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7. März 2021

Die Krippe als verklärter Ort der Chancengerechtigkeit

Der Gewerkschaftsbund jubelt – Corona hin oder her. Ein Ziel, das er seit langem anvisiert, erscheint trotz Krise und Rekordverschuldung greifbarer denn je: mehr Bundesgelder für die familienexterne Kinderbetreuung! Die Bildungskommission (WBK) des Nationalrats will das ursprünglich als befristet deklarierte, aber immer wieder verlängerte Impulsprogramm zur Krippenförderung in eine Dauerinstitution überführen und hat eine entsprechende Initiative eingereicht.

Erziehung: Bitte nicht als Service public! NZZ, 2.3. von Claudia Wirz

20. September 2020

Der grösste und teuerste Witz der Schulgeschichte

Ein Vater schildert eindrücklich seine Erfahrungen mit dem Frühfremdsprachenunterricht seines Sohnes.

Diesen Sommer ist unser Sohn an die Sek P übergetreten. Innerhalb weniger Wochen wurde ihm schmerzlich und in aller Deutlichkeit bewusst, dass er in 4 langen Jahren Französischunterricht mit dem Lehrmittel «Mille feuilles» an der Primarschule von dieser Sprache rein gar nichts mitbekommen hatte. Die Realität hat ihn eingeholt.

Sein Vater hatte ihm zwar immer wieder einmal angedeutet, dass es um seine Französischfähigkeiten – trotz durchgehender Zeugnisnote 6 in allen 4 Jahren! – eher trübe bestellt sei. Aber so richtig nachvollziehen kann er es erst jetzt, wo er zum ersten Mal so etwas wie einen strukturierten Französischunterricht erlebt. Und wo von ihm erwartet wird, dass er gewisse sprachliche Strukturen mündlich und schriftlich anwenden kann.

Frühfranzösisch ist und bleibt der grösste und teuerste Witz der Schweizer Schulgeschichte, condorcet.ch, 20.9.

9. August 2020

Chronik des Grauens

Frühfremdsprachen verbunden mit der Mehrsprachigkeitsdidaktik haben an unseren Schulen verheerende Auswirkungen. Diese werden aber erst sichtbar, wenn die verantwortlichen Politiker und Interessenvertreter aus dem öffentlichen Rampenlicht getreten sind. Dazu ist auch dem Condorcet-Blog eine erhellende Zusammenstellung ersichtlich.

Frühfremdsprachenunterricht und Mehrsprachendidaktik - eine Chronik des Grauens, www.condorcet.ch  5.8.

31. Juli 2020

Beyond Age Effects in Instructional L2 Learning

Gemäss Raphael Berthele von der Uni Fribourg handelt es sich bei der Untersuchung von Simone Pfenninger und David Singleton um eine «ausgeglichene und einfühlsame Studie», die sich mit einem Thema befasst, das uns alle interessiert. Pfenninger und Singleton präsentieren dabei neue Daten und analysieren diese sorgsam. Die Autoren untersuchen die Auswirkungen sowohl interner als auch externer Faktoren unter Anwendung modernster statistischer Modelle.

Verlag: Multilingual Matters, 2017
Buchbesprechung Simone Pfenninger und David Singleton, 31.7. von Urs Kalberer

28. Mai 2020

Frühförderung für fremdsprachige Kinder vor dem Kindergarten

Basel-Stadt gilt als Pionierin der Deutsch-Frühförderung. Dort bekommen alle Eltern einen Fragebogen nach Hause, mit dem sie die Deutschkenntnisse ihrer Kinder einschätzen müssen. Können sie zu wenig gut Deutsch, müssen sie in eine Sprachspielgruppe. Zwei halbe Tage pro Woche, gratis für die Eltern.

Obligatorische Frühförderung vor dem Kindergarten? SRF, 28.5. 

23. Februar 2020

Die Welt der Kinder als Goldgrube für Sozialarbeiter


Unter dem Titel der Chancengerechtigkeit und im Namen der Gesundheits- und Frühförderung kommt die Familie als privater Ort kindlicher Prägung immer mehr unter die Räder eines zunehmend kollektivistischen Staats, der den Eltern je länger, je weniger Erziehungsfähigkeit zugesteht.
Das Kind, der Staat und die Eltern, NZZaS, 23.2. von Claudia Wirz

16. Februar 2020

Weichen für Schulerfolg sind mit 4 schon gestellt


Auch in der jüngsten Pisastudie zum weltweiten Schulvergleich sind die Werte der Schweiz gesunken, besonders im Lesen und vor allem in der Gruppe der schulschwachen 15-Jährigen. Dieser Trend wird aber noch viel ­problematischer, wenn man eine Sonderauswertung von Pisa berücksichtigt: Während in Deutschland der Anteil von Schulkindern mit guten Leistungen trotz sozial benach­teiligtem Elternhaus von 25 auf 32 Prozent erfreulich gestiegen ist, hat sich dieser Anteil in der Schweiz von 30 auf 27 Prozent verringert.
Förderung der Kinder kann gar nicht früh genug beginnen, NZZaS, 16.2. von Andrea Lanfranchi

