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16. Januar 2021

Das pädagogische Pendel

„Il näsch“. So schrieb vor einiger Zeit ein junger Gymnasiast das Französisch-Sätzlein „il neige“ auf. Der Schüler wollte sich den Ausdruck einprägen; doch eine trendige Didaktik verbot das (Auf-)Schreiben. Die damalige Fremdsprachen-Methode setzte ganz auf das Audiovisuelle, auf Ton und Bild. Schriftliches blieb tabu. Das Einseitige mit dem Primat des Mündlichen benachteiligte bestimmte Lerntypen. Sie behalfen sich mit unbeholfenen Notizen. So gut es eben ging. Das Unterrichtskonzept ist in der Zwischenzeit zwar verschwunden, nicht aber der Degout vieler Schüler vor dem Französisch.

Guter Unterricht lebt vom Dialektischen, Journal21.ch, 15.1. von Carl Bossard

31. Dezember 2020

Lernbegleiter sind Arbeitsverweigerer

Im Interview mit dem Magazin “Realist” äussert sich der promovierte Pädagoge und Medienexperte Prof. Dr. phil. Ralf Lankau zum Thema “Digitale Transformation von Schule?” Für ihn ist der Einsatz von Medientechnik kein Qualitätsmerkmal von gutem Unterricht, er warnt gar vor den übersteigerten Versprechungen digitaler Zukunftsvisionen, hinter denen sich Interessen verbergen, die in der Schule definitiv nichts zu suchen haben. Ralf Merkle, Landesgeschäftsführer Realschullehrerverband Baden-Württemberg RLV, hat das hier gekürzt wiedergegeben Gespräch geführt, das wir hier mit freundlicher Genehmigung von Ralf Lankau veröffentlichen.


Ralf Lankau, Bild: www.lehrerfreund.de

"Der Begriff Lernbegleiter ist für mich das Synonym für pädagogische Arbeitsverweigerung", Condorcet.ch, 30.12. von Ralf Lankau

17. September 2020

Projektunterricht als Dogma des pädagogischen Mainstreams

Tiefe emotionale Erlebnisse, besonders auch im musisch-kreativen Bereich, sind wertvolle Bausteine für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und der Persönlichkeit jedes Schülers. Es gibt gute Gründe für Gruppenarbeit und Schulprojekte. Diese aber zu einem pädagogischen Konzept zu überhöhen, halte ich für einen gefährlichen Irrtum.

An vielen Schulen herrscht das Primat des selbständigen Arbeitens (damit verbunden sind Projekte, erforschendes Lernen, selbstorganisiertes Lernen, schülerzentrierter Unterricht usw.). Der Lehrer übergibt die Verantwortung fürs Lernen an seine Schüler und steht nur noch beratend zur Seite.

Nun gibt es immer mehr Schulen, deren Schüler miserable Kenntnisse vorweisen können. Gerade solche Schulen rühmen sich gegenüber Eltern und in den Medien, besonders gezielt in die individuellen Stärken ihrer Schüler zu investieren. Das Individuelle soll gegenüber dem Allgemeinen gefördert werden: So tönt der aktuelle pädagogische Mainstream. Dabei fällt auf, dass nicht nur schwache Schulen, sondern auch schwache Schüler Projektunterricht bevorzugen. Das Problem ist, dass sie dabei aber weniger lernen als bei geführtem Klassenunterricht. Eine Reduktion der direkten Instruktion zugunsten einer individuellen Förderung schadet also besonders den schwachen Schülern, wie Hattie betont. Und Liessmann hat diese «Rhetorik der Individualität» als das Konzept des jungen Menschen als Humankapital entlarvt.

Projektunterricht als Glaubenssatz des pädagogischen Mainstreams, www.Condorcet.ch, 6.9. von Urs Kalberer

14. Juni 2020

Die Rehabilitation der Pädagogen

In den Schulen setze sich manches „über die Erkenntnisse der Hirnforschung und Lernpsychologie hinweg“, beklagt der Zürcher Neurowissenschaftler Lutz Jäncke. Der bekannte Neuropsychologe erforscht das menschliche Lernverhalten. Seit 2002 lehrt er an der Universität Zürich. In einem Interview mit der SonntagsZeitung spricht Jäncke Klartext [i]: Vieles in der Schule sei von Bildungstheoretikern entworfen und manches Konzept nicht den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen angepasst, so sein Fazit.

