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23. August 2020

Zum Tod von Sir Ken Robinson

Sir Ken Robinson ist am Freitag im Alter von 70 Jahren an Krebs gestorben. Der Autor, Redner und Pädagoge wurde berühmt durch einen TED-Talk, in dem er die Schule frontal angriff. Sie vermittle den Kindern keine Kreativität. Robinson hat vorgeschlagen, dass sich Bildung an drei Fronten entwickeln muss. Erstens, dass es die Vielfalt fördern soll, indem es einen breiten Lehrplan anbietet und die Individualisierung des Lernprozesses fördert. Zweitens sollte es die Neugier durch kreativen Unterricht fördern, der von einer qualitativ hochwertigen Lehrerausbildung und -entwicklung abhängt. Schließlich sollte der Schwerpunkt auf der Erweckung der Kreativität durch alternative didaktische Prozesse liegen, bei denen standardisierte Tests weniger im Vordergrund stehen, wodurch die Verantwortung für die Festlegung des Bildungsverlaufs für einzelne Schulen und Lehrer übertragen wird. Er glaubte, dass ein Großteil des gegenwärtigen Bildungssystems in den Vereinigten Staaten eher Konformität und Standardisierung fördert als kreative Lernansätze. Robinson betonte, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn wir erkennen, dass Bildung ein organisches System ist, kein mechanisches. Eine erfolgreiche Schulverwaltung ist eher eine Frage der Schaffung eines hilfreichen Klimas als der "Führung und Kontrolle".

Hier ist sein TED-Talk aus dem Jahr 2006 über Kreativität und wie die Schule sie erstickt. 

Ken Robinson: Do schools kill creativity?


28. März 2020

Das abstürzende Klassenzimmer


Deutsche Schulen sollen im Eiltempo digitalisiert werden. Ob das wirklich eine gute Idee ist? Der Blick in die USA zeigt, dass die Schulen dort deutlich weiter- und recht ernüchtert sind.

Das abstürzende Klassenzimmer, Technology Review, April 2020, von Nike Heinen und Natalie Wexler 

2. Februar 2020

Gemeinsamer Klassenunterricht am wirksamsten

Bei Amerikas längster, teuerster und bedeutendster Studie über die Wirksamkeit von Unterrichtsmethoden an öffentlichen Schulen gab es einen überragenden Sieger, den gemeinsamen Klassenunterricht in der Form der „Direkten Instruktion“.
Die „Direkte Instruktion“ ist eine lehrerzentrierte Unterrichtsmethode zum Erlernen von Fakten- und Grundlagenwissen und zur Ausbildung kognitiver Fähigkeiten. Die Lehrperson steuert und strukturiert den Lernprozess aktiv. Die „Direkte Instruktion“ betont die Grundfertigkeiten und zerlegt sie in kleine Lernschritte. Kinder lernen beispielsweise lesen, indem sie die Aussprache der Buchstaben vor den Buchstabennamen lernen. Sie müssen jede Fertigkeit beherrschen, bevor sie zur nächsten übergehen. Die Lehrer verfolgen den Fortschritt jedes einzelnen Schülers täglich. Sie achten auf sein Verhalten und ermutigen gutes Verhalten. Schlechtes Verhalten ignorieren sie weitgehend, wenn sie es als Ausdruck eines entmutigten Schülers wahrnehmen. Sie gehen davon aus, dass sich schlechtes Verhalten von selbst erledigt, wenn der Schüler Erfolgserlebnisse im Lernen macht.
Direkte Instruktion gewinnt, Condorcet, 24.1. von Peter Aebersold

Neuer Schulunterricht mit künstlicher Intelligenz


Mark Zuckerberg, Bill Gates und Reed Hastings haben ein gemeinsames Hobby. Es könnte die gesamte heranwachsende Generation prägen und lässt sich nur mit dem Kontostand eines Tech-Milliardärs ausüben. Der CEO von Facebook, der Gründer von Microsoft und der Netflix-Chef machen sich in ihrer Freizeit daran, den Unterricht an amerikanischen Schulen umzubauen.
Wie Tech-Unternehmer um Mark Zuckerberg den Schulunterricht weltweit umbauen wollen - und Daten von Schülern sammeln, NZZaS, 2.2. von Ursina Haller

