Schulische
Lehrmethoden sind so vergänglich und wiederkehrend wie die Jahreszeiten. In den
Achtzigern herrschte das Sprachlabor, im Wesentlichen gesteuerter
Einzelunterricht an überdimensionierten Tonbandgeräten. In den Neunzigern kam
der Werkstattunterricht, eine Art Postenlauf im Schulzimmer, bei dem die
Lernenden selbstständig Aufträge bearbeiteten. Wenig später hatte unser
Nachwuchs die individuelle Selbstständigkeit wieder verloren, denn nun konnte
er im Rahmen kooperativer Lernformen nur noch miteinander lernen.
Heute
ist die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler nicht nur zurückgekehrt,
sie hat sich sogar potenziert. Selbstorganisiertes Lernen nennt sich dieses
flüchtige Mysterium.
Bei
diesem Konzept entdecken und erarbeiten sich die Lernenden beispielsweise im
Fremdsprachenunterricht Vokabular und Grammatik selbstständig anhand von auch
für Lehrpersonen anspruchsvollen, dem jeweiligen Sprachniveau nicht angepassten
Texten. Passepartout, so das schön klingende Beispiel für selbstorganisiertes
Lernen, bietet folglich weder nennenswerte Erklärungen zur Grammatik oder
entsprechende Übungen, noch wird systematisch Wortschatz aufgebaut. Im Sinne
der Lernautonomie gilt bei Passepartout: Beobachten, selbstständig analysieren,
selber herausfinden und die gewonnenen Erkenntnisse in der Klasse diskutieren
und festhalten.
Selbstorganisiertes Lernen mit einem offenkundig untauglichen Konzept, Basler Zeitung, 5.10. von Felix Hoffmann