Die Polit-Sendung "Arena" von SRF widmet sich dem Frühfranzösischen. Die Sendung bleibt an den immer gleichen Gemeinplätzen kleben. Die tief betroffene welsche Befindlichkeit wegen dem Ansinnen von einigen - in Schulfragen souveränen - Kantonen, aus pädagogischen Gründen den Start des Französischunterrichts an die Oberstufe zu verlegen. Welsche scheinen Wesen einer anderen Art zu sein: Sie hängen stark am Verständnis der Sprachkulturen, sie zelebrieren ihren Charme und ihre Weltoffenheit, und wir nehmen staunend zur Kenntnis, wie geschlossen alle Romands die Wichtigkeit des Beginns des Französischunterrichts nehmen. Doch fragt man in Lausanne, wer Nidwalden auf einer Karte zeigen kann oder wie die Hauptstadt des Thurgaus heisst, wird es still. Austauschklassen schickt man nach Deutschland, weil dort besser Deutsch gesprochen werde. Abtrünnige und Querdenker (wie der Rektor der ETH Lausanne) werden von höchster Stelle gemassregelt.
Frühfranz als Unterpfand für das Westschweizer Opfer, das mit dem Erlernen von Deutsch ab der 3. Primar erbracht wird. So wird argumentiert. Wenn wir schon müssen, dann sollt ihr gefälligst auch. Kann dies ein Fundament für eine Sprachenpolitik sein?
Niemand deckt auf, wie hundslausig es um den frühen Fremdsprachenunterricht in der Schweiz steht. Die Politiker freuen sich an den schönen Kinderliedli, die in der Primar gesungen werden und alles so spielerisch, so ungezwungen und leider auch so nutzlos. Glauben die wirklich, dass man Kultur, Respekt und Weltoffenheit mit Hilfe eines Schulbuchs verordnen könne? Niemand stellt fest, dass sich die Zwängerei früher und noch früher zu beginnen erstens nicht lohnt und sich sogar für den Zusammenhalt negativ auswirken wird. Es tönt absurd, aber die Westschweizer wollen mit allen Mitteln verhindern, dass die Deutschschweizer vernünftig Französisch lernen.
Der grösste Aufreger einer an Oberflächlichkeit kaum zu übertreffenden Sendung war das Fernbleiben der Vertreter aus der EDK. Für einmal haben diese die richtige Entscheidung getroffen. (uk)
Polik-Talk ohne Substanz, Screenshot SRF
Bye, bye Frühfranzösisch, Arena SRF, 12.9.
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13. September 2014
3. November 2013
Lieber Facts als Moral
In einer E-Mail-Debatte diskutieren Franz Jaeger und Jo Lang über den Lehrplan 21.
Franz
Jaeger Der
Lehrplan 21, der noch bis Ende Jahr in Konsultation ist, möchte den
Volksschülern nicht mehr Verstehen und Wissen beibringen, sondern sie mit
Kompetenzen ausstatten. Nur: Kompetenzen ohne Wissen und Verstehen ist wie ein
Haus ohne Fundament. In einer ökonomisch geprägten Welt immerhin erfreulich ist
der inhaltliche Schwerpunkt des Lehrplans im Bereich «Wirtschaft, Arbeit,
Haushalt». Bei einem zweiten Blick darauf wird allerdings klar, dass es
irritierenderweise nicht darum geht, die wirtschaftlichen Zusammenhänge und das
Funktionieren einer Volkswirtschaft zu vermitteln. So besteht das Lernziel
explizit darin, den Schülern ausschliesslich beizubringen, wie sie sich als
Konsumenten nachhaltig, reflektiert und politisch stets korrekt zu verhalten
haben. Offensichtlich will man eine das Verhalten beeinflussende
Ideologisierung durch die Schule. Die Fähigkeit, den ganzheitlichen
sozialökonomischen Kontext des Konsumverhaltens zu erkennen, bleibt als
Lernziel ausgeblendet. Das überrascht nicht, verfügte doch in der
Begleitgruppe, welche die Schwerpunkte vorbereitete, niemand über eine
ökonomische Ausbildung oder marktwirtschaftliche Erfahrung. Ohne vernetzenden
Einbezug auch der Motive von Unternehmen, Investoren, Arbeitgebern, Banken und
öffentlichen Haushalten in den Lehrplan droht jedoch selbst eine vernünftige
Konsumentenerziehung bei den Kindern zu einer einseitigen Denkweise zu führen.
Die Linke wird es freuen, die Economiesuisse nicht kümmern. Das Nachsehen hat
wieder einmal unser Wirtschaftsstandort.
Jo Lang Ihre Skepsis gegenüber
dem grassierenden Gerede von «Kompetenzen» teile ich. An unserer Schule, an der
ich im 32. Jahr unterrichte, wird das als «Rucksäckli-Theorie» verspottet.
Gemeint ist, dass die Schüler nicht länger mit einem inhaltsschweren Rucksack,
sondern bloss mit einem leichten Methoden-Rucksäckli ins (Berufs-)Leben
entlassen werden. Allerdings trifft diese Kritik auf den Lehrplan 21 nicht zu,
auch wenn das Reizwort «Kompetenz» dort etwas gar stark betont wird.
Überhaupt
nicht nachvollziehen kann ich Ihre Kritik am Bereich «Wirtschaft, Arbeit,
Haushalt». Beispielsweise finde ich das Unterkapitel «Märkte und Handel
verstehen - über Geld nachdenken» gerade wegen seiner Sachlichkeit sehr stark.
