12. August 2015

Basler Schulstatistik

Das Erziehungsdepartement Basel-Stadt hat seinen neuesten Zahlenspielgel veröffentlicht. Über die Hälfte der Kinder im Kindergarten sprechen eine andere Muttersprache als Deutsch.
Das Basler Schulsystem - nur die Hälfte spricht Deutsch, Basler Zeitung, 12.8. von Nadine Felber
Der Zahlenspiegel 2015 kann hier abgerufen werden


Die Basler Schulen sind im Umbruch. Aufgrund des Harmos-Konkordats gibt es seit 2013 sechs statt ursprünglich vier Primarschuljahre und die Orientierungsschule wird nach und nach aufgegeben. Im Schuljahr 2017/2018 soll der Übergang komplett vollzogen sein. Basel wird dann ein Schulsystem eingeführt haben, welches bereits von 20 anderen Kantonen genutzt wird. Jedes Jahr veröffentlicht das Basler Erziehungsdepartament eine Statistik, in der sämtlichen Bildungsrelevanten Angaben gesammelt werden. Bezüglich des Systemwechsels scheint es keine Probleme zu geben, doch andere Zahlen erwecken durchaus Aufmerksamkeit.
Das fängt schon bei den Kleinsten an. Jedes 10. Kind in einer Basler Spielgruppe ist nicht im Stadtkanton wohnhaft. Über ein Drittel der Kinder ist nur aufgrund des eingeführten Spielgruppenobligatoriums angemeldet, welches die Deutsche Sprache fördern soll. Dies scheint offenbar ein kluger Schritt gewesen zu sein, kommen doch 41% der Kinder aus einem Haushalt, in dem nur wenig Deutsch gesprochen wird.
Im Kindergarten zeichnet sich ein ähnliches Bild. Über die Hälfte der Mädchen und Jungen sprechen eine andere Muttersprache als Deutsch. 62 Prozent von ihnen haben aber die Schweizer Staatsbürgerschaft. Diese Zahlen bestätigen sich auch in den Primarschulen.
Erfolgsversprechend
Trotz der erschwerten Bedingungen für nicht-deutsche Muttersprachler schaffen 91 Prozent der Primarschüler die bisherigen vier Klassen in den geplanten vier Jahren. Drei Prozent sind damit sogar schneller fertig, sechs von hundert brauchen etwas länger.
Für diejenigen Kinder, die aufgrund ihrer Kompetenzen spezielle Betreuung in der Schule benötigen, gibt es weniger Plätze in Sonderklassen. Dies ist aber auf die Tatsache zurückzuführen, dass solche besonderen Schüler heute vermehrt in Regelklassen untergebracht werden, um deren Integration zu fördern.
Auch bei Gap, das Jugendlichen mit Problemen den Übertritt ins Berufsleben erleichtert, zieht man positive Bilanz. 55 Prozent der Teilnehmenden sind Männer, 78 Prozent sind in der Schweiz geboren. Bei Beginn des Programms haben nur 14 Prozent eine erfolgsversprechende Prognose, nach dessen Ende sind es über 43 Prozent.
Grosse Unterschiede
Nach Abschluss der Schulzeit stehen den Kindern mehrere Möglichkeiten offen. Etwa 40 Prozent von ihnen traten 2014/2015 ans Gymnasium über. Das sind 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Knapp 28 Prozent nutzen ein Brückenangebot. Die beiden Alternativen weisen deutliche Diskrepanzen auf. Am Gymnasium haben 84 Prozent der Schüler die Schweizer Staatsbürgerschaft und lediglich noch 28 Prozent eine andere Muttersprache als Deutsch. Dem gegenüber steht ein Fremdsprachler-Anteil von fast 80 Prozent, und nur knapp 40 Prozent mit Schweizer Staatenzugehörigkeit bei den Brückenangeboten. Dort sinkt der Frauenanteil auch auf 47 Prozent während die Mädchen an den Gymnasien mit 55 Prozent übervertreten sind.
19 Prozent der Jugendlichen treten nach der obligatorischen Schulzeit direkt eine Lehre an. Auch die Berufsmaturität wird immer beliebter, in diesem Jahr verzeichnete der Zuwachs 40 Prozent, verglichen mit 2009. Dabei fällt auf, dass sie eine Männerdomäne zu sein scheint. Nur 37 Prozent der Abschlüsse werden von Frauen gemacht. Über die Hälfte der Absolventen ist im kaufmännischen Bereich tätig.
Wachsende Nachfrage
An den Fachmaturitätsschulen sieht es wieder anders aus. Dort gibt es überdeutlich mehr Mädchen, die eine Zweidrittel-Mehrheit stellen. Allerdings sinkt die Gesamtzahl der Schüler seit Jahren kontinuierlich. 82 Prozent davon sind Schweizer.
Insgesamt lässt sich über alle Alterstufen hinweg ein Zuwachs fesstellen. Es gibt nicht nur 200 Primarschüler mehr als im Vorjahr, auch die Uni Basel und die Fachhochschule Nordwestschweiz haben deutlich zugelegt. Dort werden über 1000, beziehungsweise 2000 mehr Studenten unterrichtet als noch vor fünf Jahren. Der Ausländeranteil blieb dabei allerdings konstant. Rund 20 Prozent der Studierenden an der Uni Basel kommen aus dem Ausland, 36 Prozent aus den beiden Basel und 36 Prozent aus der restlichen Schweiz. Basel scheint als Stadt der tertiären Bildung weiterhin hoch im Kurs zu sein.


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