21. August 2018

Lehrer: Ein Teilzeitjob für Frauen

Die Schweizer Volksschulen müssen bis 2025 über 100 000 Kinder zusätzlich unterrichten. Dazu braucht es weitere 2000 Lehrkräfte. Verzweifelt versuchen die Schulen, wieder mehr Männer für den Lehrerberuf zu gewinnen.

Gesucht: Männer für die Schulzimmer, NZZ, 21.8. von Jörg Krummenacher

Lob der öffentlichen Schule

Die Schweizerinnen und Schweizer sind stolz auf ihre Schulen, und unser Bildungssystem geniesst insgesamt einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung. Das zeigen die deutlichen Resultate verschiedener Abstimmungen. Der Rückhalt der öffentlichen Schulen zeigt sich auch daran, dass im Vergleich mit anderen Ländern nur wenige Kinder eine nichtstaatliche Schule besuchen.
Die öffentliche Schule ist ein Erfolgsmodell, NZZ, 21.8. von Silvia Steiner

Lohnunterschiede in der Schweiz

In vielen Kantonen beginnt heute für die Schüler das neue Schuljahr. Ihre Lehrer verdienen nicht nur nach Schulstufe massiv unterschiedlich, eindrücklich sind auch die Differenzen zwischen den Kantonen.

Kindergärtnerinnen weiterhin gesucht

Der erste Kindergartentag ist ein wichtiger Moment für viele Eltern und Kinder. Was den feierlichen Anlass trübt: Immer häufiger stossen Gemeinden auf grosse Schwierigkeiten, ihre Kindergartenstellen überhaupt zu besetzen.
Im Kanton Zürich hat es in diesem Jahr nur knapp gereicht. Gründe: Die Vorverschiebung der Einschulung, demografische Faktoren und die Tatsache, dass der Kindergarten-Beruf immer unattraktiver wird wegen der tieferen Löhne und immer mehr Kindern, deren Betreuung aufwändig ist.
Der Schweiz fehlt es an Kindergärtnerinnen, SRF, 20.8.

20. August 2018

Luzerner Fremdsprachenkomitee kämpft weiter

Die Initiative für eine Fremdsprache auf der Primarschule scheiterte zwar, dennoch will das Komitee dahinter weiter existieren. Grund sind insbesondere die schlechten Erfahrungen mit zwei Fremdsprachen. 
Im letzten Jahr hat das Luzerner Stimmvolk eine Initiative für eine Fremdsprache auf der Primarstufe mit knapp 58 Prozent abgelehnt (zentralplus berichtete).
Ein überparteiliches Initiativ-Komitee machte sich dafür stark, auf der Primarschule nur eine Fremdsprache zu lehren und eine zweite erst auf der Oberstufe einzuführen. Zwei Fremdsprachen auf der Primarschule wurden von der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz 2004 als sogenannter Sprachenkompromiss eingeführt.
«Diese Sprachenstrategie kam ab ihrer Einführung unter Beschuss, weil sie erhebliche Mängel aufweist», sagt Komiteeleiter Xaver Vogel gegenüber zentralplus. Für eine Gesamtbeurteilung wollte man Erfolgsevaluationen abwarten. Diese lägen unlängst vor. «Sie weisen einen betrüblichen Misserfolg mit zwei Fremdsprachen auf der Primarschule auf», so Vogel. Deshalb wolle man als Komitee daran festhalten, dass das jetzt geltende Fremdsprachenkonzept weiterhin höchst fehlerhaft daher kommt.
Kampf gegen Frühfranzösisch geht in nächste Runde, Zentralplus, 20.8. von Linus Estermann


Lehrerverein Baselland kämpft um fehlende Löhne

Der Lehrerverein Baselland (LVB) versteht sich als Gewerkschaft. Da gehört ein aggressiver Einsatz für die eigenen Mitglieder oft dazu. Zwar darf nicht die Härte der Tonart über Recht oder Unrecht entscheiden, doch wenn LVB-Geschäftsführer Michael Weiss dem Kanton knallhart unterstellt, sämtlichen Lehrern, die eine Mehrjahrgangsklasse führen, über Jahre absichtlich zu wenig Lohn ausgezahlt zu haben, dann tut Weiss das nur, weil er sich sehr sicher ist. Den Vorwurf, den er diese Woche zuerst im «SRF Regionaljournal» äusserte, untermauert er gegenüber der bz: «Man kann es Absicht nennen, ich selbst sage dem ‹bschisse›.» 

