15. November 2018

Ein "Ja" wird Graubünden nicht isolieren


Im März 2016 beschloss die Regierung, den Lehrplan21GR auf das Schuljahr 2018/19 einzuführen. Die grosse Mehrzahl der Lehrpersonen musste dies zu Kenntnis nehmen. Gleichzeitig fingen die Gemeinden an, ihre Schulhäuser umzubauen, so dass die Kinder kompetenzorientiert, individuell und selbst-organisiert in Lernlandschaften den Schulstoff abarbeiten können. Der Lehrer wird zum Beobachter und führt Lernjournale, die Kinder üben sich in Selbstreflexion.  Und das alles, ohne dass das Volk dazu befragt wurde. Wo schon im Sinn und Geist dieser Reform Schule stattfindet, sind die Ergebnisse ernüchternd. Deshalb wäre es wichtig, die funktionierenden Teile der Volksschule zu bewahren, systembedingte Reformfehler möglichst zu vermeiden und selbstbewusst in einen sachlich geführten Dialog einzusteigen.
«Ross und Reiter» sind bekannt, 15.11. von Christoph Jäger

14. November 2018

Das Bildungsglaubensbekenntnis

"Ich glaube daran, dass jedes Kind gleich, aber einzigartig ist, voll von Begabungen und Talenten, die entdeckt und gefördert werden können; ich glaube daran, dass jedes Kind kreativ und innovativ ist und nur durch ein schlechtes Schulsystem daran gehindert wird, selbst alles zu entdecken, was es zu entdecken gibt; ich glaube, dass jedes Kind am besten selbst weiss, was und wie es lernen will; ich glaube an die Segnungen der Digitalisierung, die es jedem erlaubt, jederzeit alles zu lernen und alles zu wissen; ich glaube deshalb, dass die Belastung des jugendlichen Gedächtnisses mit Wissen unnötig, ästhetische Kanons ein Übel, Inhalte verwerflich und Frontalunterricht des Teufels ist; ich glaube an den Lehrer als Coach, als Begleiter, als Berater, der sozial kompetent im Hintergrund autonomer Lernprozesse lauert und dem nur eines verboten ist: zu lehren. Ich glaube an Teams, an Projekte, an Kommunikation. Ich glaube an die Heilige Dreifaltigkeit von Kompetenzorientierung, Individualisierung und Standardisierung. Ich glaube an die inklusive Schule und an die inklusive Gesellschaft; ich glaube an die Matura, das Abitur für alle.

Aus: Bildung als Provokation, von Konrad Paul Liessmann

Jegges Buch richtete Schaden an

Damian Miller ist Dozent an der Pädagogischen Hochschule Thurgau. Er setzt sich kritisch mit Jürg Jegges Bestseller «Dummheit ist lernbar» auseinander und sagt: «Dieses Werk hat viel Schaden angerichtet.» Jürg Jegge beschreibt in seinem Buch «Dummheit ist lernbar» (erschienen 1976) wie er Kinder, die als Schulversager abgestempelt waren, zu überraschenden Lernerfolgen bringt. Später stellt sich heraus, dass er Buben sexuell missbraucht hat. Der PH-Thurgau-Dozent Damian Miller hat mit dem emeritierten Professor Jürgen Oelkers ein Buch herausgegeben, das sich mit Jegges Bestseller kritisch auseinandersetzt.
Jegge, der Erretter «dummer Kinder», Thurgauer Zeitung, 14.11. von Ida Sandl

13. November 2018

Aargau regelt Einrichtung von alternativen Lernorten


Viele Schulen machen es längst. Auch wenn es bisher dafür keine kantonale Regelung gab. Die aktuelle Situation in vielen Klassen führte dazu, dass Lehrpersonen und Schulleitungen ausserhalb des Schulzimmers Lernorte einrichteten, um mit besonderen Schülerinnen und Schülern und widersprüchlichen Anforderungen adäquat umgehen zu können. Denn der Auftrag der Volksschule ist anspruchsvoller denn je: Sie soll alle Kinder, egal woher sie stammen, individuell fördern, für unterschiedliche Schullaufbahnen selektionieren und gleichzeitig Gemeinschaft stiften. Dass das immer weniger nur im Klassenverband im Schulzimmer geschehen kann, leuchtet ein.
Die Lizenz zum Verlassen des Klassenzimmers, Aargauer Zeitung, 8.11. von Jörg Meier

Liebe Eltern, nehmt den Kindern endlich das Smartphone weg!


