Nach dem Willen der Bündner Schulbehörden soll der Kanton ein neues ICT-Konzept bekommen. Dieses Vorhaben ist in der Zwischenzeit aber gebremst worden. Der Präsident des Bündner Schulbehördenverbandes, Peter Reiser, nimmt Stellung.
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13. Februar 2015
17. Dezember 2014
Immersiver Fremdsprachenunterricht
Wir wissen, dass Immersion beim Fremdsprachenunterricht die Kontaktzeit zur Fremdsprache massiv erhöht, was einen wesentlichen Erfolgsfaktor im Vergleich zu den momentanen Einzellektionen bedeutet. Nationalrätin Silva Semadeni (SP) hat dazu eine Motion eingebracht, die von beiden Räten übernommen wurde. Im Anschluss daran fragte ich bei ihr nach, und wollte Genaueres über ihren Vorstoss erfahren.
Strategie zur Förderung von zweisprachigen Schulen in den Landessprachen, eingereicht am 19.3.14 von Silva Semadeni
Strategie zur Förderung von zweisprachigen Schulen in den Landessprachen, eingereicht am 19.3.14 von Silva Semadeni
5. Mai 2013
Nachgefragt: Walter Herzog
Kürzlich wurde ich auf das "Memorandum Mehr Bildung -weniger Reformen" aufmerksam. Präsident des Vereins ist der Berner Erziehungswissenschafter Walter Herzog.
UK: Walter Herzog, was will der Verein Bildungs-Reformen-Memorandum?
WH: Ziel ist, zur Besinnung über die wesentlichen Aufgaben von Bildung und Schule anzuhalten und der Reformhektik der jüngsten Zeit Einhalt zu gebieten.
UK: Welche konkreten Aktionen sind geplant?
WH: Es sind keine (weiteren) konkreten Aktionen geplant. Wir haben versucht, Mittel für die Lancierung des Memorandums zu finden, was uns leider nicht gelungen ist. So ist es nun in einer öffentlich wohl nicht sehr wirksamen Form verbreitet worden.
UK: Es fällt auf, dass die Mitglieder grösstenteils Universitätsprofessoren sind. Volksschullehrer sind keine zu finden.
WH: Das ist Absicht. Es ging uns gerade darum, von wissenschaftlicher bzw. universitäter Seite her einen Akzent zu setzen. Bisher hat die Bildungsforschung die Bildungspolitik weitgehend kritiklos unterstützt (tut es weiterhin); kritische Stimmen aus akademischen Kreisen blieben ungehört oder wurden von den Reformern bewusst marginalisiert.
UK: Die Bildungspolitiker beschliessen ihre Reformen mit dem Segen oder der aktiven Unterstützung von Bildungswissenschaftlern wie z.B. beim Sprachenkonzept oder der integrativen Förderung. Bemerkenswert ist, dass das Memorandum nun von Lehrer- und Dozentenschaft spricht, als ob diese gleiche Interessen hätten.
WH: Wie ist diese Frage gemeint? Unseres Erachtens wird gerade die Basis in den Schulen kaum ernst genommen. Wir plädieren dafür, Reforminitiativen "von unten" ernster zu nehmen und Bildungsreform zu betreiben, die "vor Ort" initiiert und nicht "von oben" verordnet wird.
Walter Herzog fordert Reformen von unten, Bild: Universität Bern
UK: Walter Herzog, was will der Verein Bildungs-Reformen-Memorandum?
WH: Ziel ist, zur Besinnung über die wesentlichen Aufgaben von Bildung und Schule anzuhalten und der Reformhektik der jüngsten Zeit Einhalt zu gebieten.
UK: Welche konkreten Aktionen sind geplant?
WH: Es sind keine (weiteren) konkreten Aktionen geplant. Wir haben versucht, Mittel für die Lancierung des Memorandums zu finden, was uns leider nicht gelungen ist. So ist es nun in einer öffentlich wohl nicht sehr wirksamen Form verbreitet worden.
UK: Es fällt auf, dass die Mitglieder grösstenteils Universitätsprofessoren sind. Volksschullehrer sind keine zu finden.
WH: Das ist Absicht. Es ging uns gerade darum, von wissenschaftlicher bzw. universitäter Seite her einen Akzent zu setzen. Bisher hat die Bildungsforschung die Bildungspolitik weitgehend kritiklos unterstützt (tut es weiterhin); kritische Stimmen aus akademischen Kreisen blieben ungehört oder wurden von den Reformern bewusst marginalisiert.
