22. November 2014

Alternative Seklehrerausbildung gefordert

Die fachwissenschaftliche Ausbildung der Sekundarlehrer soll gestärkt und erweitert werden. Eine in allen vier Nordwestschweizer Kantonen verankerte Gruppierung hat gestern in Muttenz einen Vorschlag für eine bessere Sekundarlehrer-Ausbildung vorgestellt. Der Vorschlag sieht vor, die fachwissenschaftliche Ausbildung von der Universität Basel verantworten zu lassen statt wie bisher von der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Diese lehnt den Vorschlag kategorisch ab. 
Alternativer Vorschlag für die Seklehrer-Ausbildung, Basler Zeitung, 22.11. von Thomas Dähler


Der Vorschlag der «Gruppe für eine bessere Sekundarlehramts-Ausbildung» (GBS) sei aus dem Versuch entstanden, die in zahlreichen politischen Aktionen formulierten Anliegen zu bündeln und in einem mehrheitsfähigen Positions­papier zusammenzufassen, erklärte gestern der Basler Grossrat Oswald Inglin (CVP) vor den Medien. Man präsentiere den Vorschlag jetzt, weil sich die Aktionen gegen die heutige Ausbildung auf politischer Ebene häuften und ­diesen Monat sich auch die Studierenden selber nach einem Vorstoss von Rudolf Hafner (GLP) im Solothurner Kantonsrat kritisch geäussert hätten.
30 Kreditpunkte mehr
Heute bietet die Pädagogische Hochschule zwei verschiedene Ausbildungsgänge für Sekundarlehrer an: ein integrierter Normalstudiengang in drei Fächern allein an der Pädagogischen Hochschule und ein konsekutiver, ­längerer Studiengang mit einer Fachausbildung in zwei Fächern an der Universität und einer pädagogisch-didaktischen Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule. Diese beiden Studiengänge möchte die GBS einander an­nähern. Ihr Vorschlag sieht einen wie bisher neunsemestrigen, integrierten Studiengang in drei Fächern vor, der neu 300 Kreditpunkte statt wie bisher 270 vorsieht, und der den Fachwissenschaftsanteil umfangmässig zulasten der Fachdidaktik ausbaut. Parallel dazu soll der konsekutive Studiengang von zwei auf drei Fächer erweitert werden. Im Baselbiet sei zudem die unterschiedliche Entlöhnung je nach Ausbildungsweg abzuschaffen.
Die GBS stellte klar, dass es ihr nicht um einen Konflikt Fachhochschule gegen Universität gehe. Auch wenn die Universität die Verantwortung für die fachwissenschaftliche Ausbildung vollständig übernehme, könne diese beim integrierten Studiengang in den Räumlichkeiten der Pädagogischen Hochschule stattfinden, präzisierte Grossrat Daniel Goepfert (SP, BS). Für die berufspraktische Ausbildung verlangt die GBS, dass auch Personen ohne Promotion dank ihrer berufspraktischen Kompetenz berücksichtigt werden.
Der GBS gehören neben Inglin und Goepfert Landrat Marc Joset (SP, BL), Martin Schaffner, Präsident des ­Bezirkslehrerinnen- und Bezirkslehrervereins Aargau, André Vanoncini, ehemaliger Universitätsdozent, Kerstin Wenk, Gewerkschaftssekretärin beim VPOD Region Basel, Michael Weiss, ­Geschäftsführer des Lehrerverbands Baselland, und Martin Zwimpfer, Ver­treter des Kantonsschullehrerverbands Solothurn an. Unterstützt wird der Vorschlag von der Freiwilligen Schulsy­node Basel-Stadt, vom Lehrerverband Baselland, vom Bezirkslehrerverband Aargau und vom Gymnasiallehrer­verband Solothurn.
Geharnischte Reaktion der FHNW
«Wir sind ermutigt worden, unserem Anliegen auf kritisch-konstruktive Weise Nachachtung zu verschaffen», sagte der Baselbieter Landrat Marc Joset. Politische Aktionen oder gar Volksabstimmungen in einzelnen Kantonen führten nicht weiter, weil die FHNW von allen vier Kantonen getragen werde. Der Vorschlag werde nun nächste Woche an der Sitzung der Interparlamentarischen Kommission der FHNW eingebracht.

Die Pädagogische Hochschule der FHNW zeigte sich gestern wenig gesprächsbereit. In einer ausserordentlich feindselig abgefassten Stellungnahme «zu den Behauptungen der Gruppe für eine bessere Sekundarlehramts-Ausbildung» werden deren Forderungen als «unreflektiert» und «rückwärts gewandt» bezeichnet. Es werde «einer schulfremden Akademisierung der Sekundarlehrer-Ausbildung das Wort geredet». Die «bedauernswerte Romantisierung» früherer Ausbildungswege führe direkt in die Sackgasse. Die Pädagogische Hochschule wirft der GBS vor, sie wolle zurück zu kantonalen Diplomen, was zu einer Kündigung des Staatsvertrags zur Führung der FHNW durch die daran teilnehmenden Kantone führe.

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