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25. April 2021

Kinder haben immer weniger Selbstdisziplin

"Unser Gehirn reift bis ungefähr zum zwanzigsten Lebensjahr, sogar noch ein bisschen darüber hinaus. Und bei diesem Reifungsprozess nimmt der Frontalkortex eine besondere Rolle ein. Dieses Stirnhirn ist sehr wichtig für die Selbstdisziplin und die Selbstkontrolle. Der noch nicht voll ausgebildete Frontalkortex ist einer der Gründe, warum die Kinder in der Pubertät so sind, wie sie sind. Dass sie zum Beispiel Schwierigkeiten mit ihrer Aufmerksamkeit und der ­Kontrolle ihrer Emotionen haben. Kinder sind anfällig für Lust-Im­pulse. Sie sind deswegen auch anfällig für Süchte. Und jetzt kommen sie mit dem Internet in eine Welt, in der sie sofort alles haben können, was sie sich wünschen. Meine inzwischen erwachsenen Söhne haben mich als Teenager mal gefragt: «Was hast du eigentlich so gemacht, als du 16 ­Jahre alt warst?» Und als ich dann geantwortet habe: «Naja, zur Schule gehen, lesen, Sport und vielleicht alle vier Wochen mal ins Kino», fanden sie diese Vorstellung unsäglich langweilig. Kinder heute können sich gar nicht mehr vorstellen, in einer Welt zu leben, in der sie nicht alles sofort haben können".

"Eltern müssen ihre Kinder viel mehr führen", Fritz und Fränzi, 6.4. von Bianca Fritz

8. Februar 2021

Totgesagte leben länger: Wie der Mythos der Lernstile überlebt

Eigentlich klingt es einleuchtend: Die meisten von uns besitzen eine bestimmte Vorliebe, um neuen Stoff zu lernen.  Daraus hat sich die Theorie entwickelt, dass Lernstoff möglichst in der vom Lerner bevorzugten Art dargeboten werden sollte. Auf die Schule bezogen heisst dies, dass die Schüler besser lernen, wenn wir ihre individuellen Lernstile kennen und den Unterricht darauf einstellen. Soweit die Theorie – sie hat nur einen Haken: Sie stimmt nicht.


Photo by cogdogblog on Foter.com / CC BY

Totgesagte leben länger: Wie der Mythos der Lernstile überlebt. 8.2. von Urs Kalberer

14. Dezember 2020

Besonders Primarschulen kämpfen mit Problemen beim Fernunterricht

Die Schweiz eiert momentan durch die zweite Welle der Covid-19-Pandemie. Praktisch kein Tag vergeht, an dem nicht ein Kanton irgendwelche Massnahmen erlässt und beispielsweise die Turnhallen schliesst, während etwa die Restaurants geöffnet bleiben dürfen. Angesichts der zunehmend unübersichtlichen Lage geht fast vergessen, dass es doch noch einige Konstanten im Wirrwarr der Massnahmen gibt. Dazu gehören die Schulen. Kein Kanton denkt momentan daran, seine Bildungsinstitutionen zu schliessen. Die meisten Schüler, Eltern, Lehrer und Behörden tun alles, um nicht zum flächendeckenden Homeschooling zurückzukehren, wie es während der ersten Welle vom Bundesrat angeordnet worden war. 

Mehr Unterstützung bei Fernunterricht gefordert, NZZ, 10.12. von Erich Aschwanden

26. November 2020

Wer in die Tastatur haut, lernt nicht weniger

Wer den Verlust der Zukunft im Allgemeinen und den der Jugend im Besonderen beklagen möchte, findet an Schulen und Universitäten besten Treibstoff für seine Tiraden. Schüler und Studierende verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen, eine Entwicklung, die durch die Corona Pandemie verstärkt wird und weit verbreitete Elternängste bedient: Die Vorbehalte gegen alles Digitale sind mächtig, jede passende Nachricht wird gierig aufgesogen, verbreitet und ist kaum mehr aus der Welt zu schaffen, selbst wenn sie sich als unwahr entpuppt. 

Handschriftstudie hat weder Hand noch Fuss, Basler Zeitung, 26.11. von Sebastian Herrmann

25. November 2020

Warum von Hand schreiben die Kinder gescheiter macht

Neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass Kinder, welche von Hand schreiben, mehr lernen und das Gelernte besser speichern können. Gleichzeitig setzen wir in der Schule mehr und mehr auf digitalen Unterricht, welcher das Schreiben von Hand verdrängt.

