7. Mai 2014

Dosierte Aufmüpfigkeit

Hans Fahrländer kommentiert die Aargauer Demonstration gegen den Bildungsabbau.
«Durch Demonstrationen erzwingen wir Aufmerksamkeit für unsere Argumente, die wir für die besseren halten.» Der Satz stammt von Jürgen Habermas. Doch die Organisatoren der Lehrer-, Schulleiter-, Schulpfleger- und Eltern-Versammlung haben das aufmüpfige Wort «Demonstration» möglichst vermieden. Lieber sprachen sie von einem «Fest der Bildung», man wolle «mit Begeisterung» für ein intaktes Bildungsangebot einstehen. Und man wolle niemanden ärgern, weder die Eltern, wenn Schulstunden ausfallen, noch die Autofahrer im Feierabendverkehr. Kein Umzug, nur eine Zusammenkunft, keine Aufläufe auf der Bahnhofstrasse, bitte hinten herum anmarschieren.
Das alles wirkt sympathisch. Doch es ruft auch nach der Frage: Wirkt so eine Veranstaltung? Bei wem wirkt sie? Was bewirkt sie? Wer hörte den «Demonstranten» zu? Nur Gesinnungsgenossen? Ursprünglich setzte man den Anlass auf den Schluss einer Grossrats-Sitzung. Man konnte ja im Januar nicht wissen, dass das Parlament den ganzen Frühling hindurch fast nie tagt. Damit fehlte quasi der Ansprechpartner, der über einen Teil der Sparmassnahmen abstimmen muss. Das war einfach Pech.

Habermas ist bekanntlich kein Aargauer. Die Kundgebung war wohl ein an den Kanton angepasster Anlass. Die Lehrer wissen, dass der Aargau seine aufmüpfigen Tage hinter sich hat. Wer hier etwas erreichen will, bleibt lieber beim diskreten Trommelwirbel, ein allzu aufdringlicher könnte kontraproduktiv sein. Doch mit der gewählten sympathischen Form stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit eindringlich. Der Anlass in Aarau kommt über eine symbolische Geste wohl nicht hinaus.
Quelle: Aargauer Zeitung, 7.5. von Hans Fahrländer

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