Die Absicht kann schwer belegt werden, die zu tiefen Lohnzahlungen schon: Seit 2005 regelt die Verordnung über Schulvergütungen in Baselland, dass Primarlehrer, die eine Klasse unterrichten, in der Schüler verschiedener Jahrgänge zusammengefasst wurden, für den zusätzlichen Aufwand eine oder zwei Mehrstunden pro Woche vergütet erhalten. Laut Angaben der Bildungsdirektion (BKSD) gibt es zurzeit 61 solcher Mehrjahrgangsklassen, die oft von mehreren Lehrern unterrichtet werden. 

Lange falsch gerechnet 
Die Beschwerde einer betroffenen Lehrerin beim Regierungsrat brachte den Stein ins Rollen. Sie monierte, dass seit der für alle Lehrer eingeführten zusätzlichen Ferienwoche über die Weihnachtstage 2017 ihre Entschädigung für die Mehrjahrgangsklasse um eine Woche pro Jahr reduziert worden war. Dabei habe ihr Aufwand zur Vorbereitung einer Lektion doch nichts mit der Anzahl Ferienwochen zu tun, so die Frau. Nicht nur bekam sie von der Regierung respektive dem Rechtsdienst der Regierung Recht. Ihr Einzelfall deckte eine seit 13 Jahren grundlegend falsche Berechnung der Vergütungen durch die BKSD auf.

Bisher wurden die Entschädigungen nämlich nur für die effektive Unterrichtszeit gewährt, nicht aber für die Schulferienzeit, also nur für 39 der 52 Wochen im Jahr – seit neustem mit der zusätzlichen Ferienwoche noch für 38. Das Führen einer Mehrjahrgangsklasse wurde so gleich behandelt wie eine Inkonvenienzentschädigung, die bei Nachtarbeit oder Pikettdienst anfällt. «Die Regierung kommt hingegen zum Schluss, dass die Entschädigung in diesem Fall ein fester Lohnbestandteil wegen Mehrarbeit sein muss», sagt der Leiter des Rechtsdienstes, Hans Jakob Speich, zur bz. Es sollen also die ganzen 52 Wochen und auch der 13. Monatslohn berücksichtigt werden. Damit korrigiert er den Stab Recht der BKSD, der die alte Formel verteidigt hatte. 

13 Jahre oder nichts nachzahlen? 
Das schenkt ein: Die Beschwerdeführerin erhält rückwirkend per 1.1.2018 pro Monat 276 Franken Entschädigung statt 232, also 572 Franken mehr im Jahr. Da die BKSD bei der Regierung beantragt, die neue Berechnung mit Wirkung ab dem 1.August für alle Mehrjahrgangsklassen-Lehrer umzusetzen – Weiss schätzt deren Zahl auf rund 200 –, kommen einige Mehrkosten auf die Gemeinden als Träger der Primarschulen zu. Die Regierung entscheidet wohl im September. 

Wirklich teuer würde es aber erst, wenn die Betroffenen rückwirkend für die letzten 13 Jahre den Lohn nachbezahlt erhielten. Der LVB bereitet deshalb für seine betroffenen Mitglieder Beschwerdeschriften vor, um das Geld zumindest für die vergangenen fünf Jahre zurückzuerhalten. Der Verein stützt sich dabei auf das Personaldekret, das bei Einreihungen in eine falsche Lohnklasse oder Erfahrungsstufe diese Rückwirkungsfrist setzt. 

