Die
Diskussion um die Leselernmethode Lesen-durch-Schreiben ist zu begrüssen.
Allerdings geht es dabei nicht nur um den Umgang mit Rechtschreibefehlern,
sondern letztlich um die Frage, welche Art von Unterricht zu guten Resultaten
führt. Fibel-Lehrwerke lassen sich dadurch charakterisieren, dass die
Lehrperson den Unterricht schwerpunktmässig als Regisseur gestaltet, für eine
klare Unterrichtsstruktur sorgt, vom Einfachen zum Komplexen voranschreitet und
Fehler von Anfang an korrigiert. Lesen-durch-Schreiben und
Rechtschreibwerkstatt betonen das eigenständige, selbststrukturierende Lernen
der Kinder.
Für einen strukturierten Unterricht, St. Galler Tagblatt, 14.11. Leserbrief von René Walcher
Der individuelle Lernweg hat Priorität, Fehler werden kaum
korrigiert und die Lehrperson wirkt als Coach. Zum Resultat schreiben die
Forscher: «In jeder Klassenstufe waren die Rechtschreibleistungen der
systematisch angeleiteten Kinder besser als die der anderen beiden
Didaktikgruppen, und zwar durchgängig mit bedeutsamen praxisrelevanten
Unterschieden. Zudem waren die Leistungsdifferenzen innerhalb der Fibel-Gruppe
deutlich kleiner. Die ganz überwiegende Mehrzahl dieser Kinder konnte demnach
von dieser Lehrmethode profitieren. Dieser Befund zeigt sich auch für Kinder
mit nichtdeutscher Familiensprache.»
Spätestens seit dem Erscheinen von John
Hatties Buch «Lernen sichtbar machen» im Jahr 2013 wissen evidenzbasiert
denkende Pädagogen, dass ein strukturierter, von der Lehrperson als Leader
geführter Unterricht, der sich in der Regel an die ganze Klasse richtet,
offenen Lernformen, die jedem Kind mit individualisierenden Arbeitsmaterialien
optimales Lernen ermöglichen wollen, überlegen ist. Das sollten vor allem die
Verantwortlichen an den Pädagogischen Hochschulen zur Kenntnis nehmen. Leider ist
das Gegenteil der Fall: Individualisierende und das eigenständige Lernen der
Kinder betonende Lernformen sind dort hoch im Kurs.
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