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7. März 2021

Von Südkorea lernen

Roland Reichenbach ist Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Zürich. Er findet, wer grundsätzlich Mühe mit dem Auswendiglernen habe, solle lieber nicht als Lehrperson tätig sein. Auch zu anderen Themen äussert sich Reichenbach erfrischend undiplomatisch. Ein Text zum Aufhängen im Lehrerzimmer.

Roland Reichenbach entlarvt "pädagogische Phraseologie und Sloganistik", Bild: savoir-suisse.ch 
"Warum sollte man die Namen der Hauptstädte nicht auswendig lernen?", NZZ, 6.3. von Alain Pichard

4. März 2021

Lernplattformen kein Ersatz für das Schulbuch

Virtuelle Klassenzimmer, Erklärvideos und Online-Übungen haben in den vergangenen Monaten einen Aufschwung erlebt. Laut Experten ist aber Zurückhaltung gefragt.

Digitale Lernplattformen boomen in der Corona-Krise – doch ein Ersatz für das gute alte Schulbuch sind sie nicht, NZZ, 4.3. von Nils Pfändler

28. Februar 2021

Gemeinsame Vision von Bildung

Lehrerinnen und Lehrer, die vom Miteinander überzeugt sind und in Grundprinzipien übereinstimmen, erreichen bei ihren Schülern bessere Lernerfolge. Entscheidend ist die Schulleitung. Das zeigt die Forschung.

Pädagogisch wirken durch Zusammen-Wirken, Journal21.ch, 27.2. von Carl Bossard

27. Februar 2021

Autochthon und neurotypisch

Lieber Ludwig

Du fragst, was ich inmeiner Schulzeit gelernt habe. Zuerst einmal, was ich nicht gelernt habe: Latein. Darum musste ich nachschlagen, was das heisst, non scholae, sed vitae. Servicebeitrag für alle, die auch kein Latein können und zu faul waren zum Nachschauen: Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir. Schon etwas gelernt. Wir machen gleich weiter und lernen zwei tolle neue Wörter. Die kann man super gebrauchen, um Kinder zu beschreiben. 

Wer bestimmt schon, was normal ist, Südostschweiz, 27.2. von Samantha Zaugg

21. Februar 2021

"Ich bin diesem Lehrer herzlich dankbar"

Liebe Samantha

100000 Franken Steuergeld für deine obligatorische Schulzeit, das findest du viel? Lohnt sich doch, oder nicht? Die Schule steigt ja zum nationalen Standortvorteil Nummer 1 auf. Bildung, unsere einzige Ressource! Der Schöpfergott hat uns ein hübsches Panorama gebastelt – doch nichts darunter versteckt, oje oder Gott sei Dank, jetzt können wir uns nur selber helfen. Mit Schulung, wie sonst? So gerät jede Pisa-Studie zum Generalcheck helvetischer Zukunfts(un)fähigkeit: Mist, die Südkoreaner sind wieder besser im Rechnen, die Norweger im Lesen! Wer ist schuld – die Lehrer, die Politik, die Wellness-Pädagogik? Da muss etwas passieren. Sonst werden wir abgehängt. Am Ende liegen wir erneut hinter den Österreichern zurück. 

Meine Schule damals? Schluss mit lustig, fertig Kindheit! Südostschweiz, 20.2. von Ludwig Hasler

8. Februar 2021

Totgesagte leben länger: Wie der Mythos der Lernstile überlebt

Eigentlich klingt es einleuchtend: Die meisten von uns besitzen eine bestimmte Vorliebe, um neuen Stoff zu lernen.  Daraus hat sich die Theorie entwickelt, dass Lernstoff möglichst in der vom Lerner bevorzugten Art dargeboten werden sollte. Auf die Schule bezogen heisst dies, dass die Schüler besser lernen, wenn wir ihre individuellen Lernstile kennen und den Unterricht darauf einstellen. Soweit die Theorie – sie hat nur einen Haken: Sie stimmt nicht.


Photo by cogdogblog on Foter.com / CC BY

Totgesagte leben länger: Wie der Mythos der Lernstile überlebt. 8.2. von Urs Kalberer

4. Januar 2021

An digitalisiertem Unterricht führt kein Weg mehr vorbei

März 2020, die Schülerinnen und Schüler des Deutschlehrers Stefan Hofer trudeln langsam ein vor ihren Bildschirmen: Fernunterricht an einem Dienstagmorgen im Shutdown, an der Kantonsschule Enge in Zürich genauso wie an allen übrigen Schulen im Land. Die Klasse kämpft mit technischen Problemen. Kommunikationsplattformen wie Teams und Zoom sind damals noch Neuland.