UK: Die Bildungspolitiker beschliessen ihre Reformen mit dem Segen oder der aktiven Unterstützung von Bildungswissenschaftlern wie z.B. beim Sprachenkonzept oder der integrativen Förderung. Bemerkenswert ist, dass das Memorandum nun von Lehrer- und Dozentenschaft spricht, als ob diese gleiche Interessen hätten.
WH: Wie ist diese Frage gemeint? Unseres Erachtens wird gerade die Basis in den Schulen kaum ernst genommen. Wir plädieren dafür, Reforminitiativen "von unten" ernster zu nehmen und Bildungsreform zu betreiben, die "vor Ort" initiiert und nicht "von oben" verordnet wird.
Walter Herzog fordert Reformen von unten, Bild: Universität Bern
1. März 2013
Nachgefragt: Mariano Tschuor
1. MarianoTschuor, Sie sind Direktor des romanischen Fernsehens und Radios (RTR) und kritisieren die passive Haltung der Regierung in der Frage desRumantsch Grischun. Warum hätten Sie sich eine klarere Führungsrolle gewünscht?
Die sehr starke Gemeindeautonomie im Kanton Graubünden
ist historisch gewachsen und macht es der kantonalen Regierung nicht immer
einfach, eine jeweils kohärente Politik zu führen. Im Fall der Sprachpolitik
manifestiert sich dieses Dilemma ganz besonders. Die Gemeinden entscheiden
autonom über ihre jeweilige Amts-, respektive Alphabetisierungssprache. Die
Ausgabe von Lehrmitteln wird jedoch vom Kanton verantwortet.
2003 hat der
Bündner Grosse Rat beschlossen, ab dem Jahr 2005 romanische Lehrmittel nur noch
in Rumantsch Grischun und nicht mehr in den Idiomen zu produzieren. 2010
formierte sich schliesslich die Bewegung Pro Idioms. Diese fordert eine
komplette Rückkehr zu den Idiomen als Alphabetisierungssprache in den
romanischen Primarschulen. Entgegen der kantonalen Sprachpolitik wurde über
dieses Politikum daraufhin in diversen romanischen Gemeinden abgestimmt. Konsequenz:
diese Gemeinden kehrten mehrheitlich zu den Idiomen zurück.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Regierung hier
federführend die Diskussion geleitet und moderiert und die Entscheide von 2003
weiterhin umgesetzt hätte. Die romanische Sprachwelt besteht in erster Linie
aus den Idiomen. Dies ist eine Tatsache. Aber es geht einfach nicht mehr ohne
Rumantsch Grischun, das unabdingbar geworden ist, wenn man sich auch an ein
romanisches Publikum ausserhalb des eigenen Tales richten möchte.
2. Ist es
sinnvoll, dass Romanen gleich viele Fremdsprachen wie die Deutsch- und die Italienischbündner
lernen sollen? Können die drei Sprachregionen gleich behandelt werden?
Die drei Sprachregionen Graubündens werden de jure bereits gleich behandelt. Im
öffentlichen Leben dieses Kantons ist es jedoch so, dass der deutschen Sprache de
facto eine überragende Rolle zukommt. Dies ist schon seit mehreren
Jahrhunderten der Fall, auch als Romanisch noch von einer Mehrheit der
Bündnerinnen und Bündnern gesprochen wurde.
Heute lernen alle Bündner Primarschüler Englisch als
zweite Fremdsprache ab der 5. Primarschulklasse. Die erste Fremdsprache bei den
Italienischbündnern ist Deutsch, bei den Deutschbündnern eine andere
Kantonssprache, was häufig Italienisch ist. Bei den Rätoromanen ist die erste
Fremdsprache natürlich Deutsch, wobei Italienisch von vielen als Freifach auf der
Sekundarstufe I belegt wird. Grösste Verliererin in diesem Sprachenangebot ist
eigentlich die französische Sprache. In einem dreisprachigen Kanton ist das
Fuder halt nolens volens überladen.
3. Wie könnte Ihrer Meinung nach das Romanische in der Schule am besten
gefördert werden?
