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10. Mai 2020

Berner Förderung "vulnerabler Schüler"

Normalerweise fegen 370 Schülerinnen und Schüler vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse durch das Schulhaus Tscharnergut. Jetzt, an diesem windigen Vormittag des Corona-Frühlings, ist es still wie in einem Kloster beim Morgengebet. Die Schule ist geschlossen, die Kinder lernen seit dem Lockdown Mitte März zu Hause. Eigentlich. Doch in einem der Gruppenräume der 3./4. Klasse rauchen drei Köpfe. Zum Beispiel derjenige von A., der an seinem Pult sitzt und ausdauernd die schriftliche Multiplikation übt. Nicht ohne jedoch für den Fotografen seine Frisur jederzeit in Form zu halten.

Erster Sieg gegen den Wochenplan, Berner Zeitung, 5.5. von Jürg Steiner

1. März 2020

Eltern fühlen sich verschaukelt

In der Presse war zu lesen, dass die sonderpädagogischen Massnahmen an der Volksschule «angepasst» würden. Was Gegner der Integration seit Jahren voraussagten, ist eingetroffen. Man hat viel zu wenig Heilpädagoginnen, ist jetzt praktisch beim GAU angelangt und präsentiert als Superlösung die Einführung von «Klassenassistenzen». Irgendwelche Hilfspersonen, Zivildienstler, Hausfrauen, Arbeitslose usw. sollen einspringen und anstelle der Therapeutinnen in den Klassen wirken. Wohlverstanden: Diese Leute können und dürfen integrierte Kinder mangels Ausbildung nicht einzeln therapieren, sondern nur allgemein ein wenig in den Klassen helfen.
Der Zürcher Bote, 14.2. Leserbrief von Hans-Peter Köhli

28. Februar 2020

Wenn Ideologie mit der Wirklichkeit kollidiert


An der Zürcher Volksschule zeigt sich, was passiert, wenn egalitäre Ideologie mit der Wirklichkeit kollidiert. Seit zehn Jahren versucht der Kanton krampfhaft, die Wunschvorstellung einer Schule, an der alle Schülerinnen und Schüler – auch solche mit besonderen Bedürfnissen – Platz haben, in die Realität umzusetzen. Doch der Traum der integrativen Schule hat sich bis heute nicht erfüllt.
Zehn Jahre integrative Schule: Statt Förderung herrscht vielerorts Überforderung - das muss sich ändern, NZZ, 28.2. von Daniel Fritzsche

Umsetzung der Integration harzt


Eines Tages steht Dominik* mit all seinen Schulsachen vor der Haustür. Seine Klassenkameraden haben sich lediglich für zwei Wochen Ferien voneinander verabschiedet. Er aber hat all seine Bücher, die Hefte und das Etui im Schulthek dabei. Die Heilpädagogin habe ihn nach Hause geschickt, berichtet er seinen Eltern. Nach den Ferien müsse er an eine andere Schule wechseln.

16. Februar 2020

Weichen für Schulerfolg sind mit 4 schon gestellt


Auch in der jüngsten Pisastudie zum weltweiten Schulvergleich sind die Werte der Schweiz gesunken, besonders im Lesen und vor allem in der Gruppe der schulschwachen 15-Jährigen. Dieser Trend wird aber noch viel ­problematischer, wenn man eine Sonderauswertung von Pisa berücksichtigt: Während in Deutschland der Anteil von Schulkindern mit guten Leistungen trotz sozial benach­teiligtem Elternhaus von 25 auf 32 Prozent erfreulich gestiegen ist, hat sich dieser Anteil in der Schweiz von 30 auf 27 Prozent verringert.
Förderung der Kinder kann gar nicht früh genug beginnen, NZZaS, 16.2. von Andrea Lanfranchi

