24. Juni 2018

Ansichten eines Quereinsteigers

Die Schule erfüllt eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben. Doch oft sind die Lehrerinnen und Lehrer angeschlagen und ausgebrannt. Zeitdruck, verhaltensauffällige Schüler und anspruchsvolle Eltern bringen sie ans Limit. Die Folgen sind fatal: schlechtes Schulklima, verminderter Lernerfolg. Ein Drittel der Lehrpersonen leidet an Aspekten eines Burn-outs, zeigt eine Nationalfonds-Studie.
Dennoch hat sich Sebastian Keller* vor fünf Jahren für diesen Beruf entschieden. Er möchte anonym bleiben, zum einen weil sein Unterricht in vielem nicht der Norm entspricht. Und weil er mit einigen Berufskollegen hart ins Gericht geht.
"Die meiste Kritik an Lehrern ist völlig berechtigt", Beobachter, 21.6. von Birthe Homann

Versenken ist einfacher als nachdenken

Die deutliche Ablehnung der Fremdspracheninitiative durch den Grossen Rat kam nicht überraschend: Schliesslich erklärte dasselbe Gremium vor drei Jahren die Initiative für ungültig. Wie erwartet konnte eine Mehrheit auch diesmal nicht über ihren eigenen Schatten springen und hielt sich lieber diszipliniert an die Vorgaben der Regierung. Damit musste man sich nicht in die Nesseln setzen und ersparte sich eine weitere Auseinandersetzung mit diesem unliebsamen Thema.
Versenken ist einfacher als nachdenken, Südostschweiz 19.6., Stellungnahme des Initiativkomitees der Fremdspracheninitiative (Urs Kalberer)

Digitalisierung kann Lehrer nicht ersetzen

«Mindsteps» heisst das Programm, nun in Schulen der Kantone Aargau, Solothurn sowie beider Basel benutzt wird. Schülerinnen und Schüler der Unterstufe müssen am Computer anhand von 25'000 Aufgaben für Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik selber testen, ob sie den Stoff begriffen haben. Das Resultat geht dann automatisch zum Lehrer. Die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm sieht das kritisch.
Lernprogramm "Mindsteps" - "Kein Programm kann eine gute Lehrperson ersetzen", SRF 
Echo der Zeit, 18.6. von Nicoletta Cimmino
Ersatzprogramm für Lehrerpersonen, SRF Echo der Zeit, 18.6.

"Nicht auf dem Buckel der Kinder"

Es gab wohl kaum je einen Elternabend, an den so viele Eltern kommen wollten, dass gleich die Dietiker Stadthalle nötig ist. Doch am Dienstag- und Mittwochabend war es so. Denn es ging um ein polarisierendes Thema: den Lehrplan 21, der auf das neue Schuljahr hin in den Schulen des Kantons Zürich bis zur 5. Klasse eingeführt wird. Die 6. Klasse und die Sekundarstufe folgen ein Jahr später. Der neue Lehrplan will zusätzlich zum blossen Wissen mehr Fokus auf das Erlernen von Kompetenzen legen.
"Der Lehrplan 21 bereitet Kinder auf eine Zukunft vor, die niemand kennt", Limmattaler Zeitung, 22.6. von Leo Eiholzer

23. Juni 2018

Eurythmie-Schulleiter entlassen

Der Schulrat der Zwingener Primarschule hat dem Schulleiter Erich Rubitschung eine fristlose Kündigung erteilt. Damit zeigt der Bericht des Kantons zur Beschwerde des Lehrervereins Baselland, der vergangene Woche an den Schulrat gelangte, seine erste Wirkung.
Schulleiter per sofort entlassen, Basler Zeitung, 23.6. von Lisa Groelly

WhatsApp-Verbot ist lehrreich

Leerlauf, Posse, weltfremd – die Meinungen waren schnell gemacht: Whatsapp, der weltweit beliebteste Handy-Kurznachrichtendienst, hat seine Nutzungsbedingungen dem neuen EU-Datenschutzgesetz angepasst. Kinder unter 16 Jahren sind nicht mehr zugelassen, auch nicht in der Schweiz. Lehrer hierzulande halten das laut der «SonntagsZeitung» für ein Problem. Dieser einfache und allgegenwärtige Kommunikationsweg ist ihnen nun verwehrt.
Der Klassenalarm via WhatsApp ist gefährdet? Gut so! Tages Anzeiger, 5.6. von Edgar Schuler

"Grandioser Betrug an den Schülern"

Der Jugendpsychotherapeut Allan Guggenbühl sagt, dass Kinder zu Opfern des politisch korrekten Denkens werden. Neue Schulreformen setzen auf selbstorganisiertes Lernen und Kompetenzen. Das sei Betrug an den Schülern.
"Schüler sind nicht dumm", Tages Anzeiger, 26.5. von Matthias Meili

Digitalisierung benebelt

Bisweilen lohnt es sich, einem jungen Philosophen zuzuhören. Denn alle Philosophie beginnt damit, dass man sich wundert. Solch ein junger Philosoph, vielleicht zehn Jahre alt, wunderte sich kürzlich und fragte: «Wie kam Martin Luther eigentlich ins Internet, wo es doch damals noch keine Computer gab?»
Wir Fingerwesen, NZZ, 23.6. von Manfred Schneider

Wieder zurück!