Ich bin nicht Rektor einer Pädagogischen Hochschule, sondern leite ein Medienhaus. Aus meiner Sicht ist jedoch entscheidend, dass der Romanischunterricht als positives Erlebnis erfahren werden kann. Romanische Grammatik soll gebüffelt werden. Romanische Literatur soll gelesen werden. Vor allem aber soll der Unterricht Spass machen und den Schülern vermitteln können, dass Romanisch kein Hemmschuh ist, sondern ein linguistischer Türöffner und Horizonterweiterer. Man kann mit Romanisch eigentlich nur gewinnen.
Ich bin nicht Rektor einer Pädagogischen Hochschule, sondern leite ein Medienhaus. Aus meiner Sicht ist jedoch entscheidend, dass der Romanischunterricht als positives Erlebnis erfahren werden kann. Romanische Grammatik soll gebüffelt werden. Romanische Literatur soll gelesen werden. Vor allem aber soll der Unterricht Spass machen und den Schülern vermitteln können, dass Romanisch kein Hemmschuh ist, sondern ein linguistischer Türöffner und Horizonterweiterer. Man kann mit Romanisch eigentlich nur gewinnen.
4. Sie fordern, dass man „ernsthaft“
über die Schulpolitik nachdenken müsse. Was steht dabei bei Ihnen im
Vordergrund? Was muss der nächste Schritt in der Schulpolitik sein?
Die Parallelität von den Idiomen und Rumantsch Grischun soll mit dem Koexistenz-Modell
Wirklichkeit werden. Die Bündner Erziehungsdirektion muss sich nun Gedanken
darüber machen, wie dieser Kompromiss konkret umgesetzt werden kann. Rumantsch
Grischun darf nicht zu einer lästigen Beilage oder Garnitur des
Romanischunterrichts werden. Die Lehrer sollen dazu ermutigt und bisweilen gar
verpflichtet werden, Rumantsch Grischun nach Augenmass in den Unterricht
einzubauen.
12. Februar 2013
Nachgefragt: SVP Schweiz
In Ihrem Extrablatt fordert die SVP eine Prüfung am Ende der Primarschulzeit. Diese soll über die Zuteilung zu den verschiedenen Stärkeklassen der Oberstufe entscheiden.
1. Die Idee einer Prüfung am Ende der Primarschule ist nicht neu. Auch Harmos und der LP 21 sehen Leistungsüberprüfungen vor. Dies ist eine klare Annäherung der SVP an die Bildungspolitik der EDK. Wie sehen Sie dies?
Bereits im Mai 2009 hat die SVP ein Positionspapier unter dem Titel „Schulleistung heute“ veröffentlicht. Darin wird gefordert, dass nach dem dritten, sechsten und neunten Schuljahr Übertritts- bzw. Schlussprüfungen vorzusehen sind. Für die SVP war stets klar, dass Leistungsmessung und -dokumentation durch Prüfungen und Noten unabdingbar sind. Dabei haben vor allem bei Übertritts- oder Abschlussprüfungen Normleistungen als Grundlage zu dienen. Von einer Annäherung der SVP an die Bildungspolitik der EDK kann dabei keine Rede sein. Wir begrüssen es, dass im Lehrplan 21 die Forderung der SVP bezüglich Leistungsmessung durch Prüfungen mindestens teilweise aufgenommen wurde. Die SVP empfiehlt zudem, dass zu Beginn des 8. Schuljahres in der Volksschule eine Zwischenprüfung durchzuführen sei, mittels welcher Lücken in den Grundfähigkeiten und -fertigkeiten (vornehmlich Deutsch und Mathematik) aufgedeckt werden können, damit diese in den rund anderthalb verbleibenden Jahren gezielt geschlossen werden können.
2. Soll für die Zuteilung zu den verschiedenen Leistungsstufen der Oberstufe nur eine Prüfung entscheiden? Soll es eine Probezeit geben? Sollen die Erfahrungswerte der Primarschule miteinbezogen werden?
Für die SVP steht das Instrument der Prüfung – wie bereits erwähnt durch Messung an einer Normleistung – für die Stufenzuteilung klar im Vordergrund. Es soll den Kantonen jedoch durchaus möglich sein, dieses prüfungsbasierte System mit eigenen Instrumenten zu ergänzen. Entscheidend ist, dass jeder Schüler in die für seinen Entwicklungsstand und seine Leistungsfähigkeit optimale Stufe eingeteilt werden kann. Ferner soll eine gewisse Durchlässigkeit zwischen den Stufen herrschen, wobei für einen allfälligen späteren Stufenwechsel wiederum ein Eignungsnachweis in Form einer Prüfung nötig ist.
