31. Mai 2013

Kampf um Schüler

Wie andernorts auch steht das Gymnasium in Bern in direkter Konkurrenz zur Sekundarschule. In dieser unheilvollen Situation ist die Volksschule normalerweise am kürzeren Hebel. Die Berner Lehrer versuchen nun ihrerseits Druck auszuüben. Sie verlangen den Übertritt an die Sekundarstufe II erst nach vollendeter Volksschule.
Gymi erst nach der Sek, Bild: Keystone

Berufsverband LEBE sieht Sekundarschulen unter Druck, Berner Zeitung, 31.5.
Bernische Regierung will Unterricht an Gymnasien vereinheitlichen, SRF Regional, 31.5.

Mehr Lohn für Primarlehrer

Der Lohn für Primarlehrerinnen und Primarlehrer soll im Kanton Thurgau angehoben werden: Der Regierungsrat unterbreitet dem Grossen Rat eine entsprechende Botschaft, wie die Staatskanzlei am Freitag mitteilte. Die Mehrkosten sollen die Schulgemeinden mittragen.
Die Mehrkosten werden vom Regierungsrat mit insgesamt 6,7 Millionen Franken beziffert. 4,8 Millionen Franken sollen die Schulgemeinden tragen, 1,9 Millionen will der Kanton übernehmen. Die Thurgauer Schulgemeinden verfügten insgesamt über eine komfortable Eigenkapitalsituation, wird der Kostenverteilschlüssel begründet.
Geht es nach dem Regierungsrat, soll das neue Lohnsystem Anfang 2015 in Kraft gesetzt werden, damit die Schulgemeinden genügend Zeit für die Planung haben. Angestrebt wird eine Lohnentwicklung mit Minima und Maxima, die für Lehrerinnen und Lehrer aller Stufen mit einer etwas steileren Kurve beginnt und anschliessend abflacht.
Schulische Heilpädagogen und -pädagoginnen sollen im Lohnsystem tiefer eingereiht werden. Das sei in der Vernehmlassung positiv aufgenommen werden, heisst es im Communiqué der Staatskanzlei. Besser entschädigt werden sollen die Kindergärtnerinnen und -gärtner. 
Quelle: sda, 31.5.

30. Mai 2013

SVP gegen Jahresarbeitszeit

Die SVP des Kantons Zürich will festhalten an den Wochenlektionen zur Bestimmung der Arbeitszeit einer Lehrkraft. Eine Mehrheit der Bildungskommission unterstützt dagegen einen Berufsauftrag mit einer fixen Jahresarbeitszeit.
SVP im Alleingang gegen Jahresarbeitszeit für Zürcher Lehrer, Tages Anzeiger, 30.5.

29. Mai 2013

Kameras bewähren sich

Durchwegs positive Erfahrungen mit Kameras bei Schulanlagen hat man im Kanton Luzern gemacht. 





Überwachungskamera bei Veloständer, Bild: Manuela Jans

Kameras bei Schulanlagen bewähren sich, Neue Luzerner Zeitung, 29.5.

Wer ist der/die Beste im ganzen Land?

Die Zeit des Lavierens, Abwartens, sich-in-Position-Bringens hat begonnen. Wer folgt Isabelle Chassot im Präsidium der EDK?
Quelle: Basler Zeitung, 29.5. von Thomas Wehrli

27. Mai 2013

Uri krempelt 9. Schuljahr um

Das 9. Schuljahr soll in Uri einen Leistungstest in verschiedenen Fachbereichen und eine mehrmonatige Projektarbeit beinhalten.




Urner Schüler binden ihre Projektarbeit, Bild: SRF

Kanton Uri gestaltet 9. Schuljahr um, SRF Regional, 27.5.

Basel will weniger Repetenten

Eine Wiederholung des Schuljahres soll in Basel zur Ausnahme werden. Damit sollen pro Jahr 4,5 Millionen Franken gespart werden.
Weniger "fliegende" Schüler an Basler Schulen, SRF Regional, 24.5.

26. Mai 2013

Bleistift, Gummi und Gehörschutz

An Baselbieter Schulen kracht es. Der Lärm im Klassenzimmer ist so hoch, dass den Schülern Gehörschütze verteilt werden. Eine Realsatire zum aktuellen Zustand des Bildungslandes Schweiz.




Was tun gegen Lärm? Bild: Nils Fisch


Viel Lärm um Lärm, Tageswoche, 26.5. von Livio Marc Stöckli

LCH fordert Master für Primarlehrer

Durch einen Mastertitel sollen wieder mehr Männer zum Primarlehrerberuf gelockt werden. Ausserdem weist der LCH darauf hin, dass auch im Ausland die Ausbildung in diese Richtung gehe. Nicht einverstanden mit diesem Vorschlag ist Christian Amsler, Chef der D-EDK. Er will eine weitere Akademisierung vermeiden. Ausserdem koste diese Übung Geld, das momentan nicht vorhanden sei.
Katharina Bracher berichtet in der NZZaS vom 26.5.
Sechs Semester dauert die Ausbildung zum Primarlehrer heute normalerweise. Reicht die Zeit, um junge Lehrer auf die gestiegenen Anforderungen im Unterricht vorzubereiten? - Nein, findet der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH). Aus diesem Grund verlangt der Verband in einem neuen Positionspapier den Master als Mindeststandard für alle Primarlehrer: «Lehrpersonen der Primarstufe schliessen ihre Grundausbildung mit einem Master ab», lautet die Forderung. Gemäss Präsident Beat Zemp soll jedoch nicht allein der theoretische Teil ausgebaut werden, sondern vor allem der praktische. «Wir schlagen eine berufsbegleitende Masterstufe vor, welche Praxis und Theorie eng miteinander verknüpft», sagt Zemp. Ein Grund für diese Forderung ist die zunehmende Komplexität der Aufgaben, mit der sich ein Berufseinsteiger konfrontiert sehe. Gemeint sind unter anderem Gespräche mit zunehmend anspruchsvollen Eltern, mehr Kinder ohne Deutschkenntnisse, aber auch der Umgang mit Gewalt oder Missbrauchsvorwürfen an Schulen. In der Volksschule seien zunehmend solche Spezialkenntnisse gefragt, schreibt der LCH. Viele Schulen seien darum dazu übergegangen, Expertinnen anzustellen. Gemeint sind etwa Sozialarbeiterinnen, Sprachlehrer für ausländische Kinder und interkulturelle Vermittler. Künftig sollen Lehrer wieder dazu befähigt werden, diese Aufgaben von Anfang an selbst zu übernehmen.
Das Begehren des Lehrerverbands ziele aber nicht nur auf die gestiegenen Anforderungen in der Schule ab, wie Zemp erklärt. «Wir wollen Lehrpersonen mehr Karrierechancen bieten. Damit lassen sich auch wieder mehr Männer für den Beruf begeistern.» Dabei geht Zemp von der Annahme aus, dass sich Frauen in erster Linie für den Lehrerberuf entscheiden, weil sie damit Familie und Beruf besser vereinbaren können. «Für Männer ist der Aspekt der Laufbahnentwicklung im Beruf sehr wichtig», stellt Zemp fest. Anders gesagt: Ein Master strahlt mehr Prestige aus und verspricht Lohnzuwachs - beides hält man beim LCH offenbar für typisch männliches Verhalten bei Karriere-Entscheidungen.
Der Master für alle ist auch ein erklärtes längerfristiges Ziel der pädagogischen Hochschulen, vertreten durch die Rektorenkonferenz. Laut deren Präsident Johannes Flury sei der Moment zur flächendeckenden Einführung angesichts der Sparvorhaben in diversen Kantonen allerdings noch nicht gekommen.
Entschieden gegen eine weitere Akademisierung des Lehrerberufs ist Christian Amsler, Präsident der Deutschschweizer Konferenz der Bildungsdirektoren. «Der Master muss freiwillig bleiben», findet der Schaffhauser Erziehungsdirektor. Der Abschluss bedinge eine Masterarbeit, und diese schreibe man im stillen Kämmerchen. «So eignet man sich bestimmt nicht mehr Kompetenzen für den Unterricht an», sagt Amsler. Ausserdem koste die Verlängerung der Ausbildung eine Stange Geld, und obendrein verschlimmere sie den in vielen Kantonen virulenten Mangel an Lehrpersonen. Darüber hinaus sei er überzeugt, dass es in der Bevölkerung gar nicht gut ankomme, wenn irgendwann sogar Kindergärtnerinnen einen Master vorweisen müssten. «Schlecht fürs Image», lautet Amslers abschliessendes Urteil.
Der Dachverband der Lehrer sieht das freilich anders. Für Zemp ist der Master auf Primarstufe Pflichtprogramm, auch weil die internationale Entwicklung in der Lehrerausbildung sowieso in diese Richtung gehe. In Teilen Deutschlands, in Österreich und in Finnland habe man bereits auf den Master in der Lehrerbildung umgestellt. «Diesem Trend kann sich die Schweiz nicht entziehen, wenn sie ihre Lehrpersonen nicht schlechter auf dem Arbeitsmarkt stellen will als Lehrer aus den Nachbarländern, die zunehmend auch in der Schweiz unterrichten», ist Zemp überzeugt. Das Problem des Lehrermangels werde durch die Verlängerung bestimmt nicht verschärft, im Gegenteil: Durch die berufsbegleitende Masterstufe werde das Problem abgefedert, weil Lehrer in Ausbildung im Unterricht eingesetzt werden könnten.