9. Januar 2020

Wie Technologie die Schüler bremst

In einem Klassenzimmer der ersten Klasse, das ich vor einigen Jahren besuchte, verwendeten die meisten Sechsjährigen iPads oder Computer. Sie arbeiteten selbständig an Mathematikproblemen, die angeblich auf ihre Fähigkeiten zugeschnitten waren, während der Lehrer separat mit einer kleinen Gruppe arbeitete. Ich sah zu, wie ein Junge, den ich Kevin nennen werde, auf einen iPad-Bildschirm starrte, der ihn anwies, "8 und 3 zu addieren". Er war ein schwacher Leser (wie fast alle seine Klassenkameraden) und drückte den "Hören"-Knopf. Aber er hat immer noch nicht versucht, eine Antwort zu geben.
Natalie Wexler ist als Journalistin spezialisiert auf Bildungsthemen. Sie lebt in New York, Bild: Twitter
How classroom technology is holding students back, MIT Technology Review, 19. 12. 2019, von Natalie Wexler, Übersetzung ins Deutsche von Urs Kalberer

13. November 2019

Checks sind nicht die Lösung

Martin Dätwyler irrt, wenn er meint, regelmässige Checks könnten die Qualität derSchulleistungen verbessern. Wenn dem so wäre, hätten Erfolge längst eintreten müssen, denn überkantonale Checks gibt es in der Nordwestschweiz bereits seit 15 Jahren, in den USA seit über 30 Jahren. Basel-Stadt schnitt immer schwächer ab als andere. Das Vermessen der Kuh macht diese eben noch nicht fetter. Das Gegenteil ist wahr: Die Checks verhindern den Aufbau von Wissen und Kompetenzen, da sie dazu verführen, die Kinder und Jugendlichen auf eine eingeschränkte, weil leicht zu prüfende Art von Aufgaben einzuschwören, anstatt den Lernstoff in vertieften Zusammenhängen zu vermitteln, was die einzige Möglichkeit darstellt, sinnhaftes Wissen und darauf fussende Kompetenzen aufzubauen. Wieder einmal verwechselt ein Wirtschaftsvertreter berufliche Ausbildung mit schulischer Grundbildung, die durch die Förderung elementarer Fähigkeiten und persönlicher Anlagen die Voraussetzungen für Berufsbildung erst schaffen muss. Der Widerstand gegen die Checks ist verständlich: Schwache Leistungen und zu milde Leistungsnoten sind mit Prüfungsmanie nicht zu beheben.
Checks sind nicht die Lösung, 13.11. von Felix Schmutz

26. Juni 2019

Wird Völkerball bald verboten?


Völkerball gehört in vielen Ländern zum Schulsportprogramm dazu. So auch in der Schweiz. Doch nun fordern kanadische Forscher Lehrer auf, den Ballsport zu vermeiden. Mit der Begründung, er sei «entmenschlichend».
"Völkerball ist wie legales Mobbing" - Forscher fordern Ende des Schulsports, Oltner Tagblatt, 26.6. von Helene Obrist

7. April 2019

Hier digital, dort zurück zu analog


Die Zeiten des Frontalunterrichts sollen bald der Vergangenheit angehören. Zumindest, wenn es nach dem Willen vieler Bildungsminister geht. In den Industrienationen werden Milliarden in die Digitalisierung von Bildung gesteckt. In den Niederlanden sorgten die «Steve-Jobs-Schulen» für Aufsehen, wo Schüler statt mit Büchern mit dem iPad lernen. Google hat in den USA in den vergangenen Jahren heimlich das Klassenzimmer erobert – mit Low-Cost-Laptops wie dem Chromebook, das auf Googles Betriebssystem läuft. Apple unterstützt weltweit 400 Bildungseinrichtungen, sogenannte «Apple Distinguished Schools», mit digitalen Lerntechnologien.
Bildschirmfrei ist das neue Bio: Warum die Programmierer im Silicon Valley ihre Kinder computerfrei erziehen, St. Galler Tagblatt, 2.4. von Adrian Lobe

24. März 2019

Geisteswissenschaften unter Druck


In den USA sinkt das Interesse an Studienfächern wie Geschichte, Philosophie und Literatur dramatisch. Institute schliessen, Professoren werden entlassen. Auch in der Schweiz ist die Lage besorgniserregend. Die Folgen sind fatal.
Geschichte fällt heute aus, NzzaS, 17.3. von Felix E. Müller 

