Schüler schwatzen drein,
pöbeln und mobben. Kurz: Sie verstossen auf breiter Front gegen Regeln. Jeder
fünfte Schüler wird von seinen Lehrern in den Städten Winterthur und Zürich als
verhaltensauffällig eingestuft. Das ist das alarmierende Ergebnis einer Umfrage,
durchgeführt von Reto Luder, Professor an der Pädagogischen Hochschule Zürich.
Von insgesamt 4300 Schülern sind 950 Schüler Unruhestifter.
Lang studiert: Kampf gegen Radauschüler, Aargauer Zeitung, 11.5. von Heinz Lang
Im Klartext: In einer Klasse mit 20 Schülern stören 5 systematisch den Unterricht. Das Fatale: Ein einzelner renitenter Schüler vermag mit massiven Störaktionen den Schulbetrieb vollkommen stillzulegen. Das Klassenzimmer wird zum Chaosraum.
In solch einer
Deutlichkeit hat noch keine wissenschaftlich fundierte Umfrage die Zustände an
Schweizer Schulen aufgezeigt. Stephan Eliez, Direktor des
medizinisch-pädagogischen Institutes in Genf, beziffert Kinder mit aggressivem
Verhalten auf 15 Prozent. Bislang reagierte die Pädagogik mit
Sondersettings auf Kinder mit sozialem und emotionalem Förderbedarf. Fördern
statt Strafen hiess das Rezept gegen Störenfriede. Das Klima in den
Schulzimmern verschlechtert sich jedoch zusehends. Kein Wunder: Die Schule hat
sich in den letzten Jahren immer mehr den Schülern und Eltern angepasst. Soll
Schule und Lernen funktionieren, ist jedoch der umgekehrte Schritt notwendig.
Der Psychotherapeut und Jugendgewalt-Experte Alain Guggenbühl fordert in
Interviews, dass sich die Lehrpersonen wieder zu «Oberbandenführern», sprich
Leitfiguren, zurückentwickeln müssen. Dass Lehrpersonen immer mehr an Autonomie
verloren haben, ist ein Fakt. Das habe auch mit unserem Bildungssystem zu tun,
das seit den Neunzigerjahren den Eltern immer mehr Verantwortung übertragen
habe, sagt die Erziehungswissenschafterin Margrit Stamm.
Um renitente Schüler
besser unter Kontrolle zu bekommen, müsste den Lehrpersonen ein Paket von
Massnahmen ohne bürokratische Hürden zur Verfügung gestellt werden. Schulen
sollte beispielsweise das Recht eingeräumt werden, Pöbelschüler temporär vom
Unterricht und Schulhof auszuschliessen. Ohne Klassenzimmer verlieren die
notorischen Störer ihre Bühne. Und das tut weh. Plakativ formuliert hiesse das
für Schulen: Zurück an die Macht!
Heinz Lang arbeitete bei diversen Medien in
leitenden Funktionen. Heute ist er als Lehrer tätig. Für die «Schweiz am
Wochenende» nimmt er wissenschaftliche Meldungen unter die Lupe.
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