25. Mai 2013

Gewerbeverband fordert Wiedereinführung der Sekprüfungen

Der Gewerbeverband des Kantons Luzern fordert die Wiedereinführung der Sekprüfung. Die Lehrer sind klar dagegen.


Ronald Vonarburg, Präsident des Gewerbeverbandes LU: "Der eingeschlagene Weg hat sich als falsch erwiesen". Bild: Manuela Jans

Gewerbeverband will Sekprüfung wieder einführen, Neue Luzerner Zeitung, 25.5.

Alles falsch verstanden?

Oskar Freysinger will in der Frage der Sans-Papiers-Kinder falsch verstanden worden sein. So äussert er gegenüber der Basler Zeitung, es könne keine Rede davon sein, Kinder ohne Papiere von der Schule fernzuhalten.












Basler Zeitung, 25.5. Zum Lesen bitte auf den Artikel klicken.

Freysinger will Denunzianten

Das Statement von Neo-Erziehungschef Oskar Freysinger, wonach Sans-Papiers-Kinder von ihren Lehrern gemeldet werden sollen, sorgt für Aufruhr in der Schweizer Presselandschaft. Die NZZ findet, er bleibe seinem Ruf als Provokateur treu.





Freysinger setzt sich in die Nesseln, Bild: Olivier Maire

Freysinger fördert Denunziantentum, NZZ, 25.5. von Luzius Theler

Freysinger fordert Meldepflicht für Sans-Papier

Der neugewählte Walliser Erziehungsdirektor Oskar Freysinger (SVP) sorgt für Aufsehen. Er will prüfen, ob Schulleitungen oder Lehrer Sans-Papier-Kinder dem Departement melden sollen.
Meldepflicht für Lehrpersonen mit Sans-Papier-Schülern, SRF Tagesschau, 23.5.

Öko-Bildung in der Praxis

Ein 16-jähriger Gymnasiast schildert, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Praxis abläuft. 

Im Moment behandeln wir den Klimawandel. Der Lehrer meint, dieser Winter sei wieder wärmer gewesen als der letzte. Ich widerspreche und erkläre ihm, dass die Temperaturen in den letzten 15 Jahren nicht gestiegen seien, und dies, obwohl der CO2-Ausstoss um 75 Prozent zugenommen habe. Er glaubt mir nicht, weshalb ich in der nächsten Lektion Forschungsergebnisse der Nasa mitbringe. Darauf mein Lehrer: «Vielleicht stagniert das Klima.» Ich: «Nicht vielleicht.» Darauf mein Lehrer: «In Ordnung, das Klima stagniert ein bisschen.»
Der Lehrer flüchtet sich in einen Kata­s­trophenfilm des Schweizer Fernsehens. Aber auch hier sind wir schon ziemlich ­abgehärtet – denn eine Auseinandersetzung mit dem Gezeigten folgt in der Regel nicht. Schon in der 5. Klasse musste ich den Al-Gore-Film «Eine unbequeme Wahrheit» über mich ergehen lassen. Damals hatte ich Mühe, den Film zu verstehen, wusste ich doch nicht, was CO2 ist. Und meine Schulkameraden, fast ausschliesslich Migrantenkinder, verstanden den komplexen Kommentar eh nicht.
Ich merke, wie dieser Ökounterricht ­ohne wissenschaftlichen Background immer mehr das Gegenteil bewirkt. Wir machen uns einen Spass daraus, den Lehrern zu widersprechen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell dann die Argumentation von wissenschaftlichen Fakten zu Moralvorstellungen wechselt.
Vor einer Woche hatten wir eine Projektwoche zum Thema «Wasser». Die Lehrkräfte versuchten uns vier Tage lang ­beizubringen, dass es ein ökologischer Schwachsinn sei, Mineralwasser zu kaufen. Natürlich zeigte man uns auch hier den unvermeidlichen Film «Bottled Life» über Nestlé. Am letzten Tag analysierten wir den Preisunterschied zwischen Mineral- und Leitungswasser. Unsere Lehrerin war entsetzt, als sie realisierte, dass wir diesen ­Unterschied nicht schlimm finden. Warum soll man nicht Geld für etwas ausgeben, wenn es einem schmeckt?
Aber die Schule gibt nicht auf: Am nächsten Konvent wird abgestimmt, ob Flüge für Exkursionen und Maturreisen verboten werden sollten.
Quelle: Weltwoche, 21/2013 von Leon Wiederkehr

Weltrettungsprosa im Lehrplan 21

Im neuen Lehrplan 21 soll auch der Bereich "Nachhaltige Entwicklung" berücksichtigt werden. Gegen dieses Kuckucksei kann man mit berechtigten Gründen Einwände haben, in der Praxis öffnen wir damit Ideologien Tür und Tor. Ein Artikel von Lucien Scherrer warnt vor den Folgen.

