«Durch Demonstrationen erzwingen wir Aufmerksamkeit für unsere
Argumente, die wir für die besseren halten.» Der Satz stammt von Jürgen
Habermas. Doch die Organisatoren der Lehrer-, Schulleiter-, Schulpfleger- und
Eltern-Versammlung haben das aufmüpfige Wort «Demonstration» möglichst
vermieden. Lieber sprachen sie von einem «Fest der Bildung», man wolle «mit
Begeisterung» für ein intaktes Bildungsangebot einstehen. Und man wolle
niemanden ärgern, weder die Eltern, wenn Schulstunden ausfallen, noch die Autofahrer
im Feierabendverkehr. Kein Umzug, nur eine Zusammenkunft, keine Aufläufe auf
der Bahnhofstrasse, bitte hinten herum anmarschieren.
Das alles wirkt sympathisch. Doch es ruft auch nach der Frage: Wirkt so
eine Veranstaltung? Bei wem wirkt sie? Was bewirkt sie? Wer hörte den
«Demonstranten» zu? Nur Gesinnungsgenossen? Ursprünglich setzte man den Anlass
auf den Schluss einer Grossrats-Sitzung. Man konnte ja im Januar nicht wissen,
dass das Parlament den ganzen Frühling hindurch fast nie tagt. Damit fehlte quasi
der Ansprechpartner, der über einen Teil der Sparmassnahmen abstimmen muss. Das
war einfach Pech.
Habermas ist bekanntlich kein Aargauer. Die Kundgebung war wohl ein an
den Kanton angepasster Anlass. Die Lehrer wissen, dass der Aargau seine
aufmüpfigen Tage hinter sich hat. Wer hier etwas erreichen will, bleibt lieber
beim diskreten Trommelwirbel, ein allzu aufdringlicher könnte kontraproduktiv
sein. Doch mit der gewählten sympathischen Form stellt sich die Frage nach der
Wirksamkeit eindringlich. Der Anlass in Aarau kommt über eine symbolische Geste
wohl nicht hinaus.
Quelle: Aargauer Zeitung, 7.5. von Hans Fahrländer
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