13. November 2017

Amsler: "Manchmal im Zentrum eines Orkans"

Mit 50 zu nur einer Stimme hat das Schaffhauser Kantonsparlament diese Woche entschieden, die Grossreform «Volksschule aus einer Hand» nicht weiterzuverfolgen (siehe SN vom Dienstag). Eine schlankere Struktur und die Zentralisierung der Entscheide beim Kanton wären einhergegangen mit der Abschaffung der Schulbehörden in den Gemeinden. Von dieser Idee, erarbeitet in einer Machbarkeitsstudie, wollte der Kantonsrat nichts wissen. «Erziehungsdirektor ist nicht an jedem Tag ein einfacher Job», sagte Regierungsrat Christian Amsler (FDP) tags darauf im Schaffhauser Fernsehen.
Der Wurm ist drin in der Schulbank, Schaffhauser Nachrichten, 12.11. von Mark Liebenberg


Es hat in diesem Jahr viele solcher nicht einfachen Tage gegeben für die Vorlagen und Entscheide aus Amslers Erziehungsdepartement (ED). In diesem an Volksschulthemen reichen Jahr war Amsler gleich mehrfach glücklos. Da wäre einmal der seit 2012 schwelende Konflikt wegen der Entlastungsstunde für Klassenlehrer, der zuletzt im Räbeliechtli-Streik der Kindergärtnerinnen gipfelte. Im Rat hatte Amsler im Juni wieder keine Mehrheiten zur Lösung des alten Problems finden können.

Einen Abschiffer erlitt die Regierung im September gegen die Volksinitiative «Kein Abbau – Schule mit Zukunft». Wie ein Menetekel steht jetzt in der Verfassung, dass die Regierung künftig die Lektionenzahl nicht mehr unter die heutigen 259 Lektionen senken darf. Ein Deal scheiterte, bei dem die Regierung bei Rückzug der Volksinitiative von sich aus auf die Lektionenkürzung verzichtet hätte.

Ebenfalls keine Freunde hat ein Vorhaben gefunden, das nicht im engeren Sinn mit der Volksschule zu tun hat, wohl aber mit dem ED: Die Einquartierung aller Dienststellen und der Pädagogischen Hochschule auf dem Areal des früheren Pflegezentrums auf dem Geissberg. Die Pläne fürs «Bildungszentrum Geissberg» sind wieder in der Schublade verschwunden.

«Demokratische Prozesse erklären»
Zu guter Letzt sieht es mit dem politischen Support im bürgerlichen Lager für den regierungsrätlichen Gegenvorschlag zur Volksinitiative «7 to 7» derzeit etwas besser aus. Trotz eines schwierigen Jahres bleibt Amsler optimistisch. «Als Bildungsdirektor steht man halt immer ein wenig zwischen den Ansprüchen von links und von rechts, von oben und von unten. Manchmal steht man da schon im Zen-trum eines Orkans, das muss man als Politiker aber aushalten. Ich habe ja bekanntlich breite Schultern», sagte er in der Sendung «Hüt im Gschpröch».

Schule sei ein Thema, das die Leute bewege, wo sie mitreden wollten – die Schaffhauserinnen und Schaffhauser wollten offenbar den Weg der kleinen Schritte gehen, dafür habe er auch Verständnis, sagte Amsler im Fernsehen.

Eine Niederlage der Regierung sieht er bei «Volksschule aus einer Hand» nicht. «Das Parlament hat diese Studie in Auftrag gegeben, wir haben also nur unsere Hausaufgaben gemacht.» Schaffhausen sei nun mal Schweizermeister bei den kleinen Klassen. Der Rat habe am Montag mit dem überwiesenen Postulat ein deutliches Zeichen gesetzt, dass er mehr Verdichtung, sprich: grössere Klassen, wolle.

Optimistisch ist Amsler auch bei der Entlastungsstunde – die jetzt mit einer massvollen Verdichtung erzielt werden soll. Der Ball ist bei der Regierung. Sieht er sich inmitten zuletzt mit Heftigkeit geführter Angriffe als Buhmann? «Klar, als Regierungsrat steht man im Fokus und muss hinstehen für ein Gesamtsystem. Und immer wieder die demokratischen Prozesse erklären.»

In seinem siebten Amtsjahr sei er aber nach wie vor gerne Erziehungsdirektor. «Ich möchte jetzt gerne wieder etwas Kontinuität hineinbringen.» Ob sich indessen mit der Wahl eines neuen Regierungsmitgliedes am 26. November auch an der Ressortverteilung in der Regierung etwas ändern wird, lässt Amsler im SHf-Gespräch offen: «Das sehen wir dann.»


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