Auf Anfrage sieht die BKSD allerdings gar kein Anrecht auf Rückwirkung. Und auch Speich sagt: «Rein rechtlich besteht kein Anspruch, da es hier nicht um eine falsche Lohnklasse geht.» Weiss weiss das. Dennoch bleibt er angriffig: «Die Regierung sollte es nicht auf einen Prozess ankommen lassen.» Am Ende schlägt allerdings sogar er sanftere Töne an, wenn er sagt: «Die Regierung könnte die Nachzahlung als Akt des guten Willens gegenüber der Lehrerschaft begründen.»

Herausfordernde Integration von Ausländerkindern

Mit Schülern aus patriarchalen Familien könne es in der Schule Probleme geben, sagt Elisabeth Grünewald. Die emeritierte Professorin hat sich an der Pädagogischen Hochschule in Bern jahrelang unter anderem mit Einwanderung beschäftigt.
«Schulen können von der Einwanderungssituation schon sehr herausgefordert sein», so Grünewald. So etwa auch die Lehrerin eines 7-jährigen Jungen, der nicht mit Mädchen arbeiten wollte. Er war erst kurz in der Schweiz und konnte die Sprache nicht.
Wenn Buben im Schullager plötzlich putzen müssen, SRF, 20.8. von Andrea Jaggi

Alarmierender Lehrermangel in Deutschland

Der Deutsche Lehrerverband veröffentlicht alarmierende Zahlen: 40.000 Pädagogen fehlten an deutschen Schulen, 10.000 Stellen seien unbesetzt. Noch mehr kritisiert der Verbandspräsident die Besetzung durch nicht ausgebildete Lehrer.
"In Berlin und Sachsen muss man von einem Bildungsnotstand sprechen", Welt, 20.8.

19. August 2018

Steuerung durch Messen

Dass sich Bildung im Vollsinne nicht messen lässt, ist aus schulischen Bildungskontexten bekannt und trifft auch für zentrale Momente der Weiterbildung zu. Gleichwohl hat hier wie dort der „empirische Wirkungsnachweis“ in den letzten 20 Jahren zentrale Bedeutung gewonnen. Vordergründig räumen Vertreter empirischer Bildungsforschung selbst ein: Man messe nur, was messbar sei, wie Kompetenzen et cetera. Also, alles kein Problem?

Explosive Zunahme der Bildungsbürokratie

Die Druckerzunft kennt einen bezaubernden Brauch: „Gott grüss die Kunst!“, rufen die Autoren, sagt der Grafiker, wenn sie den Buchbinderbetrieb betreten. Der Gewerbler antwortet standesbewusst und überzeugt: „… und das ehrbare Handwerk!“

Die Höhen der Kunst und die Gefilde des Alltags
Ein wunderbares Junktim: die hehre Kunst und das ehrbare Handwerk. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Der Buchdruck weiss es; die Tradition zeigt es: Beides bedingt sich, Kunst und Handwerk.
Das gilt auch für die Schule. Die Höhen der Kunst und die Gefilde des Alltags, die akademischen Dachterrassen und das Gewimmel des Parterres, die Bildungsstäbe und die Frontleute, Theorie und Empirie: Auch der Unterricht braucht beides, die Denker der grossen Konzepte wie die Praktiker des Alltags. Wirkungsvoll wird erst die Verknüpfung. Grundsätzliche Entscheide sollten darum auch die Werktags-Optik mitbedenken. Hohe schulische Ansprüche brauchen fundierte Konzepte, die sich auch bei Zeitzwängen und Unvorhersehbarem bewähren. Das Prinzipielle und das Konkret-Operative müssen darum Hand in Hand gehen.
Hehre Kunst und ehrbares Handwerk, Journal 21, 13.8. von Carl Bossard