3. Welche Fächer sollen geprüft werden? Eher wenige (Deutsch und Mathematik?) oder eher viele?
Die Beherrschung der Deutschen Sprache in Wort und Schrift sowie Rechnen sind für den künftigen Erfolg in vielen Bildungswegen von hoher Bedeutung - es handelt sich hierbei um unverzichtbare Grundfähigkeiten und -fertigkeiten. Zudem sind in diesen Fächern die Leistungsmessung und -vergleichbarkeit etwas einfacher als bei den Realien. Dies ist bei der Gewichtung der Fächer in Übertrittsprüfungen zu berücksichtigen. Die Realienfächer und insbesondere auch handwerkliche und körperliche Bildung wie Werken und Sport sollen deshalb aber nicht in ihrer Bedeutung unterschätzt werden. Lebens- und praxisnah ausgebildete Lehrer, wie von der SVP in ihrem Positionspapier „Lehrer-Lehre“ gefordert, werden diese Ausgewogenheit im Unterricht herzustellen wissen.
4. Wer soll eine solche Prüfung ausarbeiten? Jedes Schulhaus eine eigene? Jede Gemeinde? Jeder Schulbezirk? Jeder Kanton? Gesamtschweizerisch die gleiche Prüfung?
Da die SVP die Hoheit für die Schul- und Bildungspolitik klar den Kantonen zuordnet, ist es auch konsequent die Prüfungsausarbeitung und -durchführung den Kantonen zu überlassen. Es ist durchaus denkbar, dass eine Zusammenarbeit der Kantone hierbei sinnvoll wäre. Dagegen wäre auch aus Sicht der SVP grundsätzlich nichts einzuwenden. Ein Diktat des Bundes über gesamtschweizerisch einheitliche Prüfungen oder einen Zwang zur Harmonisierung lehnen wir jedoch ab.
3. November 2012
Nachgefragt: Hansjörg Bauer
Hansjörg Bauer ist Präsident des St. Galler Lehrervereins KLV. Dort gingen in letzter Zeit wegen einer geplanten Pensenreduktion die Wogen hoch. Ursprünglich einigte man sich mit Erziehungschef Kölliker, dann stellte sich heraus, dass Kölliker die Entlastung nur den Vollzeit-Lehrkräften ausrichten wollte. Dies führte zu einer Nichtwahl-Empfehlung des KLV an den Regierungsratswahlen. Kölliker wurde dann trotzdem wiedergewählt. Kürzlich hat nun der Kantonsrat für einen weiteren Eklat gesorgt, indem er gar nicht auf die Vorlage einer Pensenkürzung eingetreten ist. Das heisst, weder Voll- noch Teilzeitlehrkräfte werden entlastet.
Präsident KLV Hansjörg Bauer, Bild: KLV St. Gallen
UK: Würden Sie im Nachinein anders vorgehen? Hätte man nicht auf die Entlastung der Teilzeitlehrkräfte verzichten sollen?
HB: Die Nichtberücksichtigung der Teilzeitlehrkräfte hätte zu massiven Ungerechtigkeiten geführt und konnte deshalb vom KLV nicht akzeptiert werden.
UK: Wie realistisch sind Kürzungen im Bereich Lager oder Elterngespräche? Sind diese Einsparungen nicht kontraproduktiv für die Lehrer und den Schulbetrieb selbst?
HB: Wir werden mögliche Massnahmen nach eingehender Prüfung vorschlagen und darauf achten, dass sie gesetzeskonform sind. Die einzelnen Schulgemeinden entscheiden vor Ort, welche Massnahmen sie am besten umsetzen können.
UK: Wie würden Sie das aktuelle Verhältnis zwischen KLV und dem Erziehungsdepartement beschreiben?
HB: Die Delegiertenversammlung hat gezeigt, dass wir miteinander sprechen und an den gemeinsamen Zielen arbeiten.
11. September 2012
Nachgefragt: Yvonne Feri
Die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri hat in Sachen Zivildienst in der Schule eine Interpellation eingereicht. In der Zwischenzeit hat eine Berner Untersuchung die Möglichkeit eines solchen Einsatzes geprüft und kommt zum Schluss, dass Zivildienstleistende an unseren Schulen möglich sein sollten.
UK: Welche Aufgaben könnte ein Zivi an einer Schule erledigen?