Geschätzte Leserin, geschätzer Leser
Nach einem Monat Ferien von meinem Blog bin ich wieder zurück - allerdings nicht alleine. Ich bekam viele Reaktionen, welche es sehr bedauerten, dass der Blog stillsteht. In Zukunft darf ich mich auf tatkräftige Unterstützung aus verschiedenen Landesgegenden verlassen. Zusammen werden wir versuchen, ein möglichst getreues Abbild der Realität in der Schweizer Schulwelt zu schaffen! 

Ich danke allen Helfern, die es ermöglichen, dass die Arbeit am Blog weitergehen kann. 
Urs Kalberer

25. Mai 2018

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Nach sieben Jahren und 7000 veröffentlichten Posts mit über 725'000 Seitenaufrufen und fast 600'000 gelesenen Email-Benachrichtigungen gönne ich mir eine Pause. Die Arbeit am Blog hat mir immer Spass gemacht, besonders der Kontakt mit den vielen schulkritischen Geistern, die er mir ermöglicht hat. Herzlichen Dank für die Treue und die grosse Unterstützung!

In dieser Zeitspanne konnte ich verfolgen, wie Schulthemen allmählich vom Schattendasein ins Rampenlicht der öffentlichen Diskussion rückten. Der abgebildete Zeitraum von 2011 bis 2018 stellt zweifellos eine der dynamischsten Epochen in der Geschichte der Schweizer Volksschule dar. Die gesammelten Meldungen, Kommentare und Artikel sind ein Abbild dieses Diskurses und beinhalten neben Kurzzeitigem auch eine grosse Sammlung beachtenswerter Artikel von namhaften Autorinnen und Autoren. So gesehen bleibt schuleschweiz.blogspot.com weiterhin eine lohnenswerte Fundgrube.

Der Kampf um eine gute Schule wird uns alle auch in Zukunft beschäftigen. Die gesammelten Beiträge sollen weiterhin als Grundlage für den Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren im Schulwesen dienen.


Urs Kalberer

Schulorganisatorisch top, pädagogisch ein Flop


Schulorganisatorisch top, pädagogisch ein Flop: So drastisch will die Volksschulamtschefin Marion Völger die Evaluationsergebnisse zum Schulversuch «Fokus starke Lernbeziehungen» nicht zusammengefasst haben. Immerhin vier von fünf Zielen des seit 2013 laufenden Versuchs seien erreicht worden, sagt sie.
Ein Schulversuch landet in der Sackgasse, NZZ, 25.5. von Walter Bernet

24. Mai 2018

Mehr Fremdsprachenunterricht für Fremdsprachige

Schüler der 3. bis 6. Primarklasse im Kanton Luzern erhalten eine zusätzliche Lektion Fremdsprachenunterricht, sofern in der Klasse mehr als 40 Prozent fremdsprachige Kinder sind. Betroffen von dieser neuen Regelung, welche ab dem kommenden Schuljahr umgesetzt wird, sind rund 65 Schulklassen. Der Regierungsrat hat eine entsprechende Verordnung über die Volksschulbildung angepasst.
Mehr Unterricht für fremdsprachige Kinder, Luzerner Zeitung, 24.5. von René Meier

Noten-Befehl kommt nicht gut an

In Basel schaffen zu viele Schülerinnen und Schüler den Sprung ins Gymnasium. Nun sollen Prüfungen strenger bewertet werden. Das kommt bei den Lehrerinnen und Lehrern gar nicht gut an.
Gaby Hintermann wünscht sich mehr Gelassenheit, Bild: bz
"Schlyffts aigentlig?!" - Basler Lehrerpräsidentin ärgert sich über Noten-Befehl, Basellandschaftliche Zeitung, 24.5. 

ZLV fordert Abbruch von Schulversuch

Der Kanton will den laufenden Schulversuch "Fokus Starke Lernbeziehungen" (FSL) weiterführen. Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) gewichtet die bisherigen Resultate anders als die Bildungsdirektion und steht der Weiterführung in der heutigen Form ablehnend gegenüber.

