18. Dezember 2018

Schein-Akademisierung


Das Akademische liegt im Trend. Kaum ein anderer Begriff erfreut sich einer solch grossen Verbreitung in der öffentlichen Debatte. Ein Blick in die Tageszeitungen verrät beispielsweise, dass 42 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz über einen Hochschulabschluss verfügen (CH Media) oder dass die Schweiz «ein Volk von Akademikern» sei («Blick»). Nach Meinung von alt Bundesrat Blocher sind die in den Städten dominierenden Hochschulabsolventen schuld am Scheitern der SVP-SelbstbestimmungsInitiative. Hinsichtlich der Bundesratswahlen stellt Peter V. Kunz, Kolumnist der CH Media und Wirtschaftsrechtler, fest, dass bei einer Wahl von Karin Keller-Sutter die Mehrheit des Bundesrates «erstmals aus Nichtakademikern» besteht. Das alles ist Grund genug, sich grundsätzlich mit dem Begriff des Akademischen auseinanderzusetzen.
Zu viele "Gschtudierti", Basellandschaftliche Zeitung, 18.12. von Georg Berger

16. Dezember 2018

Informatik in der Volksschule: Primat der Pädagogik

Euphorie und Verunsicherung charakterisieren auch für die Schule das Spannungsfeld der Informatik. Einerseits glauben viele Leute, die Informatik schaffe bessere Voraussetzungen für das Lernen als der traditionelle Unterricht mit lehrenden Lehrpersonen – eine Aussage, die wissenschaftlich widerlegt ist. Anderseits wird befürchtet, die Informatik bedrohe vor allem auf unteren Schulstufen die Förderung der Grundfertigkeiten und der kulturellen Werte. Wegzudenken ist die Informatik auf allen Schulstufen nicht mehr. Ihr Einsatz muss sich aber an drei Voraussetzungen orientieren. Die Lehrpläne und der Unterricht dürfen erstens nicht technologiegeleitet ausgerichtet werden, sondern sie müssen primär pädagogisch orientiert sein. Zweitens ist bei allen Massnahmen zu überprüfen, welchen pädagogischen Mehrwert der Einsatz der Informatik bringt. Und drittens muss überlegt werden, auf welcher Schulstufe welcher Einsatz der Informatik zu sinnvollen Verbesserungen der Schule führt. 
Die Pädagogik muss an erster Stelle stehen, St. Galler Tagblatt, 5.12. von Rolf Dubs

Eltern klagen wegen langem Schulweg

Ihre Tochter brauche für den Schulweg über 40 Minuten, beklagte sich ein Elternpaar aus dem Kanton Zürich. Sie wollten deshalb, dass die Sechsjährige eine näher gelegene Primarklasse besuchen kann. Doch das Verwaltungsgericht sieht es anders.
Weshalb die Eltern einer Erstklässlerin wegen eines Schulwegs von einem Kilometer vor Gericht zogen, NZZ, 15.12. von Fabian Baumgartner

Schöne neue Unterrichtswelt


Makerspace,ein neues Unterrichtskonzept soll die Schülerinnen und Schüler besser auf diedigitale Welt vorbereiten, ist der «Thurgauer Zeitung» zu entnehmen.Einverstanden. Nur frage ich mich, wann dafür der richtige Zeitpunkt sein sollte. Gemäss Lehrplan 21 ist vorgesehen, dass bereits Erst- und Zweitklässler lernten, sich in ein Netzwerk einzuloggen und Daten abzulegen. Von der dritten Klasse an würden die Schüler Betriebssystem und Anwendungssoftware unterscheiden lernen usw.
Schöne neue Unterrichtswelt! Thurgauer Zeitung, 14.12. Leserbrief von Peter Schmid

Kreativer Raum


Ein neues Unterrichtskonzept soll die Schülerinnen und Schüler besser auf die digitale Welt vorbereiten. Beim Forum 2018 des Think Tank Thurgau (TTT) wurde es vorgestellt.
Ein Raum für Macher, Thurgauer Zeitung, 8.12. von Barbara Hettich

ICT-Berater braucht das Land


Das Modul «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 stellt viele Schulen vor Herausforderungen. In Wittenbach unterstützt Bettina Wagner künftig 100 Lehrpersonen im Umgang mit der «Riesenwelle».
Die Wellenbrecherin: Sie hilft den Lehrern bei der Informatik, St. Galler Tagblatt, 15.12. von Corinne Allenspach

