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WILLKOMMEN: Wissen, was in der Schweizer Schule läuft!

Aktuelle Themen aus der Schweizer Schule werden hier aufgegriffen und kommentiert. Dabei sind unterschiedliche Positionen willkommen. Tipp: Themen- oder Stichwortsuche benutzen.

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29. Mai 2012

Aeppli will Primarlehrer mit heilpädagogischer Ausbildung

Die Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli wartet mit einem neuen Vorschlag auf. Um die Zahl der Lehrkräfte im Klassenzimmer zu verringern will sie die Primarlehrer zu Heilpädagogen ausbilden. Dies hätte eine verlängerte Ausbildung zur Folge. Die Reaktionen darauf sind mehrheitlich negativ. 
Soll die Zahl der Lehrer in den Schulzimmern reduzieren: Eine verlängerte Ausbildung zum Heilpädagogen.
Verlängerte Ausbildung zum Heilpädagogen, Bild: Felix Schaad
Aeppli will alle Zürcher Primarlehrer zu Heilpädagogen machen, Tages Anzeiger, 29.5. von Daniel Schneebeli

"Remo Largo ist zu weit weg von der Volksschule"

Remo Largo kritisierte die Bildungspolitiker. Diesen mangle es an Sachverstand. Nun kommt die Retourkutsche von Regine Aeppli, der Zürcher Bildungsdirektorin. Sie findet, Largo sei zu weit weg von der Volksschule. Er sei früher offener gewesen.
«Zu viele Lehrpersonen im Schulzimmer überfordern kleinere Kinder»: Bildungsdirektorin Regine Aeppli.
Zu viele Lehrpersonen überfordern die Kinder, Regine Aeppli, Bild: Béatrice Devènes
"Remo Largo ist zu weit weg von der Volksschule", Basler Zeitung von Daniel Schneebeli, 29.5.

28. Mai 2012

Reden ist silber

Es ist keine Schande, wenn man etwas nicht weiss. Peinlich wird es, wenn man wie Jürg Brühlmann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des LCH, über das International Baccalaureate plaudert, ohne eine Ahnung zu haben, was das eigentlich ist.
Für Ausländer in der Schweiz ist es oft eine schwierige Frage, ob sie ihre Kinder an eine Schweizer oder eine internationale Schule schicken. Für Brühlmann scheint es unvorstellbar, dass dieser Entscheid auch anhand qualitativer Kriterien gefällt werden kann. Unvorstellbar, dass eine internationale Schule schlicht besser sein könnte, als die Schweizer Volksschule. Es gibt bei uns noch immer sehr viele Tagträumer und Vielschläfer. Sorry, Jürg Brühlmann, es ist Zeit aufzuwachen!

Nicht sattelfest in seinen Aussagen: Jürg Brühlmann, Bild: PD
"Nationalstolze Länder definierten die internatinalen Abschlüsse", Basler Zeitung, 23.5. von Chantal Hebeisen

24. Mai 2012

Englisch bedroht Landessprachen nicht


Der British Council, eine Organisation zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Grossbritannien und anderen Ländern, hat den Umgang mit der Mehrsprachigkeit in 24 europäischen Ländern und Regionen unter die Lupe genommen. Es handelt sich nicht um ein Rating, sondern um eine Auslegeordnung. Am Mittwoch präsentierte er die ersten, auf Erhebungen in den Kantonen Zürich, Genf und Tessin basierenden Ergebnisse für die Schweiz. Die Analyse des Sprachgebrauchs in Schulen, öffentlichen Diensten sowie in Unternehmen kommt zum Schluss, dass keine generelle Verdrängung der jeweils nichtregionalen Landessprachen durch das Englische diagnostiziert werden kann - solches sei nur sektoriell und regional auszumachen.
Insofern entlarvt sie die Einschätzung als Gespenst, wonach Englisch eine Gefahr für den Austausch in Landessprachen über die inneren Sprachgrenzen hinweg sei. Insbesondere in der Wirtschaft zeigt sich ein pragmatischer Umgang, der Konsequenz spezifischer Tätigkeitsfelder ist. Die Schweiz gehört zu jener kleineren Gruppe von Staaten, in denen Fremdsprachen nicht ab dem ersten Schuljahr unterrichtet werden. Was die Vielfalt des Unterrichts von Immigrantenkindern in der Sprache ihrer Eltern angeht, ist die Schweiz Spitze; dieser wird vor allem von den Herkunftsstaaten finanziert. Während die Studie nachvollziehbar konstatiert, dass das Kabelfernsehen zu einer flächendeckenden Bedienung mit Programmen in Minderheiten- und Migrantensprachen führe, staunt man ob der Feststellung, nicht nur Fernseh-, sondern auch die meisten Kinofilme würden hierzulande synchronisiert - die praktische Erfahrung lehrt einem da anderes.
Quelle: NZZ, 24.5.
Die meisten Kinofilme sind synchronisiert, Bild: serienjunkies.org

