheint die einzige Möglichkeit zu sein, den Lehrpersonen wieder einen Unterricht zu ermöglichen, der den Schülerinnen und Schülern angemessen ist. Mit grenzwertigem ideologischem Eifer haben in den letzten 15 Jahren Optimierer und Besserwisser an Fachhochschulen und in Departementen Lehrmittel top­down  verordnet, die zwar ihren skurrilen pädagogischen Wunschträumen entsprachen, nicht aber für das alltägliche Lernen taugten. So auch die aufwendigen Französisch­Konvolute «Mille feuilles»und«Clind’œil». Beide sind durchaus interessant, liebevoll gestaltet, voller wissenswerter Beiträge,wunderbar. Allerdings nur für Leute, die Französisch als Muttersprache beherrschen und ihre Kenntnisse darüber hinaus noch erweitern möchten.
Basler Zeitung, 12.2. Leserbrief von Felix Schmutz

4. Januar 2020

Französisch-Lehrmittel in BL: Der Auftrag muss neu vergeben werden

Es ist ganz schön unverfroren, wenn die Arbeitsgruppe, die sich um alternative Primarschullehrmittel für Französisch kümmern sollte, auf stur schaltet und einen Volksentscheid von 84,8% einfach ignoriert. Die Abstimmung in BL zeigte klar, dass die Stimmbevölkerung von den Lehrmitteln Mille feuilles und Clin d’oeil die Nase voll hat.
Französisch-Lehrmittel in BL: Der Auftrag muss neu vergeben werden, Felix Schmutz, 3.1.

18. Dezember 2019

Wohlfühlgesülze aus dem ED

Die schulische Integration der Benachteiligten bietet grosse Probleme. Roland Starkund Riccardo Bonfranchi haben die gravierenden Nachteile jüngst aufgelistet und eine bessere Betreuung in Kleinklassen gefordert. Darauf reagieren nun ED-Verantwortliche mit süffisantem Wohlfühlgesülze: Integration ist zwar anspruchsvoll, aber alles ist gut, grossartige Arbeit wird geleistet. Vor allem ist Integration «zeitgemäss». «Zeitgemäss» ist es, wenn immer mehr engagierte Lehrpersonen vor Überforderung ins Burnout abgleiten, Kinder in Besenkämmerchen sonderbeschult werden, stundenweise Heilpädagoginnen eingeflogen werden, wenn sie nicht gerade wegen «Weiterbildungen» unabkömmlich sind, Klassen im Tumult mit Kopfhörern arbeiten müssen, Bezugspersonen ständig wechseln, ADHS-Geplagte randalieren und andere am Lernen hindern. Was will man? Es ist halt «zeitgemäss»! Wann endlich greift der Souverän ein und beendet diese Misere?
Wohlfühlgesülze aus dem ED, 18.12. von Felix Schmutz

2. Dezember 2019

«Dis donc»-Euphorie in der NZZ


Robin Schwarzenbach lobt das Französischlehrmittel «Dis donc» in höchsten Tönen. Wenn man sich die Informationen zum Lehrmittel «Dis donc» im Lehrmittelverlag ansieht, handelt es sich dabei um ein Lehrwerk, das der gleichen Didaktik folgt wie Passepartout in den Kantonen VS, BE, FR, SO, BL und BS: Authentische Texte, funktionale Mehrsprachigkeit, Strategien, anspruchsvolle Arbeitsaufträge, Computerisierung des Lehrganges, Konstruktivismus, etc.
Auf den ersten Blick scheinen die Themen näher an den Lehrplankompetenzen zu liegen als in «Mille feuilles» und «Clin d’oeil». Von Anfang an wurde der Differenzierung mit entsprechenden Algorithmen offenbar Beachtung geschenkt, während bei Passepartout die Differenzierungshilfen aufwändig nachträglich erstellt werden müssen. Wie effizient das gelungen ist, lässt sich ohne genauere Prüfung nicht sagen.
"Dis donc"-Euphorie in der NZZ, 2.12. von Felix Schmutz

