In einer Reaktion auf den Text von Monika Bütler, schreibt eine Leserbriefschreiberin:
1970/71,
also vor gut 40 Jahren, weilte unsere Familie ein Schuljahr lang an der Ostküste
der USA. Die drei Kinder waren zehn, acht und sechs Jahre alt, was dort
bedeutete: 5., 3. und 1. Klasse. Das ging so: Alle drei verliessen unser Haus
von Montag
bis Freitag vor acht Uhr. Am Montag, Mittwoch und Freitag packte ich ihnen
einen Lunch in die Lunchbox, den sie während der einstündigen Mittagszeit unter
Aufsicht ihrer Lehrerin in ihren Schulzimmern assen. Um etwa 15 Uhr 30 kamen
sie alle wieder nach Hause. Am Dienstag und Donnerstag war die Schule um 13 Uhr
aus, und sie kamen zum Essen nach Hause. Ich als Mutter hatte regelmässig gut
30 Stunden, über die ich verfügen konnte. Auch eine Berufstätigkeit wäre
möglich gewesen. Und was mich am meisten beeindruckte: Die amerikanische ganz
normale öffentliche Tagesschule war mit keinerlei zusätzlichen Kosten
verbunden!
Zu Hause in der
Schweiz hingen drei völlig unterschiedliche Stundenpläne am Kühlschrank. Für
mich als Mutter war es zum Verzweifeln. Und gut 40 Jahre später diskutieren wir
immer noch über «bessere Möglichkeiten, um Beruf und Familie zu verbinden» im
Entwicklungsland Schweiz. Es ist immer noch zum Verzweifeln.
Leserbrief von Ursula Mauch in NZZaS, 3.3.
Stundenplan und Mittagspause machen die Schule kompliziert für die Eltern, Bild: Schule Moosseedorf
Die Zürcher Regierung und der Zürcher Lehrerverband sind sich in der Frage der Mittagspausen einig: Wer will, der kann.
Allerdings gilt es zu beachten, dass die Frage der Mittagszeit nicht nur eine Frage der Schule, sondern gewissermassen unserer Kultur ist. Die Schweiz unterscheidet sich bekanntlich vom Ausland bezüglich des langen Schultages. Wesentlicher Grund dafür ist die lange Mittagspause, die es den Schülern erlaubt, das Mittagessen im Kreis der Familie einzunehmen. Handelt es sich dabei um einen alten Zopf oder um ein schützenswertes Gut? Klar ist, dass wenn die Mittagszeit verkürzt wird, alle Kinder an der Schule essen müssten. Wieso sich ausgerechnet der Zürcher Lehrerverband dafür einsetzt, ist mir nicht klar. Ich könnte mir vorstellen, dass es da noch einige Eltern gibt, die hier anderer Meinung sind.
Mittagstisch einer Oberstufe, Bild: Karin Hofer/NZZ
Halbtagesschulen sind möglich, NZZ, 24.3.
Die Baselbieter Musikschulen fürchten sich vor Harmos. Die notwendige Umstellung hat für die Schüler beträchtliche Folgen: Bis zu drei Lektionen mehr Unterricht in der Woche. Dazu kommt ein wegen des integrativen Unterrichts verlangsamtes Tempo. Dies wiederum führe zu mehr Hausaufgaben. Auch das Baselbieter Entlastungspaket 12/15 hat negative Auswirkungen. Die Klassen werden grösser und langsamer, dazu kommt noch ein längerer Schulweg. Alle diese Belastungen führen dazu, dass immer weniger Schüler noch zusätzlich ein Instrument lernen könnten, meint der Musiklehrer Christian Seiffert. Die Forderungen der Musikschullehrer sind deutlich:
- Maximal 55 Minuten mehr Unterricht pro Woche.
- Unterrichtsschluss bereits um 15.15 Uhr.
- Integration des Instrumentalunterrichts in den regulären Stundenplan.
Mehr Unterricht und Hausaufgaben bedeuten weniger Zeit zum Üben, Bild: Dominik Plüss
Keine Zeit mehr für Instrumentalunterricht, Basler Zeitung, 6.2. von Dina Sambar