Schulkinder lernen heute mehr als Schreiben, Rechnen oder Ringturnen. Sie lernen, wie man die «ökologischste» Pizza bäckt oder wie ein «gerechter» Bleistift produziert wird. Sie basteln Häuschen aus rezykliertem Abfall, die zu «sozialen Treffpunkten» werden. Sie spielen Theaterstücke, in denen es um das «Fremd sein» in der Schweiz geht oder darum, der weltweiten Armut und dem Klimawandel «entgegenzutreten». «Globales Lernen» respektive «Bildung für nachhaltige Entwicklung» (BNE) nennt man das in der Fachsprache. Diese Beispiele aus dem Schulalltag sind der Website von «éducation 21» entnommen, einer halbstaatlichen Bildungsstelle (dazu später mehr).
Wie viel «nachhaltige» Unterweisung Kinder erhalten, hängt heute von kantonalen Lehr­plänen, inoffiziell aber auch von der Weltanschauung der Lehrer ab. Nach dem Willen der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) soll sich das bald ändern. Das Politikergremium hat sich das Ziel gesetzt, die Lehrpläne in den 21 Deutschschweizer Kantonen ab 2014/15 zu vereinheitlichen – mit dem sogenannten «Lehrplan 21», der im Juni der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll.
Der genaue Inhalt ist noch unbekannt, doch schon jetzt ist klar, dass «globales Lernen» ­eine wichtige Rolle spielen wird. So sollen die Kinder in fächerübergreifendem Unterricht «Kompetenzen erwerben» über Themen wie «soziale Gerechtigkeit», «Nord-Süd», «Diskriminierung», «Gender» oder «Umwelt» (Weltwoche Nr. 50/12). Ist es ein Zufall, dass sich das anhört, als hätte die Grüne Partei oder eine Drittweltgruppe ihre Bildungsziele verwirk­licht? Die EDK versichert, dass nachhaltige Bildung nichts mit «Instrumentalisierung» oder ideologischer Beeinflussung zu tun habe. So erklärte EDK-Generalsekretär Hans Ambühl in einem Interview: «Lange haftete der BNE der Geruch von Ideologie an. Ich lege aber Wert darauf, dass nach-haltige Entwicklung keine Forderung von Ideologen ist, sondern aus allgemein anerkannten menschlichen Wertvorstellungen hervorgeht.»
Tatsächlich lohnt es sich, die Hintergründe dieses angeblich geschmacks-neutralen Anliegens etwas genauer zu betrachten. Denn BNE ist ein Lehrbei-spiel dafür, wie Lobbyisten, Bildungsfunktionäre und Verwaltungsbeamte für fragwürdige Zwecke den Staat aufblähen.
Doch der Reihe nach. Die nachhaltige Bildungsoffensive beginnt 1992, an der Uno-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio. Neben anderen Geboten verkünden die Gipfelteilnehmer, dass Umwelt- und Entwicklungsfragen stärker in der Bildung verankert werden müssten. Gestützt auf diesen «Auftrag», beginnen Hilfswerke wie Alliance Sud, Amnesty International, WWF und andere Interessengruppen, die Schulen mit Material zu Themen wie «Interkulturalität», «Rassismus», «Globalisierung», «Umwelt», «fairer Handel» und dergleichen einzudecken. Gleichzeitig versucht diese Lobby, ihre Anliegen in Lehrplänen und in der Lehrerausbildung zu verankern.
Mit Erfolg, denn die EDK und die Bundesverwaltung halten nachhaltige Bildung für derart wichtig, dass sie diese zur Staatsaufgabe erklären. Ende der neunziger Jahre werden die meisten «Schulstellen» der Hilfswerke ersetzt durch die zwei neuen Stiftungen Bildung und Entwicklung (SBE) sowie Umweltbildung Schweiz (SUB). Diese erhalten vom Bund den Auftrag, Informationsmaterial zu «filtern», Schulen und Lehrkräfte zu «beraten» und mit Unterrichtsmaterial zu versorgen. Im Gegenzug subventioniert die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) die Stiftungen mit Millionenbeträgen (allein der SBE spendiert sie 1998 1,6 Millionen Franken). Damit entsteht ein quasistaatliches Beschäftigungsprogramm für Hilfswerk-Aktivisten, denn auf deren Know-how will man nicht verzichten.
Bis 2008 verdoppelt die SBE die Zahl ihrer Mitarbeiter auf sechzehn. Gemäss Jahresbericht 2011 haben diese «Fachleute» seit 1997 über eine halbe Million Bücher, Filme und andere Unterrichtsmaterialien an Schulen verkauft und 500 Projekte «im Bereich der Rassismusprävention oder der Menschenrechte» begleitet. Die pädagogischen Hochschulen (PH), immer offen für «moderne» Themen, tragen die Offensive eifrig mit. Sie entwickeln BNE-Lehrgänge, oder sie bringen Lehrern in Kursen bei, was sie gegen den Klimawandel «tun» können. So ist es nur folgerichtig, dass Bund und EDK 2007 einen 1,5 Millionen Franken teuren Massnahmenplan verabschieden, mit dem Ziel, BNE im «Lehrplan 21» zu verankern. Nachhaltige Entwicklung sei «das womöglich zentralste Anliegen unserer Zeit», verkündet EDK-Funktionär Ambühl.
Die epochale Mission verlangt nach einer Bündelung der Kräfte: 2012 fusionieren SBE, SUB und die Schulstelle von Alliance Sud zur Stiftung «éducation 21». Diese betreibt seit Anfang Jahr ein nationales «Kompetenzzen­trum BNE» in Bern. Nach Auskunft von EDA-Sprecherin Carole Waelti beschäftigt dieses Amt für ökosoziale Bildung 43 Mitarbeiter, die sich dreissig Vollzeitstellen teilen.
De facto handelt es sich um Staatsangestellte: Die Deza sowie die Bundesämter für Kultur und Gesundheit schiessen dieses Jahr 4,9 Millionen Franken in das Zentrum ein und tragen damit die Hauptlast des Budgets. Und es gibt viel zu tun: «Das Kompetenzzentrum wird die Schulen und päda­gogischen Hochschulen bei der Erreichung der Lehrplan-Ziele unterstützen», sagt EDK-Sprecherin ­Gabriela Fuchs, «durch Erarbeitung von Unterrichtshilfen und Unterstützung der päda­gogischen Hochschulen bei der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte.»
Obwohl «globales Lernen» angeblich ein universelles Anliegen ist, zieht es vorwiegend Menschen mit linkem und grünem Gedankengut an. So war der grüne Zürcher Gemeinderat und PH-Dozent Ueli Nagel federführend in der Entwicklung von BNE-Lehrgängen, und im Stiftungsrat von «éducation 21» sitzen neben Lehrer- und Kantonsvertretern ausschliesslich SP-Politiker: die jurassische Regierungsrätin Elisabeth Baume-Schneider und der Freiburger Nationalrat Jean-François Steiert. Zum «éducation 21»-Mitarbeiterstab gehört die Berner SP-Politikerin Barbara Rödlach, und auch ihr Chef steht nicht im Ruf, ein «Rechter» zu sein: Zentralsekretär Jürg Schertenleib, ein ehemals prominenter Funktionär der Flüchtlingshilfe, der 2007 zur SBE wechselte. Während seiner Amtszeit als Flüchtlingshelfer fiel der Jurist als vehementer Kritiker einer verschärften Ausländer- und Asylpolitik auf. «Die Menschlichkeit ist weggebrochen», klagte er etwa 2006 nach der Annahme des neuen Ausländer- und Asylgesetzes. Bis heute präsidiert Schertenleib die Gruppe Humanrights.ch, die dank Bundesgeldern akribisch Buch führt über rassistische Vorfälle in der Schweiz. Bei seinem Wechsel zur SBE diktierte Schertenleib dem Tages-Anzeiger, dass er sein «Engagement für die Grundrechte der Menschen» nun in die «Bildungspolitik einbringen» wolle.
Das ist ihm und seinen Mitstreitern gut gelungen. Die Publikationen und Projekte von «éducation 21» – nachzulesen im Internet – sind durchtränkt von Hilfswerk-Jargon und rotgrünen Glaubenssätzen. Der Klimawandel ist «menschengemacht» und kann von nachhaltig gebildeten Menschen «bekämpft» werden, Multis beuten die Dritte Welt aus, die Gesellschaft ist latent rassistisch, Bio, Solarenergie und der öffentliche Verkehr sind gut.
Trotz Versicherungen, dass BNE-Unterricht «offene Diskussionen» anregen soll, geht es um Belehrung. Dabei gilt das Motto: Was PH-Dozenten und Hilfswerk-Aktivisten interessant finden, begeistert auch Schulkinder. So preist «éducation 21» einen Film über ein Mädchen an, der die Kinder dazu animieren soll, über «Geschlechtergerechtigkeit» zu diskutieren. Wobei es für die Buben angeblich besonders «spannend» ist, ihr «Rollenverständnis zu hinterfragen».
Beim Thema «Einwanderung» werden die Schüler ebenso sanft, aber bestimmt in die richtige Richtung gelenkt. Bereits Kindergärtler müssen sich «spielerisch» mit «Fragen des interkulturellen Respekts» auseinandersetzen. Auf Schulstufe gilt es dann, «Aktivitäten zu erkunden», um «dem Rassismus entgegenzutreten». Daneben unterstützt «éducation 21» Events wie «Step into Action», an denen Kinder für Themen wie «Migration» oder – wie am 1. Mai – für «internationale Solidarität» «sensibilisiert» werden. Wobei für die «Sensibilisierung» Aktivisten von Amnesty International zuständig sind.
Es verwundert nicht, dass die Kinder nach solchen Events Bekenntnisse abliefern, die ganz im Sinne ihrer Erzieher liegen: Sie geloben, die Diskriminierung von Homosexuellen zu «bekämpfen» oder für weniger Fleisch und mehr «fair» produzierten Kaffee in der Mensa zu werben. Eine Schulklasse, die im Tessin das Thema «Mobilität» untersuchte, stellte folgende «Forderungen» auf: Eisenbahntarife senken, öffentlichen Verkehr fördern, stren­gere Tempolimiten für Autos.
So viel zum «Geruch von Ideologie», der sich laut EDK-Generalsekretär Hans Ambühl in Luft aufgelöst hat. BNE ist in der Lehrerschaft denn auch nicht so beliebt, wie das die EDK gerne hätte. Hinter vorgehaltener Hand wird über den «modischen Plunder» geklagt, der einem wieder einmal «von oben» verordnet werde. Der Bieler Reallehrer und Stadtrat Alain Pichard (Grünliberale) sagt offen, was andere denken: «Es ist haarsträubend, was da abläuft. Man versucht, kleine Kinder mit Weltrettungsprosa in bessere Menschen zu verwandeln.» Statt eigenes Denken zu fördern, vermittelten die «Schreibtischtäter» Glaubenssätze, statt Forschergeist zu wecken, deckten sie die Kinder mit Arbeitsblättern und Filmen ein. «Das ist Pädagogik aus dem Mittelalter», sagt Pichard, «todlangweilig, aber ­sicher nicht nachhaltig.» Dass der Staat dafür eine Bildungsstelle finanziert und deren Ziele auch noch im «Lehrplan 21» verankern will, hält der Lehrer für «höchst fragwürdig».
EDK-Sekretär Hans Ambühl will sich auf Anfrage der Weltwoche nicht zu «politischen» Fragen äussern und verweist auf «éducation 21»-Präsidentin Elisabeth Baume-Schneider. Diese reagiert nicht auf eine Interview-Anfrage. Dafür äussert sich Beat Zemp, der als Präsident des Schweizer Lehrerverbandes und Vizepräsident der Stiftung «éducation 21» beide Seiten kennt. Für ihn gehört BNE heute zu einem «zeitgemässen Unterricht». «Natürlich haben Themen wie Nachhaltigkeit einen linken Touch», sagt er, «aber gerade deshalb dürfen sie keinesfalls nur von einem Standpunkt – etwa einem ökologischen – betrachtet werden.» Vielmehr gelte es, im Unterricht auch «andere Sichtweisen» zu berücksichtigen, zum Beispiel jene der Wirtschaft. Die Frage, ob BNE diesem Anspruch in der Praxis gerecht wird, lässt Zemp offen. Aber er sagt: «Es wäre zu wünschen, dass der Bund die wirtschaftliche Kompetenz der Stiftung ‹éducation 21› stärkt.»
Doch egal, wie viel Kompetenz dieses selbsternannte «Kompetenzzentrum» noch entwickelt: Hat die Schule nicht Wichtigeres zu tun, als kleine Aktivisten zu formen und Schul­buben mit Gender-Fragen zu langweilen? «Die Schule muss sich auf das konzentrieren, was sie kann, was sie können muss», sagt Alain ­Pichard. Das Klima retten gehöre da bestimmt nicht dazu, den Schülern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, dagegen schon. «Das ist zwar nicht alles, aber ohne diese Fähigkeiten ist alles nichts.»
Pichard erinnert daran, dass laut der Pisa-Studie fast jeder fünfte Schulabgänger nicht richtig lesen und schreiben kann: «Wenn die Schule in ihrem Kerngebiet Analphabeten produziert, erodiert ein Fundament.» Tatsächlich dürfte es ein Schulabgänger auf dem Arbeitsmarkt auch künftig schwer haben, wenn er weiss, wie man eine ökologische Pizza bäckt – aber nicht, wie man das Wort «Pizza» schreibt.
Quelle: Weltwoche 21/2013 von Lucien Scherrer

