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5. Oktober 2020

Sorgloser Umgang mit der Sprache hinterlässt Spuren

An eine kleine Begebenheit erinnere ich mich noch gut: Da hatte ich einem meiner Studierenden mit der Bemerkung, der Text enthalte zu viele sprachliche Fehler, eine Seminararbeit zurückgewiesen, worauf sich dieser mit dem Satz rechtfertigte: «Aber Sie haben meine Darlegungen doch verstanden.» Warum ich diese Begebenheit hier erzähle? Ganz einfach: Weil sie typisch ist für die Haltung vieler der Sprache gegenüber – einer Haltung, bei der es fast nur noch um Inhalte und nicht mehr um die formale Korrektheit der Sprache geht. Sie zeigt sich zunehmend auch im Unterricht an unseren Schulen. Wie äussert sich das konkret?

Wer unklar schreibt, denkt nicht klar - Wie geht die Schule mit der deutschen Sprache um? Mario Andreotti, Schweizer Familie, 41/2020 

16. Februar 2020

Direkte Instruktion auch an Hochschulen erfolgreich


Mario Andreotti, Sie lehren heute an einer Pädagogischen Hochschule. Erleben Sie es da, dass Studierende auf Whatsapp schreiben, während Sie unterrichten? 
Ja, das kommt vor, vor allem in Vorlesungen, und ärgert mich denn auch, zumal ich mich bemühe, inhaltlich und rhetorisch ansprechende Vorlesungen zu halten. Allerdings kann ich wenig dagegen tun, wenn sich Studierende hinter ihren Laptops «verbergen» oder auf ihren Handys Nachrichten schreiben. Zum einen fehlt dazu die rechtliche Legitimation und zum andern befinde ich mich fast immer in einem Beweisnotstand. Ist es aber offensichtlich, dass Studierende durch Laptops und Handys abgelenkt sind, reagiere ich und verweise sie auf ihre künftige Rolle als Lehrpersonen. Das nützt dann meistens.
"Selbstgesteuertes Lernen ist oft ziellos", St. Galler Tagblatt, 14.2. von Felix Mätzler

14. Januar 2020

Selbstorganisiertes Lernen produziert Chancenungleichheit


Vor ein paar Wochen konnte man in verschiedenen Zeitungen lesen, Tausende Schülerinnen und Schüler würden wegen des enormen Schuldrucks in der Psychiatrie landen. Der Leistungsdruck in unseren Schulen sei absolut besorgniserregend, wie Psychiater, aber auch Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbandes der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz, meinen. Der Druck habe in den letzten Jahren stark zugenommen. Der Schüler müsse überall Topleistungen bringen. Wenn nicht, werde er abgeklärt und in die Nachhilfe geschickt. Die Folgen seien grosse Unsicherheit, Angst und Orientierungslosigkeit. Funktioniere alles nicht mehr, komme es oft zum Zusammenbruch.
Wenn die Schule überfordert, BZ Basel, 14.1. von Mario Andreotti

6. Januar 2020

Wir wollen nicht alles verteufeln


Das Buch «Eine Kultur schafft sich ab» vereint eine Auswahl von Beiträgen zu den Themen Sprache, Schule und Bildung. Die Texte sind im St. Galler Tagblatt und in Titeln der CH Media erschienen.
"Eine Kultur schafft sich ab", SRF Regionaljournal, 6.1. von Peter Schürmann

6. November 2019

Goethe oder Google: Wer erklärt uns die Welt?


«Eine Kultur schafft sich ab», so der wenig erbauliche Titel, den der Sprach- und Literaturwissenschaftler Mario Andreotti für seine Sammlung von Zeitungskolumnen im St. Galler Tagblatt gewählt hat. Leider, muss man hinzufügen, passt diese Überschrift. Und dennoch ist es für die Zeitungsleserin jedes Mal eine Freude, ja sogar ein Hoffnungsschimmer, wenn sie auf eine der prägnanten Kritiken an unserem Bildungssystem stösst. Denn Zehntausende von Lesern können auf diesem Weg erfahren, was in unseren Schulen schiefläuft, beziehungsweise welche fatale Entwicklung in der EDK und den PHs angebahnt wurde. Der Autor lässt es aber nicht dabei bewenden, sondern zeigt auch auf, wo Korrekturen nötig und möglich sind. Auf aufschreckende Fragen wie «Verkümmert unsere Sprache im Internet?» folgen auch Antworten: «Frühdeutsch ist notwendiger als Frühenglisch», zum fatalen Niedergang des Fachs Geschichte erscheint einige Zeit später der Artikel «Warum Geschichte heute wichtiger denn je ist».
Goethe oder Google: Wer erklärt uns die Welt? Buchrezension von Marianne Wüthrich

