Der
Ausbildungsgang der Primarlehrer an der Pädagogischen Hochschule (PH) in
Muttenz ist bei den Studierenden unbeliebt. Jetzt reagiert die Politik. Ende
November werden Baselbieter Bildungspolitiker, Schulleiter, PHMitarbeitende und
Studenten mit der Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) über die Zukunft der
Ausbildung diskutieren. Im Zentrum der Diskussion im Regierungsgebäude in
Liestal sollen unter anderem der Praxiseinbezug, die Digitalisierung, die
Elternarbeit und der Berufseinstieg stehen. Die Politiker verlangen
Verbesserungen im Hinblick auf die nächste Leistungsperiode der Fachhochschule
Nordwestschweiz (FHNW), der die PH angegliedert ist.
Die Studenten der PHNW sind unzufrieden, Bild: Juri Junkov
Studenten an der kurzen Leine, BZ Basel, 30.10. von Leif Simonsen
Letztlich geht es also um
Geld; darum, wie hoch die kantonalen Subventionen an die FHNW in den Jahren 2021
bis 2023 ausfallen werden.
Studierende ärgern sich: «Wir sind doch erwachsen»
Die PH-Direktorin Sabine Larcher will darum bei diesem Hearing nichts dem
Zufall überlassen. Sie lädt Studenten, die am Anlass in Liestal teilnehmen
werden, zu einem Vorgespräch ein. In einem Mail der Direktionsassistentin an
die Studierenden heisst es: «Zur Vorbereitung erhalten Sie genauere
Informationen von unserer Direktorin am 7. November von 12.15 – 13.15 Uhr in
Muttenz.» Wer daran teilnehme, erhalte 100 Franken als «Entschädigung für den
Einsatz», wie dem Mail zu entnehmen ist. Die Studierenden sind erstaunt über
das Vorgehen der PH-Leitung. Sie mutmassen, dass ihre Meinung beeinflusst
werden soll. «Wir sind erwachsen und in der Lage, ohne Vorinformation
am Hearing teilzunehmen», sagt ein angehender Primarlehrer. Ein anderer wundert
sich über die 100 Franken, die «für den Einsatz» ausbezahlt werden. Er hat das
Gefühl, die Studierenden würden im Sinne der PH-Direktion «eingeseift».
Auch
Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker reiben sich die Augen.
SP-Landrätin Miriam Locher sagt beispielsweise: «Das Ganze hat ein
‹Gschmäckli›. Ich finde es befremdlich und verstehe nicht, warum es eine
Vorbesprechung geben muss.» Locher ist der Meinung, dass die Studierenden, die
am 25. November am Hearing teilnehmen, unvoreingenommen mitdiskutieren sollten.
Pädagogische Hochschule bekommt eine ungenügende Note
Die PH steht seit
längerem unter Druck. Die Studierenden berichten davon, dass
die Lehrerausbildung praxisfern und der Studiengang schlecht organisiert sei –
sowie, dass die Dozenten schlecht qualifiziert seien. Das Onlineportal «Prime
News» veröffentlichte jüngst eine Studie zur Zufriedenheit der PH-Studierenden.
Gemäss einer Umfrage lag diese auf einer Skala von 1 bis 6 lediglich bei 3,2.
Die PH räumte ein, mit den Ergebnissen nicht zufrieden zu sein, es seien
weitere Anstrengungen erforderlich.
Die
Studierenden würden künftig besser miteinbezogen werden, sagte PHSprecher
Michael Hunziker. Diesem Versprechen lässt die PH nun Taten folgen – wenngleich
auf eine andere Weise, als sich dies die Studierenden gewünscht hätten.
Hunziker selbst sagt gegenüber der bz: «Um eine qualifizierte Diskussion an der
Veranstaltung zu erhalten, werden die Studierenden im Vorfeld über Kontext,
Ablauf und Themen der Veranstaltung
informiert.» Das Honorar von 100 Franken sei nicht im Sinne einer Einflussnahme
zu verstehen. Es sei aber schwierig, Studierende «unentgeltlich» für solche
Veranstaltungen zu gewinnen, zumal diese mit Reise- und Verpflegungskosten
verbunden seien, sagt Hunziker. Die Aussicht, das Taschengeld aufzupolieren,
scheint tatsächlich zu mobilisieren. 15 von 20 freien Plätzen sind ausgebucht.
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