23. Mai 2013

Revision Volksschulgesetz Zug


An der Volksschule im Kanton Zug soll es künftig einen besseren Informationsaustausch über Schüler geben. Der Zuger Kantonsrat hat am Donnerstag eine Revision des Schulgesetzes mit 64 Ja- zu 4 Nein-Stimmen definitiv beschlossen. Mit der Revision können Lehrpersonen neben administrativen Informationen über Schüler auch andere für die
Schule relevanten Informationen austauschen. Die Eltern können aber die Weitergabe ausschliessen. Weiter regelt die Revision, dass Gemeinden Musikschulen führen müssen und dass Gesuche, Kinder in Privatschulen schicken zu können, weiter restriktiv gehandhabt werden. Geregelt wird überdies die vom Volk gutgeheissene Wiedereinführung der Noten ab der 2. Primarklasse. Neu kann eine Elternorganisation als Ansprechpartnerin der Schulen vom Kanton finanziell unterstützt werden. Der Zuger Kantonsrat muss bereits Anfang 2014 eine weitere Schulgesetzrevision mit umstritteneren Punkten wie der Grundstufe, der Talentklasse Kunst und Sport oder den Termin der Einschulung beraten.
Quelle: sda

Pensionskasse: Lehrer bekommen Maulkorb

Grosse Verunsicherung bei der Sanierung der Baselbieter Pensionskasse. "Die Kommunikationspolitik der Bildungsdirektion ist eine Katastrophe", sagt ein 61-jähriger Sekundarlehrer.
Quelle: Basler Zeitung, 23.5. Zum Lesen bitte auf Artikel klicken.
Auch in St. Gallen entscheidet das Volk über die Sanierung der Pensionskasse, Bericht SRF Regional, 23.5.

22. Mai 2013

"Inakzeptable" Vorschläge zur Pensionskassen-Reform

Die Berner Lehrer kämpfen für eine "faire" Pensionskassen-Reform und beharren auf gegenüber dem Vorschlag der Grossratskommission auf eine faire Übergangsfinanzierung.




Die Berner Lehrerversicherungskasse (BLVK) in Ostermundigen, Bild: Urs Baumann

Berner Lehrer kämpfen für "faire" Pensionskassen-Reform, Berner Zeitung, 22.5.

Hohe Akzeptanz für Schulsozialarbeit

In Nidwalden wird die Schulsozialarbeit von den Lehrern positiv beurteilt. Dies ergab eine Umfrage.





Schulsozialarbeit als Anlaufstelle für Lehrer und Schüler, Bild: Neue LZ

Gute Noten für Schulsozialarbeit, Neue Luzerner Zeitung, 22.5.

Projekt Umweltschulen


Einer der Schlüssel zur Erhaltung unseres natürlichen Erbes ist Umweltbildung. Schon Kinder sollen auf der Basis von fundiertem Wissen lernen, vorausschauend und verantwortungsvoll zu handeln. Das Projekt «Umweltschulen - Lernen und Handeln» wurde 2011 für vorerst sechs Jahre ins Leben gerufen, um Zürcher Volksschulen und Berufsschulen zu fördern, die Umweltbildung und Ökologie langfristig in ihren Schulalltag integrieren möchten: Aus Schulen sollen Umweltschulen werden. Im Rahmen des Projekts werden Schulen, die sich dazu entschlossen haben, mit verschiedenen Angeboten unterstützt und begleitet.Die ersten vier Schulen, die diesen drei Jahre dauernden Weg eingeschlagen haben, sind kürzlich an einer Feier im Botanischen Garten Zürich als Umweltschulen ausgezeichnet worden, wie die Projektleitung mitteilt. Es handelt sich um die Schule Sternenberg, die mit der Gemeinde ein mehrwöchiges Projekt zu den Themen Wetter und Klima plant, und um die drei Stadtzürcher Schulen Milchbuck, Riedtli und In der Ey. Die Stadt Zürich unterstützt das Projekt; ihr erklärtes Ziel ist es, dass es bis Ende 2013 in jedem Schulkreis mindestens eine Umweltschule gibt.
Quelle: NZZ, 22.5. von Walter Bernet

21. Mai 2013

Fleissige Mädchen, dumme Buben

In der Schule sind Mädchen längst besser als die Jungen. Und weil Eltern und Lehrer das so hinnehmen, verstärkt sich das Problem.



Mehr als ein Klischee, Bild: Nicolas Bischof





Fleissige Mädchen, dumme Buben, Migros Magazin, 21.5. von 

Eigene Geräte statt Schulcomputer

Die Baselbieter IT-Strategie sieht vor, dass die Schüler ihre eigenen Computer in die Schule bringen. 

Baselland will in fünf Jahren das Niveau der Kantone Aargau und Solothurn erreicht haben, was immer dies konkret auch heissen mag, Bild: Colorbox

Baselbieter Schüler sollen mit eigenem PC in die Schule, SRF Regional, 21.5.

19. Mai 2013

Aeppli will auch

Nachdem bereits der Basler Erziehungsdirektor Christph Eymann sein Interesse am frei werdenden Präsidium der EDK ankündigte, drängt sich nun seine Zürcher Amtskollegin Regine Aeppli in den Vordergrund. "Ich überlege mir eine Kandidatur für das Präsidium der EDK". Die Konferenz sei auf gutem Wege, das Bildungswesen zu harmonisieren. Sie wolle dieses Vorhaben weiterhin entschieden vorantreiben. 
Doch auch die SVP bringt sich in Stellung. Konkrete Namen sind aber noch nicht zu erfahren. Als Favorit gehandelt wird allerdings der Aargauer Alex Hürzeler.




