«Massiv mehr Übergriffe», titelte der Sonntagsblick,
darunter in fetter gelber Schrift: «Diskriminierung an den Schulen nimmt zu!»
Im Text folgten Sätze wie: «Die Schweiz ist in dieser Hinsicht europaweit ein
negatives Vorbild.» Da war die Rede von rassistischen Chauffeuren, die
Migranten aus dem Bus werfen, Bademeistern, die Schwarzen das Warmwasser
abstellen, und Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder mit Migrantenkindern
unterrichtet werden. Ein kleiner Junge wurde sogar als «Ebola-Kind» beschimpft.
Insgesamt 301 Fälle zählen die Rassismusberatungsstellen: Das ist
nicht mal einer pro Tag, darunter keine einzige Gewaltanwendung. Bei einer
Bevölkerung von 8,4 Millionen, wobei ein Viertel davon Migranten sind,
eigentlich eine überschaubare Zahl. Trotzdem fordert die Präsidentin der
Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Martine Brunschwig-Graf, einen
besseren Opferschutz, sprich neue Gesetze: «Der gesetzliche Schutz vor
Diskriminierung ist in der Schweiz ungenügend.» Dabei wird die ominöse Dunkelziffer
ins Feld geführt – wohl in der Annahme, dass diese Zahlen wenig hergeben. Viele
rassistische Vorfälle würden, so eine Rassismusberaterin, gar nicht erst
angezeigt.
Der wahre Rassismus an den Schulen, Weltwoche, 25.4. von Alain Pichard