26. Oktober 2019

Verlockungen des selbstbestimmten Lernens


Was Erziehung und Bildung heute wesentlich beeinträchtigt, sind die Scheinwelten, in denen Kinder und Jugendliche häufig aufwachsen. Konsumtempel, Freizeitindustrie und vor allem die Medien prägen die Lebenswelt der Heranwachsenden so stark, dass sie mit den Notwendigkeiten realen Lebens oft kaum mehr zurechtkommen. Schule und Lernen erscheinen dann als lästige Unterbrechung einer fortgesetzten Unterhaltungskultur und müssen daher mindestens genauso viel Spass machen.
"Frontalunterricht effizienter als Lustprinzip": Mario Andreotti, Bild: Aargauer Zeitung
Muss Schule immer Spass machen? BZ Basel, 26.10. von Mario Andreotti

27. August 2019

Freie Schulwahl? Ja, aber wie?

Die neue Präsidentin des schweizerischen Lehrerverbandes, Dagmar Rösler,lehnt in einem Interview mit dem Newsportal Bluewin eine freie Schulwahlkategorisch ab. Ihre undifferenzierte Argumentationsweise zeigt deutlich, dass es ihr nicht primär um eine möglichst gute Förderung aller Kinder geht, sondern um die Bewahrung des staatlichen Monopols im öffentlichen Bildungswesen, das heisst um Verbandsinteressen.
Freie Schulwahl? Ja, aber wie? Erwin Ogg, 27.8.

10. Juli 2019

Wenn Lehrer den Schulen davonlaufen


Was Kritiker der überstürzten Bildungsreformen schon längst vorausgesagt haben, ist nun eingetreten: ein Lehrer­mangel enormen Ausmasses, der Schulbehörden und Schulleiter immer häufiger zwingt, an unseren Volksschulen Personen in die Klassenzimmer zu holen, die sich entweder noch im Studium an einer Pädagogischen Hochschule befinden oder sonst wie weder fachlich noch pädagogisch-didaktisch genügend ausgebildet sind. Dabei werden für den sich zuspitzenden Lehrermangel von Seiten der Behörden und Bildungsexperten mehrheitlich Gründe genannt, welche die wahren Ursachen verschleiern. Es ist da von zu tiefen Einstiegslöhnen, von zu grossen Klassen, von steigenden Schülerzahlen und dergleichen mehr die Rede. Das mag ja alles stimmen.

Wenn Lehrer den Schulen davonlaufen, St. Galler Tagblatt, 5.7. von Mario Andreotti

23. Juni 2019

Privatschulen sind nicht besser


Die Nachfrage nach Plätzen an privaten Lehrinstituten steigt. Öffentliche Schulen bleiben aber ein wichtiger Pfeiler unserer demokratischen Gesellschaft, doch müssen sie in Zukunft auch wieder verstärkt ihrem Kernauftrag gerecht werden. 
Fluch und Segen der Privatschulen, St. Galler Tagblatt,  17.6. von Mario Andreotti

22. Mai 2019

Verkümmerung der musisch-ästhetischen Bildung

Wer die andauernden Forderungen nach Bildungsreformen verfolgt, erkennt schnell wiederkehrende Muster. Die zentrale Forderung ist die ökonomiekonforme Verkürzung des Unterrichts auf Wirtschafts- und Technikfächer und damit auf vermeintlich berufsbezogene Kompetenzen. Von einer umfassenden Bildung, bei der die rationale und die ästhetische Seite im jungen Menschen geschult wird, ist dabei kaum noch die Rede.
Andreotti: Wirtschafts- und Technikfächer sind auf dem Vormarsch. Bild: BZ Nordwestschweiz
Was Bildung wirklich ist, Basellandschaftliche Zeitung, 22.5. von Mario Andreotti

