Bei der Berechnung des Lohns gleich mehrmals unsauber gearbeitet, Bild: Keystone
Kindergartenlohn: Kanton machte bei Berechnung gleich mehrere Fehler, Aargauer Zeitung, 27.3. von Elia Diehl
Der Kanton hat bei der
Lohneinstufung der Kindergärtnerinnen gepfuscht. Zu diesem Schluss kommt das
Aargauer Verwaltungsgericht in seinem Urteil über eine Lohnklage des Aargauer
Lehrerverbands alv (az vom 26. März).
Mit dem Leiturteil für rund
1200 sistierte Beschwerden wegen Geschlechterdiskriminierung haben die
Kindergärtnerinnen einen Teilsieg errungen. In seiner 28-seitigen
Urteilsbegründung kritisiert das Verwaltungsgericht, dass der Kanton bei der
Berechnung des Lohns gleich mehrfach unsauber gearbeitet habe.
Die Lohnberechnung für
Aargauer Lehrpersonen, also auch für Kindergärtnerinnen, setzt sich aus drei
Teilen zusammen, die unterschiedlich gewichtet sind: Der Marktlohn macht 50
Prozent aus, der bisherige Positionslohn wird zu 37,5 Prozent berücksichtigt,
die standardisierte Arbeitsplatzbewertung «Abakaba» nur zu 12,5 Prozent.
Der Marktlohn wird bei
Lehrpersonen viel stärker gewichtet als beim restlichen Kantons- und
Verwaltungspersonal. Grund dafür ist der in sich geschlossene, homogene
Arbeitsmarkt für Lehrpersonen.
Berechnungen sind ungenau
«Insbesondere beim
Lohnvergleich hat der Kanton nicht genügend differenziert und mangelhaft
gearbeitet», erklärt der zuständige Oberrichter Urs Michel. Und dies mehrfach.
Nebst den Vergleichen mit den Nachbarkantonen, die auf dem Arbeitsmarkt direkte
Konkurrenten sind, wurde unverständlicherweise auch der Tieflohn-Kanton St.
Gallen hinzugezogen. Das Gericht sah dafür keinen Rechtfertigungsgrund.
Weiter wurde jeweils nur
der Minimallohn berücksichtigt, was für eine aussagekräftige Marktanalyse
unzureichend ist. Es zeige sich, dass die vorausgesetzte Ausbildung und der
gesamte Lohnrahmen sowie die zeitliche Entwicklung zwingend erhoben werden
müssten, so die Argumentation des Verwaltungsgerichts. Zuletzt konnte der
Kanton nicht nachweisen, dass die zum Vergleich herangezogenen Löhne der
anderen Kantone diskriminierungsfrei festgelegt wurden. Dasselbe gilt für den
Lohn, den eine Lehrperson bisher erhalten hat.
Kanton und alv prüfen
Urteil
Für die unsorgfältige
Arbeitsweise des Kantons sprechen laut Michel auch die Zahlen. Bei den
Kindergärtnerinnen liegt der Marktlohn 20 Prozent tiefer als der Abakaba-Lohn.
Bei den anderen Lehrpersonen liegt die Differenz nur zwischen 1,4 und 8
Prozent. Durch die starke Gewichtung der Marktsituation werden also
Kindergärtnerinnen benachteiligt.
«Wir sind der Ansicht, der
korrekt erhobene Marktlohn von Kindergärtnerinnen könnte höher sein», sagt
Michel. Ein wichtiger Aspekt sind zudem auch die neuen
Ausbildungsanforderungen, die bisher kaum berücksichtigt wurden. Seit Sommer
2013 gehört der Kindergarten zur Volksschule und ist obligatorisch. Sowohl für
Vor- wie Primarschule braucht es heute ein dreijähriges Bachelorstudium.
Eine geschlechtsspezifische
Diskriminierung der Kindergärtnerinnen, wie vom alv beanstandet, sei derzeit nicht
feststellbar, sagt Urs Michel. Um dies zu beurteilen, müssten die
Lohnberechnungen zuerst korrekt durchgeführt werden.
Der Ball liegt nun beim
Kanton – ein möglicher Weiterzug des Urteils ans Bundesgericht ist offen. Das
Bildungsdepartement BKS konnte noch keine Stellung nehmen, wie der alv wolle
man die Urteilsbegründung erst seriös analysieren.
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