Martin Schaffner, Präsident der Aargauer Bezlehrer, beklagt die zunehmende Belastung. Bild: Keystone/zvg
Sparpaket: Bez-Lehrer beklagen Lohnabbau und vermissen Wertschätzung, Aargauer Zeitung, 2.5. von Hans Fahrländer
Der Vorstand des
Bezirkslehrerinnen- und Bezirkslehrervereins Aargau (BLV) hat seine Mitglieder zu
einer ausserordentlichen Versammlung nach Aarau gerufen. Thema: Wie weiter nach
den modifizierten Sparbeschlüssen der Regierung? Die Bezlehrer und ihre
Schützlinge sind durch das Paket stark betroffen.
Bisher über 100
Protestaktionen
«Zwar hat die Regierung
in der definitiven Botschaft gewisse Zugeständnisse gemacht, zum Beispiel beim
Wahlfächerangebot», sagt BLV-Präsident Martin Schaffner, «insgesamt sind die
Einschnitte zulasten unserer Schülerinnen und Schüler aber immer noch höchst
unbefriedigend.»
Die Versammlung will
jedoch gemäss Schaffner vorerst auf weiteren Widerstand verzichten: «Vonseiten
der Bezirksschulen und des BLV gab es über hundert Aktionen verschiedenster Art
gegen das Spardiktat, dies sollte dem Regierungsrat genügen.»
Faktisch ein Lohnabbau
Ins Zentrum der
Beststandesaufnahme ist nun ein Thema gerückt, das vor allem die Lehrkräfte
betrifft. Es ist die Massnahme 310-12 (in der Kompetenz der Regierung): Das
Normalpensum der Bezirkslehrpersonen soll von 27 auf 28 Lektionen pro Woche
angehoben und damit an das Pensum der Sekundar- und Realehrpersonen angepasst
werden.
Das Einsparpotenzial für
2015 liegt bei 1,1 Mio., ab 2016 bei 2,6 Mio. Franken. «Die Pensenerhöhung,
faktisch ein Lohnabbau, wurde bisher vielleicht aus falscher Scheu nicht
thematisiert», sagt der BLV-Präsident, man habe den Fokus vor allem auf das
Angebot für die Jugendlichen gerichtet.
Progymnasialer Charakter
gefährdet
«Wir vermissen ganz
generell die Wertschätzung gegenüber der Bez Aargau und unserer Aufgabe, zwar
nicht bei den Eltern, wohl aber in der Politik und in der Verwaltung», sagt
Martin Schaffner.
Die Bez-Lehrer sehen
sich schon länger Bestrebungen ausgesetzt, aus ihrem Schultyp einen «ganz
normalen» Oberstufenzug zu machen und alle Unterschiede zur Sekundar- und zur
Realschule einzuebnen, in der Ausbildung, in der Entlöhnung und nun auch in der
Lektionenverpflichtung.
«Die Frage ist, ob diese
Entwicklung dem progymnasialen Charakter der Bez noch Rechnung trägt», gibt der
Präsident zu bedenken. «Viele von uns verfügen über eine universitäre
Ausbildung, unsere Klassen sind grösser als in den anderen Oberstufenzügen, im
Gegensatz zu ihnen können wir kaum Assistenzen anfordern.
Ergebnis: Nur noch
zwischen 10 und 20 Prozent der Lehrpersonen in der Bez unterrichten ein
Vollpensum, vielen ist die Last allzu gross geworden, alle machen zum Teil
happige Überstunden.»
Nicht aufs Jammern
setzen
Die Bez-Lehrer haben -
diesmal zusammen mit den anderen Oberstufenzügen - aufs neue Schuljahr hin
einen zusätzlichen Schlag zu verdauen: Durch das neue Strukturmodell 6/3
braucht es ein Viertel von ihnen nicht mehr.
«Wir setzen, dies hat
die Versammlung klar zum Ausdruck gebracht, nicht aufs Jammern», betont Martin
Schaffner, «wir wollen aber der Politik und der Öffentlichkeit aufzeigen, dass
das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Bez äusserst günstig ist. Einerseits
bereiten wir die Schülerinnen und Schüler auf anspruchsvolle Lehren vor,
andererseits sind wir ein Progymnasium, das den Eintritt in eine Mittelschule
ermöglicht.»
Werde die Bez weiterhin
systematisch ihrer Ressourcen beraubt, sei ihr progymnasialer Charakter
gefährdet. Dazu passe leider auch das Sparen bei der Begabungsförderung,
schliesst der Präsident.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen