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21. März 2021

Erziehung in Zeiten der Digitalisierung

Wer kennt sie nicht, die leicht geneigten Köpfe an den Bushaltestellen, Menschen, in kleinen Gruppen zusammenstehend, auf ein flaches, rechteckiges «Ding» in ihren Händen starrend oder darauf herumwischend? Oder den Herrn im Anzug, der vermeintlich ein entspanntes Gespräch mit sich selbst zu führen scheint, lacht und Pausen einschaltet, bis man entdeckt, dass er, mit Kopfhörern ausgerüstet, in sein rechteckiges «Ding» spricht. Beim Spazierengehen sieht man Babys in ihren Kinder- wagen, die den Blick ihrer Mutter vergeblich suchen, weil sie auf dieses «Ding» fixiert ist: das Smartphone. Was als klobiges Gerät – vorwiegend zum Telefonieren gebraucht – auf den Markt kam, ist heute ein portabler kleiner Computer inklusive Shoppingcenter, der die Menschen überall hin zur Arbeit und in der Freizeit, Tag und oft auch in der Nacht, begleitet. Auch Kinder! Zunehmend jünger sind sie mit diesen Geräten befasst, und zu- nehmend mehr Fachleute machen sich Sorgen um die damit verbundene Entwicklung.

Im Dschungel des Internets: Erziehung in Zeiten der Digitalisierung, Zeit-Fragen, 9. 3. von Eliane Perret

18. Januar 2021

Lesen, lesen, lesen

«… soll euch nicht die Dummheit töten.» So beginnt ein Gedicht – auf vielen Internetportalen zu finden –, mit dem Kindern die Bedeutung des Lesens von Büchern vor Augen geführt werden soll. Auch wenn der weitere Fortgang des Gedichtes Geschmackssache ist, weist es doch auf die Bedeutung des Lesens für den einzelnen Menschen, für die ganze Gesellschaft hin. – Es ist nun fünfhundert Jahre her, seit mit der Erfindung des Buchdrucks das Lesen und damit die Bildung breiteren Bevölkerungskreisen zugänglich gemacht wurde. Bis dahin wurden Bücher und Dokumente handschriftlich kopiert. In Europa geschah das meistens in den Skriptorien der Klöster, in denen sich Mönche und Nonnen dieser anspruchsvollen Aufgabe annahmen und kunsthandwerkliche Bijous schufen. Und wie ist es mit Büchern und deren Bedeutung für das Lesen heute?

 "Bücherlesen ist vonnöten", Zeit-Fragen, 12.1. von Eliane Perret

7. Dezember 2020

«Scrabble», «Ligretto», «Chicken out», «Halma» und «Die fiesen Sieben» – was ist das?

Vor kurzem fragte ich in meiner Klasse, was man eigentlich in seiner Freizeit nach Schulschluss alles tun könne, wozu es keinen Bildschirm brauche. Es wurde zuerst einmal ruhig. Hätte ich meine Schülerinnen und Schüler nach ihnen bekannten Computerspielen oder Social-Media-Plattformen gefragt, wäre ich sofort mit einer Fülle von Antworten eingedeckt gewesen. «Hinausgehen und Fussball spielen», warf schliesslich ein Bub ein, «oder halt das Zimmer aufräumen». Dann meldete sich ein Mädchen und erzählte, dass sie der Mutter beim Kochen und Putzen helfe. Ein Junge pflichtete ihr bei, er koche auch gerne mit dem Vater zusammen und zeichne oft. Ein anderer berichtete vom gemeinsamen Bauen mit Legosteinen mit dem jüngeren Bruder. Ein Mädchen erzählte begeistert von «Scrabble», «Ligretto», «Chicken out», «Halma» und «Die fiesen Sieben», das sie zu Hause spielen würden. In den Gesichtern der anderen Kinder war offensichtlicher Erklärungsbedarf zu erkennen. Das Mädchen erklärte ihnen die verschiedenen Spiele. Ein Junge hatte mittlerweile eine versteinerte, leicht beleidigte Miene aufgesetzt, und man sah ihm an, dass ihn meine Frage störte. Ich kannte seine Freizeitgestaltung und wusste, dass er sehr viel, ja, zu viel Zeit mit Computergames verbrachte. Mit der Zeit kamen doch einige Ideen zusammen, wie man die Freizeit spannend und bildschirmfrei gestalten könnte. Mir fiel jedoch auf, wie wenig Raum das gemeinsame Spielen leider in vielen Familien noch einnahm.

