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18. Oktober 2020

Schulreformen verstärken Chancenungleichheit

Dass die nichtakademischen Berufe von manchen Akademikereltern zu wenig gewürdigt werden, ist zweifellos richtig. Wo ich als langjährige Berufsschullehrerin widersprechen muss: «Bildung für alle» ist nicht nur auf dem akademischen Weg zu erlangen. Gerade in der Schweiz mit ihrem qualitativ hochstehenden und durchlässigen dualen Berufsbildungssystem ist eine Berufslehre der «Königsweg» zu vielen weiterführenden Möglichkeiten. Auch für diesen Weg werden gute schulische Grundlagen vorausgesetzt. Dafür hätte die Volksschule zu sorgen, und in neun Schuljahren wäre dies auch für Kinder mit weniger guten familiären Bedingungen möglich.

NZZaS, 18.10. Leserbrief von Marianne Wüthrich

29. März 2020

Ersatz des Klassenunterrichts nur als Notbehelf


Wie in der Tagespresse zu lesen war, preist das WEF die Zwangspause für die Schüler als Chance für eine «längst fällige Modernisierung im Bildungsbereich». Dazu ist zu sagen, dass viele Nicht-Pädagogen nicht wissen, was es braucht, damit Kinder und Jugendliche wirklich lernen können. Sicher funktionieren die heute hoch entwickelten Systeme technisch gut, aber der entscheidende Faktor, damit Kinder beim Lernen vorankommen, ist die persönliche Vertrauensbeziehung zur Lehrerin oder zum Lehrer. Zahlreiche Lehrkräfte im ganzen Land arbeiten zurzeit daran, wie sie nicht nur den digitalen Kontakt, sondern den persönlichen Draht zu jedem ihrer Schüler aufrechterhalten können. Den «klassischen Frontalunterricht», den das WEF erwähnt, gibt es schon längst nicht mehr. Wohl aber wird sich gerade in der heutigen Lage zeigen, dass der Klassenunterricht dringend wieder aufgewertet werden muss: Als Ort, in dem der Lernstoff durch die Lehrerin und die Schüler gemeinsam entwickelt und erarbeitet wird, damit diese das Gelernte dann in Einzel- oder Gruppenarbeit üben und vertiefen können. Zum Glück können heute Videokonferenzen und Ähnliches als vorübergehender Ersatz für den Klassenunterricht eingesetzt werden, bis die Jugend sich wieder in ihren Klassenzimmern zusammenfinden wird.
Der Zürcher Bote, 27.3. Leserbrief von Marianne Wüthrich

14. März 2020

«Deutsche Sprache als Grundlage allen Lernens»


Den ersten Anlass in diesem Jahr widmete der Verein «Starke Volksschule Zürich» dem wichtigsten Bildungsthema – dem Erlernen der deutschen Sprache. Das essentielle Werkzeug dabei sei das Lesen. Denn nur so können Texte verstanden, im grösseren Zusammenhang eingeordnet und richtig interpretiert werden. Dass die Schweizer Schulen hier ein eklatantes Defizit aufweisen, belegen die Testergebnisse der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) und der PISA-Studie von Neuem.
«Deutsche Sprache als Grundlage allen Lernens», Starke Volksschule Zürich, 12.3., von Timotheus Bruderer

21. Dezember 2019

Lehrermangel nicht Ursache sondern Folge fehlgeleiteter Reformen

Trotz des schlechten Leseverständnisses der 15-Jährigen bringt es laut Hans Fahrländer nichts, über Pisa, Lehrpläne undStrukturreformen zu streiten, «wenn die Grundvoraussetzung für eine gelingende Schule fehle, nämlich genügend gutes Lehrpersonal». 
Zusammen das Lernen und die Welt entdecken, St. Galler Tagblatt, 21.12. von Marianne Wüthrich

8. Dezember 2019

"Gut gemeinte Vorschläge auf die Schnelle"


Unter dem Titel «SOS: Wie bringen wir unsere Kids zum Lesen?» klagt Rudolf Minsch, Bildungsverantwortlicher der Economiesuisse, über das «niederschmetternde» Resultat der Pisa-Deutschttests und gibt den Eltern einpaar Tipps, wie sie ihre Kinder zum Lesen bewegen könnten.
Pisa-Desaster: Alles zudecken mit ein paar banalen Rezepten? 8.12. von Marianne Wüthrich

Pisa: Aufregung produzieren oder Konsequenzen ziehen?


