Der Autor, Arzt, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut Michael Winterhoff äussert sich im Interview zu den Schulabgängern, die nicht arbeitsfähig sind. Eine ganze Generation von Erwachsenen gehe in die falsche Richtung. Er ruft auch die Lehrer auf, sich einzusetzen, damit sich etwas ändert. "Die Lehrer müssen aufhören, unmündig zu sein".
Den Kindern den Weg ins Leben zeigen, Zeit-Fragen, 21.7. von Eliane Gautschi und Erika Vögeli
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30. Juli 2015
13. November 2014
Gefährdete Entwicklung unserer Kinder
Der siebzehnjährige Dennis zieht am Wochenende mit seinem elfjährigen
Bruder Nick los. Ihr Ziel ist der Baumarkt in der Nähe. Sie haben ein
Brecheisen dabei, um sich Zutritt zum Baumarkt zu verschaffen. Dennis will eine
Motorsäge stehlen, weil sich dieses Gerät optimal für die Bastelarbeiten an
seinem Kart eignet. Die Polizei erwischt die beiden. Schliesslich landet
Dennis, ein guter Gymnasiast aus einer intakten Familie und einem gepflegten
sozialen Umfeld, in der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis des Buchautors
Michael Winterhoff. Was Winterhoff in den Gesprächen mit Dennis erlebt,
beschreibt er als symptomatisch für viele Kinder und Jugendliche in der
heutigen Zeit: Dennis zeigt keinerlei Reue, keine Problemeinsicht und hat auch
keine Angst vor den Folgen seiner Tat. Auch ist ihm kein Problem, dass er
seinen jüngeren Bruder mit in die Tat hineingezogen hat.
Winterhoff: "Das Ruder herumreissen", Bild: stern.de
Michael Winterhoff: SOS Kinderseele. Buchbesprechung von Eliane Gautschi
Winterhoff: "Das Ruder herumreissen", Bild: stern.de
Michael Winterhoff: SOS Kinderseele. Buchbesprechung von Eliane Gautschi
9. November 2014
Korrekturen am LP21 sind nur Zuckerguss
Die Korrekturen am Lehrplan 21
treffen nicht den Kern der Kritik, sondern sind lediglich einige kosmetische
Änderungen. Zum Vergleich: Ein ungeniessbarer Kuchen wird nicht besser, wenn
man die Farbe des Zuckergusses von Hellblau auf Rosa wechselt, er bleibt
unverdaulich. So ist es auch beim LP21. Nicht diskutiert sind nach wie vor
dessen Auftraggeber, nämlich die nach den Rezepten der OECD und der
Bildungskonzernen arbeitenden Bildungsbäcker (ohne offen dazu zu stehen). Auch die weiteren Zutaten stammen aus der gleichen
Backstube: Der Konstruktivismus als Grundmasse und darin eingepackt das selbst
organisierte Lernen, die Rolle des Lehrers als Coach und Lernbegleiter und die
Zergliederung des Lernprozesses in abprüfbare Kompetenzen. Selbst bei einem
trivialen Haselnussstängeli müssen heute die Zutaten und deren Herkunft offengelegt
werden, damit der Kunde sich entscheiden kann, ob er sich das antun will oder
nicht. Warum nicht im Falle des LP21?
Leserbrief von Eliane Gautschi, 9.11.
30. September 2014
Fakten statt Ideologien im Diskurs über Frühfremdsprachen
Eliane Gautschi beschäftigt sich mit den Primarfremdsprachen und blickt dabei zurück auf die Zeit der Einführung und beschäftigt sich mit den zu erwartenden Ergebnissen. Sie fordert eine ehrliche, vorbehaltslose Debatte ohne Schlammschlachten und Propagandakonzepte.
Je früher, desto besser? Zeit-Fragen, 23.9.
Je früher, desto besser? Zeit-Fragen, 23.9.