Noch viele offene Lehrstellen

Die Zahl der Lehrverträge im Kanton Zürich bleibt hoch. Ende Juli zählten die kantonalen Bildungsstatistiker 12 108 Verträge, 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur 2015 und 2016 lag die Zahl noch ein Quentchen höher. 12 127 Verträge in der zwei- bis vierjährigen beruflichen Grundbildung waren im Rekordjahr 2015 zum gleichen Zeitpunkt unter Dach und Fach. Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) wertet diese Zahlen als Zeichen der Bereitschaft der Unternehmen, weiterhin in die Ausbildung der Jugendlichen zu investieren. 
Viele Lehrstellen sind noch offen, NZZ, 17.8. von Walter Bernet

Largo: Fremdbestimmung hat zugenommen

Es fing bei Managern an, heute haben wir Kinder mit Burn-out. Eine Folge des Leistungsdrucks an den Schulen?
Remo Largo: Dass Kinder in der Schule leistungsmässig unter Druck gesetzt werden, gehört zum Wesen einer Leistungsgesellschaft. Auch die Schule steht unter Druck, aus Wirtschaft und Politik kommen ständig neue Forderungen, was sie alles leisten soll. Es gibt noch einen anderen Punkt, den ich gravierender finde, über den aber kaum gesprochen wird: Viele Eltern haben Existenzängste, spätestens seit der Finanzkrise 2008.
Interview mit Remo Largo "Der Druck hat zugenommen", Sonntagszeitung, 19.8. von Fabienne Riklin und Nadja Pastega

Schule macht krank

Manchmal zieht sich dieses Gefühl von Überforderung durch ihren Alltag. In letzter Zeit immer öfter. «Ich kann seit drei Wochen nicht mehr schlafen, habe ständig Angstattacken, Atemnot und Schwindel», sagt die 15-jährige Oberstufenschülerin. «Ich kann fast nicht mehr in die Schule gehen.»

In Zahlen

30  Prozent der elfjährigen Schüler in der Schweiz leiden unter Schlafproblemen. 
649 ambulante Notfälle gingen 2017 bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie Zürich ein. 
45 Minuten pro Woche sollen Kinder von der 3. bis 6. Klasse maximal für Hausaufgaben aufwenden.
10 Jahre alt sind die Jüngsten, die sich beim Sorgentelefon der Pro Juventute melden. 
8'000'000 Franken will die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz nächstes Jahr in die psychische Gesundheit investieren. 
30 Prozent der Jugendlichen, die vergangenes Jahr beim Sorgentelefon 147 anriefen, hatten schwerwiegende persönliche Probleme.

Jeder dritte Schüler leidet an Burnout-Symptomen, Sonntagszeitung, 19.8. von Nadja Pastega

Kinder mit Burnout

Wie kann es sein, dass Kinder schon mit elf Jahren «ausbrennen» oder «durchbrennen», also an einem Burn-out leiden? Nicht eines, sondern jedes dritte, weil die Schule zu sehr drückt. Unser Bild der Kinder ist doch ein ganz anderes, wenn wir sie schreien und toben hören. Sind da nicht die Eltern schuld? Arbeiten die Mamis zu viel, und würde sich das Problem nicht lösen, wenn sie wieder mehr zu Hause am Herd stünden? Burn-out ist schliesslich kein plötzlich auftretendes Ereignis – niemand geht abends gesund ins Bett und erwacht am Morgen mit einem Burn-out, heisst es in den Ratgebern.
Sind da wirklich die Eltern schuld? Sonntagszeitung, 19.8. von Arthur Rutishauser

Zu wenige ausgebildete Heilpädagogen

Bangen bis zum Schluss: Unzähligen Gemeinden in der Schweiz ist es erst kurz vor Schuljahresbeginn gelungen, alle Lehrerstellen zu besetzen. Doch der vermeintliche Erfolg auf der Zielgeraden ist trügerisch, denn vielerorts stehen jetzt nicht ausreichend qualifizierte Lehrkräfte in den Schulzimmern. Betroffen sind vor allem die schulischen Heilpädagogen: Nur 50 bis 60 Prozent der Lehrpersonen, die in dieser Funktion tätig sind, verfügen über eine entsprechende Ausbildung, wie Barbara Fäh bestätigt. Sie ist Rektorin der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HFH), die von 13 Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein getragen wird. Häufig sind es Lehrpersonen ohne Zusatzausbildung oder sogar berufsfremde Klassenassistenten, die diese Aufgaben übernehmen. 
Problem erkannt - Lösung unbekannt, Tages Anzeiger, 18.8. von Raphaela Birrer

Wer kennt Graubünden?