25. Mai 2020

Jäncke: Schulen setzen auf die falsche Lernmethode

Die Universität Zürich ist zugesperrt und Lutz Jäncke im Lockdown. Seine Lehrveranstaltungen hält er im Fernunterricht ab. Der 63-Jährige ist Professor für Neuropsychologie und hat das menschliche Lernverhalten erforscht. Die Eltern könnten das Hirn ihrer Kinder steuern, sagt Jäncke. Dabei gebe es aber einiges zu beachten. Wir erreichen ihn zwischen Onlinevorlesungen am Telefon.

«Liebe Eltern, entspannt euch!»Sonntagszeitung,  24.5.2020, Interview mit Lutz Jäncke, von Nadja Pastega 

23. Februar 2020

Die Welt der Kinder als Goldgrube für Sozialarbeiter


Unter dem Titel der Chancengerechtigkeit und im Namen der Gesundheits- und Frühförderung kommt die Familie als privater Ort kindlicher Prägung immer mehr unter die Räder eines zunehmend kollektivistischen Staats, der den Eltern je länger, je weniger Erziehungsfähigkeit zugesteht.
Das Kind, der Staat und die Eltern, NZZaS, 23.2. von Claudia Wirz

16. Februar 2020

Direkte Instruktion auch an Hochschulen erfolgreich


Mario Andreotti, Sie lehren heute an einer Pädagogischen Hochschule. Erleben Sie es da, dass Studierende auf Whatsapp schreiben, während Sie unterrichten? 
Ja, das kommt vor, vor allem in Vorlesungen, und ärgert mich denn auch, zumal ich mich bemühe, inhaltlich und rhetorisch ansprechende Vorlesungen zu halten. Allerdings kann ich wenig dagegen tun, wenn sich Studierende hinter ihren Laptops «verbergen» oder auf ihren Handys Nachrichten schreiben. Zum einen fehlt dazu die rechtliche Legitimation und zum andern befinde ich mich fast immer in einem Beweisnotstand. Ist es aber offensichtlich, dass Studierende durch Laptops und Handys abgelenkt sind, reagiere ich und verweise sie auf ihre künftige Rolle als Lehrpersonen. Das nützt dann meistens.
"Selbstgesteuertes Lernen ist oft ziellos", St. Galler Tagblatt, 14.2. von Felix Mätzler

26. Januar 2020

Chancengleichheit als Fata Morgana


Als Gouverneur im südlichen Russland soll der Feldherr Grigori Alexandrowitsch Potemkin (1739–1791) seine Soldaten angewiesen haben, entlang von Strassen Kulissendörfer zu errichten. Dies, um Katharina der Grossen (1729–1796) Fortschritte bei der Besiedelung vorzutäuschen, als sie sich auf einer Inspektionsreise durch die neuen Provinzen befand. Diese Geschichte ist allerdings erfunden, eine pure Legende, die Potemkin von Neidern am Zarenhof angedichtet wurde.
Doch das geflügelte Wort von den «Potemkinschen Dörfern» ist geblieben und steht bis heute für die Vorspiegelung falscher Tatsachen. Nun ist das Bedürfnis nach einer Verschönerung von Sachverhalten ja nie aus der Mode gekommen. Es wird heute sogar ziemlich exzessiv ausgelebt – nicht zuletzt im Bildungsbereich. Genauer betrachtet ist dieser mittlerweile ein einziges grosses Potemkinsches Dorf, und eine Hauptgasse dieser Kulissensiedlung soll hier besichtigt werden: die Verpflichtung der Volksschule, in einer scharf auf Konkurrenz angelegten Gesellschaft Chancengleichheit herzustellen.

17. Januar 2020

Selbstgesteuertes Lernen im Aargau


Manchmal denkt man, ob jetzt der Journalist so schwach war, oder ob es wirklich möglich sei, dass ein Referent so mies ist. Im Aargau herrscht Aufbruchstimmung: Lernateliers und Gruppenarbeitsplätze werden gefeiert. Wenn dann die Leiterin der PH-Beratungsstelle digitale Medien auch noch ihre in die Jahre gekommenen Plattitüden von sich gibt, dann darf man sich auf einen unterhaltsamen Bericht freuen: Ist der Frontalunterricht wirklich passé? (uk)
Frontalunterricht ist überholt: "Die Schule ist eher ein Kaffeehaus als ein Theatersaal", Aargauer Zeitung, 17.1.

