Für den wegen Meinungsverschiedenheiten an der
Pädagogischen Hochschule entlassenen Prorektor hat der Hochschulrat einen
Nachfolger gewählt. Doch dieser vertritt ähnliche Positionen wie sein
Vorgänger.
Hochschulrat wählt Kritiker, Thurgauer Zeitung, 15.5. von Silvan Meile
Überraschende
Neuigkeiten aus der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PH). Der Hochschulrat hat
den langjährigen Dozenten und Studiengangleiter Matthias Fuchs zum neuen
Prorektor Lehre gewählt. Er steht damit der mit Abstand grössten Abteilung am
Thurgau Bildungsinstitut vor. Fuchs nimmt damit auch Einsitz in die
Hochschulleitung. Diese Schlüsselposition war seit der sofortigen Freistellung
von Prorektor Matthias Begemann im vergangenen November vakant. Begemanns
Entlassung wurde mit grundlegenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb der
Hochschulleitung begründet. Er selber sagte gegenüber dieser Zeitung, dass er
der Rektorin zu unbequem gewesen sei.
Matthias
Fuchs war Stellvertreter des geschassten Prorektors und gehörte zu jenen
Dozenten, die ihren Unmut über die Freistellung mit einem Brief an den
Hochschulrat kundtaten und vom Regierungsrat eine Untersuchung der Vorgänge
rund um die Freistellung verlangten. Seine nun erfolgte Wahl erstaunt, da ihm
nachgesagt wird, die ähnlichen Positionen zu vertreten wie Begemann, der
aufgrund seiner Haltung gehen musste.
Fuchs geniesst Rückhalt bei den Mitarbeitern
«Matthias
Fuchs hat uns zugesagt, loyal zu sein», sagt Hochschulratspräsident Hans Munz.
«Er hat zu den ihm angebotenen Konditionen ja gesagt.» Der Hochschulrat erachte
seine Wahl als «Chance für alle», dass an der PH wieder Ruhe einkehre und sie
sich weiterentwickeln könne. Die Wahl von Fuchs ist aber mit einer Besonderheit
versehen. Denn seine Anstellung als Prorektor ist nur befristet, bis Juli 2021.
«Bis dann sollten die institutionelle Akkreditierung und ein durch einen
externen Fachmann begleiteter Organisations- und Führungsprozess abgeschlossen
sein», sagt Munz. Dabei gehe es auch um die Kommunikationskultur. «Es gab
Differenzen, die bereinigt werden müssen.» Bei der PH-Chefin Priska Sieber, die
seit der Entlassung von Begemann Kritik aus der Belegschaft einstecken muss,
besteht für den Hochschulrat offensichtlich kein Handlungsbedarf. Das Vertrauen
in die Rektorin sei im Hochschulrat uneingeschränkt hoch und «kein Thema», sagt
Munz. Mit der Wahl von Fuchs als Prorektor ist auch der Leiter akademisches
Personal, Christoph Suter, neu zum Mitglied der Hochschulleitung ernannt
worden, heisst es in einer Mitteilung. PH-Mitarbeiter berichten hinter
vorgehaltener Hand, er stünde der Rektorin nahe.
«Nach den
Vorkommnissen um die Freistellung des ehemaligen Prorektors Matthias Begemann
konnte ich mir eine Kandidatur nicht vorstellen», sagt Matthias Fuchs. Seine
Haltung hat sich inzwischen geändert. Er habe viele Gespräche mit dem
Leitungsteam des Prorektorats Lehre sowie mit Mitarbeitenden geführt. Er spüre
von ihnen einen starken Rückhalt. «Wir wollen, dass die Probleme nicht noch
grösser werden, sondern uns weiterhin auf die gute Ausbildung von Lehrpersonen
im Thurgau konzentrieren.»
Kantonsrat
Peter Dransfeld beobachtet die Krise an der PH seit Beginn. Mit der Wahl von
Fuchs stünden die Zeichen gut, dass wieder ein kooperatives, offenes und
motivierendes Arbeitsklima zurückkehre. «Der Verlust Herrn Begemanns, die misslungene
Krisenkommunikation, die abscheulichen Machtintrigen, der grosse Geld- und
Reputationsschaden dürften damit der Vergangenheit angehören. Dass die
Regierung diese Missgriffe monatelang deckte, bleibt unverständlich; wir dürfen
aber annehmen, dass sie daraus gelernt hat», sagt Dransfeld.
In den
nächsten Wochen sollte der Regierungsrat einen Bericht veröffentlichen, nachdem
auch die Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission des Grossen Rates die Umstände
rund um die Freistellung Begemanns untersucht. Sein Nachfolger hätte bereits im
Februar gewählt werden sollen. Doch die zwei aussichtsreichsten Anwärter zogen
vor der Wahl ihre Bewerbung zurück. Fuchs war damals nicht dabei.
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