Audrey van der Meer: «Handschrift braucht mehr Zeit und ist anstrengender, aber es ist wichtig, dass die Kinder da durchgehen.» Photo: NTNU / Microsoft

Warum von Hand schreiben die Kinder gescheiter macht, Urs Kalberer, 25.11.

13. Oktober 2020

Musik braucht keine Rechtfertigung durch Studien

Max Planck verfügte über ein absolutes Gehör, spielte Klavier, Cello und Orgel, und Albert Einstein hatte seit seinem sechsten Lebensjahr Geigenunterricht: Anekdoten wie diese scheinen den oft behaupteten Zusammenhang zwischen Intelligenz und dem Erlernen eines Musikinstruments zu belegen. Nicht wenige Eltern lassen ihre Kinder daher musizieren, in der Hoffnung, deren schulische Leistungen zu verbessern. Eine Studie im Fachjournal «Memory & Cognition» dämpft nun solche Hoffnungen – und entfacht den Streit um eine alte Frage neu: Macht Musik schlau? 

Im Musikunterricht können die Kinder ein Instrument erlernen - das ist doch schon mal etwas. Bild: Andrea Zahler

Macht Musik wirklich schlauer? Basler Zeitung, 12.10. von Alice Lanzke

11. August 2020

Viele Schüler haben während Lockdown nichts gelernt

Eine Studie – das sogenannte Schulbarometer – hat untersucht, was die Schulschliessungen wegen des Coronavirus mittel- und längerfristig bewirkt haben. Stephan Huber ist Professor an der Pädagogischen Hochschule Zug. Er hat die Studie mitverfasst.

Grafik: Schulbarometer

Schulbarometer

"Die Unterschiede sind grösser geworden", SRF 4 News, 10.8.

Bilanz des Heimunterrichts, SRF, 10.8. von Noemi Ackermann

31. Juli 2020

Beyond Age Effects in Instructional L2 Learning

Gemäss Raphael Berthele von der Uni Fribourg handelt es sich bei der Untersuchung von Simone Pfenninger und David Singleton um eine «ausgeglichene und einfühlsame Studie», die sich mit einem Thema befasst, das uns alle interessiert. Pfenninger und Singleton präsentieren dabei neue Daten und analysieren diese sorgsam. Die Autoren untersuchen die Auswirkungen sowohl interner als auch externer Faktoren unter Anwendung modernster statistischer Modelle.

Verlag: Multilingual Matters, 2017
Buchbesprechung Simone Pfenninger und David Singleton, 31.7. von Urs Kalberer

25. Mai 2020

Jäncke: Schulen setzen auf die falsche Lernmethode

Die Universität Zürich ist zugesperrt und Lutz Jäncke im Lockdown. Seine Lehrveranstaltungen hält er im Fernunterricht ab. Der 63-Jährige ist Professor für Neuropsychologie und hat das menschliche Lernverhalten erforscht. Die Eltern könnten das Hirn ihrer Kinder steuern, sagt Jäncke. Dabei gebe es aber einiges zu beachten. Wir erreichen ihn zwischen Onlinevorlesungen am Telefon.

«Liebe Eltern, entspannt euch!»Sonntagszeitung,  24.5.2020, Interview mit Lutz Jäncke, von Nadja Pastega 

5. Mai 2020

Kinder keine Treiber der Pandemie

Weltweit wurden bis anhin über 3,5 Millionen Infektionen mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 bestätigt, knapp eine Viertelmillion Menschen ist mit der Infektion verstorben. Unzählige Forscherteams sammeln die verschiedensten Daten zur Infektion, zum Pandemiegeschehen und zur vom Virus ausgelösten Krankheit Covid-19 und werten sie aus. Doch eine Personengruppe ist in den Daten nur schwach vertreten: die Kinder. 

Kinder sind nicht Treiber der Epidemie - warum die Öffnung der Schulen trotzdem überwacht werden muss, NZZ, 5.5. von Stephanie Kusma

11. April 2020

Rückstand von bis zu einem Jahr


Der Lockdown vergrössert die Unterschiede zwischen den Schülern. Das zeigt eine neue Studie. Die Lehrer verlangen darum mehr Hilfe, wenn die Schulen wieder öffnen.