14. Januar 2020

Selbstorganisiertes Lernen produziert Chancenungleichheit


Vor ein paar Wochen konnte man in verschiedenen Zeitungen lesen, Tausende Schülerinnen und Schüler würden wegen des enormen Schuldrucks in der Psychiatrie landen. Der Leistungsdruck in unseren Schulen sei absolut besorgniserregend, wie Psychiater, aber auch Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz, meinen. Der Druck habe in den letzten Jahren stark zugenommen. Der Schüler müsse überall Topleistungen bringen. Wenn nicht, werde er abgeklärt und in die Nachhilfe geschickt. Die Folgen seien grosse Unsicherheit, Angst und Orientierungslosigkeit. Funktioniere alles nicht mehr, komme es oft zum Zusammenbruch.
Wenn die Schule überfordert, BZ Basel, 14.1. von Mario Andreotti

7. November 2019

Lernen nach dem Lustprinzip

Motivation statt Drohungen: Der «Intrinsic Campus» will vom eigenen Interesse geleitetes Lernen an Volksschulen bringen und bildet dazu Lehrpersonen aus. Bei Bildungsexperten stösst das Lernen nach dem Lustprinzip allerdings auf Skepsis.
Das "Office" der Sekundarschule Niederhasli ZH, Screenshot SRF
Lernen nach dem Lustprinzip, SRF 10 vor 10, 6.11.

26. Oktober 2019

Verlockungen des selbstbestimmten Lernens


Was Erziehung und Bildung heute wesentlich beeinträchtigt, sind die Scheinwelten, in denen Kinder und Jugendliche häufig aufwachsen. Konsumtempel, Freizeitindustrie und vor allem die Medien prägen die Lebenswelt der Heranwachsenden so stark, dass sie mit den Notwendigkeiten realen Lebens oft kaum mehr zurechtkommen. Schule und Lernen erscheinen dann als lästige Unterbrechung einer fortgesetzten Unterhaltungskultur und müssen daher mindestens genauso viel Spass machen.
"Frontalunterricht effizienter als Lustprinzip": Mario Andreotti, Bild: Aargauer Zeitung
Muss Schule immer Spass machen? BZ Basel, 26.10. von Mario Andreotti

20. Juli 2019

Mehr Wegweiser und Leitplanken


Digitalisierter Unterricht, Integration von leistungsschwachen und hochbegabten Schülerinnen und Schülern in Regelklassen, Wegrationalisierung von Kleinklassen. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder in teure Privatschulen, weil sie in der öffentlichen Schule «untergehen». Laut «Blick» hat sich die Zahl der Privatschülerinnen und -schüler im Kanton Zürich in den letzten zwanzig Jahren verdoppelt.
Woran krankt unser Schulystem, Schweizer Illustrierte, Familienblog, 21.6. von Sandra C.

10. Juli 2019

Wenn Lehrer den Schulen davonlaufen


Was Kritiker der überstürzten Bildungsreformen schon längst vorausgesagt haben, ist nun eingetreten: ein Lehrer­mangel enormen Ausmasses, der Schulbehörden und Schulleiter immer häufiger zwingt, an unseren Volksschulen Personen in die Klassenzimmer zu holen, die sich entweder noch im Studium an einer Pädagogischen Hochschule befinden oder sonst wie weder fachlich noch pädagogisch-didaktisch genügend ausgebildet sind. Dabei werden für den sich zuspitzenden Lehrermangel von Seiten der Behörden und Bildungsexperten mehrheitlich Gründe genannt, welche die wahren Ursachen verschleiern. Es ist da von zu tiefen Einstiegslöhnen, von zu grossen Klassen, von steigenden Schülerzahlen und dergleichen mehr die Rede. Das mag ja alles stimmen.

Wenn Lehrer den Schulen davonlaufen, St. Galler Tagblatt, 5.7. von Mario Andreotti

20. Juni 2019

Frankreich zerstört die Volksschule – wir sind auf dem gleichen Weg


In Frankreich wurde 1999 die «Charta zum Aufbau der Schule des 21. Jahrhunderts» veröffentlicht, die das Schulsystem in einen „Ort des Lebens für unsere Kinder“ verwandeln will. Bildungsminister Jack Lang (2000–2002) gab die Losung aus: «Die Schule muss ein Lebensraum sein!» Diese Bildungsrevolution ersetzt das durch Unterricht vermittelte Wissen durch Aktivitäten, bei denen die Schüler sich ihr Wissen selber erarbeiten sollen: Die Schule darf keine Schule mehr sein.
Frankreich zerstört die Volksschule – wir sind auf dem gleichen Weg, Zusammenfassung von Peter Aebersold, 20.6.

16. Juni 2019

Was steckt hinter den Massenkündigungen?


