2. Juni 2019

Wir brauchen eine andere Bildung


Von Pisa werden unsere Schulen nicht besser. Ermutigung ist das Zauberwort der Pädagogik. Rankings bewirken das Gegenteil. Belehrung dominiert den Schulalltag – Noten, Tests, Vergleiche. Sie erzeugen flüchtiges Wissen statt Können. Zeit fehlt für so gut wie alles, was Freude bereitet – Beschämung beherrscht den Alltag, mehr noch durch vorgegebene Strukturen als durch Menschen. Gleichmacherei ist aufwendig, superteuer und Gift für die Bildung. Wie muss eine Schule aussehen, die allen mit ihren Stärken und Schwächen gerecht werden kann, das Leben in der Gemeinschaft wertschätzt und in der Verschiedenheit der Schüler einen Reichtum sieht? In einer Schule, die das will, stellen sich immer wieder konstruktiv und pragmatisch die folgenden drei Fragen: Was brauche ich? Was brauchst du? Und wie schaffen wir das gemeinsam bestmöglich für alle und ohne Verluste für andere und unsere Umwelt? Dieses Prinzip steht diametral entgegengesetzt zur Kamikaze-Mentalität «Konkurrenz belebt das Geschäft» und «mit Verlusten muss gerechnet werden». Es ist die Mentalität, mit der unsere Erde an die Wand gefahren wird. Aber es geht auch anders: Dafür brauchen wir grundlegend und unaufgeregt eine andere Bildung. 
Basellandschaftliche Zeitung, 31.5. Leserbrief von Ueli Keller

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