7. September 2018

Erfolgsmodell öffentliche Schule?

Es ist ein sehr oberflächliches, um nicht zu sagen selbstgefälliges Bild, das die Präsidentinder EDK und Regierungsrätin des Kantons Zürich, Silvia Steiner, von deröffentlichen Schule zeichnet (NZZ 21. 8. 18). Das schweizerische Bildungssystem ist in der besten aller Welten, und wenn es Probleme gibt, dann braucht es nur etwas Harmonisierung unter dem Dach der EDK. 
NZZ, 5.9. Leserbrief von Rudolf Walser

Den starken Rückhalt der öffentlichen Schulen in der Bevölkerung erklärt Frau Steiner mit zwei Faktoren: erstens mit der Tatsache, dass nur wenige Kinder nichtstaatliche Schulen besuchen, und zweitens mit der grossen Mehrheit bei der Abstimmung über die neue Bildungsverfassung 2006. Das ist etwas gar einfach und übersieht wesentliche Problemherde und Tatsachen. In kaum einem vergleichbaren Industrieland haben die Eltern und Schüler so wenig Freiheit in der Wahl der Volksschule. Kaum verwunderlich, dass so wenig Kinder nichtstaatliche Schulen besuchen. Und hätten die Stimmbürger gewusst, was für detailversessene Projekte (Harmos, Lehrplan 21) auf sie zukommen würden, hätten sie wahrscheinlich – wie bei früheren Bildungsvorlagen – Nein gestimmt. Im schweizerischen Bildungssystem herrscht eine grundsätzliche Abneigung gegen alles, was mit Wettbewerb zu tun hat, man bevorzugt die Harmonisierung. Und über die zum Teil gravierenden Schnittstellenprobleme, die beim Übergang zwischen den Bildungsstufen, d. h. zwischen Sekundarschule und Berufsbildung bzw. Maturität, bestehen, sieht die EDK-Präsidentin hinweg, ebenso über die hohe Lehrabbruchquote. Natürlich verfügt die Schweiz immer noch über ein gutes, wenn auch sehr teures Bildungssystem. Aber einfach über die Probleme hinwegzusehen bzw. alles schönzureden, ist keine verantwortliche Politik.


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