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23. Februar 2020

Pseudowissenschaft bei den Fremdsprachen


Wir erinnern uns: Der Fremdsprachenunterricht in Schweizer Schulen beruht auf dem Sprachenkonzept der EDK von 2004. Im Wesentlichen brachte er zwei Neuerungen:
1. die Vorverlegung zweier Fremdsprachen in die 3. und 5. Primarklasse für alle Kinder,
2. die Einführung einer neuen Unterrichtsmethode, der so genannten «Mehrsprachigkeitsdidaktik».
Massgeblich stützte sich die EDK auf Expertenmeinungen, die eine markante Verbesserung der schulischen Leistungen versprachen. In seinem Artikel im «Journal of the European Second Language Association» von 2019 äussert nun aber Raphael Berthele, der frühere Leiter des Instituts für Mehrsprachigkeitsforschung der Universität Fribourg, grosse Bedenken gegen die wissenschaftliche Qualität der Empfehlungen, welche die Experten zuhanden der Bildungspolitik abgaben.[1]
An zwei Fallstudien zeigt er auf, wie leicht sich bei der Erforschung des Zweitsprachenerwerbs abgesicherte Wissenschaft mit reinem «Fürwahrhalten» (doxa) und Pseudowissenschaft vermischt hat. Er legt dar, dass im Falle des schweizerischen Sprachenkonzeptes oft nicht unterschieden wurde zwischen programmatisch (= spekulativ) formulierten Hypothesen und gesicherten evidenzbasierten Erkenntnissen[2], dass ausserdem evidenzbasierte Erkenntnisse, die auf eine bestimmte Situation zutrafen, unzulässigerweise auf Situationen mit andern Bedingungen übertragen wurden.[3] Das führte in der Konsequenz zu unsicheren Schlussfolgerungen, die sich nachteilig auf die Umsetzung im Schulbereich  auswirken konnten.


9. Februar 2017

Motion fordert Stopp für neue Fremdsprachendidaktik

“Erst probieren, dann studieren und erst dann finanzieren”, so lautet die einschlägige Formel des Linguisten, Mehrsprachigkeitsforschers und Leiters des Instituts für Mehrsprachigkeit an der Universität Fribourg. Die vorliegenden Forschungen zeigen nun, dass die Frühfremdsprachen-Promotoren diesen Grundsatz sträflich missachtet haben. Die Folgen: Die Erfolge des millionenschweren, flächendeckend eingeführten Experiments bleiben aus.[1]
Das realitätsferne Passepartout-Projekt und die Theorie der Mehrsprachigkeitsdidaktik sind gescheitert, Motion Kanton Baselland, 9.2.

18. September 2016

Kartell des Schweigens

Bildungspolitiker kämpfen mit allen möglichen Mitteln für das Frühfranzösisch. Wissenschafter, die den Nutzen anzweifeln, werden unter Druck gesetzt und diskreditiert.
Missliebige Ansichten werden unterdrückt. Illustration: Stephan Liechti
Kartell des Schweigens, NZZaS, 18.9. von Anja Burri

19. August 2016

Bersets diktierte Monokultur

Innenminister Alain Berset provoziert den Sprachenstreit. Er gibt vor, den ­«Zusammenhalt des Landes» zu sichern – dabei trampelt er die wichtigsten Säulen der Schweiz nieder: direkte Demokratie und Föderalismus.
Bersets gefährlicher Kampf gegen die Kantone, Weltwoche, Ausgabe 32/2016 von Philipp Gut und Peter Keller

11. Januar 2016

Am Ziel vorbei

Vielleicht ist es Ihnen genauso ergangen wie mir: Als ich den Bericht in der NZZ vom 7.1. las, traute ich meinen Augen kaum. Eine von der CORECHED - der Schweizerischen Koordinationskonferenz Bildungsforschung (die EDK ist Mitglied) in Dänemark in Auftrag gegebene Studie wurde dahingehend interpretiert, dass es keine wissenschaftliche Hinweise für eine Änderung am EDK-Sprachenkonzept gäbe. Die irritierenden Aussagen von Bildungsökonom Stefan Wolter, des Direktors der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, stimmen allerdings nicht mit dem Inhalt der Auftragsstudie überein.












Hans Ambühl sitzt zusammen mit Vera Husfeldt für die EDK in der siebenköpfigen Konferenz CORECHED, Bild: Jacobs Foundation
Am Ziel vorbei, Urs Kalberer, 11.1.
A systematic review of the impact of multiple language teaching, prior language experience and acquisition order on students' language proficiency in primary and secondary school, Clearinghouse Research Series 2015, Number 28

7. März 2015

"Der genaue Zeitpunkt spielt keine Rolle"

Immer früher sollen Kinder Sprachen lernen, am besten schon in der Krippe. Doch in der Frühfremdsprachen-Debatte werden zunehmend gesellschaftliche Kämpfe ausgetragen.


