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24. September 2015

Zeugnis vs. Computertest

Die Sekundarschule ist zu einem Labor verkommen: Bis zur 9. Klasse hat ein Schüler gegen fünf computerbasierte Tests gemacht: Den Auftakt macht in der 8. Klasse der obligatorische Stellwerktest, der 35 Franken pro Schüler kostet. Dann folgen Berufseignungstests wie Multi- und Basic-Check (je 100 Franken) sowie weitere fachspezifische Eignungsprüfungen. Nicht zu vergessen: Das Übungsmaterial des Stellwerktests in der 9. Klasse, das zusätzlich kostet. Diese Cashcow hat die Nachhilfeindustrie nicht verschmäht. Das Lernforum etwa bietet Vorbereitungskurse an. Auf der Website des Lernforums heisst es: «Eigentlich sollten diese Tests nicht durch ein Training ‹verfälscht› werden, aber die Resultate nach dem Kurs sind sehr gut.» Willkommen im florierenden Wirtschaftszweig Schule!













Resultat ist tagesformabhängig: Stellwerktest an einer Sekundarschule. Bild: Simon Tanner
Warum Zeugnisse besser sind als Computertests, Mamablog, 24.9. von Patrick Hersiczky

9. Juli 2013

Neue Zeugnisse am Horizont

Laut einem Bericht des Infomagazins "10 vor 10" sollen bald neue Zeugnisse die "Bewertungshoheit" über die schulischen Leistungen zurückerobern. Damit kann insbesondere die grassierende Testerei durch private Anbieter (Multicheck, Basic Check) am Ende der Schulzeit eingeschränkt werden. Die Zeugnisse werden aber erst nach Einführung des Lehrplans 21 neu konzipiert.
Detailliertere Zeugnisse für Schüler, SRF 10 vor 10, 8.7. von Urs Schnellmann

15. August 2012

Nachgefragt: Hans-Ulrich Bigler

Hans-Ulrich Bigler ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (sgv) und er nimmt Stellung zur Verwendung von Leistungstests wie Basic Check oder Multicheck. Damit klären Lehrbetriebe die Berufseignung von Bewerbern ab. Eine Studie kritisiert die Aussagekraft dieser Tests.

UK: Aus welchen Gründen verwenden Ihre Mitglieder die beiden Leistungstests Basic Check, respektive Multicheck?
HUB: Die Verwendung von Multi/Basiccheck geht einige Jahre zurück und ist auf die Einschätzung der Lehrmeister zurückzuführen, wonach die Zeugnisnoten zu wenig aussagekräftig waren. Problematisch war vor dem Hintergrund der hohen Nachfrage insbesondere der Quervergleich. Von Beginn weg war indessen klar, dass diese Tests bloss ein Kriterium unter mehreren ist. Ebenso wichtig sind persönliches Gespräch und Motivation der Kandidaten, Schnupperlehre, Referenzen etc.
UK: Wie zufrieden sind Ihre Mitglieder mit den Selektionstests? Haben Sie Rückmeldungen?
HUB: Die Zufriedenheit ist unterschiedlich, es gab und gibt Branchen, die mit Blick auf die Branchenanforderungen eigeene Tests entwickelt haben wie beispielsweise die Druckindustrie. Die Tests führen nie für sich alleine zu einem Entscheid hinsichtlich Lehrstellenvergabe.
UK: Sind Ihnen die Schwächen der Leistungstests bekannt? Wenn ja, was tun Sie dagegen?
HUB: Wir sind uns einerseits der Schwächen bewusst und stellen andererseits ebenso fest, dass in vielen Kantonen die Aussagekraft der Zeugnisse verbessert worden ist. Auch versprechen wir uns im Rahmen von Harmos - das vom sgv immer unterstützt wurde - eine weitere Verbesserung durch den Lehrplan 21 und die Definition beziehungsweise Einführung von Bildungsstandards. Liegen diese Elemente einmal definitiv vor, werden wir darauf hinarbeiten, dass auf weitere Tests in den Betrieben verzichtet wird. Dies umso mehr als wir zusammen mit der EDK ein Projekt "Anforderungsprofile" lanciert haben. Damit soll in der achten Schulklasse für die Schüler im Rahmen des Berufsinformationsprozesses eine Standortbestimmung möglich werden, der den Lehrstellenentscheid der Jugendlichen qualitativ unterstützt und in der neunten Klasse hilft, bestehende Lücken im Hinblick auf den gewählten Lehrberuf zu reduzieren.

Hans-Ulrich Bigler: Tests sind nur ein Kriterium unter vielen. Bild: sgv

23. Juli 2012

Multicheck schneidet schwach ab

Eine Studie vergleicht die Voraussagekraft von Schulnoten mit einem Multicheck. "Der prognostische Mehrwert, den der Multicheck ... unter Kontrolle kontextueller Einflüsse wie Geschlecht, schulischer Laufbahn oder sozialer und räumlicher Herkunft einbringt, ist gering". Dies überrascht, da Schulnoten und Zeugnisse von Lehrbetrieben häufig kritisert worden sind. Nun stellt sich heraus, dass die von vielen Betrieben zur Lehrlingsselektion verwendeten Tests (Multicheck und Basic-Check) ihren Ansprüchen nicht gerecht werden können. Die Leistungen im Multicheck sind kein verlässlicher Hinweis auf die zukünftigen Leistungen des Lehrlings. 