14. April 2019

Nicht Schulreform, sondern Totalumbau


Unter diesem Titel lud der Verein «Starke Volksschule Zürich» am 12. April zu einem Vortragsabend mit Diskussion im Pfarreizentrum Liebfrauen in Zürich ein. Im gut besetzten Saal legte Prof. Dr. phil. Mario Andreotti der gebannt lauschenden Zuhörerschaft eine breite Auslegeordnung der Irrwege vor, denen unsere Jugend in den heutigen Schulen ausgesetzt ist.
Nicht Schulreform, sondern Totalumbau, 13.4. von Marianne Wüthrich

26. Februar 2019

Glaubwürdige Vorbilder im Digitalen sein

Im «Tagblatt» legt Mario Andreotti seine Ansichten darüber dar, welcheBildungsinhalte für die Entwicklung der Schulkinder in der Primarschuleförderlicher sind, als sie mit Smartphones und Tablets auszustatten. Seine fundierten Argumente kann ich aufgrund meiner Erfahrungen als Erziehungs- und Familienberater sowie Supervisor für Lehrpersonen vollumfänglich unterschreiben.
Thurgauer Zeitung, 26.2. Leserbrief von Peter Haas-Ackermann

17. Februar 2019

Abwertung des Fachs Geschichte


Wenn wir von geschichtlichen Ereignissen, etwa vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges, hören oder lesen, mag sich uns die Frage aufdrängen, ob es in einer Zeit, die uns mit ihren eigenen Problemen schon voll in Anspruch nimmt, überhaupt noch angebracht sei, sich mit der Vergangenheit zu befassen. Die vielgehörte Antwort, es sei eben interessant zu wissen, was sich in früheren Zeiten zugetragen habe, kann uns nicht befriedigen; denn Interessantes finden wir in der Tagespresse und der Tagespolitik mehr als genug.
Geschichte ist wichtiger denn je. Aargauer Zeitung, 11.2. von Mario Andreotti

30. Januar 2019

Computer bedeutet nicht Bildung

In Debatten um den Zukunftsweg unserer Schulen ist die Optik oft auf Schlagworte ausgerichtet. „Computer flächendeckend und schon in der ersten Klasse“ steht Positionen entgegen, welche dies für eine Verengung des Blickwinkels halten. Kritik an der Vorlage „Bildungsoffensive“ vom 10. Februar.
"Nicht alles ist Förderung der Bildung", Hallowil, 28.1. von Peter Küpfer

27. Januar 2019

IT-Initiative will St. Galler Schüler zu Gewinnern machen


Die IT-Bildungsoffensive soll den Kanton St.Gallen in die digitale Zukunft katapultieren. Mit einem Sonderkredit von 75 Millionen Franken will die Regierung sicherstellen, dass die jungen St.Gallerinnen und St.Galler zu den «Gewinnern der Digitalisierung» gehören werden. Inzwischen ist sogar Bundesbern auf das Projekt aufmerksam geworden, der Wirtschaftsverband Economiesuisse ist begeistert und der «Tages-Anzeiger» orakelte diese Woche sogar von einem künftigen «Silicon Valley am Bodensee». 
Die Debatte über das digitale Klassenzimmer steht am Anfang, Ostschweiz, 27.1. von Michael Genova

8. Januar 2019

Tablets haben in Kindergarten und Primarschule nichts zu suchen


Die Geschichte der abendländischen Bildung beweist es: Kinder lernen heute nicht anders als vor 100 oder auch 200 Jahren. Sie haben im Grunde keine anderen Bedürfnisse, wenn man ihnen in Elternhaus und Schule genügend Entfaltungsmöglichkeiten für ihr Lernen und für das Spiel mit anderen bietet. Was hingegen schnell und nachhaltig gelingt, ist die Möglichkeit, Kinder auf Bildschirmmedien und auf passiven Konsum zu lenken. Dabei sind fast immer kommerzielle Interessen im Spiel. Anders gesagt, heisst das: Nicht der Mensch mit seinen Anlagen und Bedürfnissen hat sich gewandelt, sondern vielmehr der Markt, der mit der Vielfalt seiner Angebote, schon bei Kleinkindern, durch die Werbung Bedürfnisse erst weckt. Und die Eltern? Sie unterstützen das Ganze, wenn sie ihre Kinder, vielfach aus Unwissenheit, Nachgiebigkeit oder Bequemlichkeit, vor Bildschirmen und Displays «parken».
Was Kinder wirklich brauchen, Basellandschaftliche Zeitung, 8.1. von Mario Andreotti