15. Januar 2020

Zwei bildungspolitische Ansagen

Zwei Nationalräte äussern sich zum Thema Bildung. Ihre Positionen sind parteigebunden unterschiedlich. Der Basler Mustafa Atici (SP) will bereits Kleinkinder fördern. Der Aargauer Andreas Glarner (SVP) will wieder mehr Schweizer Werte an den Schulen.
Wir verbessern die Schweiz, Weltwoche, 8.1. von Roman Zeller

Atici: "Es geht um unseren wichtigsten       Glarner: "Die Schweiz war vor 130 Jahren eines
Rohstoff".  Bild: SP BS                                der ärmsten Länder Europas". Bild: SVP CH

11. Dezember 2019

Schwerpunkte des LCH: Tagesschulen, Frühförderung, ICT

Seit August ist Dagmar Rösler Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. Die Deutsch- und Sportlehrerin fordert von Eltern Respekt und realistische Erwartungen. Im grossen Interview spricht sie mit uns über dies und weitere drängende Themen. 
Dagmar Rösler, 47, stand acht Jahre an der Spitze des Solothurner Lehrerverbandes. Bild: Fritz und Fränzi
Dagmar Rösler: "Manche Eltern fahren wie Kriegsschiffe in die Schule ein", Fritz und Fränzi, 3.12. von Evelin Hartmann und Nik Niethammer

4. Dezember 2019

Basel hat Angst vor PISA


Jeder vierte 15-jährige Schüler versteht nicht, was er liest. Weder die Grundidee noch den Zweck einesTextes von mittlerer Länge. Das zeigt eine internationale Studie, bei der rund 600000 15-Jährige aus 79 Ländern, darunter 6000 Lernende aus über 200 Schweizer Schulen, geprüft wurden. Die Schweiz liegt dabei nur an 27. Stelle, nach China, Singapur oder Macau. Am Dienstag wurden die Resultate publik. Die Kantone müssen jetzt ausrechnen, wo sie durchschnittlich liegen. Das kann bis zu ein Jahr dauern. 
Basel verschliesst Augen vor Realität, Basler Zeitung, 4.12. von Franziska Laur

Eine Schmach


Was war das für eine Aufregung! Vor drei Jahren sackten die Schweizer Schüler beim Pisa-Test im Lesen ab – und für die Bildungsverantwortlichen im ganzen Land war klar: Das muss an der neuen computerbasierten Methode liegen. Bund und Kantone richteten ungewöhnlich harsche Worte an die OECD, die Lehrerschaft forderte gar den Austritt aus dem internationalen Schülervergleich.
Der falsche Reformeifer rächt sich, Tages Anzeiger, 3.12. von Raphaela Birrer

19. September 2019

Volksschule braucht Raum für Alternativen


Es ist der Albtraum für Eltern: Kaum ist die Tochter, der Sohn in der Primarschule, fangen die Probleme an. Das Kind wird von Klassenkameraden geplagt, es ist unglücklich, will morgens nicht zur Schule, hat undefinierbare Bauchschmerzen. Die Eltern wenden sich an den Lehrer; Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen werden eingeschaltet. Die Situation wird nicht besser, die Familie ist nervlich am Ende. Was tun? Das Kind in eine andere Klasse schicken? Eine Privatschule suchen? Oder es fortan selber unterrichten?
Kinder gehören nicht dem Staat, Weltwoche, 18.9. von Katharina Fontana

15. September 2019

"Von den Asiaten lernen"


Durch die Digitalisierung werden gemäss einer Studie 50 Prozent der heutigen Berufe innert zehn Jahren verschwinden, sagte der Sarganser Bernhard Hauser, Professor an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen, beim Anlass im Restaurant Schäfli. Wir müssten in neue Berufe investieren und ein innovatives Umfeld schaffen. Es brauche daher eine bessere Grundbildung. Die Schere zwischen guten und schwachen Kindern in der Vorschule öffne sich immer mehr.
Die Hälfte der heutigen Berufe wird durch Digitalisierung verschwinden, St. Galler Tagblatt, 14.9. von Hanspeter Thurnherr

11. September 2019

Chur will Eltern büssen


Das Sprachförderprogramm «Deutsch für die Schule» ist bereits im fünften Jahr. Gestartet wurde es, weil es in Chur immer wieder Kinder im Kindergarten und der ersten Klasse gab, die zu schlecht Deutsch sprachen, um dem Lehrer oder der Lehrerin folgen zu können; schlechte Voraussetzungen für den Start in eine Schulkarriere.
"Wer sich weigert, muss mit einer Busse rechnen", SRF Regional, 11.9. von Silvio Liechti

