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4. Januar 2021

An digitalisiertem Unterricht führt kein Weg mehr vorbei

März 2020, die Schülerinnen und Schüler des Deutschlehrers Stefan Hofer trudeln langsam ein vor ihren Bildschirmen: Fernunterricht an einem Dienstagmorgen im Shutdown, an der Kantonsschule Enge in Zürich genauso wie an allen übrigen Schulen im Land. Die Klasse kämpft mit technischen Problemen. Kommunikationsplattformen wie Teams und Zoom sind damals noch Neuland.

Mehr Miteinander, mehr vernetztes Denken: Hat die Corona-Pandemie unsere Schulen für immer verändert? NZZ, 3.1. von Robin Schwarzenbach

17. September 2020

Projektunterricht als Dogma des pädagogischen Mainstreams

Tiefe emotionale Erlebnisse, besonders auch im musisch-kreativen Bereich, sind wertvolle Bausteine für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und der Persönlichkeit jedes Schülers. Es gibt gute Gründe für Gruppenarbeit und Schulprojekte. Diese aber zu einem pädagogischen Konzept zu überhöhen, halte ich für einen gefährlichen Irrtum.

An vielen Schulen herrscht das Primat des selbständigen Arbeitens (damit verbunden sind Projekte, erforschendes Lernen, selbstorganisiertes Lernen, schülerzentrierter Unterricht usw.). Der Lehrer übergibt die Verantwortung fürs Lernen an seine Schüler und steht nur noch beratend zur Seite.

Nun gibt es immer mehr Schulen, deren Schüler miserable Kenntnisse vorweisen können. Gerade solche Schulen rühmen sich gegenüber Eltern und in den Medien, besonders gezielt in die individuellen Stärken ihrer Schüler zu investieren. Das Individuelle soll gegenüber dem Allgemeinen gefördert werden: So tönt der aktuelle pädagogische Mainstream. Dabei fällt auf, dass nicht nur schwache Schulen, sondern auch schwache Schüler Projektunterricht bevorzugen. Das Problem ist, dass sie dabei aber weniger lernen als bei geführtem Klassenunterricht. Eine Reduktion der direkten Instruktion zugunsten einer individuellen Förderung schadet also besonders den schwachen Schülern, wie Hattie betont. Und Liessmann hat diese «Rhetorik der Individualität» als das Konzept des jungen Menschen als Humankapital entlarvt.

Projektunterricht als Glaubenssatz des pädagogischen Mainstreams, www.Condorcet.ch, 6.9. von Urs Kalberer

17. Mai 2020

Die Schere öffnet sich

Plexiglasscheiben, Sicherheitsabstände, Desinfektionsmittel: Nach zwei Monaten Fernunterricht haben die Schulen diese Woche ihren Betrieb wieder aufgenommen. Doch der Ort, der üblicherweise von Austausch und Nähe lebt, hat sich in der Corona-Krise stark verändert.

Die Schule hat zwei Defizite - und eine Chance, Tages Anzeiger, 16.5. von Raphaela Birrer

20. Oktober 2019

Die Pamirschulen


Ein normales Klassenzimmer, Linoleumboden, Neonlicht, Stifte liegen auf den Pulten, an den Wänden hängen Kinderzeichnungen. Und im Regal steht die Box mit den Ohrenschützern. Den Pamir kennt man aus dem Militär, wo er das Trommelfell gegen Lärm von knatternden Sturmgewehren und explodierenden Handgranaten schützt. Heute gehört er zum Inventar in vielen Schweizer Klassenzimmernund schützt die Schüler vor lärmiger Hektik und einem Schulklima, das die Zürcher Lehrerin Yasmine Bourgeois als «Bahnhofsstimmung» bezeichnet.
Wichtiges Schulgerät: Der Gehörschutz

Lärmschutz im Klassenzimmer, Sonntagszeitung, 20.10. von Nadja Pastega

18. August 2019

Lernen nach dem Lustprinzip


Die Sommerferien sind vorbei, die Schule fängt wieder an. Die Kinder erhalten einen neuen Stundenplan. Doch darauf steht: nichts. Weder Mathematik noch Deutsch, nicht einmal Geografie. Die Felder sind alle leer, der Schulunterricht ein weisses Blatt.
Das ist kein Irrtum, das ist ein Blick in die Zukunft. Denn Schulrevolutionäre wollen die Schule umkrempeln. Dieses Mal geht es nicht um zusätzlichen Lernstoff oder einen überarbeiteten Lehrplan, es geht um nicht weniger als die Frage, wie unsere Kinder unterrichtet werden sollen.
Revolution in der Schule: Lernen nach dem Lustprinzip, NZZaS, 18.8. von Anja Burri