Bern verteilt Stellen an Studierende


Die PH Bern will den Lehrermangel bekämpfen. Darum vermittelt die Pädagogische Hochschule ihren Studentinnen und Studenten nach dem zweiten Studienjahr eine Teilzeitstelle an einer Unterstufenklasse im Kanton Bern. Ihr Bachelorstudium verlängert sich dadurch um ein Jahr. «Im Moment ist man im Kanton für jeden Lehrer dankbar», sagt der Institutsleiter Daniel Steiner. Doch die Studierenden der PH sollen nicht bloss ein «Notnagel» sein und nur in Notfällen eingesetzt werden. Die Studierenden werden sowohl an der neuen Stelle wie auch im Studium eng begleitet.
Mit Studenten gegen den Lehrermangel, Bund, 14.12. von Naomi Jones

Fragen zum späteren Schulbeginn für Teenager


Wer selber Kinder im Teenageralter hat, kennt das Problem: Die Jugendlichen kommen am Morgen nicht in die Gänge. Das hat zu einem grossen Teil biologische Gründe. Denn mit Beginn der Pubertät verschiebt sich der lichtabhängige Schlaf-wach-Rhythmus temporär nach hinten. Das heisst, Teenager schlafen abends später ein als Kinder und Erwachsene. Um dennoch genügend Schlaf zu erhalten, müssten Jugendliche morgens länger schlafen. Müssten, denn der Stundenplan in Schule und Lehrbetrieb macht das meist unmöglich.
Deshalb wird seit Jahren darüber diskutiert, die erste Morgenlektion später beginnen zu lassen. Was «später» bedeutet, hat die amerikanische Fachgesellschaft der Kinderärzte schon 2014 in einer Empfehlung präzisiert: nicht vor 8.30 Uhr. Zum Vergleich: An Schweizer Schulen beginnt der Unterricht für viele Jugendliche bereits um 7.30 oder 7.45 Uhr.
Teenager mögen es spät, NZZ, 13.12. von Alan Niederer

15. Dezember 2018

Zusätzliche Hierarchiestufe zwischen Schulleitung und Schulpflege


Die Gemeinden sollen mehr Freiheiten bei der Organisation der Schulführung erhalten. Dies schlägt der Regierungsrat in einer Gesetzesänderung zuhanden des Kantonsrates vor. Verzichtet werden soll jedoch auf die vollständige Kommunalisierung der Schulleiterinnen und Schulleiter.
Starke Schulleitungen - autonome Gemeinden, 14.12., Regierungsrat Zürich, Medienmitteilung, 

13. Dezember 2018

Basel buchstabiert zurück und führt Einführungsklassen wieder ein

Überforderte Schüler, überforderte Lehrer: Nun lenken die Basler Behörden ein und geben dem Druck nach. Die Einführungsklassen, die seinerzeit abgeschafft wurden, werden wieder eingeführt. Damit bricht ein Element der integrativen Schulung weg.
Schulreform: Basler Behörden lenken ein, SRF Echo der Zeit, 13.12.

Themendossier Plastik


Plastik ist allgegenwärtig. Uns schockieren Berichte über Mikroplastik im Essen und Bilder von zugemüllten Stränden. Gleichzeitig erfüllen Kunststoffe unzählige Konsumwünsche. Welche Rolle spielt Plastik für unser Leben? Und wie sähe eine Welt ohne Plastik aus? Einfache Antworten darauf gibt es nicht. Schülerinnen und Schüler können jedoch das Thema von vielen Seiten her erkunden und mehr Achtsamkeit im Umgang mit Kunststoffen entwickeln. Unterrichts-Kit, Themendossier, Rollenspiel und Mystery von éducation21 geben Lehrpersonen dazu praktische Tools und altersgerechte Informationen.

12. Dezember 2018

Kampf um die Köpfe im Klassenzimmer


Private ICT-Firmen und internationale Technologiekonzerne drängen in die öffentliche Bildung. Swisscom und IBM bieten Unterricht an und gestalten Elternabende. Das führt zu Fragen.
Kampf um die Köpfe im Klassenzimmer, Journal21.ch, 12.12. von Carl Bossard

11. Dezember 2018

Sechs Thesen zur Optimierung der Ausbildung


Die Diskussion um den LEHRPLAN 21 (im Folgenden L21), die jetzt in der Öffentlichkeit unüberhörbar ist, nimmt teilweise merkwürdige Züge an. Viele Eltern seien verunsichert, heisst es beispielsweise. Aber sicher nicht durch L21, denn sie haben ihn gar nicht gelesen. Was verunsichert, sind die vielen Informationsbruchstücke und deren Interpretationen. Diese enthalten oft sowohl Klärungen, die man nachvollziehen kann, als auch Beschwichtigungen, die Misstrauen und in der Folge auch Unsicherheit hervorrufen. Im Folgenden soll weder geklärt noch beschwichtigt werden. Vielmehr geht es darum, L21 in einen etwas weiteren Rahmen zu stellen und ihn nicht aus bildungspolitischer, sondern aus ausbildungsbezogener Sicht zu gewichten und ihm alternative Überlegungen gegenüberzustellen. 
Im Würgegriff von LEHRPLAN 21, 23.11. (Überarbeitung eines Beitrags aus dem Jahr 2014) von Gerhard Steiner