14. März 2019

Skandalöse Augenwischerei

Die Sendung "Kulturplatz" von Fernsehen SRF leistet sich eine in ihrer Einseitigkeit wohl einmalige Propagandasendung zur Digitalisierung an unseren Schulen. Angesichts der ungebremsten Aufrüstung an digitalen Geräten vom Bergdorf bis in die Grossstadt soll offenbar Stimmung gemacht werden für noch mehr Geld und Investitionen. Kritische Fragen werden nicht gestellt - mit einer Ausnahme. Die Moderatorin Eva Wannenmacher fragt: "Kann man auch belegen, dass man mit digitalen Lehrmitteln besser lernen kann?" Rahel Tschopp von der PH Zürich antwortet: "Ich weiss nicht, ob diese Frage die zentrale ist, sondern die Frage, die für mich zentraler ist, lautet: Alles, was in Zukunft automatisiert werden kann, wird auch automatisiert werden. Damit stellt sich die Frage, was unsere Kinder heute können müssen ..." - Der Frage wurde ausgewichen, der Journalistin fällt es nicht ein, an diesem Punkt nachzuhaken. Beiträge aus Niederhasli (!), aus einem Weiterbildungskurs für Lehrer an der PHZH, aus den USA, Finnland und Singapore erwecken aneinandergereiht das Bild einer skandalösen Augenwischerei. (uk)
Rahel Tschopp ist Leiterin des Zentrums "Medienbildung und Informatik" der PHZH, Bild: Screenshot SRF
Die Schule - Aufbruch ins digitale Zeitalter, SRF Kulturplatz, 13.3.


2. März 2019

Helikoptereltern verstärken Ungleichheit


Gibt es die sogenannte Helikoptererziehung wirklich, ist das ein neues Phänomen und warum bevorzugen Eltern eine Erziehungsform, die zugleich fordernd und bevormundend ist?
Das fragten sich Dr. Matthias Doepke, Professor für Wirtschaftswissenschaften, und Dr. Fabrizio Zilibotti von der Yale University. Anstoß für ihre Forschung war Doepkes Erkenntnis selbst ein Helikopterpapa zu sein. "Meine Eltern erwarteten, dass wir zum Essen auftauchen, zur Schule gehen und vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sind, aber ansonsten hatten wir viel Freiheit", sagt Doepke. "Die Realität von heute ist so, dass meine Rolle als Elternteil viel intensiver ist. Ich verbringe viel Zeit mit Erziehung, genau wie die meisten anderen amerikanischen Eltern heute."

4. November 2018

Ein Plädoyer für Denk- und Meinungsfreiheit


Der Psychologe Allan Guggenbühl macht sich stark für die Denk- und Meinungsfreiheit. Ein Plädoyer für eigenständiges Denken, weniger Vorschriften und eine Debattenkultur ohne Kompromisse – von Anfang an. 
Mehr Nonkonformität nützt uns allen, EDU Standpunkt, 1.11. von Lisa Leisi

3. November 2018

Spektakuläre Trendwende


In der Bildungspolitik zeichnet sich gerade eine ziemlich spektakuläre Wende ab. Erste Vorboten sieht man, wo könnte es anders sein, in den USA, genauer im Silicon Valley. Und wie so viele Trends, die von dort kommen, dürfte auch dieser mit der üblichen Verzögerung Europa und die Schweiz erreichen. Oft klingt diese Aussicht wie eine Drohung – diesmal aber eher wie eine Verheissung.
Menschen statt Computer, Aargauer Zeitung, 31.10. von Patrick Müller

1. September 2018

Vom pädagogischen Establishment, neoliberalen Bildungsreformen und Big Business

Es ist ein eher unscheinbarer Mann, der kurz vor den Sommerferien in der Aula der Universität Zürich ans Mikrofon tritt. Richard Münch, 73, emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Bamberg, ist kein grosser Redner, doch was er am Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Bildungsforschung zu sagen hat, das hat es in sich. Es geht um den bildungsindustriellen Komplex, wie Münch ihn nennt, angelehnt an den berüchtigten militärisch-industriellen Komplex, vor dessen zersetzendem Einfluss auf die Demokratie der damalige US-Präsident Eisenhower in seiner berühmten Abschiedsrede im Jahr 1961 gewarnt hatte. Und als Warnung will auch Münch verstanden wissen, was er in Zürich wie in seinem neuen Buch mit dem gleichnamigen Titel präsentiert.
Der bildungsindustrielle Komplex, NZZ, 31.8. von Martin Beglinger

15. April 2018

Lehrplan 21 und Schuldesaster in Amerika

Während uns Hiobsbotschaften vom US-Schuldesaster und landesweiten Lehrerstreiks erreichen (NZZ vom 15.4.2018), wird bei uns der Lehrplan 21 nach amerikanischem Vorbild bedenkenlos weiter eingeführt.
Lehrplan 21 und Schuldesaster in Amerika, 15.4. von Peter Aebersold