19. Juni 2019

Freiburg stellt Senioren vor die Tür


Wie wäre es, wenn Schüler von Lehrern unterrichtet würden, zusätzlich aber noch von einem rüstigen Senior betreut? Die Pro Senectute Freiburg hat im Jahr 2009 genau das in mehreren Gemeinden ausprobiert und bemerkt: In den Schulen entsteht eine Win-win-Situation.
Behörden werfen Senioren aus dem Klassenzimmer, Blick, 19.6. von Flavio Razzino

6. März 2019

Im Spannungsfeld von Individuum und Kollektiv


Individualisierung – so lautet eine der wirkungsmächtigsten pädagogischen Zauberformeln. Die Digitalisierung verstärkt sie. Auf der Gegenseite schwindet die Sozialität. Ein Plädoyer fürs Sowohl-als-auch.
Zurzeit wird in den Schulen kräftig aufgerüstet. Darum werden Wandtafeln abmontiert: Tablett-Laptop mit Stift nennt sich das Allerheilmittel; Lernplattformen wie SharePoint und OneDrive, OneNote und Teams ermöglichen das papierlose Klassenzimmer. Bücher und Hefte werden sekundär. Das Digitale dominiert. Die Konsequenz: verstärkte Einzelarbeit am PC, Grossraumbüros bereits für kleine Kinder. So will es die IT-Offensive, die überall im Land gestartet wird. 
Zwischen Sozialität und Individualisierung, Journal21.ch, 6.3. von Carl Bossard


7. Dezember 2018

Neuorganisation 3. Oberstufe

Der Kanton Graubünden plant die neue 3. Oberstufe. Während total fünf Lektionen soll individualisiert werden. Die Pläne haben Auswirkungen auf die Unterrichtszeiten. Das Amt für Volksschule schlägt zwei Varianten vor:

1. Umstellung der Unterrichtszeiten

Der Unterricht hat nur noch eine Mittagspause von 70 Minuten. Das erlaubt es, pro Tag 10 Lektionen abzuhalten. Für etliche Schüler dürfte die kurze Mittagszeit auch ein Anreiz sein, das Mittagessen in der Schule einzunehmen.

2. Mittwochnachmittag Schule
Die Mittagspause wird belassen. Dafür sollen die 3. Oberstüfler nun am bisher freien Mittwochnachmittag antraben. 



































Willkommen im konstruktivistischen Wunderland

Die folgende Beschreibung findet sich in der Broschüre "Didaktik und Organisation der 3. Klassen Sek I" des Kantons Graubünden. Sie ist so unverblümt naiv, dass man sich fragen muss, ob es sich dabei um eine Parodie handelt. Aber nein, es ist echt so gemeint.
Quelle: "Didaktik und Organisation der 3. Klassen Sek I", Amt für Volksschulen Graubünden

11. April 2018

Kampf um die Schule von morgen

Die Schweizer Wirtschaft will, dass in den Schulen das individualisierte Lernen gefördert wird. In Niederhasli ist das längst Tatsache – und das Beispiel zeigt, wie steinig der Weg in die digitale Zukunft ist.
Der Kampf um die Schule von morgen, St. Galler Tagblatt, 9.4. von Dominic Wirth 

1. März 2018

Untaugliche Vorschläge zur Digitalisierung an den Schulen

Kürzlich stellte der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse seine Vision für eine Schuleder Zukunft vor. Kernpunkte darin sind die Stärkung der digitalen Technologie und ein individualisierter Unterricht in Deutsch und Mathematik. Im Folgenden sollen einzelne Punkte herausgehoben und zur Diskussion gestellt werden.
Untaugliche Vorschläge zur Digitalisierung an den Schulen, 1.3. von Urs Kalberer

6. März 2017

10 bis 15 Prozent der Kinder haben Verhaltensauffälligkeiten

Sie stellen für ihr Umfeld eine Herausforderung dar, Kinder und Jugendliche, die sich nur schlecht in ein soziales Gefüge einbinden lassen. Ganz besonders die Schulen können ein Lied davon singen. Der Umgang mit Schülerinnen und Schülern, die durch ihr Verhalten den Unterricht stören, stellt für die integrative Schule einen Knackpunkt dar. In etlichen Fällen genügen nämlich die Zusatzlektionen innerhalb der speziellen Förderung nicht. Welches sind die Hintergründe für das Phänomen? Was versteht man überhaupt unter Verhaltensauffälligkeiten? Und: Wie können Schulen und Lehrpersonen darauf reagieren? Wir haben dazu Barbara Wendel befragt, die Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Solothurner Spitäler AG (soH).
"Pro Klasse haben zwei bis drei Kinder Verhaltensauffälligkeiten", Solothurner Zeitung, 6.3. von Elisabeth Seifert