18. November 2018

Jeder Vierte ohne Ausbildung


Keine Frage: Der Lehrermangel, der uns heute schon auf allen Stufen begegnet, spitzt sich weiter zu. Das Bevölkerungswachstum geht weiter, während viele Lehrkräfte aus geburtenstarken Jahrgängen pensioniert werden. Bis ins Jahr 2025 werden in der Schweiz 100 000 Kinder mehr zur Schule gehen, die 2000 zusätzliche Lehrkräfte benötigen. Und die werden kaum in der notwendigen Anzahl vorhanden sein. Schon heute müssen die Kantone auf Notmassnahmen zurückgreifen und Studierende bereits vor ihrem Abschluss in Klassen einsetzen.
Lasst sie endlich wieder unterrichten! St. Galler Tagblatt, 14.11. von Mario Andreotti

11. September 2018

Die öffentliche Schule ist bedroht

Die Schaffung der öffent­lichen Volksschule in der Schweiz ist eine Leistung des 19. Jahrhunderts. Während die Schule bisher eine Angelegenheit der Kirchen war, wird sie nun zur Sache des Staates, zur Staatsschule. Obwohl die Schulhoheit mit wenigen Ausnahmen bei den Kantonen verbleibt, bilden sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vor allem auf der Volksschulstufe einige Gemeinsamkeiten heraus. Die wichtigste unter ihnen ist der seit der Totalrevision der Bundesverfassung 1874 für alle Kinder freie Grundschulunterricht. Der Staat bestimmt nun die Schulzeit und die Lehrpläne; er gründet neue Schultypen, baut Schulhäuser und ruft Lehrerbildungsanstalten ins Leben.
Privatisierung - als Reform getarnt, St. Galler Tagblatt, 4.9. von Mario Andreotti

9. August 2018

Hohe Maturitätsquote lässt Studenten auflaufen

Politische Debatten über Schulreformen sind heute häufig Debatten über das Gymnasium. Sie konzentrieren sich auf die Frage, ob die Maturitätsquote zu hoch oder zu niedrig ist. Das unlängst von den Akademien der Wissenschaft Schweiz herausgegebene Weissbuch «Zukunft Bildung Schweiz» ist da nur das letzte Beispiel.
Das Gymnasium wird überbewertet, Luzerner Zeitung, 2.8. von Mario Andreotti

Fremdsprachen bedrohen Deutschkenntnisse

Eine neuere Studie des Kompetenzzentrums für Bildungsevaluation an der Universität Zürich kommt zu erschreckenden Ergebnissen: Von den 1500 Zürcher Primarschülern in der sechsten Klasse, die auf ihre Deutschkenntnisse hin befragt wurden, können nicht weniger als 36 Prozent «nur den Sachverhalt und die Zusammenhänge eines einfachen Textes verstehen». Weitere 15 Prozent bekunden bereits Mühe, «sobald aus dem Text mehr als einzelne Wörter und Zusammenhänge identifiziert werden müssen». Jeder zweite Schüler genügt nur knapp den Anforderungen, die auf der Sekundarstufe im Fach Deutsch gestellt werden. Dazu kommt, dass sich in der Sekundarschule 16 Prozent der befragten Schüler in diesem Fach völlig überfordert fühlen – doppelt so viele wie in der «ungeliebten» Mathematik. Da vermögen auch die oftmals, aus Angst vor einer klaren Wertung, viel zu hohen Noten im Fach Deutsch nicht darüber hinwegzutäuschen.
Frühdeutsch ist wichtiger als Frühenglisch, Luzerner Zeitung, 26.7. von Mario Andreotti