13. November 2019

Checks sind nicht die Lösung

Martin Dätwyler irrt, wenn er meint, regelmässige Checks könnten die Qualität derSchulleistungen verbessern. Wenn dem so wäre, hätten Erfolge längst eintreten müssen, denn überkantonale Checks gibt es in der Nordwestschweiz bereits seit 15 Jahren, in den USA seit über 30 Jahren. Basel-Stadt schnitt immer schwächer ab als andere. Das Vermessen der Kuh macht diese eben noch nicht fetter. Das Gegenteil ist wahr: Die Checks verhindern den Aufbau von Wissen und Kompetenzen, da sie dazu verführen, die Kinder und Jugendlichen auf eine eingeschränkte, weil leicht zu prüfende Art von Aufgaben einzuschwören, anstatt den Lernstoff in vertieften Zusammenhängen zu vermitteln, was die einzige Möglichkeit darstellt, sinnhaftes Wissen und darauf fussende Kompetenzen aufzubauen. Wieder einmal verwechselt ein Wirtschaftsvertreter berufliche Ausbildung mit schulischer Grundbildung, die durch die Förderung elementarer Fähigkeiten und persönlicher Anlagen die Voraussetzungen für Berufsbildung erst schaffen muss. Der Widerstand gegen die Checks ist verständlich: Schwache Leistungen und zu milde Leistungsnoten sind mit Prüfungsmanie nicht zu beheben.
Checks sind nicht die Lösung, 13.11. von Felix Schmutz

30. Oktober 2019

Rationaler Diskurs unmöglich

Die beiden Leserbriefe zum Mille feuilles-Artikel in der NZZ könnten konträrer nicht sein. Zu Recht weist Professor Wachter darauf hin, dassbeim Sprachunterricht ein antiakademischer Reflex vorherrscht, den man mit«horror grammaticae» bezeichnen könnte. Allerdings übersieht er, dass die Mehrsprachigkeitsdidaktik, die lic.phil. Le Pape Racine als «Weiterentwicklungdes Sprachunterrichts» bezeichnet, mit ihren Sprachvergleichen (bereits ab der dritten Primarklasse) grammatikalisch sehr anspruchsvoll daherkommt. So sollen die Kinder in mehreren europäischen Sprachen die Verneinung wissenschaftlich analysieren, wenn es nur darum ginge zu lernen, dass es heisst «Elle ne dort pas.» Le Pape folgt in ihrer Schelte dem bewährten Muster, dass ein unqualifizierter Rundumschlag die beste Verteidigung ist: Sie ortet eine Mitte-Links-Verschwörung und weiss von einer jahrzehntelangen Gegnerschaft, obwohl das diskutierte Lehrmittel erst seit 8 Jahren im Gebrauch ist. Pedantisch mit moralingetränktem Furor reitet sie auf Vokabeln im Artikel herum. Sie hat offenbar die Bäume gesehen, nicht aber den Wald. Sachliche Argumente sucht man vergeblich. Kein Wort verliert sie über die Tatsache, dass inzwischen vier gross angelegte, evaluierende Studien den Absturz ihrer Didaktik belegen. Notabene Studien, welche die Passepartout-Verantwortlichen selbst in Auftrag gegeben haben und die, einem deus ex machina gleich, die Kritiker eigentlich zum Verstummen hätten bringen sollen. Nun, da die Evaluation zum Bumerang geworden ist, werden sie aus dem Bewusstsein weggezappt. Auch nicht der Hauch eines leisen Zweifels vermag den Glauben von Frau Le Pape Racine zu erschüttern. Vielmehr soll man sich denjenigen anschliessen, die auf dem untergehenden Kahn noch Hosianna rufen und an wundersame Rettung glauben. Bereitschaft zu einem rationalen Diskurs scheint definitiv nicht die Stärke der ehemaligen PH-Dozentin zu sein.
Felix Schmutz, 30.10.

