Im 19. Jahrhundert war der Fremdsprachenunterricht
in der Volksschule der deutschsprachigen Schweiz auf die Sekundarschulen
beschränkt und wurde ausschliesslich wirtschaftspolitisch begründet: Die
künftige Elite sollte für eine Laufbahn in anspruchsvollen Berufen Französisch
lernen. Für die grosse Mehrheit hingegen galt das Beherrschen mehrerer Sprachen
aus pädagogischen Gründen (Überforderung) als unmöglich. Nach dem Ausbruch des
Ersten Weltkrieges befürchteten politische und intellektuelle Kreise, die
Schweiz könne entlang der Sprachgrenze auseinanderbrechen. Dem
Fremdsprachenunterricht wurde deshalb neu eine nationalpolitische Bedeutung
zugewiesen: Schülerinnen und Schüler sollten die Landessprachen lernen, die
Mehrsprachigkeit der Schweiz sollte Teil ihrer Identität werden. Von einer
besseren Verständigung über die Sprachgrenzen hinweg erhoffte man sich einen
Beitrag zur Sicherung des nationalen Zusammenhalts. Dieser Anspruch richtete
sich im Zuge der geistigen Landesverteidigung an alle Schülerinnen und Schüler.

Die Autoren fordern Kompromissbereitschaft und Mässigung, was uns teuer zu stehen kommt, Bild: germanlessonsgta.wordpress.com
Für eine Mässigung in der Fremdsprachenfrage, NZZ, 28.10. von Lucien Criblez, Anja Guidici und Flavian Imlig