Alternativer Vorschlag für die Seklehrer-Ausbildung, Basler Zeitung, 22.11. von Thomas Dähler
Der Vorschlag der «Gruppe für eine bessere
Sekundarlehramts-Ausbildung» (GBS) sei aus dem Versuch entstanden, die in
zahlreichen politischen Aktionen formulierten Anliegen zu bündeln und in einem
mehrheitsfähigen Positionspapier zusammenzufassen, erklärte gestern der Basler
Grossrat Oswald Inglin (CVP) vor den Medien. Man präsentiere den Vorschlag
jetzt, weil sich die Aktionen gegen die heutige Ausbildung auf politischer
Ebene häuften und diesen Monat sich auch die Studierenden selber nach einem
Vorstoss von Rudolf Hafner (GLP) im Solothurner Kantonsrat kritisch geäussert
hätten.
30
Kreditpunkte mehr
Heute
bietet die Pädagogische Hochschule zwei verschiedene Ausbildungsgänge für
Sekundarlehrer an: ein integrierter Normalstudiengang in drei Fächern allein an
der Pädagogischen Hochschule und ein konsekutiver, längerer Studiengang mit
einer Fachausbildung in zwei Fächern an der Universität und einer
pädagogisch-didaktischen Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule. Diese
beiden Studiengänge möchte die GBS einander annähern. Ihr Vorschlag sieht
einen wie bisher neunsemestrigen, integrierten Studiengang in drei Fächern vor,
der neu 300 Kreditpunkte statt wie bisher 270 vorsieht, und der den
Fachwissenschaftsanteil umfangmässig zulasten der Fachdidaktik ausbaut.
Parallel dazu soll der konsekutive Studiengang von zwei auf drei Fächer
erweitert werden. Im Baselbiet sei zudem die unterschiedliche Entlöhnung je
nach Ausbildungsweg abzuschaffen.
Die
GBS stellte klar, dass es ihr nicht um einen Konflikt Fachhochschule gegen
Universität gehe. Auch wenn die Universität die Verantwortung für die
fachwissenschaftliche Ausbildung vollständig übernehme, könne diese beim
integrierten Studiengang in den Räumlichkeiten der Pädagogischen Hochschule
stattfinden, präzisierte Grossrat Daniel Goepfert (SP, BS). Für die
berufspraktische Ausbildung verlangt die GBS, dass auch Personen ohne Promotion
dank ihrer berufspraktischen Kompetenz berücksichtigt werden.
Der
GBS gehören neben Inglin und Goepfert Landrat Marc Joset (SP, BL), Martin
Schaffner, Präsident des Bezirkslehrerinnen- und Bezirkslehrervereins Aargau,
André Vanoncini, ehemaliger Universitätsdozent, Kerstin Wenk,
Gewerkschaftssekretärin beim VPOD Region Basel, Michael Weiss, Geschäftsführer
des Lehrerverbands Baselland, und Martin Zwimpfer, Vertreter des
Kantonsschullehrerverbands Solothurn an. Unterstützt wird der Vorschlag von der
Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt, vom Lehrerverband Baselland, vom
Bezirkslehrerverband Aargau und vom Gymnasiallehrerverband Solothurn.
Geharnischte
Reaktion der FHNW
«Wir
sind ermutigt worden, unserem Anliegen auf kritisch-konstruktive Weise
Nachachtung zu verschaffen», sagte der Baselbieter Landrat Marc Joset.
Politische Aktionen oder gar Volksabstimmungen in einzelnen Kantonen führten nicht
weiter, weil die FHNW von allen vier Kantonen getragen werde. Der Vorschlag
werde nun nächste Woche an der Sitzung der Interparlamentarischen Kommission
der FHNW eingebracht.
Die
Pädagogische Hochschule der FHNW zeigte sich gestern wenig gesprächsbereit. In
einer ausserordentlich feindselig abgefassten Stellungnahme «zu den
Behauptungen der Gruppe für eine bessere Sekundarlehramts-Ausbildung» werden
deren Forderungen als «unreflektiert» und «rückwärts gewandt» bezeichnet. Es
werde «einer schulfremden Akademisierung der Sekundarlehrer-Ausbildung das Wort
geredet». Die «bedauernswerte Romantisierung» früherer Ausbildungswege führe
direkt in die Sackgasse. Die Pädagogische Hochschule wirft der GBS vor, sie
wolle zurück zu kantonalen Diplomen, was zu einer Kündigung des Staatsvertrags
zur Führung der FHNW durch die daran teilnehmenden Kantone führe.
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