Schulschliessung: Jeder fünfte Schüler ist gefährdet, NZZaS, 5.4. von René Donzé  

29. März 2020

Schule halten, damit es einen anscheisst


Am Dienstag wird Peter Bichsel 85 – ohne öffentliche Feier. Auf das Corona-Virus schaut er mit Fatalismus. Vor seinem Geburtstag erinnert sich der vielleicht beliebteste Schriftsteller der Schweiz an seine Anfänge, blickt als Alt-68er mit gemischten Gefühlen auf die Klimajugend und lobt Mike Müller für dessen Bichsel-Parodie.
Peter Bichsel, Bild: SRF

Peter Bichsel wird 85: «Über die Nützlichkeit dieser Epidemie möchte ich jetzt nicht nachdenken», St. Galler Tagblatt, 21.3. von Hansruedi Kugler

24. Februar 2020

Studien zur Wirksamkeit von Passepartout

In den letzten drei Jahren sind zum Thema Passepartout-Fremdsprachenprojekt vier aussagekräftige Studien durchgeführt und publiziert worden. Die Resultate zeigen ein deutliches Bild: Die Schüler/-innen, die mit der Mehrsprachigkeitsdidaktik à la Passepartout unterrichtet werden, haben in sämtlichen Kompetenzbereichen schlecht abgeschnitten.

Studien belegen die Untauglichkeit von Passepartout, Starke Schule beider Basel, 22.2. von Saskia Olsson

23. Februar 2020

Pseudowissenschaft bei den Fremdsprachen


Wir erinnern uns: Der Fremdsprachenunterricht in Schweizer Schulen beruht auf dem Sprachenkonzept der EDK von 2004. Im Wesentlichen brachte er zwei Neuerungen:
1. die Vorverlegung zweier Fremdsprachen in die 3. und 5. Primarklasse für alle Kinder,
2. die Einführung einer neuen Unterrichtsmethode, der so genannten «Mehrsprachigkeitsdidaktik».
Massgeblich stützte sich die EDK auf Expertenmeinungen, die eine markante Verbesserung der schulischen Leistungen versprachen. In seinem Artikel im «Journal of the European Second Language Association» von 2019 äussert nun aber Raphael Berthele, der frühere Leiter des Instituts für Mehrsprachigkeitsforschung der Universität Fribourg, grosse Bedenken gegen die wissenschaftliche Qualität der Empfehlungen, welche die Experten zuhanden der Bildungspolitik abgaben.[1]
An zwei Fallstudien zeigt er auf, wie leicht sich bei der Erforschung des Zweitsprachenerwerbs abgesicherte Wissenschaft mit reinem «Fürwahrhalten» (doxa) und Pseudowissenschaft vermischt hat. Er legt dar, dass im Falle des schweizerischen Sprachenkonzeptes oft nicht unterschieden wurde zwischen programmatisch (= spekulativ) formulierten Hypothesen und gesicherten evidenzbasierten Erkenntnissen[2], dass ausserdem evidenzbasierte Erkenntnisse, die auf eine bestimmte Situation zutrafen, unzulässigerweise auf Situationen mit andern Bedingungen übertragen wurden.[3] Das führte in der Konsequenz zu unsicheren Schlussfolgerungen, die sich nachteilig auf die Umsetzung im Schulbereich  auswirken konnten.


14. Februar 2020

Puppen des Zeitgeists


Alles redet über Bildung. Vom Kampf um Bildungsressourcen ist die Rede, von Bildungsreserven, von Bildungsmanagement, von Bildungsexpansion, gar von Bildungsoffensive. Die Sprache zeigt sich militant. 
Auch wenn bildungspolitische Postulate und Parolen anderes verkünden, ist die Tendenz eindeutig: Die Wissens- und Informationsgesellschaft reduziert Bildung auf Ausbildung. Spätestens seit PISA und Bologna dominiert das Kriterium der Effizienz. Gefragt sind direkt anwendbare Kompetenzen. Sie gehorchen dem Diktat der aktuellen Verwertbarkeit – und machen Kinder und Jugendliche, pointiert und als These formuliert, zu Puppen des Zeitgeistes.