Erstaunlich, zu welch weisen Erkenntnissen die neuesten Pisa-Tests führen. Worauf zahlreiche Reformkritiker seit Jahren warnend hinweisen, findet «dank» der erneut ungenügenden Resultate im Leseverstehen plötzlich Widerhall in den Medien. Jeder vierte 15- Jährige verstehe deutsche Texte zu schlecht, um später als eigenständiger Erwachsener im Alltag, im Berufsleben und als mündiger Bürger bestehen zu können. Etwa die Hälfte hat zudem wenig Freude am Lesen: «Ich lese nicht zum Vergnügen». Und was fällt der Zürcher Bildungsdirektorin und EDK-Präsidentin Silvia Steiner dazu ein? «Wir müssen uns fragen, wie es uns gelingt, dass Jugendliche wieder mehr Lust am Lesen bekommen.» In den Kantonen seien bereits Projekte und Konzepte am Laufen, gibt sie laut Tages-Anzeiger zum Besten («Schweizer sind nur Mittelmass»). So, so… Wir Lehrer könnten Ihnen schon sagen, welche Projekte und Konzepte es bräuchte: Freude am Lesen bekommen die Kinder nämlich vor allem beim gemeinsamen Lesen im Klassenverband, zusammen mit einer begeisterten und begeisternden Lehrerin, die über nicht verstandene Ausdrücke oder Sätze nicht hinweggeht, sondern mit ihren Schülern zusammen deren Sinn so erschliesst, dass möglichst alle folgen und ihr Textverständnis damit aufbauen und vertiefen können. 
Pisa: Aufregung produzieren oder Konsequenzen ziehen? 8.12. von Marianne Wüthrich

23. November 2019

Schlafforschungsergebnisse sind Ablenkungsmanöver

Viele Jugendliche würden unter dem derzeitigen frühen Schulbeginn leiden, zu wenig Schlaf könne gesundheitliche Folgen haben und zu schlechten Leistungen führen. Deshalb müsse die Schule später amMorgen beginnen, so der Artikel. Dazu werden verschiedene Forschungsergebnisse angeführt. Diese Argumentation führt in die Irre. Denn sogenannte Frühaufsteher und Nachtmenschen gab es schon immer. Sie mussten sich seit jeher an die Realitäten des Lebens anpassen. Statt unserer Jugend alle Steine aus dem Weg zu räumen und ihnen damit den Start ins spätere Berufsleben zu erschweren, würden wir die Sache gescheiter sportlich nehmen: «Ja, es ist hart, so früh am Morgen Mathe zu lernen, aber das kriegen wir hin – kommt, wir fangen an.» Oder so ähnlich. Jugendliche wollen gefordert, nicht verhätschelt werden, sie wollen und müssen ja erwachsen werden.
Diese Argumentation führt in die Irre, Marianne Wüthrich, 22.11.

6. November 2019

Goethe oder Google: Wer erklärt uns die Welt?


«Eine Kultur schafft sich ab», so der wenig erbauliche Titel, den der Sprach- und Literaturwissenschaftler Mario Andreotti für seine Sammlung von Zeitungskolumnen im St. Galler Tagblatt gewählt hat. Leider, muss man hinzufügen, passt diese Überschrift. Und dennoch ist es für die Zeitungsleserin jedes Mal eine Freude, ja sogar ein Hoffnungsschimmer, wenn sie auf eine der prägnanten Kritiken an unserem Bildungssystem stösst. Denn Zehntausende von Lesern können auf diesem Weg erfahren, was in unseren Schulen schiefläuft, beziehungsweise welche fatale Entwicklung in der EDK und den PHs angebahnt wurde. Der Autor lässt es aber nicht dabei bewenden, sondern zeigt auch auf, wo Korrekturen nötig und möglich sind. Auf aufschreckende Fragen wie «Verkümmert unsere Sprache im Internet?» folgen auch Antworten: «Frühdeutsch ist notwendiger als Frühenglisch», zum fatalen Niedergang des Fachs Geschichte erscheint einige Zeit später der Artikel «Warum Geschichte heute wichtiger denn je ist».
Goethe oder Google: Wer erklärt uns die Welt? Buchrezension von Marianne Wüthrich