11. Februar 2020

Immer mehr Kinder mit einer Diagnose

Alles wollen wir sein – nur nicht normal. Das gilt auch für den Nachwuchs. Klärt die Psychologin die Eltern auf, ihr Kind sei nicht so speziell, sondern normal, sind viele enttäuscht. Verständlich, denn die Pädagogik plädiert für die Einzigartigkeit jedes Kindes. Inzwischen gibt es allerdings mehr therapierte als gesunde Kinder.
Was ist normal? In der Öffentlichkeit ist die Definition kein Problem. «So ein Kind wie dieses ist doch nicht normal», gilt als selbstverständliches Deutungsmuster des gesunden Menschenverstandes, wie man Kinder voneinander unterscheiden kann. Dies führt allerdings zu einer Zweiteilung in «normale» und «abweichende», in Kinder ohne und mit Therapie. Weil es in der zweiten Gruppe so viele sind, ist die Abweichung von der Norm zur Regel geworden.
Das ist doch nicht normal, BZ Basel, 10.2. von Margrit Stamm

9. Februar 2020

Klassenassistenzen sollen fehlende Heilpädagogen ersetzen

Die Zürcher Schulleiterinnen und Schulleiter haben immer mehr Mühe, ihre Stellen für Sonderpädagogen mit ausgebildetem Personal zu besetzen. Der Grund dafür sind die steigenden Schülerzahlen und die steigende Zahl von Sonderschülerinnen und -schülern. Deshalb hat Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) nun die Verordnung über die sonderpädagogischen Massnahmen angepasst. Dies erlaubt es Schulen, die nicht genügend Heilpädagogen finden können, ihre offenen Stellen anderweitig zu besetzen. Die Förderlektionen, die ausfallen, sollen den betroffenen Klassen zugutekommen. Insbesondere sollen die Lektionen für mehr Halbklassenunterricht und mehr Teamteaching zur Verfügung stehen.
Mangel an Heilpädagogen spitzt sich zu, Tages Anzeiger, 8.2.

20. November 2019

Statistik der Sonderpädagogik


In der obligatorischen Schule erhalten 4,5% der Kinder verstärkte sonderpädagogische Massnahmen. Lernende mit besonderem Bildungsbedarf haben in den vergangenen Jahren vermehrt in den Regelklassen eine sonderpädagogische Unterstützung erhalten. Über die Hälfte (53%) der Lernenden mit einer verstärkten Massnahme sind in eine Regelklasse integriert, 6% erhalten eine besondere Fördermassnahme in einer Sonderklasse und 41% in einer Sonderschule. Dies sind die ersten Ergebnisse der neu konzipierten Statistik der Sonderpädagogik des Bundesamtes für Statistik (BFS).
Statistik der Sonderpädagogik Schuljahr 2017/18, Bundesamt für Statistik, 29.10.

30. Oktober 2019

Über vier Prozent der Schüler mit angepasstem Lehrplan


Die Schweizer Schulen haben sich in den vergangenen Jahren bemüht, Schülerinnen und Schüler mit einer Lernschwäche in Regelklassen zu integrieren. Das trägt Früchte. Über die Hälfte dieser Schulkinder nehmen am normalen Unterricht teil.
Lernschwache Schüler erhalten Unterstützung, sda, 29.10.

23. Oktober 2019

Integration ist keine Ideologie, sondern Auftrag

Riccardo Bonfranchi prognostiziert in seinem Gastkommentar (NZZ 10. 10. 19), «dass die schulische Integration von behinderten Schülern vermutlich so nicht wird weitergeführtwerden können». Er unterstellt, dass es nicht die Aufgabe der Regelschule sei, behinderte Kinder zu fördern. Da irrt sich der ehemalige Leiter einer heilpädagogischen Schule: Die Uno-Menschenrechtskonvention, die Unesco-Erklärung von Salamanca, aber auch alle kantonalen Gesetze betonen neben dem Recht auf eine angemessene Schulung und Bildung auch das Recht auf Gleichstellung und Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft. Integration in die Schule ist also keine Ideologie einer Bildungsdirektion, sondern schlicht ein(zugegeben: schwieriger) Auftrag.
NZZ, 23.10. Leserbrief von Andrea Lanfranchi, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich

