12. Juli 2019

Was tun mit toten Pferden?


Eine Weisheit der Dakota-Indianer lautet: «Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.» In der Wirtschaft werden erfolglose Innovationen unverzüglich gestoppt und in der Volksschule? Wir verweisen auf Europa, das auch tote Pferde reitet. Wir holen uns weitere Bereiter in den Stall. Wir belegen Lernerfolg mit fernen Studien. Wir entwickeln Motivationsprogramme für tote Pferde und müde Reiter plus wir wechseln die Reiter/-innen aus. 
Südostschweiz, 9.7. Leserbrief von Peter Kamber


Gemäss Bündner Schulgesetz 2012 haben Schüler/-innen mit besonderem Förderbedarf Anspruch auf sonderpädagogische Massnahmen. Laut Artikel 46 müssen diese zwingend integrativ erfolgen, also in der Regelklasse. Und dieses tote Pferd reiten wir nun seit Jahren konsequent und fünfmal so teuer wie dem Steuerzahler versprochen. Die totale Integration sei sozial und gerecht. Man gaukelt uns eine linke Wir-sind-doch-alle-gleich-Welt vor. 

Bereits 2016 wollten 36 Bündner Grossräte der Regierung einen Auftrag zur Teilrevision überweisen. Und längst schon haben bildungsnahe Eltern erkannt, dass ihre Kinder nur noch dahin dümpeln, ihre Leistungen nach unten nivellieren und ihr Verhalten negativ anpassen. Sie sind besorgt und machen sich Überlegungen zu den boomenden Privatschulen. Denn heute treffen Schüler/-innen mit hohem Leistungsvermögen auf Kinder, die dem Lehrplan nur in Ansätzen folgen können, auf Migrationskinder mit kaum vorhandenen Kompetenzen in Deutsch sowie auf körperlich, geistig, oder psychisch beeinträchtigte Kinder. 

In der Theorie klappt dieses Modell wunderbar: Alle lernen voneinander und beeinflussen sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Und in der Praxis? «Die Ziele seien zu euphorisch, die disziplinarischen Schwierigkeiten sehr gross und die Auswirkungen auf Lerntempo und Schulleistungen besorgniserregend», äusserte sich ein Basler Bildungsdirektor. Die Leidtragenden dieses linken Kurses sind einmal mehr die Realschüler, denn in ihre Stufe wird, mangels Alternative, alles andere hinein integriert. Und deshalb müssen wir in Bern die nationalen Bildungsstandards für je vier Stärkeklassen A, B, C (Kleinklasse) und D (Sonderschule) auf der Primar- und Sekundarstufe definieren. Ergänzt durch die Einführungsklassen. So kann jedes Kind seinem Potenzial entsprechend auf seinem Niveau mit vergleichbar starken Mitschüler/ -innen optimal gefordert und gefördert werden. Wie in der wirklichen Welt: Da werden die Lehre mit EBA, EFZ oder BMS, die FMS oder das Gymnasium angeboten. Und auch hier können nicht alle alles bestreiten. Der Maurer absolviert seine Lehre nicht mit dem Autolackierer, der Lehrer studiert nicht mit dem Astrophysiker und der FC Barcelona spielt in der Regel nicht gegen den FC Niederhasli. Selbstverständlich soll aber auf allen Stufen eine hohe, motivierende Durchlässigkeit gewährt werden. Gleich und gleich gesellt sich eben doch gern – und gut. 

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