5. Februar 2020

Geburtsmonat beeinflusst Schulerfolg


Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, erkennt verblüffende Zusammenhänge. So wurde 1985 auch der relative Alterseffekt entdeckt, der den Sport bis heute prägt. Der kanadische Psychologe Roger Barnsley besuchte ein Juniorenspiel der Lethbridge Broncos, als seine Frau Paula im Matchprogramm blätterte und ihr auffiel, dass der Grossteil der Spieler im Januar, Februar oder März geboren war. Im Sport wird meist nach Jahrgang unterteilt, und die Älteren starten oft mit einem Vorteil, der zu einer Aufwärtsspirale führen kann, der sie weit trägt. Bis heute tüfteln Clubs und Verbände nach Gegenmitteln, um nicht spätgeborene Talente zu verpassen.
Der Altersunterschied wirkt sich besonders in Mathematik aus, Bild: Keystone
Haben Jüngere schlechtere Chancen in der Schule? Tages Anzeiger, 4.2. von Simon Graf

2. Februar 2020

Gemeinsamer Klassenunterricht am wirksamsten

Bei Amerikas längster, teuerster und bedeutendster Studie über die Wirksamkeit von Unterrichtsmethoden an öffentlichen Schulen gab es einen überragenden Sieger, den gemeinsamen Klassenunterricht in der Form der „Direkten Instruktion“.
Die „Direkte Instruktion“ ist eine lehrerzentrierte Unterrichtsmethode zum Erlernen von Fakten- und Grundlagenwissen und zur Ausbildung kognitiver Fähigkeiten. Die Lehrperson steuert und strukturiert den Lernprozess aktiv. Die „Direkte Instruktion“ betont die Grundfertigkeiten und zerlegt sie in kleine Lernschritte. Kinder lernen beispielsweise lesen, indem sie die Aussprache der Buchstaben vor den Buchstabennamen lernen. Sie müssen jede Fertigkeit beherrschen, bevor sie zur nächsten übergehen. Die Lehrer verfolgen den Fortschritt jedes einzelnen Schülers täglich. Sie achten auf sein Verhalten und ermutigen gutes Verhalten. Schlechtes Verhalten ignorieren sie weitgehend, wenn sie es als Ausdruck eines entmutigten Schülers wahrnehmen. Sie gehen davon aus, dass sich schlechtes Verhalten von selbst erledigt, wenn der Schüler Erfolgserlebnisse im Lernen macht.
Direkte Instruktion gewinnt, Condorcet, 24.1. von Peter Aebersold

11. Januar 2020

Rollenkonlikte und Überlastung als Kündigungsgründe


Wegen Lehrermangel: Studie will herausfinden, was Lehrer in der Schule hält
Eine Studie soll klären, welche Faktoren die berufliche Mobilität von Lehrpersonen beeinflussen. Ausgangslage der Studie ist der stetig zunehmende Lehrermangel.
Laut dem Schweizerischen Bildungsbericht (2018) ist der Lehrermangel weiterhin ein steigendes Problem. So könne nur die Hälfte des jährlichen Mehrbedarfs durch neu diplomierte Lehrpersonen gedeckt werden - was negative Auswirkungen nach sich zieht.
Bild: PH Schwyz
Wegen Lehrermangel: Studie will herausfinden, was Lehrer an der Schule hält, Luzerner Zeitung, 10.1. von Raissa Bulinsky

9. Januar 2020

Wie Technologie die Schüler bremst

In einem Klassenzimmer der ersten Klasse, das ich vor einigen Jahren besuchte, verwendeten die meisten Sechsjährigen iPads oder Computer. Sie arbeiteten selbständig an Mathematikproblemen, die angeblich auf ihre Fähigkeiten zugeschnitten waren, während der Lehrer separat mit einer kleinen Gruppe arbeitete. Ich sah zu, wie ein Junge, den ich Kevin nennen werde, auf einen iPad-Bildschirm starrte, der ihn anwies, "8 und 3 zu addieren". Er war ein schwacher Leser (wie fast alle seine Klassenkameraden) und drückte den "Hören"-Knopf. Aber er hat immer noch nicht versucht, eine Antwort zu geben.
Natalie Wexler ist als Journalistin spezialisiert auf Bildungsthemen. Sie lebt in New York, Bild: Twitter
How classroom technology is holding students back, MIT Technology Review, 19. 12. 2019, von Natalie Wexler, Übersetzung ins Deutsche von Urs Kalberer