1. März 2018

Fragwürdiger Pakt mit Grossfirmen

Aus Finanznot gehen viele amerikanische Schulen Deals mit Großkonzernen wie Apple, Amazon oder Google ein. Dabei spielen die Lehrer eine wichtige Rolle. Sie gehen mit den Unternehmen einen moralisch fragwürdigen Pakt ein.
Lehrer Provenzano mit seinen gesponserten Technik-Spielereien. Quelle: Stefan Beutelsbacher
Der gekaufte Lehrer, Welt, 1.3. von Stefan Beutelsbacher

31. Januar 2018

Digitalisierung – haben Papier und Flyer in der Schule ausgesorgt? (Promotion)

In den letzten zehn Jahren haben sich die Klassenzimmer von Lehrbüchern, Notizbüchern, Kugelschreibern und Bleistiften zu elektronischen Medien hin verschoben. In den Hörsälen der Universitäten tippen immer mehr Studenten ihre Notizen direkt in die Laptops ein. Während die Universitäten dort mit Sicherheit eine Vorreiterrolle hatten, gehen vermehrt Schulen diesen Weg. Gerade in den USA ist der digitale Klassenraum bereits Praxis. Hausaufgaben werden in digitalen Ordnern eingetragen anstatt im klassischen Hausaufgaben-Heft. Während die digitalen Helfer wie Computer und Tablets und die Integration dieser in die Unterrichtspläne viele Vorteile haben, bestehen aber immer auch Bedenken. Während elektronische Medien Vorteile bieten, zeigt eine wachsende Zahl von Studien, dass einige Bildungsziele besser mit herkömmlichen Stift- und Papiermethoden erreicht werden können. Anstatt also zu versuchen, das Lernen zu digitalisieren, sollten Lehrer und Administratoren einen Schritt zurücktreten, ihre erwünschten Bildungsergebnisse betrachten und einschätzen, inwieweit digitale Medien oder Papier die Ziele einer bestimmten Lernerfahrung unterstützen.
Papier und digitale Medien sollten sich nicht ausschliessen. Bild: Fourstarzz Media
Digitalisierung – haben Papier und Flyer in der Schule ausgesorgt? Fourstarzz Media LLC, 31.1.

23. Januar 2018

Wollen wir ein Volk von Idioten?

Und wieder einmal sass ich an meinem Schreibtisch und arbeitete mich durch einen Stapel interessanter Zeitungsartikel. Einer davon war in englischer Sprache und schon fast zwei Jahre alt. Ein grosses Foto aus dem Silicon Valley zierte die erste Seite. Ich staunte nicht schlecht, als ich den zugehörigen Text las. Da warfen Eltern die Frage auf, ob der futuristische Traum eines Klassenzimmers, ausgerüstet mit iPads, Smartphones und Bildschirmen, wirklich im Interesse der nächsten Generation sei. Noch erstaunlicher, diese Eltern arbeiteten selbst bei den dort ansässigen, führenden Hightech-Firmen. Ihr Entschluss stützte sich auf unabhängige (!) Studien und Erfahrungen, die sich mit den Argumenten für oder gegen das Lernen mit den neuesten elektronischen Gerätschaften befassten. Und sie kamen zum Schluss, dass sie ihre Kinder lieber in eine Waldorfschule schicken und dazu auch jährlich einen beträchtlichen Batzen aufwenden wollten. So steht mitten in Amerikas «digital centre» eine entsprechende Schule, in die die Angestellten von Google, Apple und Yahoo usw. ihre Kinder schicken.
Digitalisierung in den Schulen - Lernen aus Erfahrung, Zeit-Fragen, 16.1. von Felice Pensatore

21. November 2017

Alternative Mathematik

Eine bitterböse Satire aus den USA zum Zustand der Schule. Wie weit sind wir in der Schweiz schon und wer schützt uns vor einer ähnlichen Entwicklung? Gibt es Parallelen? Ich bin gespannt auf Ihre Beobachtungen.

Alternative Math, Kurzfilm, englisch. Dauer: 9.06 von Ideaman, 19.9.

20. Oktober 2017

Bei Disziplinproblemen Polizei rufen

Die Szene wäre zum Lachen, wenn sie nicht zum Weinen wäre. In einem Schulzimmer in Kentucky fesselt ein Polizist die Arme eines achtjährigen Buben mit Handschellen hinter seinem Rücken, und zwar an den Oberarmen, da die Handgelenke für die Fesseln zu dünn sind. Der Knabe hatte versucht, dem Polizisten «eine zu verpassen», hatte zuvor einen Lehrer getreten und sich geweigert, den Aufforderungen der Erwachsenen nachzukommen.
Wer soll in den Schulen für Disziplin sorgen, NZZ, 19.10. von Peter Winkler