Will im Oktober neue EDK-Präsidentin werden: Regine Aeppli, Bild: SP Kanton Zürich



Quelle: NZZaS, 19.5.

17. Mai 2013

Dresscode von Schülern erstellt

Die Sekundarschüler im zürcherischen Embrach haben im Auftrag der Schulleitung einen Dresscode erstellt. Dank der einheitlichen Regelung sollen die wiederkehrenden Diskussionen beendet werden. Vor allem sollen bei allen Lehrern dieselben Massstäbe gelten.

16. Mai 2013

Gleichmacherei vs. Individualisierung

Gerd Habermann fordert mehr Wettbewerb und weniger Bildungsmonopole. In seinem Text untersucht er die unterschiedlichen Ausprägungen von öffentlichem Schulzwang und privaten Initiativen in verschiedenen Ländern.





Habermann lehrt als Honorarprofessor an der Universität Potsdam, Bild: iuf-berlin.org

Keine Bildungsmonopole, NZZ, 16.5.

15. Mai 2013

Effekthascherei und ein Bildungspreis

In der Schweiz wird ein Bildungspreis für besonders innovative Schulen vergeben. Bezahlt von privaten Sponsoren. Diese bestimmen also, in welche Richtung sich das Schulsystem entwickeln soll. Die Medien schlagen folgsam und erfolgreich (über 100 Schulen machen mit) die Werbetrommel für die scheinbar gute Sache. Und die EDK schweigt und schweigt und schweigt. 
Ein Gespräch mit dem Präsidenten der Jury, Jürgen Oelkers.
"Kinder geben im Alltag oft Rätsel auf", Tages Anzeiger, 11.5. von Daniel Schneebeli. Link zur Verfügung gestellt von www.kindgerechte-schule.ch

Solothurn baut Evaluationen ab

Der Solothurner Kantonsrat streicht bei der Schulevaluation eine Million Franken. Dies gegen den Willen der Regierung, die sich gegen eine Begrenzung durch eine Zahl gewehrt hat. 



Erziehungschef Klaus Fischer wehrt sich gegen den Vorwurf, die Bildungsbürokratie habe zugenommen, Bild: Klaus Fischer

Solothurner Kantonsrat will weniger Kontrollen bei Volksschulen, SRF Regional, 15.5.

Keine Basler Sprachquote

Mit Stichentscheid des Ratspräsidenten lehnte das Basler Parlament den Vorstoss ab, wonach Primarklassen sprachlich besser durchmischt werden sollten.





Das Resultat der Abstimmung war 34:34, Bild: Keystone

Keine Sprachquote in Basler Primarschulen, Basler Zeitung, 15.5.

14. Mai 2013

Verlogene Schulpolitik

In Basel hat ein politischer Vorstoss für nationale Schlagzeilen gesorgt, was selten vorkommt. Es geht um die sprachliche Durchmischung der ziemlich klar strukturierten Basler Gesellschaft. Hier die wohlhabenden Quartiere mit einem hohen Anteil von deutsch sprechenden Kindern, dort das Kleinbasel mit sehr vielen Ausländerkindern. Michael Rockenbach kommentiert in diesem Zusammenhang die Verlogenheit der Schulpolitik.







Mehr Schweizerdeutsch lässt sich nicht erzwingen, Tageswoche, 14.5. von Michael Rockenbach

Kein Lehrermangel in St. Gallen

Unterschiedliche Ansichten zum Thema Lehrermangel haben das St. Galler Volksschulamt und der kantonale Lehrerverband.
Auf der Sekundarschule fehle es an Mathematiklehrern, sagt Hansjörg Bauer, Präsident des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes St. Gallen. Insofern sei es gerechtfertigt, von einem Lehrermangel zu sprechen. Zudem gebe es auch einen qualitativen Lehrermangel. Es sei zunehmend schwierig, wirklich gut ausgebildete Lehrer zu finden. St. Gallen bilde genügend Lehrer aus, heisst es seitens der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Die Nachfrage an Lehrpersonal könne fortlaufend gedeckt werden. Die Schwierigkeiten auf der Sekundarstufe hätte mit einer flexibleren Ausbildung zudem abgeschwächt werden können. Auch das Amt für Volksschule kann keinen eigentlichen Lehrermangel entdecken. Dies habe eine Erhebung im vergangenen Jahr ergeben. Auch für die kommenden Jahre habe St. Gallen die Situation im Griff.
Quelle: SRF Regional, 14.5.

13. Mai 2013

Entlastung für Schaffhauser Lehrer in Sicht

Der Schaffhauser Kantonsrat setzt die Regierung unter Druck: Bis Ende Jahr muss sie klar aufzeigen, wie sie die Klassenlehrer entlasten will. Die Löhne der Lehrer sollen dabei nicht angetastet werden.





Lehrerstreik 2012 in Schaffhausen, Bild: Keystone

Schaffhauser Lehrer sollen entlastet werden, SRF Regional, 13.5.

Schulpflegen unter Druck

Der Kanton Solothurn hat sie bereits abgeschafft, im Aargau schlägt die Regierung dasselbe vor: Die Abschaffung der Schulpflegen oder Schulräte. Wichtige Aufgaben werden von den Schulleitungen übernommen. Doch gegen die Abschaffung spricht, dass die Schulpflege ein demokratisches Kontrollorgan der Schule ist.




Schulpflegen müssen neue Rolle finden, Bild: Keystone

Schulpflege - ein Auslaufmodell?, SRF, 13.5.

Soziale Durchmischung

Der politische Vorstoss, wonach eine ausgeglichene Verteilung der Schüler in Basel-Stadt erreicht werden soll, hat schweizweit viel Staub aufgewirbelt. Die eingereichte Motion kann hier eingesehen und gelesen werden.

12. Mai 2013

Sprachquote ist Willkür

Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann schaltet sich in die Debatte um eineMindestquote für Deutsch sprechende Schüler ein. «Eine Quote ist absolute Willkür», kritisiert Eymann im Interview mit der SonntagsZeitung. Nächste Woche wird das Basler Parlament über einen Vorstoss abstimmen, der den Ausländeranteil in den Schulklassen beschränken will: Neu soll es in jeder Schulklasse mindestens 30 Prozent Kinder mit Muttersprache Schweizerdeutsch geben. «Wenn das Parlament diesen Vorstoss durchwinkt, werden wir ihn erst einmal abhängen lassen», kündigt Eymann an. Eine Sprachquote sei «der falsche Weg», so Eymann. Um die Quote einzuhalten, müssten die Schüler mit Bussen durch die Stadt chauffiert und auf die Schulhäuser verteilt werden. «Das würde bedeuten, dass die Kinder nicht mehr mit ihren Gspänli in die Klasse gehen können, mit denen sie aufgewachsen sind.» Statt auf eine Quote setzt Eymann auf die obligatorische Teilnahme von Migrantenkindern an Spielgruppen, in denen «spielerisch» Deutsch gelernt werde. «Basel hat neben Genf europaweit den höchsten Anteil an fremdsprachigen Kindern», sagt Eymann. «Wir haben pro Jahr 20 Kindergartenklassen, in denen kein einziges deutschsprachiges Kind mehr ist.» Die Sprachförderung für Migrantenkinder in den Spielgruppen kostet laut Eymann 2 Millionen Franken pro Jahr.
"Eine Sprachquote ist der falsche Weg" Basler Zeitung, 12.5.

Eymann will

Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann möchte Nachfolger von Isabelle Chassot als Präsident der EDK werden. "Das ist ein sehr interessantes Amt", sagt er gegenüber der Sonntagszeitung. "Ich bin bereit, es zu übernehmen, wenn ich angefragt werde."




Eymann: "Ein interessantes Amt". Bild: news.ch

Quelle: SonntagsZeitung, 12.5.

11. Mai 2013

Gemeinsame Tests in der Nordwestschweiz

Ab 2015 organisieren Basel-Stadt, Basel-Land, Solothurn und Aargau vier gemeinsame Leistungs-Checks in der 3., 6., 8. und 9. Klasse. Damit soll die Qualität erhöht werden. Da sind wir mal gespannt. Besonders wenn gleichzeitig noch eine gemeinsame Aufgabensammlung herausgegeben wird.





Text zum Lesen bitte anklicken.