YF: Zivildienstleistende können als Hilfspersonen und Unterstützungspersonen für die Lehrpersonen eingesetzt werden. Sei dies beim Aufräumen, bei der Unterstützung von Schüler/-innen, welche Hilfe brauchen, sei dies auf dem Pausenplatz oder auf Ausflügen. Die pädagogische Aufgabe bleibt klar bei den Lehrpersonen. Diese kann und soll nicht abgegeben oder aufgeteilt werden, denn dafür braucht es ausgebildete Personen.
UK: Sind für Sie auch kurzzeitige Einsätze an Schulen denkbar?
YF: Wenn sich die Lehrpersonen einen Einsatz "teilen", kann an den einzelnen Klassen ein solcher Einsatz sicher vorgesehen werden. Jedoch sollte ein Zivildienstleistender eine längere Zeit an einer Schule eingesetzt werden, damit eine Beziehung unter den einzelnen Personen und Schüler/-innen entstehen kann. Ebenso hat jede Schule eine eigene Kultur, welche ein Zivildienstleistender kennen lernen muss. Ich würde von kurzzeitigen Einsätzen tendenziell absehen.
UK: Welche Chancen sehen Sie, dass es möglich wird, den Zivildienst auch an Schulen zu leisten?
YF: Es gibt dabei verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, nachfolgend eine Auswahl:

UK: Welche Aufgaben könnte ein Zivi an einer Schule erledigen?
YF: Zivildienstleistende können als Hilfspersonen und Unterstützungspersonen für die Lehrpersonen eingesetzt werden. Sei dies beim Aufräumen, bei der Unterstützung von Schüler/-innen, welche Hilfe brauchen, sei dies auf dem Pausenplatz oder auf Ausflügen. Die pädagogische Aufgabe bleibt klar bei den Lehrpersonen. Diese kann und soll nicht abgegeben oder aufgeteilt werden, denn dafür braucht es ausgebildete Personen.
UK: Sind für Sie auch kurzzeitige Einsätze an Schulen denkbar?
YF: Wenn sich die Lehrpersonen einen Einsatz "teilen", kann an den einzelnen Klassen ein solcher Einsatz sicher vorgesehen werden. Jedoch sollte ein Zivildienstleistender eine längere Zeit an einer Schule eingesetzt werden, damit eine Beziehung unter den einzelnen Personen und Schüler/-innen entstehen kann. Ebenso hat jede Schule eine eigene Kultur, welche ein Zivildienstleistender kennen lernen muss. Ich würde von kurzzeitigen Einsätzen tendenziell absehen.
UK: Welche Chancen sehen Sie, dass es möglich wird, den Zivildienst auch an Schulen zu leisten?
YF: Es gibt dabei verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, nachfolgend eine Auswahl:
- Die Lehrpersonen können in ihren vielfältigen Aufgaben entlastet und unterstützt werden.
- Die Schüler/-innen haben Kontakt mit jungen Erwachsenen und bekommen so vielleicht zum Lernen einen neuen anderen Zugang.
- Alle Arbeiten rund um das Lernen (wie Pausenaufsicht) können verteilt werden.
- Allenfalls können junge Leute für den Lehrerberuf gewonnen werden.
- Das Angebot an Einsatzmöglichkeiten für Zivildienstleistende wird vergrössert.
Feri: "Würde von kurzzeitigen Einsätzen tendenziell absehen", Bild: SP Wettingen
31. August 2012
Nachgefragt: Remo Largo
Mit der Forderung "Hausaufgaben abschaffen" hat Remo Largo z.T. gereizte Reaktionen provoziert. Wie ist seine Forderung zu verstehen?
Largo: Lehrer müssen lernen, ihren Unterricht zu individualisieren, Bild: Migrosmagazin
UK: Ist Ihr Nein zu Hausaufgaben
generell oder müsste man da differenzieren zwischen Primar- und Sekundarstufe?
RL: Ja, kann man. Nur, das Problem
ist ein allgemeines. Hausaufgaben sind uns Erwachsenen als eigene
Schulerfahrung eingebrannt. Sie müssen einfach sein. Bringen sie aber auch
etwas? Ich kenne keine Studie, die dies überzeugend nachgewiesen hätte. Die
Nachteile jedoch sind offensichtlich.