10. Oktober 2019

Überforderung im Umgang mit der sogenannten Integration

Vermehrt war in den vergangenen Wochen zu lesen, dass die schulische Integration von behinderten Schülern vermutlich so nicht wird weitergeführt werden können. Als Grund dafür werden nun vor allem die verhaltensauffälligen Kinder und Jugendlichen genannt, die die Lehrkräfte an den Rand ihrer Belastbarkeit (oder darüber hinaus) führen würden. Dies ist, aus meiner Sicht, eine fatale Argumentation, weil der schwarze Peter hier einer Gruppe von Kindern zugewiesen wird, die nichts dafür können. Bei dieser Argumentation wird ausgeblendet, dass die schulische Integration behinderter Kinder, und dies betrifft sowohl lern- wie auch geistig behinderte Kinder, in der praktizierten Form nicht durchführbar ist.
Die schulische Integration ist auf dem Rückzug, NZZ, 10.10. von Riccardo Bonfranchi

31. August 2019

Beschulung von Flüchtlingskindern in der Kritik


Flüchtlingskinder besuchen in Graubünden teilweise jahrelang nicht die Volksschule, sondern werden direkt in den Asylzentren unterrichtet, wie Radio SRF berichtete. Dies sorgt für Kritik von vier renommierten Fachleuten, aber auch für Diskussionen in der Politik.
Fachleute kritisieren die Schulen in Bündner Asylzentren, SRF, 28.8 von Stefanie Hablützel

19. August 2019

Schule versucht Probleme zu lösen, die sie selber hervorbringt

Jetzt hängt alle Hoffnung am Phänomen Schule. Sie erscheint als letztes Refugium für das Reproduzieren von Kultur, als letzte kulturelle Projektionsleinwand. Eine Art Rettungsboot für alle. Das verleiht ihr in den hitzigen Debatten über sie den Nimbus einer Institution, die eigentlich nicht zur Diskussion stehen darf. An ihr herumkritteln: klar. Sie Reformen unterziehen: bitteschön. Sie digitalisieren: wenn‘s sein muss. Aber sie selbst steht nicht zur Disposition.
Nicht das Kind ist krank, sondern die Schule, in der es steckt, Infosperber, 19.8. von Christoph Schmitt

9. August 2019

Nicht alle Kinder freuen sich auf den Schulstart


In Schulklassen gibt es immer mehr Kinder, die sich von anderen in irgendeiner Weise abheben und deshalb auf Unverständnis stossen. Wie die Schülerin Clara*.«Wir freuen uns gar nicht auf den Schulbeginn», sagt ihre Mutter. Das 14-jährige Mädchen hat eine milde Form der Autismus-Spektrums-Störung (ASS), auch Asperger-Syndrom genannt. Keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern eine andere Art, das Leben zu sehen. 
"Jetzt geht dieser Wahnsinn wieder los", Basler Zeitung, 9.8. von Franziska Laur

10. Juli 2019

Stress vor den Ferien


Die Telefone in den psychiatrischen Ambulatorien laufen seit Wochen heiss, wie «20 Minuten» unlängst berichtete: Vor den Sommerferien suchen verzweifelte Eltern Hilfe, weil ihre Kinder Schwierigkeiten beim Lernen haben, weil sie wegen ihres Verhaltens in der Schule kaum mehr tragbar sind, weil sie in eine Sonderschule sollen. Recherchen des «Tages-Anzeigers» bestätigen das. Allein das kinder- und jugendpsychiatrische Ambulatorium Zürich Nord der Psychiatrischen Uniklinik verzeichnete im Mai 38 Anmeldungen, im März waren es noch 28. Noch deutlicher war der Anstieg letztes Jahr: 12 Anmeldungen im März, 32 im Mai.
Vor den Ferien noch zum Psychiater, Tages Anzeiger, 29.6. von Liliane Minor

14. Mai 2019

"Das Kleinklassen-Konzept hat funktioniert"