«Scrabble», «Ligretto», «Chicken out», «Halma» und «Die fiesen Sieben» – was ist das? Zeit-Fragen Nr. 27, 1. Dezember 2020, von Eliane Perret

27. September 2020

Verzicht als Lernschritt

Heute ist es sehr verbreitet, Kinder früh zu fördern. Sie besuchen Sprachkurse, lernen bereits ein Musikinstrument oder spielen Tennis. Ihr Wochenplan ist durchgetaktet. Man möchte die Chancen für den Schulerfolg optimal gestalten. Oft steht dahinter die Angst, das Kind könne sonst den Anforderungen und dem Vergleich mit den Gleichaltrigen nicht genügen. Die heutige Forschung verweist jedoch eindeutig darauf, dass gefühlsmässige Ausgeglichenheit und die Fähigkeit, im sozialen Miteinander einen konstruktiven Beitrag zu leisten, ebenso wichtig sind für den späteren Schulerfolg wie frühes Lesen und Rechnen. Diese Kompetenzen bei einem Kind zu fördern ist oft anspruchsvoll, wie das folgende Beispiel zeigen soll.

Fit für die Schule? Fit fürs Leben? Zeit-Fragen 22.9.2020, von Eliane Perret 

30. September 2019

Integration um jeden Preis hat einen zu hohen Preis


Kinder mit Lernbeeinträchtigungen zeigen in Regelklassen zwar teils etwas bessere Leistungen, fühlen sich in Kleinklassen aber wohler. Weiter herrsche in integrierten Klassen oft regelrechte Bahnhofsstimmung, konzentriertes Arbeiten sei auch für gute Lerner teils nur mit Gehörschutz möglich. Während die schulische Integration den Kanton und die Gemeinden hohe Summen kostet, führe sie zu neuer Separation der schulisch Stärkeren und besser Betuchten. Diese und andere Schlüsse zogen drei Referenten an einer Veranstaltung am 27. September 2019 in der Helferei in Zürich, zu der der Verein «Starke Volksschule Zürich» eingeladen hatte, um über das Thema Kleinklassen zu diskutieren. 
Schulintegration führt zu Bahnhofsstimmung im Klassenzimmer, Medienmitteilung Verein Starke Volksschule Zürich, 30.9.         

10. März 2019

Scheinwelt der Beziehungslosigkeit


Als ich vor kurzem bei anbrechender Dämmerung nach Hause fuhr, entdeckte ich am Strassenrand einen kleinen Traktor. Ein Spielzeug zum Draufsitzen und Herumfahren, wie es sich viele Kinder wünschen. Ich stellte mir vor, wie es am Geburtstag mit glänzenden Augen ausgepackt worden war. Nun hatte das Gefährt schon einige Fahrten hinter sich. Der Traktor ging mir nicht mehr aus dem Kopf und regte mich zum Nachdenken an.

Gute Gewohnheiten – eine Schatztruhe fürs Leben
Warum stand der Traktor einsam am Strassenrand? Und wie kommt er wieder nach Hause? Jemand musste sich dafür verantwortlich fühlen; so wie sonst für vieles im Leben auch. Einige Kinder gingen mir durch den Kopf. Wir sind am Arbeiten und brauchen die Schere. «Wo ist meine Schere?», kommt schon die erste Frage. Ich muss den Impuls unterdrücken, meine Augen schweifen zu lassen. Und tatsächlich, nun wird das fragende Kind aktiv und beginnt seine Sachen selbst zu durchsuchen und überlegt, wo es zum letzten Mal die Schere verwendet hat. Schon bald ist sie gefunden, und die Arbeit kann weitergehen. Sehr gut, denn diese vermeintlich kleinen und unwichtigen Situationen legen den Grundstein zu altersgemässer Eigenständigkeit und Selbstverantwortung (wie sie heute so oft von Kindern am falschen Ort gefordert wird). Und der Traktor? War es wohl so, dass der kleine Besitzer des Gefährtes sich nicht gewohnt war, für sein Eigentum zu schauen, es sorgfältig zu behandeln und zu verwahren? Seine Aufgaben, auch im Spiel, zu Ende zu führen? Eine hilfreiche Gewohnheit, auf die auch später im Leben zurückgegriffen werden kann! Sie entsteht aus feinen Fäden, die sich zu einem starken Zwirn verdrehen lassen und Sicherheit und Halt geben. Wie hätte er das lernen können?
Der einsame Traktor oder einige Gedanken zur Erziehung, Zeit-Fragen, 26.2. von Eliane Perret