Smartphones für Kinder: ja oder nein? Diese Frage spaltet gerade die Meinungen vieler Eltern. Die Hilflosigkeit wächst mit der Ausbreitung der Geräte, nach den Erwachsenen sind jetzt die Kinder dran. Letztlich gibt der Netzwerkeffekt den Ton vor. Je mehr Menschen ein solches Gerät haben, desto mehr glauben, ebenfalls eines zu brauchen. Die Debatte wird jedoch allenfalls oberflächlich geführt, nämlich als Gretchenfrage des Digitalzeitalters: Wie hältst du es mit dem Fortschritt? Stattdessen sollte man fragen: Was bringen Smartphones Kindern, und was nehmen sie ihnen?
Liebe Eltern, nehmt den Kindern endlich das Smartphone weg! NZZ, 13.11. von Milosz Matuschek

Schulkultur bricht weg


Für obligatorische Anlässe wie Schulreisen und Skitage, Schullager und Exkursionen dürfen in Zukunft nicht mehr die Eltern aufkommen. Finanzverantwortlich zeichnet die Schule; von den Eltern kann sie nur noch die Essenskosten verlangen. Mehr nicht. So hat das Bundesgericht im Dezember 2017 entschieden. Als Folge streichen einzelne Gemeinden solche speziellen Intermezzi. Das Geld fehlt. „Eine Bankrotterklärung für die Schweiz“ sei das, erklärte der oberste Schweizer Lehrer, Beat W. Zemp.
Was nicht im Stundenplan steht, www.journal21.ch, 13.11. von Carl Bossard

11. November 2018

Schreiben nach Gehör: eine Analyse


Die Methode Schreiben nach Gehör steht momentan medial und politisch im Kreuzfeuer der Kritik. Dennoch hat sie weiterhin ihre Anhänger und wird oft mit folgenden Argumenten verteidigt[1]:

1. Rechtschreibung beruht auf Konvention. Wer Wörter anders schreibt, verstösst nicht gegen die Sprache, sondern wählt eine eigene Schreibvariante, die nicht schlechter als die konventionelle sein muss. Solange verstanden wird, was gemeint ist, spielt die Orthografie keine Rolle.

2. Viel wichtiger als die Rechtschreibung ist die Kompetenz, Texte angemessen formulieren und eine Sache logisch gut darstellen zu können. Die Kreativität soll nicht durch Konzentration auf Fehlervermeidung gebremst und erstickt werden. Orthografie ist deshalb geringer zu gewichten als die inhaltlichen Aspekte.

3. Kinder übernehmen im Laufe der Zeit automatisch die korrekte Schreibweise der Wörter, wenn sie das frühe Stadium des Ausprobierens überwunden haben. Die fehlerhafte Schreibung gehört zur ersten Phase des Lernvorgangs.
Schreiben nach Gehör: Ist die Kritik berechtigt? Felix Schmutz, 8.11.

Hausaufgaben abschaffen?


Gegner meinen, Aufgaben seien ein «nutzloses Beschäftigungsprogramm». Zudem förderten sie die Chancenungleichheit. Aufgaben-Befürworter hingegen sind gegen eine «Verweichlichung der Jugend»: Hausaufgaben seien unerlässlich, denn sie sorgten für mehr Selbständigkeit und verfestigten den Schulstoff.
Hausaufgaben - endlich abschaffen? Radio SRF1, Forum, 8.11.

Evaluation des neugestalteten 9. Schuljahrs


Der Kanton Uri hatte auf das Schuljahr 2013/2014 das 9. Schuljahr neu gestaltet. Dieses sogenannte Konzept 8plus ist nun im Auftrag der Bildungs- und Kulturdirektion von der Pädagogischen Hochschule Schwyz bewertet worden. Dazu wurden 33 Interviews mit 94 Schulleitern, Lehrern und Schülern geführt.
Auswertung: Verzicht auf Fremdsprachenunterricht in Uri ist umstritten, Luzerner Zeitung, 9.11.

8. November 2018

Eine Frau Stähli für alle!


Meine erste Lehrerin hiess Fräulein Stähli. Sie war gross und schlank, und wie alle Lehrpersonen und Schülerinnen in den Siebzigerjahren trug sie gestreifte Pullis. Auf dem Klassenbild aus dem Jahre 1977 ist es ein blau-weiss gestreifter, um genau zu sein. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man beim Betrachten von Klassenfotos aus dieser Zeit meinen, gestreifte Pullis hätten damals zur Schuluniform gehört.
Erinnern Sie sich an Ihre Erstklasslehrerin? Mamablog, Tages Anzeiger, 8.11. von Karin Hofmann


Baselbieter Landrat lehnt LVB-Initiativen ab


Was sich schon mit der verunglückten,vom Kantonsgericht nachträglich korrigierten Teilungültigkeitserklärung der Initiative «Stopp dem Abbau an den öffentlichen Schulen!» gezeigt hat, manifestierte sich auch heute: Der Landrat zeigt wenig Freude an den beiden Initiativen des LVB. Er möchte sich nicht vorschreiben lassen, welche zentralen Rahmenbedingungen schulischer Qualität er als besonders schützenswert ansehen soll. Und von klaren Regeln, die ausschliesslich dann einzuhalten wären, wenn die finanzielle Situation des Kantons Sparmassnahmen auch bei der Bildung unumgänglich machen, möchte er ebenso nichts wissen. 
Landrat lehnt Initiativen ab - LVB bleibt kämpferisch, Medienmitteilung LVB, 8.11.