UK: Es gibt Lehrer, die schätzen Hausaufgaben, weil sie individuelles Arbeiten
ermöglichen. Was im Klassenzimmer oft schwierig ist, ist zu Hause
einfacher: Lernen im eigenen Tempo, eigene Lösungen kreieren, Einsatz von
digitalen Hilfsmitteln etc..
RL: Diese Haltung bedeutet: Individuelles Arbeiten ist in der Schule nicht möglich, sowie digitale Hilfsmittel
werden in der Schule nicht gebraucht und die Schüler darin nicht unterrichtet.
Sie stellt den Lehrern, die so argumentieren, ein schlechtes Zeugnis aus. Ich
bin der Ansicht, es ist die Aufgabe der Schule, die Kinder mit den digitalen
Hilfsmitteln vertraut zu machten. Jeder Schüler sollte am Ende der Schulzeit
mit dem 10-Fingersystem und den häufig verwendeten Computerprogrammen vertraut
sein. Die relevante Frage lautet also: Wie kompetent sind diese Lehrer bezüglich
individualisiertem Unterricht und Benutzung der Medien?
UK: Gegen die Hausaufgaben spricht, dass sie dafür sorgen, dass die Kluft
zwischen bildungsnahen und –fernen Kindern wächst. Doch verhindert ein Verbot
von Hausaufgaben wirklich, dass bildungsnahe Eltern ihren Sprösslingen
bessere Chancen auf dem Bildungsmarkt schaffen können?
RL: Hausaufgaben bestehen vor
allem auch darin, dass zuhause für Prüfungen auswendig gelernt wird. Die
Chancenungerechtigkeit entsteht, weil ein Teil der Schüler darin massiv von
ihren Eltern unterstützt wird, ihre Noten daher besser ausfallen, während
mindestens 30 % der Schüler diese Hilfe nicht erhalten und deshalb schlechtere
Noten erhalten. Kommt hinzu: Die Schule betreibt immer häufiger, vor allem in
der Oberstufe, ein eigentliches Outsourcing: Vorträge und Projektarbeiten
werden immer mehr nach Hause delegiert. Wer hilft oder macht sie häufig gleich
selber: die Eltern.Largo: Lehrer müssen lernen, ihren Unterricht zu individualisieren, Bild: Migrosmagazin
23. August 2012
Nachgefragt: Verena Herzog
Das Projekt Frühfranzösisch ist stark unter Druck: Nach der grundsätzlichen Kritik am Lehrmittel und einer vernichtenden Evaluation der Basler Schulsynode machen auch die Lehrerverbände wieder Druck. Die Mittelstufenkonferenzen aus sechs Kantonen (ZH, TG, SG, AI, GL, SZ) fordern die Abschaffung des Frühfranzösischen. Meine Fragen gehen an Verena Herzog, SVP-Kantonsrätin aus dem Kanton Thurgau. Herzog war Co-Präsidentin der Volksinitiative "Nur eine Fremdsprache an der Primarschule".
Verena Herzog: Zweite Fremdsprache kann gekippt werden, Bild: vimentis.ch
Verena Herzog: Zweite Fremdsprache kann gekippt werden, Bild: vimentis.ch
UK: Primarschulfranzösisch gerät unter zunehmenden Druck. Dies, obwohl der Beschluss für zwei Fremdsprachen schon lange gefasst wurde. Wie erklären Sie sich diese verzögerte Reaktion?
VH: Im Thurgau werden erst ab letztem Schuljahr alle 5.Klässler in zwei Fremdsprachen unterrichtet. Insofern ist die Reaktion sehr schnell. Leider ist eingetroffen, was die Initianten für "nur eine Fremdsprache in der Primarschule" befürchtet hatten. Noch mehr Kinder genügen den Anforderung der Schule nicht und müssen nun auch noch in den Fremdsprachen (gesondert) gefördert werden!
UK: Wie sieht die politische Konstellation im Thurgau bezüglich des frühen Fremdsprachenunterrichts aus? Kann Ihr Kanton überhaupt am Fremdsprachenkonzept rütteln?
VH: 2006 wurde die Volksinitiative "nur eine Fremdsprache in der Primarschule" mit 51,9% abgelehnt. Deshalb wurde 2009 Frühenglisch in allen dritten Klassen eingeführt. Sehr viel Geld wurde in die Ausbildung der Englischlehrkräfte und in Englischlehrmittel gesteckt, ebenso ins Frühfanzösisch. Trotzdem sollen in erster Linie Schülerinnen und Schüler vom Mehraufwand profitieren und das ist wie Erfahrungen mit Frühfranzösisch und ganz aktuell mit dem Lernen von zwei Fremdsprachen zeigen, nicht der Fall. In einer Interpellation zum Gesamtsprachenkonzept des Kantons Thurgau wurde die Problematik diesen Mai im Grossrat diskutiert. Mit einem Vorstoss könnte das Parlament und allenfalls der Souverän die zweite Fremdsprache wieder aus der Primarschule kippen.