30. September 2019

Integration um jeden Preis hat einen zu hohen Preis


Kinder mit Lernbeeinträchtigungen zeigen in Regelklassen zwar teils etwas bessere Leistungen, fühlen sich in Kleinklassen aber wohler. Weiter herrsche in integrierten Klassen oft regelrechte Bahnhofsstimmung, konzentriertes Arbeiten sei auch für gute Lerner teils nur mit Gehörschutz möglich. Während die schulische Integration den Kanton und die Gemeinden hohe Summen kostet, führe sie zu neuer Separation der schulisch Stärkeren und besser Betuchten. Diese und andere Schlüsse zogen drei Referenten an einer Veranstaltung am 27. September 2019 in der Helferei in Zürich, zu der der Verein «Starke Volksschule Zürich» eingeladen hatte, um über das Thema Kleinklassen zu diskutieren. 
Schulintegration führt zu Bahnhofsstimmung im Klassenzimmer, Medienmitteilung Verein Starke Volksschule Zürich, 30.9.         

26. Juni 2019

Warum Junglehrer aussteigen


Die wirklichen Gründe des zu­nehmenden Lehrermangels werden im Artikel nicht genannt. Aufhorchen lässt uns die Feststellung, dass 20 Prozent der Junglehrer innerhalb der ersten fünf Jahre wieder aussteigen. Warum geben die jungen Lehrer den einst schönsten Beruf auf oder brauchen längere Burn-out-Pausen? Warum brechen viele andere ihre Lehrerausbildung vorzeitig ab? Warum beenden immer mehr langjährige, gute, erfahrene Lehrer ihr Berufsleben lange vor der Pensionierung? 
Leserbrief zu «10000 neue Lehrer gesucht», (Ausgabe vom 31. Mai), von Marianne Wüthrich, St. Galler Tagblatt, 13.6.

14. April 2019

Nicht Schulreform, sondern Totalumbau


Unter diesem Titel lud der Verein «Starke Volksschule Zürich» am 12. April zu einem Vortragsabend mit Diskussion im Pfarreizentrum Liebfrauen in Zürich ein. Im gut besetzten Saal legte Prof. Dr. phil. Mario Andreotti der gebannt lauschenden Zuhörerschaft eine breite Auslegeordnung der Irrwege vor, denen unsere Jugend in den heutigen Schulen ausgesetzt ist.
Nicht Schulreform, sondern Totalumbau, 13.4. von Marianne Wüthrich

9. Juli 2018

Irrweg Digitalisierung

Der Literaturwissenschafter Manfred Schneider schreibt in seinem Gastkommentar «WirFingerwesen» (NZZ 23. 6 .18) Klartext. Dass wir ohne totale Digitalisierung in allen Gesellschaftsbereichen angeblich technologisch abgehängt würden, nennt er mit Recht «die Ideologie unserer Tage». Vielmehr bringe die Digitalisierung keinen Fortschritt, sondern nur Erleichterung. Wie inzwischen viele Eltern und Pädagogen wissen, hält auch der Autor fest: An erster Stelle müssen Kinder zwingend das Abc und das Einmaleins lernen. 
Digitalisierung der Schule - ein Irrweg, NZZ, 4.7. von Marianne Wüthrich

1. Mai 2018

Diskussion zu "Lärm im Schulzimmer"

