Am 26.01.2019
hat die gut besuchte Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Bildung und
Wissen e.V. in Köln Prof. Dr. Andreas Gruschka und Prof. Dr. Hans-Peter Klein
für ihren unermüdlichen Einsatz gedankt und einen neuen Vorstand gewählt.
Der neue Vorstand der GBW (v.l.n.r.): Prof. Dr. Jochen Krautz, Prof. Dr. Karl-Heinz Dammer, Monika Reusmann, Dr. Matthias Burchardt; nicht im Bild: Prof. Dr. Carl Bossard, Prof. Dr. Konrad-Paul Liessmann, Bild: gbw
Große Klassen und eine neue Kultur des Lernens industrialisieren
den Lehrerberuf. Fließbandarbeit am Schreibtisch bestimmt den Berufsalltag
vieler Kolleginnen und Kollegen.
Arbeiter einer Bildungsindustrie, Frankfurter Rundschau, 13.1. von Nils B. Schulz
Die 1. Inkompetenzkonferenz vom 7./8. Juni in Frankfurt/M. bot ein breites Spektrum von Kritikansätzen zur Kompetenzorientierung. Wir haben bereits auf den Festvortrag von Konrad Liessmann hingewiesen. Hier bieten wir noch ein paar Zückerchen aus den diversen Vorträgen. (uk) Der Erziehungswissenschafter Andreas Gruschka (Goethe-Universität Frankfurt) kritisierte die Kompetenzdefinition von Weinert, die "wie eine Monstranz" hochgehalten werde. Ungeachtet vom Desaster werde so getan, als sei der Kompetenzfortschritt ersichtlich.
Andreas Gruschka: "Wenn die Reformer nicht wissen, was sie tun, wissen wir, was wir nicht tun dürfen", Bild: Urs Kalberer
Alternativen
zu Fakten: Seit Pisa und Bologna setzt die deutsche Bildungspolitik auf
Kompetenzen statt auf Bildung. Auf der ersten Inkompetenzkonferenz in Frankfurt
formiert sich Widerstand.
Klären Sie Ihre Schreibabsicht, prüfen Sie Ihre Gefühle! FAZ, 12.7. von Thomas Thiel
Die neoliberale Ideologie hat zu einer
radikalen Veränderung von Schule und Hochschule geführt. Denn wenn Erkenntnis
durch Kompetenz ersetzt wird, bleibt von der Bildung nichts mehr übrig: In
Frankfurt tagte die erste Inkompetenzkonferenz.
Die Trauer der Universitäten, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.7. von Hannah Bethke
Die
Reformpädagogik predigt Spass, wie auch aus dem letzten «Bund»-Samstagsinterviewmit Andreas Müller hervorgeht. Dieser Spass wird mit rund 70000 Fränkli pro
Jahr teuer für die Eltern der Schüler im exklusiven Institut Beatenberg.
Auferstanden ist die Einheitsschule des Johannes Tews – in Deutschland neu
aufgelegt als inklusive Gemeinschaftsschule. Wobei die einstige Geistespflege
in der Volksgemeinschaft jetzt unter heutiger Marktlogik zur Portfoliopflege
mutiert ist. Schon damals in der «Neuen Richtung» hiess es, dass Bildungsarbeit
vom Menschen anstatt vom Stoff auszugehen habe und dass sie individualisiert
und intensiv betrieben werden müsse. In der «Neuen Lernkultur» steht da wieder
der Schüler in alter Frische im Mittelpunkt.
Reformpädagogische Spasskultur, Bund, 11.5. von Hans-Jürgen Bandelt et al.
Hans Peter Klein ist ein Kritiker der Kompetenzorientierung. Im Interview mit dem deutschen UniReport schildert er seine Einschätzungen und blickt bezüglich der Entwicklung des Fachwissens pessimistisch in die Zukunft.
Verkümmert das selbständige Denken? UniReport, 3.2.
Oft
könne man bei den Abituraufgaben „zwischen Realität und Realsatire kaum
unterscheiden“: Hans Peter Klein erforscht die Inflation der Bestnoten. Lehrer
würden „massiv unter Druck gesetzt“, sagt er.