Der Kanton Basel-Stadt ist ein Leitstern, wenn es darum geht, den Lehrplan 21 mit der Kompetenzorientierung umzusetzen. Schon seit Jahren wird in Basel kompetenzorientiert und individualisiert unterrichtet.Obwohl die untenstehende Umfrage nicht repräsentativ für den Bildungsstand des stolzen Stadtkantons ist, lässt einen die zweifellos ehrliche Ignoranz trotzdem mit Unbehagen zurück. Sehen wir hier unsere zukünftigen Schülerinnen und Schüler? (uk)

Ask Switzerland, 13.8.

Erhöhung der Klassengrössen ist keine Lösung



Leserbrief Oltner Tagblatt, 16.8.

Kürzere Ferien

Wer Kinder im Schulalter hat, weiss: Während der Sommerferien verdampft ein Teil des Schulwissens wie der Morgentau in der Hitze. «Summer learning loss» nennen es Fachleute. Eine Studie aus dem Süden der USA hat ergeben, dass bis ein Viertel des Wissens des vergangenen Schuljahres verloren geht, vor allem bei Kindern aus sozial tieferen Schichten, deren Eltern sie in den Ferien nicht zu Denksport anregen. Unsere Ferienpläne stammen aus Zeiten, in denen der Nachwuchs beim Heuen half und die Mütter zu Hause blieben und die Kinder beschäftigen konnten. Zeit also für eine Kürzung. Für die gewonnene Unterrichtszeit gäbe es eine sinnvolle Verwendung: den unsäglichen frühen Schulbeginn um 7 Uhr 30 abschaffen. 
NZZaS, 19.8. von Michael Furger

18. August 2018

Die Lehre kommt zu früh

Der Beginn der Berufslehre ist ein grosser Umbruch im Leben vieler Jugendlicher. Die Leitende Jugendanwältin Barbara Altermatt plädiert für mehr Zeit und weniger Druck. Jugendliche müssten zuerst genau wissen, was sie können und was nicht.
In der Pubertät überfordert: "Für viele Jugendliche kommt die Lehre zu früh". Oltner Tagblatt, 17.8. von Lucien Fluri

Der Dünkel der aktuellen Bildungspolitik

Neulich ist am Fernsehen einmal mehr der Lehrplan 21 über den grünen Klee gelobt worden, weil er, im Unterschied zum früheren Unterricht, sich nicht einfach auf Wissensabruf beschränke, sondern auf die Fähigkeit ausgerichtet sei, Wissen umzusetzen und anzuwenden. Ich wundere mich nicht nur, ich ärgere mich darüber, wie heutige Erziehungswissenschafter und in ihrem Gefolge auch Bildungspolitiker behaupten können, sie hätten nun etwas umwerfend Neues in der Pädagogik eingeführt, was im Grunde schon seit zweihundert Jahren selbstverständlich zu einer soliden Ausbildung gehört hat, nämlich das Gelernte in täglichen Situationen nutzvoll anwenden zu können. Vorher aber muss man die Grundlagen dafür erarbeiten, üben und dadurch festigen. Aber da sind nun oft dieselben Kreise der Meinung, darauf käme es nicht so sehr an, man brauche ja nichts mehr im Gedächtnis zu behalten, es lasse sich alles über die elektronischen Medien abrufen. Wer erinnert sich schon noch an die fünf formalen Stufen des Lernens nach Herbart, die einer seiner Schüler in folgenden Lernschritten benennt: Vorbereitung mit Angabe des Ziels, Darbietung, Verknüpfung/ Vergleichung, Zusammenfassung und Anwendung! Es versteht sich von selbst, dass diese auseinander hervorgehenden Lernschritte ein hohes Mass an Führung durch die Lehrperson erfordern. Aber auch das wird heute bestritten und durch selbstorganisiertes Lernen ersetzt mit dem Ergebnis, dass am Ende der Schulzeit die elementaren Grundlagen des Rechnens, Lesens und Schreibens im Klassenschnitt sehr zu wünschen übrig lassen, was von Lehrmeistern und Leitern weiterführender Schulen zu Recht beanstandet wird.

