Mein
Schulkommissionspräsident pflegte jeweils am ersten Elternabend für die neuen 7.
Klässler in seine Grussbotschaft den Satz einzufügen: „Sie kommen in eine gute
Schule!“ Bei einer Gelegenheit fragte ich ihn, woher er denn das wisse. Er
schmunzelte verlegen und meinte: „Das entnehme er den Gesprächen mit den
Leuten.“
Die Gespräche mit den Leuten, Bieler Tagblatt, 20.6. von Alain Pichard
Inzwischen
machen wir solide anonymisierte Umfragen bei den Eltern, welche die Behauptung
unseres Präsidenten durchaus bestätigen, aber auch einige Schwachpunkte
aufzeigen.
Rückmeldungen,
oder „Feedbackkultur“ wie es in den Pädagogischen Hochschulen immer wieder
gepredigt wird, gehören mittlerweile zum Rüstzeug vieler Schulen. Auch ich
lasse mich von meinen Schülerinnen am Ende des Schuljahres beurteilen und bekomme
da jeweils mein Fett ab. Hauptkritikpunkt: Ich brauche viel zu lange, um
grössere Arbeiten zu korrigieren. Kein Wunder, ich muss ja immer wieder
Kolumnen schreiben und gegen den Lehrplan wettern…
In der
Bildungsverwaltung selber nimmt man es mit Rückmeldungen weniger streng. Pulvers Leute
predigen zwar immer wieder die Wichtigkeit von Feedbacks und stellen auch allerhand Feedback-Modelle ins Netz. Aber
wenn es darum geht, Ihre eigenen Veranstaltungen zu evaluieren, dann bleibt es
beim Gefühl.
Mathias
Aebischer, Nationalrat, Bildungspolitiker und grosser LP-Fan fragte mich
während eines Podiums, ob ich schon an einer Einführungsveranstaltung zum LP 21
gewesen sei! Die sei sehr gut, 75% der Lehrkräfte sind begeistert. Als ich ihn
fragte, woher er das wisse, antwortete er: „Das entnehme ich den Gesprächen mit
den Leuten!“
Nun, das muss
er wohl auch weiterhin. Denn uns Lehrkräften wurde anlässlich der Einführung
des LP21 zwar mehrere selten dämliche Einlagen zweier Damen geboten, die sich
„Varietäter“ nannten und lustig sein sollten, aber eine Rückmeldung zum Anlass holte
man nicht ein. Weder mündlich noch schriftlich.
Eine Kollegin
erzählte mir das Gleiche von Ihrem „Einführungskurs“ in das neue Lehrmittel „Mille
Feuilles“, dessen Leiter nicht einmal richtig Französisch sprechen konnte. „Die
Evaluation ging folgendermassen vor sich: Die Kursteilnehmer mussten sich in
einen Kreis setzen und konnten sich gegenseitig Rückmeldungen geben.“ Und die Dozierenden?
„Die waren natürlich nicht dabei!“
Auch der
Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz, der Basler Eymann, redet gerne mit den Leuten.
Angesprochen auf die neuste Studie von Frau Dr. Simone Pfenninger, welche die
Wirkungslosigkeit von Frühfranzösisch erneut belegte, meinte der grandiose
Rhetoriker: „Ich vertraue lieber den Gesprächen mit den Leuten als auf
Studien.“
Übrigens: Als
wir Lehrkräfte uns bei der Einführungsveranstaltung zum LP 21das
Eintrittsreferat des Schulinspektors angehört hatten, sollten wir uns in die
vorgesehen Workshops verschieben. Ich
erkundigte mich scheu, ob man noch Fragen stellen dürfe. Der Inspektor: „Nein,
das ist nicht vorgesehen!“
Das kam bei
den Lehrkräften nicht gut an. Woher ich das weiss? Natürlich, aus den
Gesprächen mit den Leuten.
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