1. Februar 2017

Abgründe neuer Lernkultur

In frühkapitalistischer Zeit hatten die Beschäftigten Lebensmittel und Heizmaterial gefälligst selbst in die Fabrik mitzunehmen, wie sie auch selbst fürs Alter vorzusorgen und Ärzte zu bezahlen hatten. Erst lange gewerkschaftliche Kämpfe nahmen die Betriebe nach und nach für angemessene Ausstattung des Arbeitsplatzes, für Beteiligung an Alters- und Krankenversorgung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Fortbildung in die Pflicht.
All diese Verantwortlichkeiten stehen wieder zur Disposition, seit es jene kleinen Universalmaschinen gibt, die heutzutage nahezu jeder in der Akten- oder Hosentasche mit sich führen kann. Sie lassen sich in einem Firmengebäude genauso bedienen wie in einer Privatwohnung. Wohn- und Arbeitsraum, Freizeit und Arbeitszeit gehen wieder ineinander über. Warum soll man für Arbeiten, die feste kollektive Arbeitsräume gar nicht mehr erfordern, feste Jobs vergeben? Warum nicht jeden Computerbesitzer als Selbständigen erachten, den man als Lieferanten von Arbeitsleistungen bezahlt, statt ihn dauerhaft einzustellen? Der hübsch selbst für seine Infrastruktur und Versicherungen aufkommt, dafür aber auch seine Arbeits- und Freizeit völlig frei und selbständig organisieren darf – wenn er seine Leistungen nur vertragsgemäss erbringt. 
Lernen ohne Lehrer, Zeit-Fragen, 31.1. von Christoph Türcke

29. Januar 2017

Biedermann wünscht sich engeren Bezug zwischen Aus- und Weiterbildung

Bringt es etwas, wenn Kinder im Google-Zeitalter noch alle Flüsse Afrikas auswendig lernen müssen? Welchen Sinn machen Hausaufgaben und was bringt das altersdurchmischte Lernen? Der Liechtensteiner Professor für empirische Erziehungswissenschaften und neuer Rektor der pädagogischen Hochschule St. Gallen, Horst Biedermann, gibt Antworten.
Biedermann: "Letztendlich kommt es auf die Menschen an, welche in dem System unterrichten, Bild: zvg
Horst Biedermann: "Hausaufgaben können tatsächlich überflüssig sein", Rheinzeitung, Februar 2017, von Doris Quaderer

28. Januar 2017

Die Säulen der Schule werden heutigen Anforderungen nicht gerecht

Wer einen Lehrer als "lehrerhaft" charakterisiert, macht ihm beileibe kein Kompliment. Und "oberlehrerhaft" kommt schon in die Nähe einer Beleidigung. Auf der anderen Seite gibt auch ein schülerhaftes Verhalten keinen Anlass zu Anerkennung. Wer sich schülerhaft verhält, dem mangelt es an wichtigen personalen Kompetenzen, zum Beispiel an Selbstständigkeit. Im alltäglichen Sprachgebrauch scheinen die Rollen der schulischen Akteure nicht sonderlich positiv besetzt zu sein.

Rollen sind Konstruktionen. Sie reduzieren die Komplexität von Situation und Umständen auf bekannte Muster. Entsprechend leiten sie das Denken und Handeln in „Gebrauchsspuren". Heikel wird es spätestens dann, wenn sich Situationen und Umstände verändern, die Rollen aber beibehalten werden.
Dem Dreisatz ist es Wurst, was man aus ihm macht, Schulinfo Zug, 25.1. von Andreas Müller

6. November 2016

Homeschooling wird beliebter

Thalheim an der Thur ist ein 900-Seelen-Dorf im Norden des Kantons Zürich, mit viel Acker- und Weideland und einem bunten Primarschulhaus. 88 Kinder gehen dort zur Schule und in den Kindergarten. Doch längst nicht alle Eltern wollen ihren Nachwuchs den örtlichen Lehrern anvertrauen. Fünf Familien setzen auf Homeschooling. Damit weist das Dorf die höchste Dichte dieser Schulform, die im ganzen Kanton wieder beliebter wird, auf.
Das sorgt im Dorf für Spannungen. In der lokalen «Andelfinger Zeitung» beschwerte sich Schulpflegepräsidentin Cornelia Schumacher im letzten Herbst, dass gewisse Eltern «einfach ihr Ding durchziehen», wenn ihnen Entscheide von Experten nicht passten. Und weiter: «Ich persönlich würde das meinen Kindern nicht antun.» Prompt hielt Gemeinderatskollege Guido Roggensinger dem entgegen: «Einer Amtsträgerin steht es nicht zu, sich in die Privatsphäre der Familien und das Elternrecht auf Erziehung einzumischen.» Seinen Ärger versteht, wer weiss, dass er seine Kinder aus der Schule genommen hat. «Wir mussten die Notbremse ziehen», sagt er.
In der Regel erfüllt Homeschooling die Lernziele, Bild: Michele Limina
Ein Dorf verliert seine Schüler, NZZaS, 6.11. von René Donzé