Zürcher Lehrerverband lehnt Weiterführung von Schulversuch ab, sda, 24.5.


Bildungskonzerne expandieren weitgehend unbemerkt

Investoren sind überzeugt: Der globale Schulmarkt steckt erst in den Anfängen. Ausgerechnet in Brasilien, das eines der schlechtesten Bildungssysteme weltweit hat, investieren Unternehmer und Fonds viel Geld in private Einrichtungen.
Brasilianische Schulkonzerne wollen weltweit expandieren, NZZ, 24.5. von Alexander Busch

23. Mai 2018

Allfälliger Streik um Pensionskasse legal

An der Delegiertenversammlung des LVB vom 21. März 2018 haben die anwesenden Delegierten einstimmig und ohne Enthaltungen der LVB-Geschäftsleitung den Auftrag zur Durchführung einer Urabstimmung über Kampfmassnahmen erteilt, sofern folgende Bedingungen erfüllt sind:

  1. Der Landrat kommt bei der Änderung des Pensionskassendekrets den Forderungen der Arbeitsgemeinschaft Basellandschaftlicher Personalverbände ABP, verglichen mit der vom Regierungsrat bevorzugten «Variante 4» der Landratsvorlage 2017/625 (Änderung des Pensionskassendekrets – Massnahmen des Kantons Basel-Landschaft in Folge der Reduktion des technischen Zinssatzes und des Umwandlungssatzes), nicht substanziell entgegen.
  2. Die laufenden rechtlichen Abklärungen weisen nicht darauf hin, dass ein Streik gegen den Landratsentscheid zum Pensionskassendekret klar unzulässig wäre.
Rechtsgutachten erachtet allfälligen Streik für bessere Pensionskassenleistungen als legal, LVB, 23.5.


Ein Glarner präsidiert neu die EDK-Ost

Der Glarner FDP-Regierungsrat Benjamin Mühlemann ist der neue Präsident der Erziehungsdirektoren-Konferenz der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein (EDK-Ost). Er tritt die Nachfolge des St.Galler Bildungsdirektors Stefan Kölliker an, welcher das Amt seit April 2010 ausübte.
Mühlemann ist seit 2014 Mitglied der Glarner Regierung, Bild: Benjamin Mühlemann
Glarner Regierungsrat präsidiert Erziehungsdirektoren-Konferenz-Ost, sda, 22.5.

Nur Lehrer gegen konkrete Stoffinhalte und Themen im Lehrplan

Mit der Gesetzesänderung «Stufenlehrpläne Volksschule» wollen der einstimmige Landrat und alle Parteien einen Schlussstrich unter die leidigen Auseinandersetzungen um den Lehrplan 21 im Baselbiet ziehen. Stimmt das Volk am 10. Juni zu, wird der Deutschschweizer Lehrplan 21 mit konkreten Stoffinhalten und Themen für jedes Schuljahr und für alle Sekundarschul-Niveaus ergänzt. Dagegen sind nur die Lehrerinnen und Lehrer: Deren offizielle Vertretung, die Amtliche Kantonalkonferenz (AKK), opponiert allein gegen das Vorhaben.
Nur die Lehrer finden Stufenlehrpläne überflüssig, Basler Zeitung, 23.5. von Thomas Dähler

Checks für mehr Bildungsgerechtigkeit

Die Checks bilden die Leistungen von Schülerinnen und Schülern in sehr grossenVergleichsgruppen objektiv ab. Sie leisten damit einen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit, den die Schulnoten nicht erbringen können. Eine Untersuchung der Vodafone-Stiftung zeigte nämlich einen deutlichen Zusammenhang zwischen sozialem Status und Schulnoten auf: Je höher der Status, desto besser die Benotung. Eine weitere bedeutsame Verzerrung entsteht durch den Referenzgruppenfehler. Ebenso führen sowohl der Wohnort als auch das Geschlecht zu Verzerrungen.
Basler Zeitung, 23.5. Leserbrief von Christine Staehelin

22. Mai 2018

Abstimmung über Stadtzürcher Tagesschulen

Soll das Stadtzürcher Pilotprojekt auf weitere 24 Schulen ausgedehnt werden? Am 10. Juni entscheiden die Stimmberechtigten über einen entsprechenden Objektkredit.
Der Objektkredit von insgesamt 74,57 Millionen Franken setzt sich wie folgt zusammen:

§  29,7 Mio. Betreuungsaufwand für die gebundenen Mittage
§  4,6 Mio. Aufgabenstunden nach Unterrichtsschluss (2 Stunden pro Woche und Primarklasse)
§  21,8 Mio. Infrastrukturanpassungen an den 24 Pilotschulen
§  0,9 Mio. Miete von zusätzlichen Betreuungsflächen
§  7,798 Mio. Planung und Vorbereitung an den Schulen
§  3,921 Mio. Projektsteuerung Schulentwicklung
§  1,5 Mio. Projektsteuerung Bau und Infrastruktur
§  0,658 Mio. administrativer Initialaufwand
§  3,693 Mio. administrativer Betriebsaufwand


Das gemeinsame Mittagessen ist der Grundpfeiler des Pilotprojekts, Bild: Karin Hofer

Was bringt der Check S3?