18. Oktober 2019

Offener Brief zum Passepartout-Debakel

Die Französischlehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» des Fremdsprachenprojekts «Passepartout» wurden mit dem Versprechen eingeführt, ein besseres Verständnis und eine erfolgreichere Anwendung der französischen Sprache zu vermitteln. Allerdings wurden sie nicht empirisch erprobt, sondern auf Anhieb flächendeckend eingeführt. Gegenwärtig dienen 120’000 SchülerInnen ungefragt als ProbandInnen.
Mit der von den sechs Passepartout-Kantonen beim Institut für Mehrsprachigkeit (IfM) der Universität Fribourg in Auftrag gegebenen Studie wird nun abermals bestätigt, was Lehrkräfte seit der Einführung der besagten Lehrmittel immer wieder beanstanden: Mit «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» werden die Lernziele nicht annähernd erreicht! Es handelt sich dabei bereits um die vierte wissenschaftliche Untersuchung, welche dem Passepartout- Konzept ein schlechtes Zeugnis ausstellt.

3. Oktober 2019

Verheerende Evaluation nicht publiziert


Mille feuille ist ein französischer Kuchen aus geschichtetem Blätterteig mit Füllungen aus Konfitüre, Rahm oder Creme – eine Köstlichkeit.Weniger köstlich ist das gleichnamige Lehrmittel für Schüler in verschiedenen Kantonen, darunter die beiden Basel. Viele Schüler, Lehrer und Eltern sind seit Jahren unglücklich mit «Millefeuilles». Die Bildungsverwaltungen hielten jedoch die Kritiker der Lehrmittel mit dem Versprechen hin, die Erfolgsquote erst auswerten zu wollen. 
Schlechte Ergebnisse scheuen das Licht, Basler Zeitung, 3.10. von Franzska Laur

17. September 2019

Passepartout: Gescheiterte Fachhochschuldozenten


Mit überraschend geringem Medienecho endete das sechskantonale Fremdsprachenprojekt Passepartout, mit dem ganz neue Unterrichtskonzepte samt den dazu entwickelten Lehrmitteln Mille feuilles, Clin d’oeil und New World obligatorisch implementiert wurden. Der Abschlussbericht des Projektleiters Reto Furter[1] fand ebenso wenig Beachtung wie die umfangreiche und lang angekündigte Evaluation des IfM (Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg) von 2019[2].
Das unrühmliche Schicksal von Passepartout, Condorcet.ch, 17.9. von Felix Schmutz

31. Mai 2019

Lehrerbeurteilung könnte Vergleichstests ersetzen, besagt eine Studie


Leistungsbeurteilungen der Schülerinnen und Schüler durch ihre Lehrkräfte könnten die zentralen, landesweit durchgeführten traditionellen Tests und Examen wie Sats und GCSEs ersetzen, um Kosten zu sparen und «Freude ins Klassenzimmer zurückzubringen», wie neue Forschungsresultate zeigen.
Teachers assessing pupils could replace formal exams, study says, Guardian, 13.5. von Richard Adams

27. März 2019

Gesicht wahren um jeden Preis


Et voilà! Nicht einmal Gymnasiasten weisen elementare Kenntnisse in Französischauf. Seit Jahren schlagen die Bildungsverantwortlichen alle Warnungen in den Wind, dass die neue Fremdsprachendidaktik auf Sand gebaut ist. Sie wiegeln ab, sie vertrösten, sie vertrauen blind ihren Pseudoexperten und diffamieren die Kritisierenden, obwohl dieser Unterricht in keiner Weise wissenschaftlich haltbar ist. Weder bewährt er sich in der Praxis, noch stösst er bei Eltern auf Akzeptanz. Dennoch investieren die Behörden weiterhin Millionen in ungeeignete Lehrmittel und doktrinäre Weiterbildungsveranstaltungen. Auch jetzt noch steht ein Abbruch in Basel nicht zur Diskussion: Das Gesicht muss gewahrt bleiben. Erschwerend kommt hinzu: Das Fremdsprachenkonzept des Bundes, das Französisch und Englisch um zwei Jahre vorgezogen, dafür aber die Stundenzahl pro Woche reduziert hat, zeigt seine fatale Schwäche. Bitter das Fazit: Die Fremdsprachen wurden in der Schule an die Wand gefahren!
Basler Zeitung, 27.3. Leserbrief von Felix Schmutz