Thurgauer Zeitung, 17.8. von Peter Schmid

17. August 2018

Ein guter Lehrer ist parteiisch

Denke ich an meine ersten Schuljahre zurück, kommen mir nicht die Noten für gutes Betragen, der Subjonctif oder Differenzialrechnungen in den Sinn, sondern meine Lehrer. Sie beschäftigten mich damals von den Erwachsenen neben den Eltern am meisten. Ich liebte und hasste sie, fühlte mich erkannt und war enttäuscht. Ich liess nie einen entkommen. Nicht in meinem Tagebuch.
Die Lehrer meines Lebens, NZZ, 17.8. von Birgit Schmid

Zürcher Kindergärten mit Assistenten

Tausende Zürcher Kinder verbringen bald ihren allerersten Tag im Kindergarten. Um diesen Einstieg zu erleichtern, hat der Zürcher Kindergartenverband die Gemeinden im Januar 2018 dazu aufgerufen, den Lehrpersonen Assistenten zur Seite zu stellen.
"Eine Kindergärtnerin kann nicht 22 Knöpfen die Schuhe binden", SRF Regional, 9.8.

Durchwursteln oder Ansprüche herunterfahren

Im Frühjahr 1972 übernahm ich eine Stellvertretung an der Primarschule Rheinfelden. 39 Drittklässler, schön aufgereiht in 20 Zweierbänkli. Ich war wohl kein guter Lehrer, ich hatte ja nichts vorzuweisen als eine Matur und ein paar Studiensemester. Es herrschte Lehrermangel, wie heute, deshalb wurde so ein Hobbylehrer überhaupt gebraucht. Aber neben mir unterrichteten richtige Lehrerinnen und Lehrer, etliche hatten über 40 Kinder. Und sie schafften es, einige sogar mühelos (wenigstens hatten sie in der Pause meistens gute Laune). Heute gelten Klassen mit über 25 Kindern als übervoll. In kleineren Gemeinden sind es oft kaum 15. Trotzdem reduzieren viele Lehrpersonen stressbedingt ihr Pensum, andere laufen in ein Burnout. Dabei haben sich elektronische und menschliche Unterrichtshilfen vervielfacht. Wir hatten noch ein Lesebuch, ein Rechenbuch und Schnapsmatrizen. Und wir unterrichteten alle Fächer selber, es gab an der Primarschule kaum Fachlehrer. «Es isch ämel au gange.» 
Die Schule stösst an Grenzen, Nordwestschweiz, 17.8. von Hans Fahrländer

15. August 2018

Zu wenig Lohn für Mehrklassenlehrer

Der Kanton Baselland hat seinen Mehrklassenlehrern während Jahren zu wenig Lohn bezahlt. Der Lehrerverein Baselland kämpft für eine rückwirkende Lohnauszahlung.

14. August 2018

Werden Elternbeiträge für Lager wieder eingeführt?

Für zusätzliche Sprachkurse dürfen Thurgauer Schulen keine Elternbeiträge mehr verlangen. Doch für Lager und Exkursionen soll das wieder möglich sein – allerdings im kleineren Rahmen als bisher.

Elternbeiträge für Schullager sollen wieder ins Thurgauer Gesetz, Thurgauer Zeitung, 14.8. von Larissa Flammer