Didaktikprofessor Hans Peter Klein: "Niemand will gegensteuern". Bild: zvg
"Abiaufgaben in Biologie können Neuntklässler lösen", Die Welt, 17.12. von Thomas Vitzthum
Bei einer
Expertenanhörung im Landtag NRW (Deutschland) zur Novellierung des Lehrerausbildungsgesetzes
wurden markante und denkwürdige Stellungnahmen vorgebracht. Diese mahnten eine
grundsätzliche Revision der durch Bolognareform und Kompetenzorientierung
zunehmend wissenschafts- und bildungsfeindlichen Lehramtsstudiengänge an. Nicht
Bologna sei alternativlos: „Alternativlos ist nur Humanität“, so Ursula Frost
von der Universität zu Köln. Tatsächlich habe die Bolognareform die selbst
gesetzten Ziele nicht erreicht, sei rechtlich und theoretisch fragwürdig und
praktisch schädlich. „Kompetenz“ widerspreche dem Anspruch universitärer
Bildung, mit ihr würde eine Verhaltenssteuerung künftiger Lehrerinnen und
Lehrer angestrebt, die sich so kritiklos den ministeriell gewünschten
gewünschten Vorgaben anpassen sollten.
Lehrerbildung raus aus Bologna, Stellungnahmen zum Lehrerausbildungsgesetz Nordrhein-Westfalen, Gesellschaft für Bidung und Wissen, 26.2. von Jochen Krautz nach Beiträgen von Ursula Frost, Ulrich Heinen und Hans Peter Klein
Als die Frankfurter Einsprüche gegen
die Ökonomisierung des Bildungswesens 2005 vorgetragen wurden, bildete sich zum
ersten Mal eine breite Koalition der Kritiker gegen die seit Beginn der
Jahrtausendwende mit der Agenda der OECD und PISA sowie der Verbetrieblichung
der Bildungsanstalten massiv durchgesetzte Reform.
Glaubten die Reformer zu Beginn des
Protestes noch, sie könnten die Kritiker als ewig Gestrige und
Besitzstandwahrer ins Abseits stellen, so zeigte sich mit dem Missgestalten der
Reform bald der Schaden, den die Ökonomisierung mit sich brachte:
Niveausenkung, Entfachlichung, Entmutigung, Entfremdung, De-Humanisierung. Die
Leitbegriffe der Reform, Exzellenz, Kompetenz, Wettbewerb, Humankapital,
Outputorientierung gerieten in immer groteskeren Gegensatz zur Realität.
Es liegen Beispiele vor, die ein Versagen der
Kompetenzorientierung und der damit zusammenhängenden Neuausrichtung der
Schulen, vor allem in Deutschland, aber auch in Österreich und Frankreich teils
drastisch belegen. Das sind keine unmassgebliche Einzelfälle: Die
Leistungsnivellierung nach unten wird, entgegen den offiziellen Beteuerungen,
zur offensichtlichen Tatsache.
Nicht nur Theorie und Praxis klaffen immer weiter
auseinander. Auffallend ist überdies die Zwanghaftigkeit politisch begründeter
Bildungs- und Schulreformen, unter sichtbarer Dauerpräsenz von «Diktaten» und
Angstmacherei, bei gleichzeitiger Beschwichtigung. Der Verlust an
Demokratie und auch der Verzicht auf bildungspolitische Eigenständigkeit werden
als schwerwiegende Kollateralschäden schweigend in Kauf genommen.
Für die Ausrichtung unseres Bildungssystems sorgen
längst – von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt – die Bürokraten in Brüssel
und Paris (OECD). Das ist Tatsache, keine Verschwörungstheorie. Wie schlimm
muss es um das Selbstverständnis unseres Staates bestellt sein, wenn die
Bildungspolitik ein überaus erfolgreiches Bildungssystem ohne Not aus der Hand
gibt und sich widerspruchslos fremden Bildungsdiktaten, selbst im
Volksschulbereich, unterstellt? Der aktuelle Import aus der OECD-Küche, das
Kompetenzkonzept des Lehrplans 21, soll unsere Kinder und ihre Lehrer «auf Kurs
bringen».
Hans-Peter Klein an einer Anhörung zum Bildungsplan, 9. Mai 2014, Dauer: 22 Minuten
Harte Landung in Absurdistan, Blog Südostschweiz, 1.7. von Fritz Tschudi
In Deutschland machen immer mehr Jugendliche Abitur. Und auch mit den Noten geht's stetig bergan. Doch schlauer sind die Schüler nicht geworden. Im Akademisierungswahn, NZZ, 3.11. von Jenni Roth
Die empirische Bildungsforschung macht Stimmung in eigener Sache. Die Politik soll noch mehr Geld ins Testen statt ins Lernen stecken. Dabei sind die Methoden mehr als zweifelhaft.
Lehrer werden zu Handlangern der empirischen Bildungsforschung, Bild: www.faz.net Der Testwahn der Bildungsforscher, Wirtschaftswoche, 10.10. von Hans Peter Klein