UK: Wie sieht das weitere Vorgehen auf politischer Ebene aus? Spannen Sie evt. mit weiteren Kantonen zusammen?
VH: Mit einer Motion, die ich in Planung habe, könnte mindestens eine Fremdsprache, vorzugsweise das Frühfranzösisch, wieder auf die Sekundarstufe befördert werden. Nachdem sich im Juli sechs Mittelstufenkonferenzen der Ostschweiz gegen zwei Fremdsprachen in der Primarschule ausgesprochen haben, stehen die Chancen für eine interkantonale Zusammenarbeit, wie wir sie schon 2006 hatten, sehr gut.
15. August 2012
Nachgefragt: Hans-Ulrich Bigler
Hans-Ulrich Bigler ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (sgv) und er nimmt Stellung zur Verwendung von Leistungstests wie Basic Check oder Multicheck. Damit klären Lehrbetriebe die Berufseignung von Bewerbern ab. Eine Studie kritisiert die Aussagekraft dieser Tests.
UK: Aus welchen Gründen verwenden Ihre Mitglieder die beiden Leistungstests Basic Check, respektive Multicheck?
HUB: Die Verwendung von Multi/Basiccheck geht einige Jahre zurück und ist auf die Einschätzung der Lehrmeister zurückzuführen, wonach die Zeugnisnoten zu wenig aussagekräftig waren. Problematisch war vor dem Hintergrund der hohen Nachfrage insbesondere der Quervergleich. Von Beginn weg war indessen klar, dass diese Tests bloss ein Kriterium unter mehreren ist. Ebenso wichtig sind persönliches Gespräch und Motivation der Kandidaten, Schnupperlehre, Referenzen etc.
UK: Wie zufrieden sind Ihre Mitglieder mit den Selektionstests? Haben Sie Rückmeldungen?
HUB: Die Zufriedenheit ist unterschiedlich, es gab und gibt Branchen, die mit Blick auf die Branchenanforderungen eigeene Tests entwickelt haben wie beispielsweise die Druckindustrie. Die Tests führen nie für sich alleine zu einem Entscheid hinsichtlich Lehrstellenvergabe.
UK: Sind Ihnen die Schwächen der Leistungstests bekannt? Wenn ja, was tun Sie dagegen?
HUB: Wir sind uns einerseits der Schwächen bewusst und stellen andererseits ebenso fest, dass in vielen Kantonen die Aussagekraft der Zeugnisse verbessert worden ist. Auch versprechen wir uns im Rahmen von Harmos - das vom sgv immer unterstützt wurde - eine weitere Verbesserung durch den Lehrplan 21 und die Definition beziehungsweise Einführung von Bildungsstandards. Liegen diese Elemente einmal definitiv vor, werden wir darauf hinarbeiten, dass auf weitere Tests in den Betrieben verzichtet wird. Dies umso mehr als wir zusammen mit der EDK ein Projekt "Anforderungsprofile" lanciert haben. Damit soll in der achten Schulklasse für die Schüler im Rahmen des Berufsinformationsprozesses eine Standortbestimmung möglich werden, der den Lehrstellenentscheid der Jugendlichen qualitativ unterstützt und in der neunten Klasse hilft, bestehende Lücken im Hinblick auf den gewählten Lehrberuf zu reduzieren.
Hans-Ulrich Bigler: Tests sind nur ein Kriterium unter vielen. Bild: sgv
UK: Aus welchen Gründen verwenden Ihre Mitglieder die beiden Leistungstests Basic Check, respektive Multicheck?
HUB: Die Verwendung von Multi/Basiccheck geht einige Jahre zurück und ist auf die Einschätzung der Lehrmeister zurückzuführen, wonach die Zeugnisnoten zu wenig aussagekräftig waren. Problematisch war vor dem Hintergrund der hohen Nachfrage insbesondere der Quervergleich. Von Beginn weg war indessen klar, dass diese Tests bloss ein Kriterium unter mehreren ist. Ebenso wichtig sind persönliches Gespräch und Motivation der Kandidaten, Schnupperlehre, Referenzen etc.
