23. Januar 2015

Aufwändiger Leerlauf oder zukunftsweisende Schulreform?

Erklärtes Ziel des Lehrplans 21 ist die Harmonisierung der Bildung zwischen den Kantonen. Dieser Auftrag ist mit der Verabschiedung des 470-seitigen  Lehrplans durch die Erziehungsdirektorenkonferenz im vergangenen November abgeschlossen worden. Nun liegt es an den Kantonen, aufgrund der massgebenden Deutschschweizer Vorlage eigene kantonale Lehrpläne zu erstellen. Doch bereits bei der Einschätzung des Stellenwerts des Lehrplans 21 für die Zukunft der Volksschule scheiden sich die Geister.
Aufwändiger Leerlauf oder zukunftsweisende Schulreform? Hanspeter Amstutz, 19.1.


Verschiedene Volksinitiativen für grundlegend anders konzipierte kantonale Lehrpläne zeigen, dass in kurzer Zeit eine erhebliche Opposition gegen eine unkritische Übernahme des Lehrplans 21 entstanden ist. Die Ablehnung des neuen Lehrplans hat unterschiedliche Gründe. Die einen lehnen ihn ab, weil er ihnen viel zu weit geht,  andere kritisieren das umstrittene Kompetenzenmodell. Erhebliche Bedenken bestehen auch bei den fehlenden Jahreszielen und der systematischen Individualisierung der Lernziele. Die Erziehungsdirektoren selber scheinen sich nicht ganz schlüssig zu sein, welcher Stellenwert dem Lehrplan zukommen soll. Einmal ist von einem Jahrhundertwerk die Rede, ein andermal werden die Erwartungen mit Erklärungen gedämpft, dass der Lehrplan die Schule nur unwesentlich verändern werde.

Die meisten kantonalen Lehrerkonferenzen und der LCH haben zwar grosse Vorbehalte gegenüber dem reich befrachteten Bildungsprogramm geäussert. Zudem bemängeln sie die Tatsache, dass viele Lehrmittel für den geforderten individualisierenden Unterricht überhaupt noch nicht bereit seien. Die Verbandsspitzen hoffen dennoch, dass bis zum Zeitpunkt der Umsetzung der kantonalen Lehrpläne die Probleme gelöst sein werden. Mehrheitlich gehen die Lehrpersonen davon aus, dass der Lehrplan 21 den Unterricht kaum stark beeinflussen wird. Viele Neuerungen würden sicher nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wurden. Das Ganze werde die Lehrerschaft zwar auf Trab halten, doch letztlich nicht viel verändern. Eine Gefahr für einen einschneidenden Paradigmenwechsel bei den Unterrichtsformen oder den schulischen Bildungszielen sehen nur sehr kritisch denkende Lehrpersonen.


Ist der neue Lehrplan nun ein eher harmloser Kompass für eine gemeinsame Schulentwicklung oder leitet der Lehrplan 21 eine grundlegende und aufwändige Schulreform ein? 

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