Besuch in einer Montessori-Schule in Berlin.
Auf dem grossen Schulareal tummeln sich mehrere Hundert Schüler und
Schülerinnen der Grund- und Oberstufe und Oberschule. Jüngere Kinder spielen
Fang mich, andere Verstecken oder Ballspiele; zwei Knaben raufen sich, Mädchen
stehen schwatzend zusammen und ein paar Jungen üben sich in Kickboard; während
auf dem Platz Fussball gespielt wird, chillen einzelne Schüler für sich allein.
Doch wo ist die Pausenaufsicht? Die Schulleiterin lächelt mich fast mitleidig
an: Die braucht es bei uns nicht! Die Schüler würden selber für Ordnung sorgen.
Sie fordert mich auf, einen Schüler zu wählen, der mir alles erklärt. Ich
entscheide mich für einen Jungen, der einen leicht arroganten Eindruck macht.
Seine Führung und Erklärungen beeindrucken: Offensichtlich sind sie
verantwortlich, reagieren bei Problemen und schlichten bei Streitigkeiten. Sie
machen das ohne genaue Anweisungen, offizielle Friedensstifter oder
detaillierte Vorgaben. Die Rolle der Lehrer beschränkt sich auf periodische
Gespräche über das Geschehen auf dem Pausenplatz.
Pausenaufsicht abschaffen, Basler Zeitung, 2.12. von Allan Guggenbühl