Der knappe Schulraum ist in der Stadt Zürich seit einigen Jahren ein
Dauerthema. Am Wochenende etwa entscheidet das Stimmvolk an der Urne über das
neue Schulhaus Freilager, von dem Gegner vehement behaupten, es sei für die
boomenden Quartiere Albisrieden und Altstetten zu klein geplant worden.
So löst Zürich das Raumproblem an Schulen, Tages Anzeiger, 17.5. von Ev Manz
Tatsache ist, dass die Bevölkerung in der Stadt stetig wächst, der
Anteil der Kinder gar überproportional. Ab 2025 werden 20
Prozent zusätzliche Kinder die städtischen Volksschule besuchen, das
entspricht 300 neuen Klassen. 150'000
Quadratmeter Schul-Geschossfläche hat die Stadt in den letzten 16
Jahren erstellt. Noch einmal so viel Fläche muss die Stadt nun in der
Hälfte der Zeit bereitstellen. Dieser Herausforderung will die Stadt nun mit
neuen Lösungsansätzen begegnen, wie sie heute vor den Medien erläutert hat.
Das Schulamt räumt in seinem Grundlagenpapier mit dem umständlichen
Namen Teilportfoliostrategie Volksschulbauten ein, dass es den Schüleranstieg
ab 2014 zwar prognostiziert habe, die Dringlichkeit nach zusätzlichem Schulraum
damals aber unterschätzt habe. Um den derzeit benötigten Bedarf komplett mit definitiven
Bauten abzudecken, hätte in der zweiten Hälfte der Nuller-Jahre die
Geschossfläche um knapp 15 Prozent ausgebaut werden müssen. Weil die
Zahl der Klassen damals wegen der Umsetzung des neuen Volksschulgesetzes und
der Aufhebung der Kleinklassen abnahmen, stand der Ausbau nicht im Fokus.
1,8 Milliarden für Räumlichkeiten
Einige Neubauten sind bereits erstellt. Allein diesen Sommer nehmen drei
neue Schulbauten den Betrieb auf: Die Schulhäuser Schütze und Pfingstweid im
Neubauquartier Zürich-West und der Ersatzneubau Schauenberg. Um den
kurzfristigen Bedarf an Schulraum abzudecken, werden weiterhin
Züri-Modular-Pavillons eingesetzt und für Kindergärten und Betreuungseinheiten
Räume zugemietet. Künftig sollen Räume auch für Schulklassen zugemietet werden.
Im Schulkreis Letzi wird derzeit bereits die Nutzung von Gewerberäumen für
Sekundarklassen geprüft.
Den Ausbau lässt sich die Stadt Einiges kosten. Bis 2028 will
sie 1,8 Milliarden Franken in Volksschulbauten investieren. Ein Teil
davon ist auch für die Instandsetzung bestehender Bauten vorgesehen. Die Stadt
hat dafür einen befristeten Zusatzplafond geschaffen, der auf zehn Jahre
verteilt 500 Millionen für den Nutzerbedarf vorsieht.
Expressgruppe gegründet
Um die Abläufe zu optimieren, hat die Stadt die Delegation Schulen gegründet.
Ihr gehören neben Schulvorsteher Filippo Leutenegger (FDP), Hochbauvorsteher
André Odermattt (SP) auch Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) an. Dazu gibt es
neu eine Expressgruppe, die sich um die Anmietgeschäfte kümmert.
Die Zahlen, welche die Teilportfoliostrategie Volksschulbauten zutage
bringt, sind eindrücklich. Darin nicht berücksichtigt ist allerdings der
Raumbedarf der flächendeckenden Umsetzung der Tagesschule 2025.
Einige Beispiele:
·
Schülerzahlen: Die Anzahl Schülerinnen und
Schüler hat seit 2001 um 5300 zugenommen.
·
Züri-Modular-Pavillons (ZM): Derzeit
stehen in der Stadt 65 Pavillons, was rund 40'000 Quadratmetern Geschossfläche
entspricht. Der Eindruck, dieser Anteil an der gesamten Schulraumfläche sei
gross, täuscht. ZM-Pavillons betragen nur 5 Prozent der gesamten
Geschossfläche alles Schulbauten.
·
Anmietungen: Die Zahl der Anmietungen hat
sich seit 2001 mehr als verdoppelt. Von den 666 für die Volksschule genutzten
Gebäude sind 203 angemietet. Flächenmässig ist die Zahl mit 6,5
Prozent in Mietobjekten relativ klein.
·
Fläche: Der Bedarf an Fläche für
Schülerinnen und Schüler ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Auslöser
ist insbesondere der Ausbau der schulischen Betreuung. Allein seit 2001 ist die
Geschossfläche um 21 Prozent angestiegen.
Interessant für die Stimmbürger wäre ja zu wissen, wieviel zusätzliche Raumfläche wegen dem umstrittenen Lehrplan 21 benötigt wird und was das den Mittelstand kostet? Und wann die Schülerzahlen eventuell wieder abnehmen?
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