Schon wieder gibt es eine Reihe von Massenkündigungen von Lehrern in der Deutschschweiz. Trotz heimlichen Stillschweigeabkommen (Drohungen mit der Treu- und Schweigepflicht, Datenschutz usw.), Verwedelungstaktik (verschleierte Kündigungsgründe) und völlig fehlender Transparenz dringen immer wieder Details über die Hintergründe von Massenkündigungen durch Lehrer an die Öffentlichkeit, die sich wie ein roter Faden durch alle bisher veröffentlichten Fälle ziehen. 
Massenkündigungen - der Widerstand wächst, Peter Aebersold, 16.6.

13. Juni 2019

Schulpsychologe kritisiert Schulbehörde und Bildungsdepartement

Willi Ruoss macht sich Sorgen. Der ehemalige Thurgauer Schulpsychologe wohnt in Wigoltingen und hat die Konflikte in der dortigen Schule hautnah miterlebt. Dass so viele Lehrpersonen kündigten, schreibt er jedoch nicht nur dem neuen Tempo und der Führungsstruktur zu, sondern vor allem auch dem pädagogischen Konzept, welches die beiden neuen Schulleiter Mirko Spada und Philipp Zimmer nach Wigoltingen brachten.
Beide kommen aus Privatschulen, welche eine hohe Autonomie des Kindes ins Zentrum setzen. «Es tönt sympathisch, human und kindszentriert, aber es ist gefährlich», sagt Willi Ruoss. Es sei eine Überbetonung der kindlichen Selbstständigkeit. Er weiss, dass diese Ideologie und deren Umsetzung einer der Streitpunkte zwischen den Oberstufenlehrern und der Schulleitung waren. «Die Lehrer haben sich zu Recht gewehrt.»
"Die Behörde wurde geblendet", Thurgauer Zeitung, 13.6. von Sabrina Bächi

12. Juni 2019

Wahre Ursachen des Bildungsabbaus zur Kenntnis nehmen

Die Ergebnisse des ersten nationalen Bildungsvergleichs sind unbestritten miserabelausgefallen (NZZ 25. 5. 19). Von dem bei Pisa 2018 noch hochgejubelten «Europameister im Rechnen» erreichen 40 Prozent der Schüler die minimalen Grundkompetenzen in Mathematik nicht. Die sprachlichen Kompetenzen wurden nur teilweise überprüft, für Sprechen und Schreiben liegen keine Testergebnisse vor. Kein Wunder, hat sich die EDK erst nach zwei beziehungsweise drei Jahren getraut, die Resultate zu veröffentlichen. Über die Ursachen gibt es viele Spekulationen. Nur eines scheint gemäss den Bildungsverantwortlichen klar zu sein: Mit dem Reformpaket Lehrplan 21 habe es nichts zu tun, weil er zur Testzeit 2016/17 noch gar nicht eingeführt gewesen sei. Auffallend ist, dass die Resultate bei den weniger reformfreudigen Kantonen meist besser ausgefallen sind.
NZZ, 12.6. Leserbrief von Peter Aebersold

2. Juni 2019

Nationaler Bildungsvergleich und Lehrplan 21


Die Ergebnisse des ersten nationalen Bildungsvergleichs sind unbestritten miserabel ausgefallen. Von dem bei Pisa 2018 noch hochgejubelten „Europameister im Rechnen“ erreichen 40% der Schüler die minimalen Grundkompetenzen in Mathematik nicht. Die sprachlichen Kompetenzen wurden nur teilweise überprüft, für Sprechen und Schreiben liegen keine Testergebnisse vor. Kein Wunder hat sich die EDK erst nach zwei, respektive drei Jahren getraut, die Resultate zu veröffentlichen. Über die Ursachen gibt es viele Spekulationen. Nur eines scheint gemäss den Bildungsverantwortlichen klar zu sein, mit den Reformpaket Lehrplan 21 habe es nichts zu tun, weil er zur Testzeit 2016/2017 noch gar nicht eingeführt worden sei. Auffallend ist, dass die Resultate bei den weniger reformfreudigen Kantonen meist besser ausgefallen sind.
Nationaler Bildungsvergleich und Lehrplan 21, Peter Aebersold, 31.5.

30. Mai 2019

"Deutschland verdummt"

Dr. Michael Winterhoff, Psychiater - Der Kinder- und Jugendpsychiater setzt sich in seinem Buch "Deutschland verdummt" mit dem Bildungssystem auseinander. Er erklärt, warum das Bildungssystem die Zukunft der Kinder verbaut.

Markus Lanz, ZDF, 23.5.