Das letzte Gefecht gegen den Lehrplan 21


Der neue Lehrplan erhitzt noch immer die Gemüter. Graubünden ist der letzte Kanton, der nun über zwei Initiativen abstimmt, die den Behörden die Hoheit über die Lehrpläne entreissen wollen.

Das letzte Gefecht gegen den Lehrplan 21, NZZ, 8.11. von Jörg Krummenacher

Umstrittene Lernmethode "Schreiben nach Gehör"


«Afe» statt «Affe», «Anxt» statt «Angst», «Schpass» statt «Spass»: So bringen Kinder Worte zu Papier, wenn sie «lautorientiert» schreiben.
Das Schreiben nach Gehör geht auf den verstorbenen Basler Reformpädagogen Jürgen Reichen zurück. Er entwickelte die Methode vor dreissig Jahren und revolutionierte so den Schreibunterricht im ganzen deutschsprachigen Raum: Nach Reichen sollen Kinder Wörter den Lauten entsprechend aufschreiben. Die Rechtschreibung spielt dabei vorerst keine Rolle.

Lehrplan Mathematik irritiert


Stellungnahme zum Mathematik-LP 21          FAZIT

von Dr. sc. Math. ETH Albert Fässler, Evilard

Version vom 1.11.2018

Der Mathematik-LP 21 ist dilettantisch und chaotisch. Mathematik hat wenig mit Basteln zu tun. Theorie und Anwendungen gehören zusammen und nicht in verschiedene Kompetenzschubladen. Es gibt nur eine Mathematik. Abgesehen davon ist die Ausbeute an motivierenden Anwendungen mager. Er vermittelt den fundamental falschen Eindruck, dass Mathematik aus einer unüberblickbaren Menge von eher zusammenhanglosen Kompetenzen besteht. Klare Anweisungen in der Sprache der Mathematik sind rar (Sind beispielsweise lineare und Exponentialfunktionen analytisch herzuleiten oder nicht?).
Stellungnahme zum Mathematik-Lehrplan 21, 1.11. von Albert Fässler

Lehrmittel-Freiheit in Aussicht gestellt


Ab Mitte 2020 dürften die umstrittenen Fremdsprachen-Lehrmittel Mille feuilles, Clin d’Oeil und New World aus den Baselbieter Schulzimmern verbannt werden. Geht es nach dem Willen der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, werden den Lehrerinnen und Lehrern in den Primar- und Sekundarschulen ab diesem Zeitpunkt alternative Lehrmittel für den Unterricht zur Verfügung gestellt. Dies geht aus der gestern veröffentlichten Antwort des Regierungsrats auf eine Interpellation von Landrätin Regina Werthmüller (parteilos) hervor. Voraussetzung für die Umsetzung dieser Pläne sind allerdings positive Entscheidungen im Landrat und an der Urne zur geplanten Ergänzung des Bildungsgesetzes. Die Volksabstimmung ist am 24. November 2019 geplant.
Neue Französisch-Lehrmittel ab 2020, Basler Zeitung, 8.11. von Thomas Dähler

7. November 2018

Basel-Stadt will an "Mille feuilles" festhalten


Für die Basler Regierung gibt es keinen Grund, am bestehenden Französischunterricht zu rütteln. Sie beantragt dem Parlament, einen Anzug von Stephan Mumenthaler zur Überarbeitung des Unterrichts abzuschreiben. Der FDP-Grossrat hat insbesondere die umstrittenen Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» ins Auge gefasst. Lehrpersonen klagten, dass die Lehrmittel kaum eine angemessene Überprüfung des Lernfortschritts bei Schülern ermöglichten. Mumenthaler verweist zudem auf den Kanton Bern, wo Regierung und Parlament daran seien, die Lehrmittel anzupassen.
Regierung will an Lehrmitteln festhalten, Basellandschaftliche Zeitung, 7.11.

