Zuletzt fand ein alter Trend neue Beachtung:
Seit Mitte der Neunzigerjahre tut sich eine Schere bei der Maturaquote auf.
Mädchen haben die Buben abgehängt. Über die Ursachen debattieren Lehrer,
Politiker und Bildungsforscher seit Jahren. Doch ein Aspekt ging bislang in der
Diskussion unter – dabei trifft er besonders in der Schweiz zu.
Die Angst, als Streber zu gelten, kann die
Leistung beeinträchtigen. Von dieser Furcht betroffen sind allerdings
hauptsächlich Buben. Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm schreibt in einer
Kolumne, die in der Zeitung «Nordwestschweiz» erschienen ist, es gebe einen
deutlichen Zusammenhang zwischen guten Noten, Unbeliebtheit und dem Geschlecht.
«Im Gegensatz zu den Mädchen ist das Wort ‘Streber’ bei vielen Knaben negativ besetzt»,
sagt Stamm. Es sei deshalb nicht erstaunlich, dass sich viele schulisch sehr
gute Buben dem Druck zum Mittelmass beugen – und ihre Noten sinken. Die Kinder
würden dabei einem «heimlichen Lehrplan» folgen, sagt Stamm, einem versteckten
Code, der vorgibt, was cool ist und was nicht.
Die Angst der Buben, Südostschweiz, 5.12. von Yannick Nock