Was die Eltern nicht wussten



Dass alle eine gute Schule für ihre Kinder wollen, ist klar. Wer aber dem LP21 bewusst zustimmt, kauft eine Katze im Sack und weiss möglicherweise gar nicht, ...
Vielen Eltern war gar nicht bewusst, was sie da abgestimmt haben, 10.12. von Gerhard Steiner

9. Dezember 2018

Rechtschreibung im Niedergang?


Stimmt es, dass Kinder beim Schreiben immer mehr Fehler machen? Hinter dieser Behauptung steht oft ein eher künstlicher Methodenstreit.
Rechtschreibung im Niedergang, Journal21.ch, 7.12. von Reinhard Meier

Wacht auf, Schlafmützen!


Zur möglichen Abschaffung der Schulpflegen im Aargau. Erneut nimmt der Regierungsrat Anlauf, die Schulpflegen im Kanton abzuschaffen. Die Vernehmlassung geht bald zu Ende, und alles deutet darauf hin, dass die Schulpflegen abgeschafft werden. Ich frage mich ernsthaft, weshalb die noch im Amt stehenden Behörden sich nicht gegen die Auflösung dieser wichtigen und wertvollen Institution wehren. Aus meiner langjährigen Erfahrung als Schulpfleger und Gemeinderat bin ich der Überzeugung, die Schulpflegen dürfen nicht abgeschafft werden. Vielmehr gilt es, die Aufgaben der Schulleitungen zu überprüfen, welche nicht aufgewertet werden dürfen. Das Bindeglied Schulpflege zwischen Lehrer und Eltern muss unter allen Umständen erhalten bleiben, wenn nötig mit andern und ergänzenden Aufgaben. Mitglieder der Schulpflegen, zieht eure Schlafmützen ab und kämpft für die Erhaltung der notwendigen Schulpflegen. 
Aargauer Zeitung, 4.12., Leserbrief Ruedi Gautschi-Zeier

Berufsauftrag führt zu Dienst nach Vorschrift


Im Magazin «Rundgang» des Verlags Klett und Balmer antwortet LCH-Zentralpräsident Beat W. Zemp auf die Frage, was eine gute Lehrperson ausmache: «Das Allerwichtigste ist die intrinsische Motivation. Man muss den Beruf als innere Berufung verstehen. Kinder und Jugendliche spüren, ob in einer Lehrperson das ‹feu sacré› lodert oder nicht. Das muss vorhanden sein, wenn man Kompetenzen bei Heranwachsenden fördern will.»
Dienst nach Vorschrift? ZLV-Magazin 5/18, Dezember 2018, Leserbrief von Walter Leuthold

8. Dezember 2018

Dicke Basler Kinder


Die Zahl der dicken Basler Kinder nimmt ab. Dieses erfreuliche Fazit zieht der Basler Regierungsrat im jüngsten Bericht zu den Gesundheitskosten in Basel-Stadt. Vor zehn Jahren sei noch jedes fünfte Kind adipös gewesen, heute ist es nur noch etwa jedes sechste. Erfolge sind vor allem auf Primarschulniveau und im Kindergarten zu verzeichnen. Im Chindsgi ist die Quote der Übergewichtigen in den vergangenen zehn Jahren von rund 15 auf 10 Prozent gesunken. Das Problem der Übergewichtigkeit findet sich in der Oberstufe, wo rund 25 Prozent aller Kinder zu viele Pfunde mit sich herumschleppen. Am stärksten betroffen sind die Ausländer. Seit zehn Jahren liegt die Zahl der adipösen ausländischen 9.-Klässler bei rund 40 Prozent. Markus Ledergeber, Leiter des Basler Gesundheitsdienstes, erklärt den Zusammenhang: Übergewicht hänge in erster Linie mit der sozialen Herkunft und nicht mit der Nationalität zusammen. So seien Kinder von Eltern ohne Lehrabschluss rund dreimal häufiger übergewichtig als Kinder von Eltern mit höherem Schulabschluss. Die Unterschiede nach sozialer Herkunft seien sowohl bei ausländischen als auch bei schweizerischen Kindern zu finden.
Pubertierende Pfundskerle, Schweiz am Wochenende, 8.12. von Leif Simonsen

7. Dezember 2018

Kritik am Fremdsprachenunterricht


Die Bündner Stimmberechtigten haben die Fremdspracheninitiative im September mit einer Zweidrittelmehrheit abgelehnt. Nicht vom Tisch ist aber die Kritik am Zweitsprachenunterricht, die unmittelbar nach der Abstimmung seitens der Bildungsverantwortlichen und Sprachorganisationen geäussert wurde. An diesem Punkt wollen SP-Grossrätin Sandra Locher Benguerel, CVP-Grossrätin Cornelia Märchy-Caduff, SVP-Grossrätin Valérie Favre Accola und knapp 80 weitere Unterzeichner ansetzen. Sie haben gestern eine entsprechende parlamentarische Anfrage eingereicht.
Unterricht muss besser werden, Südostschweiz, 6.12.

