Chronischer Mangel herrscht besonders bei den Heilpädagogen, Bild: Fotolia
1000 Lehrer gesucht: Neues Aargauer Schulsystem verschärft die Situation, Aargauer Zeitung, 5.5. von Mathias Küng
Laut Manfred Dubach,
Geschäftsführer des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (alv), wurden
im Kanton Aargau in diesem Jahr bisher 1000 Stellen ausgeschrieben. Im Jahr
zuvor waren es noch 750.
Der Hauptgrund für die
Steigerung ist klar: Aufgrund des Wechsels vom 5/4- auf das 6/3-System braucht
es mehr Primarlehrkräfte. Die Schulen begannen mit der Suche entsprechend
früher. Auch in den letzten Jahren wurden zahlreiche Lehrkräfte gesucht.
Per Anfang des neuen
Schuljahres schaffte man es dann irgendwie, dass vor jeder Klasse eine Lehrerin
oder ein Lehrer stand. Gelingt das 2014 wieder oder ist die Zahl der gesuchten
Lehrkräfte für Primarschule und Kindergarten im Kanton Aargau diesmal schlicht
zu gross?
Manfred Dubach glaubt,
dass es wieder gelingen wird. Doch stelle sich zunehmend die Frage nach der
Qualität der unter solchem Druck Eingestellten. Schliesslich müssen die
Schulpflegen den Schulunterricht gewährleisten. Das tun sie.
Doch chronisch ist
bereits der Mangel an Heilpädagoginnen. Dubach: «Oft fehlen in der Klasse diese
Spezialisten, aber wenigstens ist eine Klassenlehrperson da.» Er beobachtet,
dass in der Mangelsituation erst die Qualität abnimmt, bevor dann effektiv zu
wenig Lehrpersonen verfügbar sind.
Schulleiter wie auf
Nadeln
An der «Schulfront»
spürt man den Mangel sehr. Markus Walter, Schulleiter der Primarschule Halde in
Wohlen beispielsweise, sucht geradezu verzweifelt schulische Heilpädagoginnen.
In ganz Wohlen gebe es zu wenig. Auch hat er vor fünf Wochen eine Stelle für eine
Unterstufenlehrkraft ausgeschrieben.
Letzten Freitag
flatterte eine Bewerbung herein – von einem Koch... Brauchbare Bewerbungen sind
Mangelware. Wenn das neue Schuljahr näher kommt, sitzen Schulleiter wie Walter
jeweils wie auf Nadeln.
Die zu vergebenden
Stellen wurden in Wohlen schon im Januar ausgeschrieben – wie in den meisten
anderen Schulen auch sehr früh, da dieses Jahr so viele Lehrkräfte gesucht
werden. Doch der Rücklauf ist minim. Dabei stapelten sich noch vor wenigen
Jahren bis zu 60 Bewerbungen für eine Stelle...
Setzen auf die
Pfadi-Connection
Trotzdem ist Walter
zuversichtlich. In seiner Schule unterrichten nämlich mehrere einstige
Blauring- und Pfadiführerinnen. Sie haben ein grosses Beziehungsnetz und fragen
einstige Kolleginnen an. Wenn diese sähen, dass das Schulteam gut harmoniert,
würden sie kommen – dank Mundpropaganda.
Zuversichtlich ist
Walter auch, weil bei ihnen viele Pädagogikstudenten Praktika machen. Wer da
sehr positiv auffällt, den oder die versucht man gleich für die eigene Schule
zu gewinnen.
In mehreren Schulen, so
auch in Wohlen, beobachtet Walter zudem, dass es gelingt, einige vorab jüngere
Bezirks-, Sekundar- und Realschullehrer – die es aufgrund des Systemwechsels
nicht mehr braucht – für
fünfte und sechste Primarschulklassen zu gewinnen.
fünfte und sechste Primarschulklassen zu gewinnen.
Rheinfelden sucht
Fachlehrkräfte
Recht gut tönt es in
Rheinfelden. Laut Heidi Federli, Leiterin der Schulverwaltung Primarschule und
Kindergarten, konnten bereits mehrere Lehrkräfte für die fünfte beziehungsweise
sechste Primarklasse gewonnen werden, die bisher als Real-, Sekundar- oder
Bezirkslehrkräfte tätig waren.
Die Zeiten, als für eine
Primarlehrerstelle bis 40 Bewerbungen hereinflatterten, sind zwar auch hier
längst vorbei. Doch Federli ist zuversichtlich, dass auf Schuljahresbeginn hin
alle Klassen eine Lehrkraft haben werden.
Schwieriger gestalte
sich die Suche von Fachlehrkräften für Kleinpensen am Kindergarten, doch auch
hier laufen bereits Vorstellungsgespräche.
Kanton Aargau ist
zuversichtlich
Im Aargauer
Bildungsdepartement kennt man die Problematik. Die Situation bestehe nicht
überraschend, sagt die Medienverantwortliche Irène Richner-Schellenberg.
Aufgrund des Wechsels zum 6/3-System habe sie sich verschärft. Richner: «Die
Suche ist für die Schulen mit sehr viel Aufwand verbunden, das wissen wir. Doch
wir sind zuversichtlich, dass es wieder gelingt, alle Stellen zu besetzen.»
Auf dem
Internet-Schulportal des Kantons fanden sich übrigens per 30. April 315
Inserate mit 176 Vollzeitstellen. Ein Jahr zuvor waren es 268 Inserate mit 162
Vollzeitstellen. Das Problem von zu wenig Logopädinnen und Heilpädagoginnen
besteht, räumt Richner ein. Eine schnelle Lösung hat auch der Kanton Aargau
nicht. Neue Fachlehrkräfte müssen erst ausgebildet werden.

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