Mehr Miteinander, mehr vernetztes Denken: Hat die Corona-Pandemie unsere Schulen für immer verändert? NZZ, 3.1. von Robin Schwarzenbach

31. Dezember 2020

Lernbegleiter sind Arbeitsverweigerer

Im Interview mit dem Magazin “Realist” äussert sich der promovierte Pädagoge und Medienexperte Prof. Dr. phil. Ralf Lankau zum Thema “Digitale Transformation von Schule?” Für ihn ist der Einsatz von Medientechnik kein Qualitätsmerkmal von gutem Unterricht, er warnt gar vor den übersteigerten Versprechungen digitaler Zukunftsvisionen, hinter denen sich Interessen verbergen, die in der Schule definitiv nichts zu suchen haben. Ralf Merkle, Landesgeschäftsführer Realschullehrerverband Baden-Württemberg RLV, hat das hier gekürzt wiedergegeben Gespräch geführt, das wir hier mit freundlicher Genehmigung von Ralf Lankau veröffentlichen.


Ralf Lankau, Bild: www.lehrerfreund.de

"Der Begriff Lernbegleiter ist für mich das Synonym für pädagogische Arbeitsverweigerung", Condorcet.ch, 30.12. von Ralf Lankau

20. Dezember 2020

Unser Verstand führte uns in eine fatale Sackgasse

Wenn wir unser Zusammenleben auch in Corona-Zeiten menschlich gestalten wollen, sollten wir versuchen, vor allem das zu bewahren und zu stärken, was uns als Menschen ausmacht. Wir müssten also nach dem menschlichen Herausstellungsmerkmal suchen, das uns nicht nur von anderen Lebewesen, sondern nun vor allem auch von unseren digitalen Geräten, Robotern und Automaten grundsätzlich unterscheidet.

Anweisung zum Unglücklichsein - was die Corona-Massnahmen mit unseren Kindern machen, NZZ, 19.12. von Gerald Hüther

9. Dezember 2020

Wir werden je länger, je dümmer

Das Zeitalter des Wissens ist vorbei», durchfuhr es mich. Ich stand da, in der Hand das Smartphone, im Kopf die Frage der Kinder nach den Planeten des Sonnensystems. Stand da und googelte, was ich doch eigentlich wusste. Lag es an diesem «eigentlich»? Daran, dass Kinder sich alles einprägen – auch Fehlinformationen? Oder lag es schlicht an der digitalen Omnipräsenz von Antworten, allzeit griffbereit, verfügbar und bequem? Immer öfter greifen wir zu Smartphone und Computer, wenn es um Fakten, Rechtschreibung und Routen geht. Warum? Verlassen wir uns lieber auf Google als auf unser Gehirn?

Die Banalität des Blöden, NZZaS, 6.12. von Anna Kardos

7. Dezember 2020

«Scrabble», «Ligretto», «Chicken out», «Halma» und «Die fiesen Sieben» – was ist das?

Vor kurzem fragte ich in meiner Klasse, was man eigentlich in seiner Freizeit nach Schulschluss alles tun könne, wozu es keinen Bildschirm brauche. Es wurde zuerst einmal ruhig. Hätte ich meine Schülerinnen und Schüler nach ihnen bekannten Computerspielen oder Social-Media-Plattformen gefragt, wäre ich sofort mit einer Fülle von Antworten eingedeckt gewesen. «Hinausgehen und Fussball spielen», warf schliesslich ein Bub ein, «oder halt das Zimmer aufräumen». Dann meldete sich ein Mädchen und erzählte, dass sie der Mutter beim Kochen und Putzen helfe. Ein Junge pflichtete ihr bei, er koche auch gerne mit dem Vater zusammen und zeichne oft. Ein anderer berichtete vom gemeinsamen Bauen mit Legosteinen mit dem jüngeren Bruder. Ein Mädchen erzählte begeistert von «Scrabble», «Ligretto», «Chicken out», «Halma» und «Die fiesen Sieben», das sie zu Hause spielen würden. In den Gesichtern der anderen Kinder war offensichtlicher Erklärungsbedarf zu erkennen. Das Mädchen erklärte ihnen die verschiedenen Spiele. Ein Junge hatte mittlerweile eine versteinerte, leicht beleidigte Miene aufgesetzt, und man sah ihm an, dass ihn meine Frage störte. Ich kannte seine Freizeitgestaltung und wusste, dass er sehr viel, ja, zu viel Zeit mit Computergames verbrachte. Mit der Zeit kamen doch einige Ideen zusammen, wie man die Freizeit spannend und bildschirmfrei gestalten könnte. Mir fiel jedoch auf, wie wenig Raum das gemeinsame Spielen leider in vielen Familien noch einnahm.