Quelle: Basler Zeitung, 11.5. von Peter de Marchi

"Schweizweite Quote macht keinen Sinn"

Beat Zemp, Präsident LCH, mischt sich ein in die Diskussion um Schweizerdeutsch-Quoten an unseren Schulen. Er findet fixe Quoten unnötig, Basel sei jedoch ein Sonderfall.
"Gegen Ghetto-Schulen", Tages Anzeiger, 11.5. von Patrick Feuz

Die Sprache der Verständigung

Als es um die Mundart-Initiative (in Zürich angenommen) ging, da wurde argumentiert, im Kindergarten müsse Hochdeutsch gesprochen werden. Nun sagt der Chef des Zürcher Volksschulamtes, Martin Wendelspiess, offenherzig: Weil sich Albaner, Türken oder Portugiesen in ihren Sprachen nicht verständigen könnten, sei die Mundart für sie die Sprache der Verständigung. In Basel plant man, Schüler auf verschiedene Schulhäuser zu verteilen, damit die Quote von Schweizern pro Klasse steigt. Dass das Problem akut ist, zeigen folgende Zahlen: In Zürich werden derzeit 93 Schulen wegen eines hohen Fremdsprachenanteils unterstützt. Klassen mit mehr als 70 Prozent Fremdsprachigen gibt es an rund 80 Schulen.
An 80 Zürcher Schulen sprechen mehr als zwei Drittel kein Deutsch, Tages Anzeiger, 11.5. von Daniel Schneebeli

Bündner Schulsprachen

Im Zusammenhang mit der Lancierung der Bündner Fremdspracheninitiative sprach Erziehungschef Martin Jäger von einem Ausscheren Graubündens vom nationalen Konsens. Jäger spricht vom "breit abgestützten Harmos-Konkordat" und von gleichen Lehrmitteln "vom Genfersee bis zum Bodensee". Welch eine bürokratische Meisterleistung - pädagogisch aber eher eine Horrorvision.

Die Aussagen von Martin Jäger, Vorsteher des Erziehungsdepartements,  im Zusammenhang mit der Fremdspracheninitiative bedürfen einer Richtigstellung. Jäger befürchtet aufgrund der Fremdspracheninitiative ein Ausscheren Graubündens vom harmonisierten Bildungssystem. Tatsache ist, dass Graubünden mit seinem eigenen Konzept weder mit der ersten noch mit der zweiten Fremdsprache den Kompromiss der Ost- und Zentralschweizer Kantone mitträgt. Weiter spricht Jäger vom „breit abgestützten Harmos-Konkordat“. Graubünden macht - zusammen mit der Mehrheit der Deutschschweizer Kantone - bei Harmos gar nicht mit. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt das untaugliche Sprachenkonzept, das wir mit der Initiative bekämpfen wollen. Bereits jetzt gibt es Kantone, die die zweite Fremdsprache zurück an die Oberstufe versetzt haben. Unsere Haltung in dieser Frage ist von nationalem Interesse und wird in vielen weiteren Kantonen als Zeichen der Vernunft mit Erleichterung aufgenommen werden. 
Leserbrief Urs Kalberer, 11.5. in: Südostschweiz
Graubünden ist nicht nur mit seiner ersten Fremdsprache abgeschnitten von der restlichen Schweiz, Bild: EDK

Teamwork im Klassenzimmer

Die integrative Förderung bringt es mit sich, dass gleichzeitig mehrere Lehrpersonen im Klassenzimmer stehen. Wie sich dies auf die Führung einer Klasse auswirkt, ist noch unerforscht. Die Frage ist auch, ob wir uns eine solch intensive Betreuung überhaupt leisten können. Ein Augenschein an einer 1. Primar in Zürich.


Drei Lehrerinnen gleichzeitig im Klassenzimmer, Bild: Christoph Ruckstuhl
Teamwork im Schulzimmer, NZZ, 11.5. von Rebekka Haefeli
"Die Klassengrösse ist entscheidend", Interview mit einer Schulleiterin, von Rebekka Haefeli, NZZ, 11.5.

10. Mai 2013

Integration kommt vor Religion

Das Bundesgericht argumentiert, beim Schwimmunterricht gehe es auch um die Integration. Deshalb erhält ein 14-jähriges Mädchen aus einer strenggläubigen muslimischen Familie im Aargau keine Dispens vom geschlechtergetrennten Schwimmunterricht.




Die Schule würde einen Burkini akzeptieren, Bild: sonntagonline.ch

Integration vor Religion: Muslimin muss in Schwimmunterricht, SRF, 10.5.

9. Mai 2013

Chassot: Ab durch die Hintertüre

Der Abgang von Isabelle Chassot überrascht. Die EDK-Präsidentin und damit höchste Verantwortliche für das Volksschulwesen in der Schweiz wartet die Einführung des Lehrplans 21 nicht ab. Offenbar hat sie andere Prioritäten. Schon ab November wird sie Leiterin des Bundesamtes für Kultur (BAK). Das Amt wurde ihr vom Freiburger SP-Bundesrat Alain Berset angetragen. 
Chassot fiel während ihrer Amtszeit auf durch ideologisch geprägte Statements zur Sprachenpolitik. 

Neue Herausforderung ist kein Karrieresprung, Bild: Keystone

Freiburger Staatsrätin Chassot wird neue Kulturdirektorin, Aargauer Zeitung, 8.5.
Unerwartete Wahl fürs Kulturamt, NZZ, 8.5.




Zeugnisse: Bildungsrat fügt sich Kantonsrat

Es gibt weiterhin zwei Zeugnisse pro Schuljahr im Kanton Zürich. Dies hat der Bildungsrat des Kantons Zürich beschlossen, das Zeugnisreglement hat er entsprechend angepasst. 

Die Schülerinnen und Schüler von der 2. bis zur 6. Klasse der Primarschule und auf der Sekundarstufe erhalten weiterhin zweimal jährlich einZeugnis, Ende Januar und am Ende des Schuljahres. Neu werden jedoch nur noch im Zeugnis am Ende des Schuljahres die Teilbereiche Hörverstehen, Leseverstehen, Sprechen und Schreiben in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch abgebildet. Wie bis anhin finden auch in der 1. Klasse der Primarstufe jährlich zwei Zeugnisgespräche statt. Dies gilt auch für die Kindergartenstufe, wobei auf Wunsch der Eltern und im Einverständnis mit der Kindergartenlehrperson auf das zweite Gespräch verzichtet werden kann.
Im März 2012 entschied der Bildungsrat unter anderem im Rahmen des Projekts «Belastung – Entlastung im Schulfeld», dass die Klassenlehrpersonen der 2. bis 5. Klasse künftig nur noch ein Zeugnis am Ende des Schuljahres ausstellen sollten. Im Kantonsrat wurde daraufhin die Parlamentarische Initiative «Kein Qualitätsabbau in der Volksschule» eingereicht. Sie verlangt, dass die Klassenlehrpersonen der Primarstufe und der Sekundarstufe weiterhin semesterweise Zeugnisse ausstellen sollen. Die Initiative fand im Kantonsrat breite Unterstützung. In Folge dessen hat der Bildungsrat die Inkraftsetzung seines Beschlusses vom März 2012 ausgesetzt. 
Jetzt hat der Bildungsrat das Geschäft wieder aufgenommen und an seiner letzten Sitzung beschlossen, den Anliegen des Kantonsrats Rechnung zu tragen. Die Neuerungen werden auf das Schuljahr 2013/14 in Kraft gesetzt.
Quelle: Bildungsrat Kanton Zürich

Schulreise ins Chasseralgebiet

Die Chasseral-Region bietet verschiedene halbtägige Exkursionen für Unter- und Oberstufenklassen an. Die Exkursionen beinhalten sowohl spielerische Elemente als auch theoretische Erklärungen. Die Schüler lernen abstrakte Begriffe wie Nahrungskette oder Energieeffizienz ganz praktisch kennen. Ein guter Anfang, um mit der Klasse bestimmte Themen zu vertiefen.




Auf dem Chasseral wachsen mehr als 70 besondere Pflanzenarten, Bild: parcchasseral.ch


Regionaler Naturpark Chasseral

Schulreisetipps zum Thema "Römer"

Im IdeenSet "Römer" des Instituts für Medienbildung sind online die wichtigsten Ausgrabungsstätten gallo-römischer Kultur in der Schweiz mit Karten und zentralen Informationen zusammengestellt. Begleitend stehen Videos, Hintergrundinformationen und Unterrichtsmaterial zur Verfügung sowie eine Auswahl nützlicher Apps.