22. Juli 2014
Überholte Schulmodelle bedrohen Volksschule
„Ich
habe mich geirrt“, sagt Diane Ravitch, eine der führenden amerikanischen Schulreformerinnen
angesichts der angerichteten Schulmisere in den Vereinigten Staaten. Mit genau
diesem Reformprogramm wird nun aber das schweizerische Bildungssystem seit
Jahren überzogen. Den Startschuss dazu gab der von der OECD initiierte
„PISA-Schock“. Wenn heute in einer Schule fast die Hälfte der Lehrer, egal aus
welchen Gründen künden, dann nehmen sie ihren Berufsauftrag ernst und in diesem
Schulhaus läuft grundsätzlich etwas falsch. Wenn Eltern sich dagegen wehren
müssen, dass ihre Kinder als Versuchskaninchen für längst überholte
Schulmodelle dienen sollen, dann stellt sich die Frage nach der Sorgfaltspflicht der zuständigen Behörden. Und
wenn Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder in Privatschulen schicken,
weil die durch ihre Steuergelder finanzierte Volksschule den Kindern die nötige
Bildung verweigert, dann ist unser Volksschulsystem grundsätzlich in Frage
gestellt. Was John Hattie in seiner umfassenden Studie festhält, schleckt keine
Geiss weg und wurde schon vorher durch zahlreiche Untersuchungen vorweg
genommen. Es wäre für unsere Bildungsverantwortlichen an
der Zeit, das zur Kenntnis zu nehmen, statt weiterhin ein ewiggestriges
Reformprogramm fortzuführen und es nun im LP 21 gesetzlich verankern zu wollen.
Dr. Eliane Gautschi, Sonderpädagogin und Schulleiterin
2. Juli 2014
Rückbesinnung auf die Heilpädagogik
Im letzten Jahrzehnt hat sich in den Schweizer Volksschulen die Zahl der
Sonderschüler von 12 000 auf 24 000 verdoppelt.1 Das sind 3,2% aller Volksschüler. Gleichzeitig ist
in diesem Zeitraum die Gesamtschülerzahl zurückgegangen. Viele dieser Kinder
sind gar keine Sonderschüler, sondern Kinder mit einer Lernschwäche oder
Verhaltensauffälligkeiten. Trotzdem wird ihnen eine «Behinderung»
zugeschrieben. Ein Grund dafür ist, an mehr Ressourcen heranzukommen, weil
Klassenlehrer mit integrierten Sonderschülern mehr Förder- und Stützmassnahmen
in Anspruch nehmen können. Die Fehldiagnose «Sonderschüler» ist grobfahrlässig
und für die Zukunft dieser Kinder schwerwiegend. Sonderschüler, die in einer
Regelklasse integriert werden, sind meist lernzielbefreit mit entsprechend
tiefgreifenden Folgen für ihr ganzes Leben. Sie verlieren den Anspruch,
gemeinsam mit den Gleichaltrigen den normalen Schulstoff zu erarbeiten. Der
Übertritt in eine höhere Schule oder in eine normale Berufslehre wird
illusorisch. Damit verwehren wir diesen Kindern ihr Menschenrecht auf Bildung.
Als erfahrene Pädagoginnen im sonderpädagogischen Bereich kann uns das nicht gleichgültig sein. Wir haben uns deshalb mit dieser Problematik befasst, sie genauer ausgeleuchtet und Grundlagen dargelegt, wie solche Probleme angegangen und gelöst werden könnten.
Als erfahrene Pädagoginnen im sonderpädagogischen Bereich kann uns das nicht gleichgültig sein. Wir haben uns deshalb mit dieser Problematik befasst, sie genauer ausgeleuchtet und Grundlagen dargelegt, wie solche Probleme angegangen und gelöst werden könnten.
Statt künstlich "Sonderschüler" zu produzieren - Rückbesinnung auf die Heilpädagogik, Zeit-Fragen, 19.11. 2013 von Eliane Gautschi und Henriette Hanke Güttinger
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