5. September 2019

Rösler: Lehrermangel bedroht Schulqualität


Erstmals ist eine Frau oberste Lehrerin der Schweiz: Seit Anfang August steht die Solothurnerin Dagmar Rösler an der Spitze des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz mit seinen 56'000 Mitgliedern. «Manchmal bin ich schon ein bisschen am Schwimmen. Aber es fühlt sich trotzdem gut an», sagt die 47-Jährige in ihrem ersten grösseren Interview.
Oberste Lehrerin der Schweiz: Wo Dagmar Rösler die Baustellen der Schule sieht, Aargauer Zeitung, 5.9. von Lucien Flury

24. Juli 2019

Zemp fordert längere Ausbildung für Primarlehrer


Oberster Lehrer der Schweiz: Dieses Prädikat hat Beat W. Zemp, Gymnasiallehrer für Mathematik und Geografie, 29 Jahre lang getragen. Ende Juli tritt der 64-Jährige als Zentralpräsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) ab. Er stand einem Verband vor, der seine Mitgliederzahl von 22 000 auf heute 56 000 steigern konnte. Abgesehen von den universitären Hochschuldozenten und -dozentinnen vertritt der LCH alle Lehrkräfte des Landes.
"Wer einen Beruf will, der nicht langweilt, muss Lehrer werden", NZZ, 24.7. von Jörg Krummenacher

20. Mai 2019

Bildung ist mehr als Ausbildung


Worin unterscheiden sich Ausbildung und Bildung? Und inwiefern ist Bildung nicht nur ein Vermitteln von Wissen, sondern auch von Werten? Solche Fragen sind am Donnerstagabend am NZZ-Redaktionssitz bei einem Podium zum Thema «Bildung–Menschen mit Kopf und Herz» erörtert worden. 
Bildung mit Werten statt nur mit Wissen, NZZ, 17.5. von Lena Schenkel (NZZ-Podium zur Macht und Ohnmacht der Pädagogik)

31. März 2019

Pragmatisches Verständnis von Bildungsgerechtigkeit


Unter dem Titel «Soziale Selektivität» hat der Schweizerische Wissenschaftsrat (SWR) Empfehlungen zur Verbesserung der Chancengleichheit im Bildungswesen vorgelegt. Das als Beratungsorgan des Bundesrates tätige Gremium kritisiert, dass für den Erfolg im schweizerischen Bildungssystem leistungsfremde Kriterien wie ökonomische Ressourcen und das Bildungsniveau der Eltern von unverhältnismässig grossem Einfluss seien. Den Analysen des SWR liegt die Auffassung zugrunde, dass Unterschiede im Bildungserfolg dann gerecht sind, wenn sie auf Unterschieden in der persönlichen Leistung beruhen. Chancengleichheit sei dann gegeben, wenn für alle Schülerinnen und Schüler «gleiche Lernvoraussetzungen bei der Einschulung wie bei den einzelnen Übergängen im Bildungssystem» bestünden.
Chancengleichheit ist ein zweischneidiges Schwert, NZZ, 29.3. von Walter Herzog

17. März 2019

Staatliche Frühförderung geht in falsche Richtung

Der Artikel von Jörg Krummenacher bezüglich Frühförderung (NZZ 7. 3. 19) hat mich so geärgert, dass ich eine Antwort geben muss, denn der Kommentar geht völlig in die falsche Richtung. Durch solche Frühförderung erreichen wir höchstens Chancengleichheit im Sinne von kranken, bindungsgestörten erwachsenen Menschen. Es stimmt, dass die ersten Lebensjahre für die Entwicklung des Menschen sehr wichtig sind. In dieser Zeit entwickelt das Kleinkind, wenn auf seine Bedürfnisse adäquat reagiert wird, Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und Urvertrauen. Dies kann aber nur durch eine sichere Bindung mit wenigen Bezugspersonen entstehen. Schon der Kindergarteneintritt mit vier Jahren ist für viele Kleinkinder zu früh und die Trennung von den Bezugspersonen traumatisierend. Der Staat soll Bedingungen schaffen, unter denen Eltern sich um ihre Babys und Kleinkinder wirklich kümmern können, und gegebenenfalls die Eltern darin unterstützen, empathisch auf ihr Kind einzugehen (wie zum Beispiel durch Safe-Kurse, wie sie in Deutschland angeboten werden). Staatliche Eingriffe zur Frühförderung behindern eine engagierte, verantwortungsbewusste Elternschaft und eine gesunde Entwicklung unserer Kinder. 
NZZ, 13.3. Leserbrief von Christian Weber

Stärkung der Eltern in ihrer Erziehungskompetenz


Frühförderung ist ein Schlagwort, ein Trend, der hinterfragt werden muss. Eltern stellen sich die Fragen: Was ist zu tun dafür, dass sich unser Kind psychisch und physisch so entwickelt, dass es das Leben meistern kann, im Beruf erfolgreich ist? Genügen unser Wissen und Können, um unserem Kind einen guten Start ins Leben zu garantieren? Im Artikel «Die Politik vergisst die Kleinkinder» (NZZ 27. 2. 19) wird suggeriert, dass mit Förderkursbesuchen und familienexterner Kinderbetreuung die Ziele der Eltern am besten erreicht werden könnten. 
NZZ, 13.3. Leserbrief von Sabina Geissbühler-Strupler