2. Januar 2019

Blüht uns schon die nächste Schulreform?


Weise Ratgeber in Sachen Bildungspolitik haben sich kurz vor Jahresende nochmals zu Wort gemeldet, wie die NZZ berichtet (NZZ, 28.12.2018). Eine neue Bildungsrevolution steht an, noch bevor Harmos mit dem Lehrplan 21 überall richtig gegriffen hat. Zumindest schlagen dies Rolf Becker und Jürg Schoch in ihrem Expertenbericht Soziale Selektivität vor, den sie im Auftrag des Schweizer Wissenschaftsrates vorlegen. Ihrer Meinung nach ist das Hauptproblem unseres Bildungssystems mit den bisherigen Reformen nicht gelöst: Noch immer lasse die Chancengleichheit zu wünschen übrig, monieren sie, und belegen dies mit Statistiken (Becker/Schoch, 2018).
Blüht uns schon die nächste Schulreform? Felix Schmutz, 2.1.

28. Dezember 2018

Homeschooling ist keine echte Lösung


Das momentane Bedürfnis nach Homeschooling ist kein Zufall. Die Volksschule hat sich in den letzten 20 Jahren regelrecht deklassiert. Im Bestreben, alle möglichen Zeiterscheinungen aufzugreifen, haben die Verantwortlichen das Ansehen der Institution nicht verbessert, sondern zunehmend beschädigt und Unzufriedenheit gesät. Weder die Individualisierung in Grossraumbüros noch die Integration der Begabungsschwächsten und Auffälligen noch die forcierte Digitalisierung noch die Degradierung der Lehrpersonen zu blossen Lernbegleitern noch die Einengung des Lehrplans auf «Kompetenzen» vermag viele Eltern im Praxisalltag zu überzeugen.
Homeschooling ist keine echte Lösung, Basler Zeitung, 28.12. Leserbrief von Felix Schmutz

11. November 2018

Schreiben nach Gehör: eine Analyse


Die Methode Schreiben nach Gehör steht momentan medial und politisch im Kreuzfeuer der Kritik. Dennoch hat sie weiterhin ihre Anhänger und wird oft mit folgenden Argumenten verteidigt[1]:

1. Rechtschreibung beruht auf Konvention. Wer Wörter anders schreibt, verstösst nicht gegen die Sprache, sondern wählt eine eigene Schreibvariante, die nicht schlechter als die konventionelle sein muss. Solange verstanden wird, was gemeint ist, spielt die Orthografie keine Rolle.

2. Viel wichtiger als die Rechtschreibung ist die Kompetenz, Texte angemessen formulieren und eine Sache logisch gut darstellen zu können. Die Kreativität soll nicht durch Konzentration auf Fehlervermeidung gebremst und erstickt werden. Orthografie ist deshalb geringer zu gewichten als die inhaltlichen Aspekte.

3. Kinder übernehmen im Laufe der Zeit automatisch die korrekte Schreibweise der Wörter, wenn sie das frühe Stadium des Ausprobierens überwunden haben. Die fehlerhafte Schreibung gehört zur ersten Phase des Lernvorgangs.
Schreiben nach Gehör: Ist die Kritik berechtigt? Felix Schmutz, 8.11.

25. Oktober 2018

Passepartout: Schwärmerei oder Fakten?


