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28. Oktober 2018

Wir brauchen verbindliche Texte im Deutschunterricht


Als ich 1975 an einem hessischen Gymnasium zum ersten Mal vor einer Klasse stand, um die Schüler in deutscher Literatur zu unterrichten, war ich mit den Folgen der drei Jahre zuvor erlassenen „Hessischen Rahmenrichtlinien Deutsch“ konfrontiert. Literaturunterricht sollte nicht mehr die Interpretation der „schönen“ klassischen Literatur sein, sondern der „Umgang mit Texten“. Diesem Textbegriff war alles eins: ein Gedicht von Rilke, eine Stellenanzeige und ein Zeitungsartikel. Die „hohe“ Literatur sollte vom Sockel geholt werden, um die Benachteiligung der Schüler zu beseitigen, denen es nicht vergönnt ist, im Elternhaus mit Büchern und intellektuellen Gesprächen aufzuwachsen. Statt dem Kind aus der Unterschicht den Umgang mit Literatur wenigstens in der Schule zu ermöglichen, wurde die Literatur gleich ganz eliminiert. Aus der „Ungleichheit“ weniger wurde Ungleichheit für alle. Welch fataler Irrtum, der bis heute nachwirkt.
Unterforderung ist das Übel der Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10. von Rainer Werner

21. Januar 2016

Geopfert auf dem Altar der Kompetenzen

Rainer Werner, ein deutscher Gymnasiallehrer, schreibt ein Plädoyer für den verpönten Frontalunterricht. Werner konstatiert, dass die Methode des Unterrichtens in jüngster Zeit wichtiger geworden sei als die zu vermittelnden Inhalte. Schwierige Stoffe würden gerne "geopfert", wenn sie nicht in ein entsprechendes Kompetenzraster passten.
"Wann machen Sie wieder einmal Ihren begnadeten Frontalunterricht"?, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.1. von Rainer Werner
Blog von Rainer Werner: guteschuleblog.wordpress.com