4. März 2016

Verantwortung für das Lernen liegt beim Lehrer

Die Lernforscherin Elsbeth Stern gibt Auskunft zu Fragen rund um die Binnendifferenzierung, Lehrmethoden und Schulmodelle.








Elsbeth Stern ist seit 2006 Lehr- und Lernforscherin an der ETH, Bild: SRF
"Nicht jedem Schüler sein eigenes Süppchen kochen", SRF, 4.3. von Corinna Daus

20. Dezember 2015

In die pädagogische Rumpelkammer!

Bald jedes Jahr werden neue „ultimative“ Lern- und Lehrmethoden ausgerufen. Und verschwinden bald wieder in der Versenkung. So wie bald das „jahrgangsübergreifende“ Lernen und das Arbeitsbogenunwesen.











Mit der Qualität und Aura der Lehrpersonen steht und fällt jedes Unterrichtskonzept, Bild: picture alliance
Warum Ihr Kind bald wieder Frontalunterricht hat, Die Welt, 17.12. von Alan Posener

1. November 2015

Individualisiertes Lernen und Konstruktivismus - das Duo infernale des Desasters

Immer wieder werde ich von treuen Leserinnen und Lesern mit Texten bedient. Nicht immer aber kann ich alles berücksichtigen, ich versuche mich bei der Auswahl auf die drei Hauptfelder meines Blogs zu konzentrieren: die bildungspolitische Aktualität, die Volksschule, die Schweiz. Beim nun folgendenText zeigte mir ein Blick auf Datum und Land, dass es wohl nicht für eine Publikation reichen würde. Ich begann zu lesen und musste kurzerhand alle meine Bedenken verwerfen. Was im Text von Rainer von Kügelgen zum Ausdruck kommt, ist die Wucht und Kraft der Gedanken eines scharfen Kritikers von süffigen Modeströmungen, die letztlich die Administration mästen und das Klassenzimmer verarmen lassen.
Wenn von Kügelgen schreibt: "... die Befürworter (des individualisierten Lernens - UK) verzichten ja weitgehend auf jegliche zusammenhängende Darlegung und setzen auf die normative Wucht der administrativen Durchsetzung", dann erinnert mich das schon stark an die Zustände in der Schweiz von heute, wo am Beispiel des Lehrplans 21 jegliche Kritik ausgeblendet und Kritiker bewusst ausgegrenzt oder diffamiert werden. Walter Herzog, ein pointierter und wortgewaltiger Kritiker der Kompetenzorientierung und der Standardisierung, wie sie im Lehrplan 21 verordnet wird, regt sich zum Beispiel fürchterlich auf über Leute, die ihre Kritik am Lehrplan 21 mit allerhand lehrplanfremden Argumenten aufmunitionieren. Dieser Walter Herzog also muss sich von Bernhard Pulver, dem Berner Erziehungsdirektor, sagen lassen, er - ausgerechnet er - arbeite bezüglich des Lehrplans 21 mit Unterstellungen. Damit erreicht die Schweizer Debatte einen Pegelstand, der die in Deutschland ablaufenden Veränderungen und den damit einhergehenden Furor von Kügelgens verständlicher machen. (uk)
Hilflos gegenüber dem Machtapparat, hlz- Zeitschrift der GEW Hamburg, 1-2/2012, von Rainer von Kügelgen

30. August 2015

"Das alte System war besser"

In Baden-Württemberg sorgte eine Evaluation für Schlagzeilen: Die Gemeinschaftsschulen bringen nicht das, was sich Grün-Rot davon verspricht. Was geht das uns in der Schweiz an? Ziemlich viel. Die Gemeinschaftsschulen propagieren die Lernform des individualisierten Unterrichts. Konkret heisst das, die Kinder füllen grösstenteils einzeln Arbeitsblätter aus, die traditionelle Klassensituation, bei der alle Schüler gemeinsam am Unterricht teilnehmen, hat ausgedient. Eine Untersuchung zeigt nun, dass die Ergebnisse der neuen Lernkultur miserabel sind.
"Damit werden die Schüler betrogen", Stuttgarter Nachrichten, 27.8. Interview mit Matthias Burchardt von Frank Krause