Geschichte als Königsweg zu gutem Deutsch


Für gezielte Wortschatzerweiterung in der Erstsprache erweist sich der Unterricht in Mensch und Umwelt als Königsweg für aufbauendes Lernen. Doch Geschichte hat einen schweren Stand in der Schule.
Der Geschichtsunterricht hat einen schweren Stand – wie sich das auf die Deutschkenntnisse der Kinder auswirkt, NZZ, 7.11. von Hanspeter Amstutz

6. November 2018

"Mille feuilles" in Bern bereits am Ende

Quelle: Freies Gymnasium Bern

Lieber eine gute Bündner Schule mit Zukunft


«Lehrpläne sind heute in guten Händen, es gibt keinen Anlass, daran etwas zu ändern.» SandraLocher Benguerel, Präsidentin des LEGR, betont, dass Lehrpläne keinesfalls zumSpielball politischer und weltanschaulicher Interessen verkommen dürften und verschweigt bewusst, dass der Bildungsmarkt heute schon hart umkämpft wird. Die Stimmbürgerin und der Stimmbürger werden einmal mehr für unmündig angeschaut.  
Lieber eine gute Bündner Schule mit Zukunft, 6.11. von Markus Niederdorfer

Kantonsräte rechnen mit Lehrmittel ab


Seit seiner Einführung an der Solothurner Oberstufe steht das Lehrmittel «Clin d'oeil» in der Kritik. Derzeit wird das Obligatorium - und eine mögliche Abschaffung dessen - überprüft. Trotzdem führte das Lehrmittel zu einer ausgiebigen Diskussion im Parlament.

Gion und Fadri zur Bündner Lehrplan-Initiative


Gion und Fadri beobachten aus den Bergen den Wandel der Schulen im Tal und kommen nicht aus dem Staunen heraus. Deshalb besuchten sie Chur, um von den Leuten zu erfahren, was da los ist. Da hörten sie von der Doppelinitiative, welche sich mit Schulfragen befasst. Im Dialog versuchen sie die Sache zu entwirren, müssen aber feststellen, dass hier nicht mit gleich langen Spiessen gekämpft wird. Deshalb haben sie ihre Gespräche veröffentlicht. Diese sollen der Bündner Bevölkerung bei der Meinungsbildung dienen, damit sie wissen, worüber sie abstimmen.
Gion und Fadri, von Markus Niederdorfer

Swisscom und Co. übernehmen


Der Lehrplan 21 ist ein Riesenprojekt. Er fordert Volksschulen und Familien. Primarschüler und ihre Eltern wissen meist nur so viel darüber, als dass damit das neue Fach «Medien und Informatik» eingeführt wird. Und sogenannte Kompetenzen mehr Gewicht erhalten. In Schulen, die schon nach dem Lehrplan 21 unterrichten, hören Eltern dann immer öfter von neuen Spielprogrammen zum Rechnen oder einem programmierbaren Roboter.
Swisscom und Co. springen vor den Klassen als Lehrer ein, Blick, 5.11. von Claudia Gnehm

Lehrerverband, Schulbehörden und Schulleiter gegen Lehrplan-Initiativen


Die Doppelinitiative «Gute Schule» setzt sich aus einer Verfassungs- und einer Gesetzesinitiative zusammen. Beide stehen in einem direkten Zusammenhang. Die Verfassungsinitiative verlangt die Mitsprache des Grossen Rates und des Volkes bei wichtigen, grundsätzlichen Bildungsfragen. Bei der Gesetzesinitiative geht es um eine Kompetenzverschiebung bei der Bestimmung von Lehrplänen. Heute liegen diese Kompetenzen bei der Regierung – neu soll sie der Grosse Rat haben. «Ein Lehrplan ist ein Planungsinstrument und keine Gesetzesbestimmung», sagte Sandra Locher Benguerel, Präsidentin der Lehrpersonen Graubünden, gestern vor den Medien. «Die verlangte Kompetenzverschiebung der Genehmigung von Lehrplänen durch den Grossen Rat ist eine starke Vermischung von operativer und strategischer Ebene.»
Lieber eine Schule mit Zukunft statt nur eine gute Schule, Südostschweiz, 6.11. von Pierina Hasler

4. November 2018

Ein Plädoyer für Denk- und Meinungsfreiheit


Der Psychologe Allan Guggenbühl macht sich stark für die Denk- und Meinungsfreiheit. Ein Plädoyer für eigenständiges Denken, weniger Vorschriften und eine Debattenkultur ohne Kompromisse – von Anfang an. 
Mehr Nonkonformität nützt uns allen, EDU Standpunkt, 1.11. von Lisa Leisi

Schulinseln sind keine Lösung


Unruhe im Klassenzimmer: Seit einstige Kleinklassen- und Sonderschüler integrativ in der Regelklasse geschult werden, ist der Unterricht vielerorts zur täglichen Geduldsprobe geworden. 
Den wahren Preis akzeptieren, Tages Anzeiger, 31.10. von Raphaela Birrer