Eigentlich hätte er jetzt die Chance seines Lebens. Der Basler
Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) könnte die Probleme der Lehrer
anpacken, die sein Vorgänger verschlafen hat. Gewerkschafterin und Grossrätin
Kerstin Wenk (SP) hat diese Probleme im BaZ-Interview gestern dezidiert
angesprochen: überfüllte Klassenzimmer, in denen sich Heilpädagogen, Logopäden,
Zivildienstleistende und Praktikanten die Klinke in die Hand geben. Die
Verbürokratisierung der Schule, sodass die Lehrer kaum mehr Zeit haben, zu unterrichten.
Lernberichte schreiben, die Kinder vermessen, bewerten, einstufen.
Nun fassen Lehrerinnen und Lehrer endlich den Mut, das System
anzuprangern. In der Primarschule Gotthelf haben sie verweigert, Lernberichte
zu verfassen. Nur auf Wunsch der Eltern sollten solche abgegeben werden. Sie
argumentieren, dies sei unnötiger Druck und würde gar nichts bringen. 15
Pädagogen aus der Primarschule Wasgenring gratulierten darauf ihren Kollegen in
einem BaZ-Leserbrief zu ihrem Mut. Gleichzeitig stellten sie fest, dass ihre
Meinung von oben immer weniger gefragt ist.
Das Schweigen des Conradin Cramer, Basler Zeitung, 3.11. von Franziska Laur