Unterrichtsmaterial für die 3.- 5. Klasse, Bild: myswitzerland.com

IdeenSet Römer, Institut für Medienbildung Bern

7. Mai 2013

Graubünden lanciert Fremdspracheninitiative

Ein breit abgestütztes Komitee hat die Volksinitiative "Nur eine Fremdsprache in der Primarschule" lanciert. Das vom Primarlehrer Jöri Luzi angeführte Komitee ist zuversichtlich, die nötigen 3000 Unterschriften innnert weniger Wochen zusammenzubringen.

Das Komitee bei der Pressekonferenz in Chur, Bild: Olivia Item

Die Fremdspracheninitiative ist lanciert, Südostschweiz, 7.5.

Spracheninitiative in Graubünden lanciert, SRF Regional, 7.5.

www.fremdspracheninitiative.ch

Nationalhymne wird Pflichtstoff

Die Schweizer Nationalhymne wird an Tessiner Schulen zum Pflichtstoff. Bisher konnten Musiklehrer selbst darüber entscheiden, ob sie die Landeshymne mit den Schülern durchnehmen wollten.




Wichtiges Symbol für nationale Verbundenheit, Bild: fotocommunity.de


Quelle: sda

Schulreform bedroht Stellen

Der Kanton Baselland stellt um auf das Schulsystem 6/3. Damit werden an der Sekundarschule weniger Lehrer gebraucht. Vor allem junge Lehrer müssen mit einer Kündigung rechnen.





Ab 2015 braucht es einen Viertel weniger Sekundarlehrkräfte, Bild: Fotolia

Schleudersitz für junge Lehrkräfte, Basler Zeitung, 7.5. von Franziska Laur

5. Mai 2013

Nachgefragt: Walter Herzog

Kürzlich wurde ich auf das "Memorandum Mehr Bildung -weniger Reformen" aufmerksam. Präsident des Vereins ist der Berner Erziehungswissenschafter Walter Herzog. 
UK: Walter Herzog, was will der Verein Bildungs-Reformen-Memorandum?
WH: Ziel ist, zur Besinnung über die wesentlichen Aufgaben von Bildung und Schule anzuhalten und der Reformhektik der jüngsten Zeit Einhalt zu gebieten. 

UK: Welche konkreten Aktionen sind geplant?
WH: Es sind keine (weiteren) konkreten Aktionen geplant. Wir haben versucht,  Mittel für die Lancierung des Memorandums zu finden, was uns leider nicht gelungen ist. So ist es nun in einer öffentlich wohl nicht sehr wirksamen Form verbreitet worden.

UK: Es fällt auf, dass die Mitglieder grösstenteils Universitätsprofessoren sind. Volksschullehrer sind keine zu finden.
WH: Das ist Absicht. Es ging uns gerade darum, von wissenschaftlicher bzw. universitäter Seite her einen Akzent zu setzen. Bisher hat die Bildungsforschung die Bildungspolitik weitgehend kritiklos unterstützt (tut es weiterhin); kritische Stimmen aus akademischen Kreisen blieben ungehört oder wurden von den Reformern bewusst marginalisiert.

UK: Die Bildungspolitiker beschliessen ihre Reformen mit dem Segen oder der aktiven Unterstützung von Bildungswissenschaftlern wie z.B. beim Sprachenkonzept oder der integrativen Förderung. Bemerkenswert ist, dass das Memorandum nun von Lehrer- und Dozentenschaft spricht, als ob diese gleiche Interessen hätten.
WH: Wie ist diese Frage gemeint? Unseres Erachtens wird gerade die Basis in den Schulen kaum ernst genommen. Wir plädieren dafür, Reforminitiativen "von unten" ernster zu nehmen und Bildungsreform zu betreiben, die "vor Ort" initiiert und nicht "von oben" verordnet wird.







Walter Herzog fordert Reformen von unten, Bild: Universität Bern

Glarner Zauderer

Die Glarner wollen die durch die Hintertüre eingeführte Hochdeutschpflicht am Kindergarten behalten. An der Landsgemeinde lehnten sie einen Antrag zur Schaffung eines Gesetzes ab, das im Kindergarten grundsätzlich Mundart verlangt. Schwer zu sagen, wie stark die schwachen Redebeiträge im Ring das Resultat noch beeinflussten. Die Glarner, bekannt als mutig und weitsichtig, blieben hier für einmal sehr obrigkeitsgläubig und ängstlich. Die Befürworter der Quotenregelung (1/3 Hochdeutsch, 2/3 Mundart) wurden nicht müde zu betonen, dass Verkäuferlis auf Hochdeutsch eben mehr Spass mache. Als ob dies bei einem Mundartkindergarten anders wäre. Nun wird im Kindergarten, wo früher Mundart unbestritten war, die Mundart definitiv durch das Hochdeutsche verdrängt. Eine Kompromiss-Regelung, die wenig bringt. Am wenigsten den Kindern.

Precht kritisiert Notensystem

Richard David Precht im Interview mit dem Tages Anzeiger über sein neues Buch (Anna, die Schule und der liebe Gott).



Trotz vieler Reformen wird das Notensystem den Kindern nicht gerecht, Bild: Peter Rigaud

"Das Notensystem wird Kindern nicht gerecht", Tages Anzeiger, 22.4. von Res Strehle

Da drängt sich jemand in den Vordergrund

Er sei ein Starphilosoph. Nun hat er ein neues Buch geschrieben und alle Welt spricht davon (Anna, die Schule und der liebe Gott). Die Rede ist von Richard David Precht. Eine Buchbesprechung von Peter Keller.

