In der Politik hat sich letzte Woche etwas getan. Endlich, ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie, gibt es einen überparteilichen Konsens darüber, dass es wohl gut wäre, in den Altersheimen, an den Flughäfen, in den Schulen und sogar bei den Grenzgängern viel mehr Tests zu verlangen, um herauszufinden, wie die Ansteckungsketten verlaufen. Klar, man wird auch mit den zusätzlichen Tests nicht alle Virenträger finden, aber wenigstens viele.
Jetzt sollten endlich auch mal die Lehrer kreativ denken, Sonntagszeitung, 24.1. von Arthur Rutishauser
Dass bei der
Seuchenbekämpfung endlich wieder überparteilich gedacht wird, ist dringend
nötig, denn die gefährliche englische Mutation des Virus drängt rascher in die
Schweiz, als dass die Impfungen vorankommen. Das macht die Situation für die
Altersheime, wo in der zweiten Welle so viele gestorben sind, noch viel
schwieriger. Vor allem die Ansteckungen durch das Pflegepersonal, die
zwangsläufig erfolgen, können nicht anders gestoppt werden als durch
regelmässige Tests. Dass die Einschleppung von mutierten Viren gebremst werden
kann - dafür sorgen Tests an der Grenze, da hat die SVP, die das schon lange
fordert, recht. Allerdings war es dieselbe SVP, die sich dagegen wehrte, die
Skigebiete zu schliessen, was die englischen Touristen anzog, welche die
Virusmutation in die Schweiz brachten. Darum wäre Demut angesagt statt
parteipolitisches Triumphieren. Die jüngsten Äusserungen von Christoph Blocher
geben da etwas Hoffnung.
Wo der Konsens noch
nicht funktioniert, ist beim Thema Schulschliessungen. Da gibt es weltweit so
viele Meinungen wie Lehrer. In der Schweiz geht man offiziell davon aus, Kinder
seien keine Treiber der Pandemie - in Deutschland denkt die Politik genau
umgekehrt und hält die Schulen seit Wochen geschlossen. Konsens gibt es nur
darüber, dass Schulschliessungen Bildungslücken hinterlassen und dass darunter
vor allem die jüngeren Kinder aus ärmeren Familien leiden, weil sie meist in
beengenden Verhältnissen wohnen und von ihren Eltern oft nicht viel Hilfe bei
den Schularbeiten erwarten können.
Dass man nicht mehr über die epidemiologischen Folgen der Schulschliessungen weiss, liegt daran, dass man bisher die Kinder nicht systematisch getestet hat. Was man allerdings schon weiss, ist, dass Schulbildung zwar wichtig ist, aber nicht jedes Schulfach. Solange wir noch nicht gezwungen sind, alle Schulen zu schliessen, weil die Fallzahlen explodieren, sollten die Schulen einen Stufenplan mit einer Gewichtung der Schulfächer ausarbeiten. Von den Grundschulen bis hin zu den Sekundarschulen sind es doch die Mathematik, die Muttersprache und die erste Fremdsprache, die unverzichtbar sind - der Rest nicht. Das macht normalerweise etwa die Hälfte der Schulstunden aus. Damit wäre ein Halbklassenunterricht möglich. Halb so viele Schüler macht halb so viele Begegnungen, doppelte Abstände und damit halb so viele Ansteckungen. Dies erst noch mit dem Vorteil, dass die schwächeren Kinder von einer vermehrten Aufmerksamkeit der Lehrkräfte profitieren könnten. Es wäre an der Zeit, auch bei der Seuchenbekämpfung in den Schulen kreativ zu werden, statt dass die Lehrer Hahnenkämpfe veranstalten.
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