«Scrabble», «Ligretto», «Chicken out», «Halma» und «Die fiesen Sieben» – was ist das? Zeit-Fragen Nr. 27, 1. Dezember 2020, von Eliane Perret

28. November 2020

Wir Bildungsvollzugsbeamten

„Franz, du schaffst das!“ Mit dieser Erwartungshaltung hätten ihn die Lehrer gestärkt. So erinnert sich der Unternehmer Franz Käppeli an seine Schulzeit. (1) Der Gründer der Labor medica AG wird in eine arme Bauernfamilie geboren. Als elftes von zwölf Kindern wächst er in Muri im Freiamt auf. Sein Studium an der ETH Zürich berappt er selber. Der promovierte Biochemiker Käppeli baut eines der führenden medizinischen Laboratorien der Schweiz auf, verdient ein Vermögen und stiftet gegen 15 Millionen Franken als Beitrag an die Renovation des Klosters Muri – dies mit der einzigen Begründung, seine Lehrer hätten ihm viel zugetraut und ihn ermutigt.

Setzt sich für besseren Unterricht ein: Carl Bossard, Bild: meinbezirk.at 
"Franz, du schaffst das!", Journal21.ch, 27.11. von Carl Bossard

26. November 2020

Wer in die Tastatur haut, lernt nicht weniger

Wer den Verlust der Zukunft im Allgemeinen und den der Jugend im Besonderen beklagen möchte, findet an Schulen und Universitäten besten Treibstoff für seine Tiraden. Schüler und Studierende verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen, eine Entwicklung, die durch die Corona Pandemie verstärkt wird und weit verbreitete Elternängste bedient: Die Vorbehalte gegen alles Digitale sind mächtig, jede passende Nachricht wird gierig aufgesogen, verbreitet und ist kaum mehr aus der Welt zu schaffen, selbst wenn sie sich als unwahr entpuppt. 

Handschriftstudie hat weder Hand noch Fuss, Basler Zeitung, 26.11. von Sebastian Herrmann

18. November 2020

Studie zu Schulschliessungen

Wie gut haben Schülerinnen und Schüler im Lockdown gelernt? - Eine Frage, die Bildungsfach leute, Lehrpersonen und Eltern nach wie vor umtreibt. Bisherige Studien dazu basierten lediglich auf Umfragen. Jetzt belegen Forscher der britischen Universität Oxford erstmals anhand tatsächlicher Leistungen von Primarschülern vor und nach dem Lockdown: Der Lernfortschritt blieb rund 20 Prozent unter dem erwarteten Wert.

Primarschüler leiden unter Schulschliessungen, Tages Anzeiger, 18.11. von Simone Luchetta

19. Oktober 2020

Als man im Kindergarten noch spielte

Sändele, Liedchen singen, mit Holzklötzchen bauen, spielen – all das machte ich in den letzten beiden Jahren des Zweiten Weltkrieges im Kindergarten beim Erasmusplatz bei Fräulein Tanner. Sogar spielen durften wir nach Lust und Laune. So lieb war unser Fräulein.

Das einfühlsame Fräulein Pototzka, Online Reports, 19.10. von Peter Achten

27. September 2020

Verzicht als Lernschritt

Heute ist es sehr verbreitet, Kinder früh zu fördern. Sie besuchen Sprachkurse, lernen bereits ein Musikinstrument oder spielen Tennis. Ihr Wochenplan ist durchgetaktet. Man möchte die Chancen für den Schulerfolg optimal gestalten. Oft steht dahinter die Angst, das Kind könne sonst den Anforderungen und dem Vergleich mit den Gleichaltrigen nicht genügen. Die heutige Forschung verweist jedoch eindeutig darauf, dass gefühlsmässige Ausgeglichenheit und die Fähigkeit, im sozialen Miteinander einen konstruktiven Beitrag zu leisten, ebenso wichtig sind für den späteren Schulerfolg wie frühes Lesen und Rechnen. Diese Kompetenzen bei einem Kind zu fördern ist oft anspruchsvoll, wie das folgende Beispiel zeigen soll.