27. Dezember 2016

Sprachkenntnisse und Demokratie

In der Diskussion um den frühen Fremdsprachenunterricht geht oft eine wichtige Thematik verloren: Wie steht es eigentlich um die Deutschkenntnisse? Sind unsere Jugendlichen gerüstet für den Eintritt ins Berufsleben und für ihre Rechte und Pflichten als Bürger und Bürgerinnen der Schweiz? Einem Land, das ihnen durch die direkte Demokratie sehr viel Mitsprachemöglichkeiten gibt?
Sprache ist mehr als nur kommunizieren, Zeit-Fragen, 20.12. von Eliane Perret

19. September 2016

Wissenschaftliche Erkenntnisse nicht gefragt

Die Frage um Sinn und Unsinn des frühen Fremdsprachenunterrichts steht schon seit Jahren im Raum. Bereits 1997 setzte Ernst Buschor und seine Lobby den Beginn des Englischunterrichts überraschend auf die zweite Primarklasse fest . Der Entscheid  fiel nach einem Tagungsbesuch Buschors in den USA!  Er warf damit im Kanton Zürich die bereits aufgegleiste Planung des Fremdsprachenunterrichts  über den Haufen und verhinderte ein gemeinsames Vorgehen der Kantone. Der nachfolgende Schulversuch im Kanton Zürich mit Frühenglisch zeigte dürftige Ergebnisse. Verschiedene unabhängige Studienverwiesen auf die falschen Annahmen bezüglich des frühen Sprachenlernens imRahmen der Schule. Dennoch wurde Frühenglisch und Frühfranzösisch mit riesigemfinanziellem Aufwand flächendeckend eingeführt. Das Diktat hatten die globalen (Bildungs-)Konzerne, da waren wissenschaftliche Erkenntnisse nicht gefragt und nicht gewünscht.
Von Eliane Perret, 19.9.

31. Januar 2016

Europäisch gleichgeschalteter Bildungsraum im Blickfeld

Der Volksentscheid 2006 zum Bildungsverfassungsartikel wurde lediglich von einem Drittel der Stimmberechtigten gefällt. Es ging dabei lediglich um die notwendige Angleichung von Schuleintrittsalter, Schulpflicht, Dauer der Schulstufen, deren Ziele und Übergänge. Den Lehrplan 21 nun als Folge dieses Volksbeschlusses zu deklarieren wird auch durch ständige Wiederholung nichtwahrer. Der LP21 ist Teil eines neoliberalen Reformprozesses, diktiert von transnationalen Organisationen wie der Weltbank, der Welthandelsorganisation (WTO) oder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), aber auch der Europäischen Union (EU).  Angefangen mit der Bologna-Reform der Hochschulen soll immer mehr Einfluss auf die nationalen Bildungssysteme genommen und ein europäisch gleichgeschalteter Bildungsraum geschaffen werden. Dies obwohl das Schweizer Schulwesen noch 1990 im ersten Länderbericht der OECD besonders gute Noten erhielt und gelobt wurde für „die aussergewöhnlich gute demokratische Einbettung und damit Bürgernähe“ und sich laufend modernen Entwicklungen angepasst hat. Die Diskussion über diese Hintergründe wurde bis anhin vermieden und soll nun endlich offen und ehrlich geführt werden.
Leserbrief, 31.1. von Eliane Perret