Die aktuelleLärmklage deckt die Positionen in der Schuldiskussion klar auf: Die nimmermüden Schulumbauer sehen das Übel allein in den ungenügenden Rahmenbedingungen und fordern deshalb immer mehr Geld für ihre verschiedenen Forderungen. Wer aber mit der Kunst des gemeinsamen Klassenunterrichts noch vertraut ist, wird entgegnen, dass viel Lärm durch eine konzentrierte Schulführung vermieden werden kann. Ich bin für den gezielten Einsatz von genügend finanziellen Mitteln in der Bildung, aber nicht für teure Fehlinvestitionen, die sich oft als Fass ohne Boden erweisen. Das Lärmthema müsste eigentlich die Bildungspolitiker von den Stühlen reissen. Doch bisher merkt man davon nichts. 
Starke Volksschule Zürich, Hanspeter Amstutz 

Unsinnige Digitalisierungs-Offensive

«Die Digitalisierung ist keine bildungspolitische Notwendigkeit», so Jürgen Kaube, Redaktor und Herausgeber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», und er schliesst die Frage an: «Was ist denn, wenn die digitale Industrie ihr grosses Geschäft mit den Schulen […] gemacht haben wird, der Beitrag des Internets als Lehrmittel?» Seinen knappen, aber präzisen Kommentar schliesst Kaube mit der Feststellung, da der Nutzen der Digitalisierung nicht nachgewie­sen werden könne, müssten die Schulen auch nicht umgerüstet werden: «Und zwar zu Kosten, die einmal jemand in Lehrerstellen umrechnen sollte, damit die Dimension des Unfugs sichtbar wird, der gerade als bildungspolitische Notwendigkeit gilt.»1Soviel vorab aus der deutschen Nachbarschaft, sozusagen als Erdung, bevor wir die Argumente zur Digitalisierung der Schule im aktuellen Dossier des Schweizer Wirtschaftsdachverbandes economiesuisse unter die Lupe nehmen.2

7. Februar 2018

Abbruch eines fehlgeleiteten Experiments

Das Recht auf eine umfassende Volksschulbildung, insbesondere auf den Erwerb gefestigter und zukunftstauglicher Grundlagenkenntnisse und -fähigkeiten, steht allen Kindern zu. Spätestens seit der Hattie-Studie liegt es auf dem Tisch, dass der Klassenunterricht, in dem die Lehrerin zusammen mit ihren Schülern die Grundlagen erarbeitet, dem verfassungsmässigen Auftrag der Volksschule am besten gerecht wird. In diesem Sinne fordert die Initiative auch für jedes Schulfach Jahresziele, die möglichst für alle Kinder erreichbar sind, statt der schwammigen «Zyklusziele» des Lehrplans 21. Die Auffassung der Bildungsdirektion, für jedes Kind seien je nach seinem Stand andere Ziele festzulegen, wäre eine Abkehr vom gleichen Recht auf Bildung für alle.

Ein Ja zur Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» leitet den Abbruch dieses fehlgeleiteten Experiments ein. Dass die Verantwortlichen noch vor dem Volksentscheid damit begonnen haben, die Lehrkräfte auf den neuen Lehrplan 21 zu trimmen und entsprechende Lehrmittel zu produzieren, zeigt wenig Demokratieverständnis, hält uns aber nicht von der Forderung ab: Zurück auf Feld 1!
NZZ, 7.2. Leserbrief von Marianne Wüthrich

7. Januar 2018

Planvolle Steuerung des Unterrichts mit Hilfe des Schweizer Schulpreises

Dank dieses Grossraumbüros mit isolierten Einzelboxen und einer Lehrerin, die dazwischen herumspaziert, wurde die dazugehörige Schule eine der sechs Preisträgerinnen des Schweizer Schulpreises 2017. Als «moderne Käfighaltung von Kindern»charakterisiert Carl Bossard mit Recht solche «Lernlandschaften», in denen jeder Schüler irgendetwas macht, aber niemand sich darum kümmert, dass auch jeder etwas lernt. Die Bildlegende dazu: «Unterricht. Selbstgesteuert? Alters- und niveaudurchmischt? Ateliers statt Klassenzimmer? Das ist Unterricht an der Sekundarschule Sandgruben.» Ob man dem «Unterricht» sagen kann, ist allerdings fraglich. 
«Schweizer Schulpreis» – Kein Ranking der Schulen? Jo chasch dänkä! 7.1. von Marianne Wüthrich