Fit für die Schule? Fit fürs Leben? Zeit-Fragen 22.9.2020, von Eliane Perret 

17. September 2020

Projektunterricht als Dogma des pädagogischen Mainstreams

Tiefe emotionale Erlebnisse, besonders auch im musisch-kreativen Bereich, sind wertvolle Bausteine für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und der Persönlichkeit jedes Schülers. Es gibt gute Gründe für Gruppenarbeit und Schulprojekte. Diese aber zu einem pädagogischen Konzept zu überhöhen, halte ich für einen gefährlichen Irrtum.

An vielen Schulen herrscht das Primat des selbständigen Arbeitens (damit verbunden sind Projekte, erforschendes Lernen, selbstorganisiertes Lernen, schülerzentrierter Unterricht usw.). Der Lehrer übergibt die Verantwortung fürs Lernen an seine Schüler und steht nur noch beratend zur Seite.

Nun gibt es immer mehr Schulen, deren Schüler miserable Kenntnisse vorweisen können. Gerade solche Schulen rühmen sich gegenüber Eltern und in den Medien, besonders gezielt in die individuellen Stärken ihrer Schüler zu investieren. Das Individuelle soll gegenüber dem Allgemeinen gefördert werden: So tönt der aktuelle pädagogische Mainstream. Dabei fällt auf, dass nicht nur schwache Schulen, sondern auch schwache Schüler Projektunterricht bevorzugen. Das Problem ist, dass sie dabei aber weniger lernen als bei geführtem Klassenunterricht. Eine Reduktion der direkten Instruktion zugunsten einer individuellen Förderung schadet also besonders den schwachen Schülern, wie Hattie betont. Und Liessmann hat diese «Rhetorik der Individualität» als das Konzept des jungen Menschen als Humankapital entlarvt.

Projektunterricht als Glaubenssatz des pädagogischen Mainstreams, www.Condorcet.ch, 6.9. von Urs Kalberer

13. September 2020

Bewegte Schule: Glaube und Hoffnung

Die Promotoren der "Bewegten Schule" glauben ganz fest an die positive Wirkung von Herumhüpfen auf das Lernen. Der Beitrag von Puls vom Fernsehen SRF sammelt Beispiele, sagt aber auch klar, dass es keine nachweisbaren Belege für das Lernen gibt. Die Kinder wiederholen brav, was ihnen die Lehrerin dazu eingeimpft hat. Nachdenklich machen aber die Statements von Lehrkräften zu diesem Thema. Wie kann man ungestraft solchen Unsinn von sich geben? (uk)


Die dramatisch absinkende Lernfreude von der 1.- 5. Primar soll durch Bewegung in der Schule kompensiert werden. Bild: Screenshot SRF

Schule ohne Langeweile, SRF Puls, 7.9.

30. August 2020

Baustelle Schule

Entdeckt in einem Primarschulhaus: Ein farbenfrohes Bild mit dem Hundertwasser-Haus in Wien, gemalt vom Künstler selber, verziert die Tür zum Klassenzimmer. Auf den einzelnen Wohnungen leuchten 22 Kindergesichter. Jedes schaut verschmitzt unter dem gelben Schutzhelm hervor. Mitten drin der Lehrer als munterer Bauleiter. Und darüber ihr gemeinsames Motto fürs neue Schuljahr: „Wir bauen an unserer Zukunft – einzeln und im Team.“ 

Baustelle Schule, journal21.ch, 22.8. von Carl Bossard

24. August 2020

Der Mensch braucht den Menschen im Hier und Jetzt

Corona droht auch den Schulbetrieb auf den Kopf zu stellen. Mögen sich Virologen daran stossen: Maskenpflicht und Abstandsregelung im Unterricht sind aus pädagogischer Sicht problematisch, weil sie nicht zum Wesen des Menschen passen.

Virologie und Pädagogik - Corona-Hygieneregeln an Schulen sind wichtig, entscheidend aber ist das richtige Mass, NZZ, 24.8. von Klaus Zierer