Ich war nicht dabei, am diesjährigen Luzerner Lehrertag in Sursee. Von aussen betrachtet reiht sich der Anlass lückenlos ein in die verschiedenen kantonalen Lehrertagungen der letzten Jahre: Alle Kästchen dürfen - ganz kompetenzorientiert - angekreuzt werden.
1. Da ist mal der Bildungsdirektor, der sich der versammelten Lehrerschaft zeigt und ein paar Zückerchen verteilt. Natürlich darf dabei das Generallob an alle nicht fehlen. Das kostet ja nichts und ist so hohl wie eh und je.
2. Da sind verschiedene Experten, die alle selbst auch mal zur Schule gingen: Eine Schulberaterin, ein Zukunftsforscher und ein PH-Dozent. Damit kann sich jeder und jede ein passendes Stückchen vom Kuchen "Plaudern über Schule" auswählen.
3. Schliesslich ist da ein Präsident, der ein passendes Motto gefunden hat: "Nichts ist verbindlich, alles ist möglich." Ob ihm bewusst ist, dass er damit einen zentralen Nerv getroffen hat?
Alles spricht von Digitalisierung. Was bringts, wenn sehr viele nicht lesen können oder an der Oberstufe den Unterschied zwischen einem Browser und Google immer noch nicht kennen - trotz ca. 4 Stunden Medienkonsum täglich. Angesichts des rasanten Einbruchs der schulischen Leistungen in den Sprachen und in Mathematik könnte ich mir ein anderes Motto vorstellen als "Nichts ist verbindlich, alles ist möglich". Aber offenbar ist dies kein Thema.
Den Anwesenden scheint es zu gefallen. Immerhin fällt die Schule aus. Fragen stellen sich keine. Wer solche hat, informiert sich sowieso auf einem bestimmten Schulblog. Wie wäre es, die Form solcher Alibiübungen mal zu überdenken? Würden die Kantonsbeiträge gestrichen, wenn man zur Abwechslung mal kritische Töne zur aktuellen Schulsituation hören dürfte? Oder sind wirklich alle so zufrieden? (uk)
Lehrertag 2019: Luzerner Pädagogen bauen sich Schule der Zukunft, Luzerner Zeitung, 20.11. von Alexander von Däniken