Aargauer Grossräte aus sieben Parteien wollen den standardisierten «Check S3» abschaffen. Damit will man die Leistung der Schülerinnen und Schüler flächendeckend messen und vergleichen. Die Regierung will erst Resultate.
Die Kantone Aargau, Basel-Stadt, Basel-Land und Solothurn führen gemeinsam standardisierte Tests durch, die sogenannten Checks, Bild: Barbara Scherer
Bringt der "Check S3" Schülern etwas für die Berufsorientierung? Aargauer Zeitung, 22.5. von Mathias Küng

Überforderter Bildungsrat

Der Bildungsrat ist in seiner heutigen Form halb Legislative, halb Exekutive: ein Fremdkörper im demokratischen System des Kantons Baselland, dessen Zukunft der Landrat zurecht infrage stellt. Der Bildungsrat ist heute nicht demokratisch zusammengesetzt und fällt dennoch weitreichende Entscheide – Entscheide, die politisch motiviert sind und sich in der jüngsten Vergangenheit auch mal als krasse Fehlentscheide herausgestellt haben. Die Stimmberechtigten erhalten am 10. Juni an der Urne die Gelegenheit, den verpolitisierten Bildungsrat durch einen Beirat Bildung zu ersetzen.
Auffällig ist die Nein-Kampagne, welche zurzeit zur Rettung des Bildungsrats in seiner heutigen Form geführt wird. Hinter ihr stecken all jene, die heute im Bildungsrat sitzen, ihre Pfründe verteidigen und davon profitieren, Entscheide in ihrem eigenen Interesse zu fällen. Dominiert wird der heutige Bildungsrat von fünf Vertreterinnen und Vertretern von Lehrerinteressen. Keine Stimme haben hingegen die Schüler, deren Eltern, die Gemeinden und die Schulleitungen.
Dem Beirat Bildung eine Chance geben, Basler Zeitung, 19.5. von Thomas Dähler

Zwei Primarfremdsprachen wirken sich auf Deutschkenntnisse aus

«Je früher ein Kind mit dem Erlernen einer Fremdsprache beginnt, desto besser!» Dieser Volksglaube steckt auch heute noch in den Köpfen vieler Menschen. Was damit wirklich gemeint ist, ist die Auseinandersetzung mit einer Fremdsprache über einen langen Zeitraum, gepaart mit der immer wieder stattfindenden Konfrontation derjenigen.
"Je früher, desto besser" stimmt nicht immer, Basler Zeitung, 22.5. von Saskia Olsson

21. Mai 2018

Die Schule braucht pädagogische Autoritäten

Körperliche Übergriffe auf Lehrerinnen nehmen zu. Schuld sei der fehlende Respekt, sagen Experten. Doch liegt’s nur daran? Ein Plädoyer für pädagogische Autorität.
Das Klima in den Schulen werde rauer und der Umgang rüder, die Gewalt gegenüber Lehrpersonen steige, der zwischenmenschliche Anstand nehme ab. So mindestens diagnostizieren Fachleute die Situation. Sie verweisen auf Zahlen. Jede zweite Schule erlebte in den letzten fünf Jahren Verunglimpfungen und Mobbing gegenüber ihren Lehrkräften; in 26 Prozent der Schulen kam es während dieser Zeitspanne gar zu physischen Übergriffen. „Aggro-Schüler gehen auf junge Lehrer los“, stand kürzlich im Boulevard zu lesen.[1]
Wird die Schule zur Kampfarena? www.journal21.ch, 21.5. von Carl Bossard


Lehrerin verteidigt Steiner-Methoden

Die Gräben sind tief in Zwingen, seit die Öffentlichkeit über die anthroposophischen Methoden zweier Primarlehrerinnen Bescheid weiss. Bisher aber konnten die Medien nur ein einseitiges Bild vermitteln. Eltern, die sich über den Lernrückstand ihrer Kinder öffentlich beschwerten, sprachen ebenso freimütig wie die Lehrerin, welche den Unterricht bemängelte. Der kritisierte Schulleiter wollte sich bisher ebenso wenig äussern wie der Schulrat.
Unter Beschuss geratene Lehrerin verteidigt Steiner-Methoden, Schweiz am Wochenende, 19.5. von Leif Simonsen