Mindestens drei Lektionen Sport

Ab diesem Herbst müssen alle Kantone in der obligatorischen Schulzeit mindestens drei Sportlektionen pro Woche durchführen. Der Bundesrat hat das vom Parlament beschlossene Sportförderungsgesetz und die Ausführungsverordnungen auf den 1. Oktober in Kraft gesetzt. Besonders umstritten war die vorgeschriebene Mindestzahl von Sportlektionen, in der die Kantone eine Verletzung ihrer Hoheit über das Schulwesen sehen. In der Verordnung ist ihnen der Bundesrat insofern ein wenig entgegengekommen, als im obligatorischen Kindergarten und in den ersten beiden Jahren der Primarstufe keine exakte Lektionenzahl vorgeschrieben ist. An Mittelschulen müssen pro Jahr mindestens 110 Lektionen Sportunterricht erteilt werden. (sda)
Quelle: NZZ, 24.5.

Bund will keinen Abbau beim Sportunterricht, Bild: projektschule.at

Zweijahreskindergarten wird Pflicht

Mit Stichentscheid des Präsidenten befürtwortete der Schwyzer Kantonsrat das Angebots-Obligatorium für den Zweijahreskindergarten äusserst knapp. Nun müssen alle Schwyzer Gemeinden zwei Jahre Kindergarten anbieten. Dies bedeutet aber nicht, dass Eltern ihre Kinder zwei Jahre in den Kindergarten schicken müssen.
In Schwyz wird Zweijahreskindergarten Pflicht, Regionaljournal DRS, 23.5.

23. Mai 2012

Weshalb Reallehrer fehlen


Die PH verzeichnen Rekordanmeldezahlen von Neustudenten. Angesichts der steigenden Beliebtheit des Lehrberufs wurde aber auch festgestellt, dass im Bereich der Realschule nach wie vor zu wenige Lehrkräfte vorhanden sind. Hans-Peter Köhli macht sich in einem Leserbrief Gedanken zur Situation. Quelle: NZZ, 23.5.
Der träfste Satz im Bericht «Man wird wieder Lehrer» (NZZ 19. 5. 12) findet sich am Schluss. Die begleitende Formulierung der abgewandelten Redewendung ist allerdings klug gewählt; das, was ausgesagt wird, soll ja eben nicht eintreten: «Lehrer werden ist nicht schwer, Lehrer sein dagegen sehr.» Und doch steckt hier viel Wahrheit drin, denn tatsächlich stellen sich manche junge Leute das Pädagogenleben weit einfacher vor, als es in Wirklichkeit ist. Ob diesmal eine Trendwende punkto Lehrermangel vorliegt und ob die neu bei den Pädagogischen Hochschule angemeldeten Leute weniger Illusionen mitbringen, werden wir dann in einigen Jahren sehen.
Einen klaren Kommentar und gar ein helfendes Rezept kann man aber meines Erachtens zur Frage der mangelnden Reallehrer abgeben. Da haben sich die Schulpolitiker mit einer verfehlten Reform die Suppe selber eingebrockt. Die Realschule etwa in der Stadt Zürich präsentiert sich nun ja als «Sek B», entspricht aber bei weitem nicht mehr ihrem früheren Charakter. Die für leistungsmässig schwache Kinder bisher geführten Schultypen der «Sek C» und der verschiedenen Kleinklassen hat man kurzerhand abgeschafft und neu alles in diesen Sek-B-Klassen integriert, vermutlich, um sich und der Welt zu beweisen, wie ernst man es nimmt mit der Chancengleichheit. Dass ein solches integratives System niemals klappen kann, war aber vorauszusehen. Jetzt sind alle beisammen: lernwillige Kinder, die vielleicht sogar gerne in die «Sek A» wechseln würden, lethargische Schüler, denen alles egal ist, und leider auch notorische Störenfriede, die den andern tagtäglich das Leben sauer machen und bewirken, dass in gewissen B-Klassen von einem erspriesslichen Schulbetrieb keine Rede mehr sein kann. Und da wundert man sich, dass niemand in solchen Klassen unterrichten will?
Es wird unvermeidlich sein, derart heterogene Abteilungen wieder aufzulösen. Eine Lehrperson kann nicht gleichzeitig gute B-Schüler optimal fördern, das Mittelfeld animieren und daneben auch noch die Radaubrüder bändigen. Behandelt man jedoch diese Gruppierungen separat wie früher, lassen sich weit eher Lehrerinnen und Lehrer und sonderpädagogisch Ausgebildete finden, welche nicht abgeneigt sind, anspruchsvolle Aufgaben an der Oberstufe zu übernehmen.