Multicheck zur Lehrlingsselektion ungeeignet, Bild: zukunftstattherkunft.ch
Was kann ein standardisierter Berufseignungstest, was die Schulnoten nicht können? Michael Siegenthaler

22. Oktober 2011

Bildungsdirektor: "Schulnoten haben zum Teil versagt"

Ab 2013 werden an den Schulen im Bildungsraum Nordwestschweiz einheitliche Leistungschecks eingeführt, wie sie von Firmen bereits heute verlangt werden. Der Solothurner Bildungsdirektor Klaus Fischer sagt, dass Schulnoten zum Teil versagt hätten.

Klaus Fischer:"Schulnoten sind nicht das A und O", Bild: Kanton Solothurn
Bildungsdirektor: "Schulnoten haben zum Teil versagt", Regionaljournal DRS, 21.10.

20. Oktober 2011

Keine Eintrittschecks mehr im Bildungsraum Nordwestschweiz

Die Schulen der Kantone BS, BL, AG und SO wollen eigene Leistungstests durchführen und damit die Leistungschecks der privaten Anbieter konkurrenzieren. Beat Zemp, Präsident des Dachverbandes der Schweizer Lehrer, meint dazu: "Es ist ein Versuch der Bildungsbehörden, die Bewertungshoheit zurückzugewinnen".
Vergleich wird möglich. Die Schülerinnen und Schüler sollen künftig viermal während der Schulzeit einheitliche Leistungstests absolvieren.
Die Schüler sollen künftig viermal während der Schulzeit einheitliche Leistungstest absolvieren. Bild: Basler Zeitung
Ein Test für alle Schüler von vier Kantonen, Basler Zeitung, 18.10. von Franziska Laur
Bericht im Regionaljournal DRS, 17.10. von Barbara Meyer

2. August 2011

Kritischer Blick auf Multicheck

Der Multicheck weist verschiedene Schwachpunkte auf: Die Tagesform entscheidet darüber, ob Jugendliche systematisch von einem Lehrberuf ausgeschlossen werden. Der Verfasser einer entsprechenden Studie, Michael Siegenthaler, sagt: "Die Ergebnisse meiner Masterarbeit zeigen, dass das Gesamtresultat des Berufseignungstests im Detailhandel nicht mehr aussagt, als das, was aus den Schulzeugnissen herausgelesen werden kann. Der Detailhandelstest hat keinen zusätzlichen Nutzen, ist relativ fehlerhaft, kann den Lernerfolg in der Berufsschule schlecht vorhersagen und auch einen Lehrabbruch nicht zuverlässig prognostizieren. Es scheint, dass der Test die «Berufseignung» eines Testteilnehmers nicht zu messen vermag."
Mulitcheck sollte nicht allein entscheiden Berner Zeitung, 2.8.

7. Juli 2011

Chaos im Beurteilungswesen

Die Misere ist schon lange bekannt: Unsere Zeugnisse genügen nicht mehr. Deshalb haben private Firmen eine Alternative geschaffen, die sich im Lehrstellenmarkt durchgesetzt hat. Diese Tests (siehe frühere Posts) sind aber erstens von fragwürdiger Qualität und kosten zweitens die Eltern auch noch Geld. Nun existiert mit dem St. Galler Stellwerktest ein staatlicher Vergleichstest. Auch er hat seine Mängel, verbreitet sich aber über die ganze Deutschschweiz. Und dann wäre ja noch unser Zeugnis, das ständig an Bedeutung verliert. Und dies trotz des grossen Aufwandes, der dafür betrieben wird.
Die "Rundschau" des Schweizer Fernsehens berichtet über Multi- und Basic Check, sowie über den Stellwerktest.
Bericht von Regula Tobler in der "Rundschau"

4. Juli 2011

60% der Lehrlinge benötigen Multi- oder Basic Check

Je stärker die Akzeptanz der Zeugnisse sinkt, umso mehr gewinnen Eignungstests an Bedeutung. In der Schweiz sind dies die beiden privaten Testanbieter Multicheck und Basic Check. Problematisch dabei ist, dass hier keine Rücksicht auf kantonale Unterschiede in den Lehrplänen genommen wird. Weil für einzelne Branchen der Eignungstest ein fixer Bestandteil der Bewerbung ist, gibt es keine Alternativen für die Jugendlichen. Interessant wäre auch eine Qualitäts-Analyse der beiden Tests.
Das Gewerbe findet Gefallen an den scheinbar objektiven Aussagen des Basic und Multi Checks. Die öffentliche Schule hat bis jetzt noch keine Antwort auf diese private Konkurrenz, welche die Zeugnisse in der Leistungsbeurteilung zu ersetzen drohen.  
Bericht von Claudia Gnehm mit Lesermeinungen, Blick online