Die Schulen stehen seit den Pisa-Studien mit ihrer forcierten Zurichtung der Schüler auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes unter gewaltigem Reformdruck: Kompetenzorientierung, Vergleichstests, zentrale Prüfungen, selbst organisiertes Lernen, computerbasierte Lernprogramme, Qualitätsmanagement und so weiter versprechen, unsere Schulen besser zu machen. Bei vielen Bildungspolitikern und Bildungsexperten herrscht geradezu eine «Goldgräberstimmung». Neuerdings fordert der Dachverband Economiesuisse sogar, die bisherigen Jahrgangsklassen aufzulösen und durch digitale Leistungsklassen zu ersetzen. «Altersdurchmischtes Lernen» nennen das die Wirtschaftsvertreter schönfärberisch. Doch im Erleben vieler Lehrkräfte bewirkt dieser Reformdruck das Gegenteil: zusätzliche Arbeitsbelastung durch Bürokratie, Ablenkung vom Kerngeschäft Unterricht, Abbau von Wissen, Preisgabe der Lehrerrolle, Rückzug aus dem Erziehungsauftrag, Verlust der Methodenfreiheit und Umsetzungsdruck durch Schulleitungen und Behörden.
Wie Schulen sanft gesteuert werden, St. Galler Tagblatt, 7.3. von Mario Andreotti