Berthele: "Zu glauben, dass man über Sprachaustausch wundersam Kenntnisse explodieren lassen kann, wäre naiv".

Frühenglisch-Debatte: Bühne für gesellschaftliche Kämpfe, SRF, 4.3. von Martina Mieth Polke

5. November 2014

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Kritiker des frühen Fremdsprachenunterrichts wurden in unserem Land totgeschwiegen. Systematisch. Die Phalanx der PH-Forschungsstellen diskutierte nicht über Sinn und Unsinn von Primarfremdsprachen. Man beschäftigte sich mit Mehrsprachigkeitsdidaktik, schrieb (unbrauchbare) Lehrmittel und konzentrierte sich auf die Problematik des Übertritts an die Sekundarschule. Doch die jüngsten Arbeiten von Lambelet/Berthele, von Kübler und der PHTG zeigen auf, dass ein früher Fremdsprachenunterricht nicht automatisch auch ein guter sein muss. In der Schweiz erfüllen wir die Minimalbedingungen für erfolgreichen Frühfremdsprachunterricht nicht, weder in der einen, noch in der anderen Sprache. Und erst recht nicht, wenn wir beide Sprachen gleichzeitig unterrichten. 
Wie im Kanton Zürich die Primarfremdsprachen "wissenschaftlich" abgesegnet wurden, widerspricht dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit, mit welchem die Kritiker mundtot gemacht werden sollten. Besonders in der Frage der Fremdsprachen ist die Unabhängigkeit und Integrität der Forschenden zentral. Nur allzu oft galt die Maxime: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.
In der Ausgabe 2/08 von Babylonia äusserte sich Daniel Stotz zur Studie von Urs Kalberer. Der Autor durfte in Babylonia 3/09 Stellung nehmen und forderte unter anderem mehr Unabhängigkeit in der Forschung. Mittlerweile sind fünf Jahre vergangen, die Forderung hat nichts von ihrer Dringlichkeit eingebüsst. (uk)


Es lohnt sich genau hinzuschauen, woher die Kritik kommt, Bild: ynovation.de

Replik zu "Den Übergang meistern", Babylonia 3/2009 S. 53-56 von Urs Kalberer

19. Oktober 2014

Unhaltbares Sprachenkonzept

Das bildungspolitische Credo: je jünger, desto besser, ist definitiv nicht mehr haltbar. Pseudostudien und Gefälligkeitsgutachten sind als solche entlarvt. Für die Schweizer Schule gilt es nun, den Fremdsprachenunterricht auf das mögliche und sinnvolle auszurichten. Und das bedeutet im Klartext: Eine Fremdsprache gegen Ende der Primarschule, eine zweite zu Beginn der Sekundarschule. Guter Unterricht in beiden Sprachen mit vier Lektionen pro Woche wird die Sprachkompetenz der Schüler massiv steigern. Und noch etwas: Die ideologiedurchtränkten Schweizer Lehrmittel können wir dabei vergessen. (uk)




Das Sprachbad, das in der Schule nicht umsetzbar ist, Bild: Andrea Caprez

Je früher, desto besser? NZZaS, 19.10. von Katharina Bracher


23. September 2014

Alter und schulisches Fremdsprachenlernen

Die Analyse des Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit in Freiburg ist brisant. Die Autoren schreiben: "Im schulischen Kontext zeigt sich derselbe Startvorteil für ältere Lernende. Sie lernen schneller als die jüngeren. Ein Ein- und Überholen durch die Frühbeginner wird in den momentan verfügbaren Studien im Allgemeinen nicht nachgewiesen".
Alter und schulisches Fremdsprachenlernen. Stand der Forschung. KFM Freiburg, Amelia Lambelet und Raphael Berthele, 2014

Spätstarter lernen Fremdsprachen schneller

Eine neue Schweizer Studie des "Wissenschaftlichen Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit" kommt zum Schluss, dass ältere Schüler schneller lernen als jüngere. Damit verliert ein wichtiges und viel zitiertes Argument der Befürworter von zwei Fremdsprachen in der Primarschule weiter an Schlagkraft.





Ältere Schüler beherrschen eine neue Sprache rascher als jüngere, Bild: Keystone

Spätstarter lernen Fremdsprachen schneller, Tages Anzeiger, 23.9. von Anja Burri