Neuorganisation 3. Oberstufe

Der Kanton Graubünden plant die neue 3. Oberstufe. Während total fünf Lektionen soll individualisiert werden. Die Pläne haben Auswirkungen auf die Unterrichtszeiten. Das Amt für Volksschule schlägt zwei Varianten vor:

1. Umstellung der Unterrichtszeiten

Der Unterricht hat nur noch eine Mittagspause von 70 Minuten. Das erlaubt es, pro Tag 10 Lektionen abzuhalten. Für etliche Schüler dürfte die kurze Mittagszeit auch ein Anreiz sein, das Mittagessen in der Schule einzunehmen.

2. Mittwochnachmittag Schule
Die Mittagspause wird belassen. Dafür sollen die 3. Oberstüfler nun am bisher freien Mittwochnachmittag antraben. 



































Willkommen im konstruktivistischen Wunderland

Die folgende Beschreibung findet sich in der Broschüre "Didaktik und Organisation der 3. Klassen Sek I" des Kantons Graubünden. Sie ist so unverblümt naiv, dass man sich fragen muss, ob es sich dabei um eine Parodie handelt. Aber nein, es ist echt so gemeint.
Quelle: "Didaktik und Organisation der 3. Klassen Sek I", Amt für Volksschulen Graubünden

Grosse kantonale Unterschiede bei Gymnasien


«Die Schüler aus dem Aargau sind um einiges besser vorbereitet auf das Gymnasium als diejenigen aus Baselland», sagt Florian, der im nächsten Frühjahr in Muttenz (BL) die Matur macht.
Seine Beobachtung hat einen Grund: Wenn Jugendliche im Aargau aufs Gymnasium wollen, müssen sie im Vergleich zu den Schülerinnen und Schülern aus Baselland und Basel-Stadt bessere Noten vorweisen.
Kantone setzen unterschiedliche Hürden fürs Gymnasium, SRF, 6.12. von Sabine Bitter

Kritik an Zeugnissen


Die Thurgauer Regierung verteidigt Sammelnoten im Schulzeugnis. Seit Sommer 2017 und damit seit der Einführung des neuen Lehrplans können Sekundarlehrer im Thurgau selber entscheiden, ob sie ihren Schülern in Physik, Chemie und Biologie einzelne Noten geben wollen oder nicht. Der Lehrplan Volksschule Thurgau und das dort geforderte fächerübergreifende Lernen habe dazu geführt, dass Sammelnoten neu eine Option sind. Das schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Interpellation «Thurgauer Schulzeugnisse 2017/2018 – aussagekräftig und vergleichbar?» Das Thema bewegt die Gemüter. Die sechs Kantonsräte, die den Vorstoss vor einem Jahr eingereicht haben, wollten wissen, warum Gesamtnoten möglich und warum die Zeugnisse nicht einheitlich sind.
Schulzeugnis bewegt die Politik, Thurgauer Zeitung, 4.12. von Larissa Flammer

5. Dezember 2018

Einheitslehrmittel gefährden Methodenfreiheit


Nach dem vorläufigen Ende des Abstimmungsreigens zum Lehrplan 21 sind sich Gegner und Befürworter in einem Punkt einig: Die freie Wahl der Unterrichtsmethoden muss weiterhin gewährleistet bleiben. Daran orientiert sich die Forderung nach mehr Lehrmittelfreiheit.
Einheitslehrmittel gefährden Methodenfreiheit, 5.12. von Urs Kalberer

4. Dezember 2018

Grosser Nutzen durch Latein


Ein Vorschlag: Reden wir weniger von «Latein», lieber von «Lateinunterricht». Latein ist eine Sprache wie jede andere, nur ohne «native speakers», aber mit Abertausenden von modernen und alten Büchern, von Lehrbüchern bis zu Werken der Weltliteratur, die etwa einen Shakespeare faszinierten und auch heute ungezählte Menschen anregen.
Warum wir auf den Lateinunterricht nicht verzichten sollten, NZZ, 4.12. von Theo Wirth