Das weisse Hemd handbreit geöffnet, da­runter schimmert die glattrasierte, à point ­gebräunte Brust hervor. Volle Lippen, Augen in Marlene-Dietrich-Blau, die Haarspitzen touchieren zart die Schultern. Das ist nicht «Germany’s Next Topmodel», sondern Deutschlands bekanntester Philosoph, Richard David Precht, Bestsellerautor von «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?» und TV-Moderator.
Monatlich erklärt Precht im ZDF die Welt im intimen Zwiegespräch. Da geht es um Vegetarismus («Dürfen wir Tiere essen?») oder um Fitnesswahn («Der getunte Mensch»), und zur Anmoderation schaut uns ein besorgter Mann mit Goldglanz im frisch geföhnten Haar entgegen, das Ansteckmikrofon abgestimmt auf den Farbton des Hemdes, und sagt: «Noch nie in der Geschichte haben sich Menschen so sehr mit sich selbst und ihrem Körper beschäftigt wie heute. Wir optimieren unser äusseres Erscheinungsbild, unsere Gesundheit und demnächst vielleicht sogar unsere Gene.»
Da hüpft das Hirn der Annabelle-Leserin, während der TV-Philosoph das Thema gleich noch ins Gesellschaftspolitische stemmt. ­«Passen Selbstoptimierung und Solidarität mit ­anderen zusammen? Oder werden wir immer asozialer?» Bei Richard David Precht ­bekommt das Wort Schönschwätzer eine ganz eigene Note, sein ebenfalls langmähniger Berufs­kollege Peter Sloterdijk hat ihn mit dem Populärgeiger André Rieu verglichen. Was der von Precht verdrängte frühere ZDF-Hausphilosoph damit sagen wollte: Sein Nachfolger ­tänzelt bestenfalls im Walzerschritt durch die Geisteswelt, richtig ernst nehmen kann ihn keiner, der wirklich vom Fach ist. Pflegt hier der gekränkte Sloterdijk seinen Standes­dünkel? Oder ist er einfach ehrlicher als die meisten anderen?
Nun hat der Star-Intellektuelle Richard David Precht ein neues Buch vorgelegt: «Anna, die Schule und der liebe Gott». Darin geht es um eine fundamentale Kritik am (deutschen) Schulsystem, das die Kinder zu «langweiligen Anpassern» dressiere, statt ihre Intelligenz und Kreativität zu fördern. Eine Bildungs­reform genügt ihm nicht mehr. Das Land ­brauche eine «echte Bildungsrevolution», die «unsere Schulen besser, freundlicher, sozial gerechter und effizienter macht». Und wieder braucht sich der Autor um Häme nicht zu ­sorgen. Die Welt nannte das Buch ein «sinn­loses Ärgernis». Der «Lifestyle-Philosoph» (Frankfurter Allgemeine) mit «Belehrungsimpuls» (Spiegel) hatte schon zur Premiere seiner ZDF-Sendung die Bildung und damit sein ­späteres Buch zum Thema gemacht: «Macht Lernen dumm?», fragte er sich und den Hirnforscher Gerald Hüther. Die weitgehend kon­troversfreie Diskussion der beiden Schulkritiker ­veranlasste die Zeit zur knappestmöglichen Antwort: Nein, «Precht macht dumm».
Immer wenn das Feuilleton so einmütig zur Verdammnis schreitet, ist zumindest Vorsicht geboten, zumal für Richard David Precht sein eindrücklicher Erfolg spricht: Auch das neue Buch ist schon nach wenigen Verkaufstagen in die Top Ten der Bestenliste vorgestossen. Bildung beschäftigt. Geschrieben hat Precht die Streitschrift, wie er einleitend festhält, für Lehrer, Schüler, Eltern und «nicht zuletzt für Bildungspolitiker». Dabei möchte er «alte Freund-Feind-Linien» überwinden, «Mut zum Träumen» geben und nebenbei die Welt oder wenigstens Deutschland verändern: «Ich möchte zeigen, dass eine neue Form der ­Bildung und des Bildungssystems ohne ­Zweifel zugleich eine andere Gesellschaft ­erzeugen wird.»
Wie so oft, wenn Intellektuelle die Gesellschaft verändern wollen, reiten sie zuerst eine At­tacke gegen die bestehende Ordnung. In diesem Fall gegen das «althergebrachte Klassenzimmer-Modell». Die historischen Gründe, schreibt Precht, «die den Frontalunterricht, die Fünfundvierzig-Minuten-Taktung, das Unterrichten nach Jahrgängen und die Notwendigkeiten von Zensuren, Klausuren und Hausarbeiten einmal auf den Plan gebracht haben, sind eben dies: historisch». Aus einer Zeit stammend, in der fleissige Indus­triearbeiter gebraucht wurden, die sich brav dem Takt der Maschinen unterzuordnen hatten. Mit dem 19.Jahrhundert habe unsere Gegenwart jedoch nichts mehr zu tun, meint Precht – was ihn nicht hindert, im folgenden Kapitel ausgiebig über Wilhelm von Humboldt (1767–1835), Mitgründer der Berliner Universität, und dessen Bildungsideal zu schwadronieren. Auch sonst geizt der Honorarprofessor für Philosophie und Ästhetik nicht mit historischen Analogien. Offenbar nimmt nicht einmal Precht Prechts Thesen ernst.
Doch was überhaupt ist Bildung? Der Autor wehrt sich gegen die Gleichstellung von ­Bildung und Wissen, bloss um sich vom Un­gebildeten unterscheiden zu können oder bei Günther Jauchs «Wer wird Millionär?» zu reüssieren. Er trifft einen empfindlichen Punkt, wenn im Buch die sinnlose Faktenschinderei an den Schulen kritisiert wird. Unterricht als Durchlauferhitzer, wo Kinder zeitgenau für eine Prüfung wiederkäuen müssen, was ihnen zuvor eingetrichtert wurde. Schulwissen, das gleich wieder verdämmern wird. Oder wie war das schon wieder im Französischen mit dem futur simple und dem subjonctif? Oder wer könnte noch freihändig eine Differenzialgleichung anwenden? Auf höchstens fünf Prozent wird das Restwissen beziffert, das die aktive Schulzeit überdauert. Mehr wird allerdings auch nach der Lektüre von «Anna, die Schule und der liebe Gott» nicht hängenbleiben.
Die Frage steht immer noch im Raum: Was ist Bildung? Precht fällt es eindeutig leichter, zu definieren, was Bildung nicht ist: «Wer in Gesellschaft Goethe zitiert, macht zwar von seinem Gedächtnis Gebrauch, verrät aber noch nicht zwingend Bildung.» Nachdem sich der TV-Philosoph im ersten Kapitel ausgiebig über «Bildungsspiesser» und «Bildungshu­berei» ausgelassen hat, macht er sich umgehend daran, auf den nächsten dreihundert ­Seiten seinen inneren Bildungshuber von der Leine zu lassen.
Kaum ein Abschnitt ohne Verweis auf eine Autorität aus Forschung und Wissenschaft: Da werden der US-amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin und sein Buch «Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft» zitiert (S.176), darauf der Nobelpreisträger Robert Merton Solow (S.177), dann eine Untersuchung des Politologen Robert E. Lane (S.178) über die Selbstregulationskraft der modernen Wissensgesellschaft, und schon geht es weiter über den Sozialphilo­sophen André Gorz zum Soziologen Robert K.Merton und dessen «Wissenskommunismus» (S.179). Nach einer kleinen Verschnaufpause bei den Gebrüdern Humboldt und bei Hegel (S.180) jagt Precht wieder durch die akademische Buchstabenwelt eines Peter F.Drucker und Matthias Horx (S.181), und so geht es Seite um Seite, Kapitel um Kapitel. Insofern kann man das Buch pädagogisch wertvoll ­nennen: Ungefähr so müssen sich Schüler im Klassenzimmer vorkommen, wenn sie von Fach zu Fach stolpern und mit «Stoff» zugeballert werden.
Der zweite Teil des Buches widmet sich dann der eigentlichen «Bildungsrevolution» – wobei die prechtsche Revolution deutsch und gründlich als «10 Prinzipien» daherkommt. Und schon geht’s los im Gleichschritt: Zunächst dürfe «die intrinsische Motivation des Kindes» nicht zerstört, sondern sie müsse ­gepflegt werden. Die Kleinen können ihren ­eigenen Interessen folgen und dürfen sich ­dabei «auch mal langweilen».
Dann soll man die Schüler «individuell lernen lassen» (Prinzip 2) und ihnen weniger Stoff verfüttern, vielmehr «das Verstehen von Sinn und Sinnlichkeit der Dinge und der ­Zusammenhänge» fördern (Prinzip 3). Die nächsten drei Punkte befassen sich mit der ­Herausbildung einer Schulgemeinschaft, in der Kinder Freundschaften schliessen und ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln können, Lehrer und Schulleitung eine «Beziehungs- und Verantwortungskultur» schaffen, «Werte und Wertschätzung» pflegen und aus jedem «Lernhaus» (Precht-Deutsch für Schulhaus) eine besondere Bildungseinrichtung machen. Prinzip 7 ist wieder handfester: Eine «lernfreundliche Schularchitektur» mit einem Campus als Mittelpunkt soll für «ein Netzwerk an architektonischen Beziehungen» ­sorgen.
In diesem Umfeld sollen die Schüler ihre «Konzentrationsfähigkeit trainieren» (Prinzip 8). Kinder würden von Reizen überflutet und überfordert. Je mehr die Elternhäuser hier versagten, «umso wichtiger wird die Aufgabe der Schule, für Konzentration und Stille zu sorgen». Da mag Precht nicht unrecht haben. Gleichzeitig aber will er die Jahrgangsklassen abschaffen, eine offene Lernarchitektur, Teamunterricht, individuelles Lernen und eine «integrative Schule», die das fremdsprachige Zuwandererkind mit dem Wohlstandslümmel in Ganztagesschulen (Prinzip 10) ohne persönliche Leistungsnoten (Prinzip 9) zusammenpfercht. Ob mit dieser Mischung die Schule zur Ruhe findet und die Kinder darin ihre Konzentrationsfähigkeit entdecken?
Man kann es auch so sagen: Richard David Precht will die unmögliche Schule – und seine «Bildungsrevolution» entpuppt sich als wiederaufgekochtes Reformsüppchen aus sozialdemokratischer Küche: gleiches System für ­alle, alle für das gleiche System. Bis zuletzt gibt Precht den antibürgerlichen Bildungsbürger, beklagt die «Kleinstaaterei» in der deutschen Bildungspolitik und erinnert zum Schluss nochmals an Wilhelm Humboldt, der eben auch «nicht nur bilden, sondern Staatsbürger bilden wollte». Man kennt die alte deutsche Sehnsucht: Wieder einmal soll es die preus­sische Pille aus starkem Staat und uniformer Gesellschaft richten. Unbeabsichtigte Nebenwirkungen (DDR und Drittes Reich lassen ­grüssen) nicht ausgeschlossen.
Quelle: Weltwoche, 18/2013 von Peter Keller