UK: Wie zufrieden sind Ihre Mitglieder mit den Selektionstests? Haben Sie Rückmeldungen?
HUB: Die Zufriedenheit ist unterschiedlich, es gab und gibt Branchen, die mit Blick auf die Branchenanforderungen eigeene Tests entwickelt haben wie beispielsweise die Druckindustrie. Die Tests führen nie für sich alleine zu einem Entscheid hinsichtlich Lehrstellenvergabe.
UK: Sind Ihnen die Schwächen der Leistungstests bekannt? Wenn ja, was tun Sie dagegen?
HUB: Wir sind uns einerseits der Schwächen bewusst und stellen andererseits ebenso fest, dass in vielen Kantonen die Aussagekraft der Zeugnisse verbessert worden ist. Auch versprechen wir uns im Rahmen von Harmos - das vom sgv immer unterstützt wurde - eine weitere Verbesserung durch den Lehrplan 21 und die Definition beziehungsweise Einführung von Bildungsstandards. Liegen diese Elemente einmal definitiv vor, werden wir darauf hinarbeiten, dass auf weitere Tests in den Betrieben verzichtet wird. Dies umso mehr als wir zusammen mit der EDK ein Projekt "Anforderungsprofile" lanciert haben. Damit soll in der achten Schulklasse für die Schüler im Rahmen des Berufsinformationsprozesses eine Standortbestimmung möglich werden, der den Lehrstellenentscheid der Jugendlichen qualitativ unterstützt und in der neunten Klasse hilft, bestehende Lücken im Hinblick auf den gewählten Lehrberuf zu reduzieren.
Hans-Ulrich Bigler: Tests sind nur ein Kriterium unter vielen. Bild: sgv
29. Juli 2012
Nachgefragt: Rudolf Künzli
Rudolf Künzli, ehemaliger Rektor der PHNW und Lehrplanforscher, kritisiert die neuen Richtlinien für Quereinsteiger der EDK. Konkret findet er, die Führungskompetenz der Lehrer werde höher gewichtet als deren fachliche Kompetenz. Ausserdem werde durch diese Richtlinien die Tertiarisierung der Lehrerbildung desavouiert und verschiedene Berufe würden ungleich behandelt. Schliesslich sei die Quereinsteigerausbildung nicht mit der nötigen langfristigen Perspektive eingeführt worden.
Rudolf Künzli (RK) nimmt hier kurz Stellung zu meinen Fragen (UK).
Rudolf Künzli (RK) nimmt hier kurz Stellung zu meinen Fragen (UK).
UK: Haben Sie Reaktionen auf Ihren Beitrag erhalten?
RK: Ich habe intern eine Reihe von positiven Rückmeldungen erhalten.
UK: Muss man pensioniert sein, um sich kritisch zur Schweizer Bildungspolitik zu äussern?
RK: Nein, man muss nicht pensioniert sein, freilich die Lehrerbildung ist ein besonders überwachtes Gebiet. Amtliche Loyalität wird gross geschrieben und der Primat der Politik gehört gleichsam zum Amt in bildungspolitisch vermintem Gelände. Cohep (Konferenz der Rektoren der PH) und LCH bleiben deshalb sprachlos.
UK: Die PH der Schweiz konnten dieses Frühjahr Rekord-Anmeldezahlen melden. Braucht es überhaupt eine Quereinsteiger-Ausbildung?
RK: Ich meine nicht.
UK: Wie sehen Sie die Zukunft der Lehrerausbildung? Wird Lehrer zu einem Job für Versager?
RK: Nein, das denke ich nicht. Aber die mangelnde Konsistenz und Kontinuität der Lehrerbildungspolitik ist zweifellos eine Hypothek. In den letzten 15 Jahren hat die EDK ihr Beschlüsse in der Sache mindestens 5x wieder geändert und revidiert. Das ist keine vorausschauende Politik. Ich interpretiere dies als Ausdruck a) eines nicht hinreichend geklärten Lehrerbildes und b) hochschulpolitischer Interessen- und Machtkämpfe.
Weitere Beiträge von Rudolf Künzli auf www.lehrplanforschung.ch
Quereinsteigerausbildung in der Kritik, Bild: PHZ
Quereinsteigerausbildung in der Kritik, Bild: PHZ
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