Ich nehme ja nicht an, dass Sie als Warner vor der Staatsverschuldung die
Auseinandersetzung mit der Jugendverschuldung als etwas Linkes betrachten. Was
das Kapitel über den Konsum betrifft, geht der Lehrplan ganz einfach davon aus,
dass die Volksschüler nicht auf eine Rolle als zukünftige Wirtschaftspolitiker
oder Wirtschaftsprofessoren vorzubereiten sind, sondern auf die als mündige
Käuferinnen und Käufer. Wenn es hingegen einen Aspekt im Lehrplan 21 gibt, den
ich etwas stärker betonen würde, so ist dies die Berufswahlkunde.
Gewiss,
die neoliberale Ideologie wirkt heute überall weniger prägend als auch schon -
völlig zu Recht. Zu den Erfolgsgeheimnissen der Schweiz gehört eine
Volksschule, die ihre Unabhängigkeit gegenüber der Kirche erkämpfte und
gegenüber der Wirtschaft bewahrte.
Franz Jaeger Lieber Herr Lang, der
Lehrplan 21 will mündige Bürger. Das erreicht man besser mit?faktenbasierter
Aufklärung statt mit moralinen Verhaltensanleitungen. Die Vermittlung von
ökonomischem Fachwissen in einem gesamtwirtschaftlichen Kontext sowie die
Anleitung zu vernetzter Reflexion haben überhaupt nichts mit einer Vorbereitung
auf eine Professorenlaufbahn zu tun. Es geht darum, die Volksschüler mit der
ökonomischen Welt vertraut zu machen. Denn sie werden ja nicht nur konsumieren,
sondern dereinst grösstenteils auch zur produktiven Bevölkerung gehören, sei es
als Erwerbstätige, als Kaderleute, als Unternehmerinnen, sei es als
selbständige Dienstleister oder als Investoren. Was, bitte schön, soll das mit
Neoliberalismus zu tun haben? Und ausserdem: Mein schönstes Vorlesungserlebnis
war vor zehn Jahren die Eröffnung der Kinderuni an der Hochschule St. Gallen.
Ich widmete damals der Jugendverschuldung zwei ganze Lektionen, allerdings
nicht ohne dabei intensiv auch auf die Unheil stiftenden Auswirkungen einer
überbordenden Staatsverschuldung einzugehen. Dabei haben die Primarschüler, das
zeigten ihre Antworten auf anschliessende Interviewfragen, problemlos
begriffen, dass nicht nur sie selbst, sondern auch Unternehmen, Banken und vor
allem der Staat nicht ohne Schaden auf Dauer über ihre Verhältnisse leben
können. Der Lehrplan 21 hat Verbesserungspotenzial.
Jo Lang Nein, lieber Herr
Jaeger, Schulklassen nicht nur mit wirtschaftlichen, sondern auch mit ethischen
Wertfragen zu konfrontieren, das ist aus meiner Sicht noch lange keine
«moraline Verhaltensanleitung», wie Sie das nennen. Nehmen wir nur einmal das
brisante Unterkapitel «Die Schülerinnen und Schüler können globale
Herausforderungen der Ernährung von Menschen verstehen»! Ist es wirklich
abwegig, die Frage der Bodenzerstörung und der Einkommensbedingungen
aufzuwerfen? Auch das Kapitel «Handlungsmöglichkeiten als Beitrag zur
weltweiten Ernährungssicherung entwickeln, diskutieren und sich dafür
engagieren» ist wichtig. Aus der offenbar kantianisch geprägten Sicht des Lehrplans
21 ist der mündige Citoyen kritisch gegenüber allen Mächten, auch den Märkten,
und kann vernetzt denken - nicht nur als globaler Konsument, sondern auch als
Weltbürger.
Berechtigt
ist die Frage, ob der Lehrplan nicht überfrachtet ist. Sicher geht es nicht,
seine Einführung, die für die Lehrpersonen höchst anspruchsvoll ist, mit
Sparübungen zu verbinden. Als das Volk 2006 deutlich Ja sagte zum revidierten
Bildungsartikel, war ihm klar, dass dieser Fortschritt der Harmonisierung nicht
gratis zu haben ist.
Quelle: NZZaS, 3.11.
3. Oktober 2013
Jetzt auch noch Kappeler und Jaeger
Zu den Gegnern des Lehrplans 21 gesellen sich nun auch noch zwei einflussreiche Ökonomen: Der Publizist Beat Kappeler und der St. Galler Wirtschaftsprofessor Franz Jaeger. Beide haben sich mit dem Bereich "Wirtschaft, Arbeit, Haushalt" auseinander gesetzt. Dieser sei ideologisch gefärbt - die wirtschaftlichen und geschichtlichen Fakten würden weitgehend ausgeblendet.
Kappeler: "Überladen".
Jaeger: "Wirtschaft besteht nicht nur aus Konsum".
"Die Kinder lernen nur, wie man kauft, frisst, mietet", Basler Zeitung, 3.10. von Dominik Feusi
Kappeler: "Überladen".
Jaeger: "Wirtschaft besteht nicht nur aus Konsum".
"Die Kinder lernen nur, wie man kauft, frisst, mietet", Basler Zeitung, 3.10. von Dominik Feusi
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