In seinem Artikel zu den Fremdsprachenlehrmitteln ergreift Bernhard Bonjour Position für die Passepartout-Französischbücher Mille feuilles und Clin d’oeil. Dabei verfährt er in einer Weise, die leider in pädagogischen Debatten vorherrscht: Alles Frühere ist das Alte und deshalb schlecht, das Neue ist gut. Gut ist eigentlich nur eine Schule, nämlich seine eigene, schlecht sind alle andern. Als Lehrer müsste er wissen, dass Verallgemeinerungen immer falsch sind.
Passepartout: Schwärmerei oder Fakten? 25.10. von Felix Schmutz

24. Oktober 2018

Naive Lehrpersonen

Steve Bass, der Regensdorfer Primarschulbeauftragte für IT, meint: «Die Kinder lernen hier, logisch und exakt zu denken. Diese Fähigkeit hilft ihnen auch in anderen Bereichen, wie in der Mathematik, Sprache oder den Naturwissenschaften.» Leider ist das durch die Lernforschung (ETH-Zürich) hinreichend widerlegt. Das kognitive Lernen in einem Bereich lässt sich nicht auf andere Domänen übertragen, sondern nur auf solche, die gleiche Fähigkeiten verlangen. Während das Herumkommandieren des Schülers mit Augenbinde auf der Seite des kommandierenden Schülers vorausplanendes schrittweises Auflösen einer komplexen Handlung fördert, auf der Seite des (menschlichen, also mitdenkenden) Befehlsempfängers Konzentration und Bewegungskoordination trainiert, lernen die Kinder durch Spielen mit dem vorprogrammierten Roboter nur genau das: Herumdrücken auf Knöpfen, bis sie die Spielanleitung internalisiert haben, und zwar vor allem durch Versuch und Irrtum, nicht durch «logisches Denken». Das Rumspielen mit einem High-Tech-Spielzeug hat rein nichts zu tun mit der Übersetzung analoger Handlungsabläufe in hoch abstrakte Formeln zur Gewinnung von Algorithmen. Das würde man besser mit Sachrechnungen üben, die solche Gedankengänge erfordern. Bis zur Oberstufe gibt es sicher bereits Geräte, denen man mündlich befehlen kann: «Liebes Magix-Täfelchen, schreib mir mal ein Algorithmüsschen, das den Roboter zur Post bringt!» Die IT-Branche sieht das natürlich anders, besonders vor dem Weihnachtsgeschäft. Wie naiv dürfen Lehrpersonen eigentlich sein?

23. Oktober 2018

Passepartout-Alchemie: Lehrmittel im Spiegel der Spracherwerbsforschung



 1. Wissenschaft und Spekulation

Die Alchemisten der Zeit vor dem 19. Jahrhundert behaupteten, sie könnten aus unedlen Metallen mit Hilfe des Steines der Weisen Silber und Gold herstellen. Tatsächlich beschäftigten sie sich intensiv mit allen möglichen Grundstoffen in der Natur und legten damit einen Vorrat an Wissen an, das die streng wissenschaftliche Chemie später von reinen Spekulationen und Betrug unterscheiden konnte. Die Alchemisten hielten ihre Erkenntnisse geheim, nur ihre Schüler, die Adepten, weihten sie ein.

Der Vergleich mit der Fremdsprachendidaktik unserer Tage scheint etwas weit hergeholt. Dennoch gibt es Parallelen. Seit etwa 50 Jahren kämpft die Fremdsprachendidaktik darum, als Wissenschaft ernst genommen zu werden. Sie tut dies, indem sie zu ergründen sucht, wie Menschen eine Zweitsprache, bzw. nach erworbener Mutter- oder Erstsprache eine oder mehrere weitere Sprachen lernen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dann im Unterricht genutzt werden können.
Passepartout-Alchemie: Lehrmittel im Spiegel der Spracherwerbsforschung, von Felix Schmutz, 23.10.