Ihr Editorial in der SonntagsZei­tung ist hervorragend geschrieben. Es trifft den Nagel auf den Kopf. Als heute 91-jähriger Sonderklas­sen-B-Lehrer (Oberstufe) - und möglicherweise einer der ältesten Heilpädagogen der Schweiz -, habe ich mich nun- schon fast 40 Jahre hintersonnen, wieso in den 80er -Jahren diese Betreuungs­industrie samt ideologischem Grundton die gesammelten Erfah­rungen in kurzer Zeit «wegge­putzt» haben. Das damalige Klein­klassen-Konzept hat funktioniert. Die Ressourcen, um die «schwie­rigen» Schüler zu betreuen, waren in einem Gleichgewicht in Bezug zu den Herausforderungen, und jeder einzelne Jugendliche konn­te begleitet werden. Begleitung im Sinne von: Die Stärken eines Men­schen fördern, die ihm effektiv eine Zukunft verheissen. Das Ergebnis lässt sich aus heutiger Sicht mehr als sehen: Viele von meinen Son­derklassen-B-Schülern sind später zu Unternehmern geworden. Die Erfahrungen mit Kleinklassen für verhaltensauffällige Schüler habe ich minutiös aufgeschrieben und wäre äusserst interessiert, dass sie nicht verloren gehen, sondern Per­sonen zukommen, die dieses Kon­zept wieder aufnehmen. Es würde mich sehr glücklich machen, wenn zum Schluss meines Lebens jün­gere Personen, die diesen Weg wieder zu beschreiten versuchen, mit diesen Informationen arbeiten könnten.
Das Ziel der «lnklusion» führt zu ideologischen Leerläufen, Sonntagszeitung, 12.5. Leserbrief von Johannes Boesch  


12. Mai 2019

Zemp fordert mehr Mittel für Integration


Immer mehr verhaltensauffällige Schüler belasten Lehrerschaft und Schule. Jetzt sieht Lehrerpräsident Beat Zemp das System der integrativen Schule in Gefahr und fordert Korrekturen: mehr Geld, mehr schulische Heilpädagogen, mehr Sozialarbeiter und mehr Klassenlehrerstunden. Im Einzelfall sollen gar Sonder- und Kleinklassen wieder eingeführt werden.
Problemschüler: Jetzt äussert sich der Lehrerpräsident, Basler Zeitung, 12.5. von Denis von Burg

29. April 2019

Inklusion führt zu ideologischen Leerläufen


Es ist gar noch nicht so lange her, da ­sonderte man Menschen mit Handicaps aus dem ­Leben aus und machte sie für die Gesellschaft quasi unsichtbar. In den 80ern des letzten Jahrhunderts wurden sie endlich eingegliedert. Eine ganze Betreuungsindustrie kümmerte sich nun plötzlich um sie. Eingliederungsstätten, ­Ausbildungsheime und Wohnzentren führten allerdings in der Praxis eher zu einer industriell perfektionierten Aussonderung statt zur «Ein­gliederung».
Es braucht wieder Kleinklassen, Sonntagszeitung, 28.4. von Arthur Rutishauser

2. April 2019

Autismus: Wenn kleinste Abweichungen Stress auslösen


Iwan* ist zu normal für die Sonderschule und zu anders für die Regelschule. Der Alltag mit einem autistischen Zehnjährigen, der nicht ins System passt.
In seiner eigenen Welt, Beobachter, 1.4. von Birthe Homann

17. März 2019

Zielgerichtete Förderung hilft


Dem fundierten und wichtigen Artikel von Lena Schenkel über die Schwächen des stark gegliederten Sekundarstufensystems ist zuzustimmen. Im Zentrum der Argumentation steht: Statt ewig zu klagen, müssen wir jetzt anpacken, und zwar nicht bei den schwer zu lösenden strukturellen Problemen, sondern bei den Inhalten auf der Ebene der individuellen Förderung von Kindern mit Lern- und Verhaltensschwierigkeiten. 
NZZ, 8.3. Leserbrief von Andrea Lanfranchi