Für den Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer dürfte es ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen gewesen sein. Letzten Mittwoch hat er verkündet, dass die Basler Lehrerinnen und Lehrer für den Mathematikunterricht in den Primar und Sekundarschulen künftig zwischen mehreren Lehrmitteln auswählen können. Einen Tag später hat ein Initiativkomitee aus Vertretern mehrerer Basler Parteien ein Volksbegehren gestartet, das die Lehrmittelfreiheit in Basel-Stadt generell gesetzlich verankern will. Das Zugeständnis an die Lehrerschaft ist letztlich auch das Eingeständnis, dass nicht alles, was seinerzeit unter dem Label Reformpädagogik eingeführt wurde, auch erfolgreich war.
Die Mathematikdefizite der Basler Schülerinnen und Schüler sind spätestens seit Mai 2019 aktenkundig. Bei den ersten gesamtschweizerischen Schultests nämlich, deren Ergebnisse im letzten Mai publiziert wurden, hat BaselStadt abgeschlagen auf dem letzten Platz unter den 26 Kantonen abgeschlossen – ausgerechnet derjenige Kanton, der bei Schulreformen immer zuvorderst dabei war.
Die Abkehr vom Reformglauben, Basler Zeitung, 8.2. von Thomas Dähler