Sechs
Monate bezahlter Urlaub mit Weiterbildung nach eigenem Gusto: Dieses Privileg
für Aargauer Lehrer steht nach 43 Jahren auf der Kippe und soll unter den
Sparhammer kommen. Der Lehrerverband will das verhindern und warnt: Das gehe
auf Kosten der Gesundheit.
6 Monate Sonderferien für Lehrer: Die Aargauer Regierung will diese streiche, der Lehrerverband warnt, Aargauer Zeitung, 6.7. von Jörg Meier
Dieses Angebot hat bereits eine 43-jährige
Tradition, gilt auch im nationalen Vergleich als grosszügig und wird
entsprechend geschätzt. Anrecht auf den bezahlten Urlaub haben Lehrpersonen und
Schulleitungsmutglieder der Volksschule, wenn sie mindestens zwölf Jahre lang
im Kanton Aargau unterrichtet haben.
Ein
zweiter bezahlter Urlaub wird theoretisch nach weiteren zwölf Jahren Unterricht
und nach zurückgelegtem 45. Altersjahr gewährt. Allerdings ist aufgrund der
bereits eingeleiteten Sparmassnahmen und der damit verbundenen Reduktion der
Plätze seit 2016 ein zweiter Urlaub gar nicht mehr möglich.
70 Teilnehmende pro Jahr
Die
jährlich angebotenen 70 Plätze Intensivweiterbildung kosten den Kanton rund 3
Millionen Franken. Die Gemeinden leisten zusätzliche einen Beitrag von rund 1,3
Millionen Franken pro Jahr. Im Rahmen der Sanierungsmassnahme 2018 soll nun die
Intensivweiterbildung auf den 1. August 2018 ersatzlos gestrichen werden.
Im
Verlauf einer eingeschränkten Anhörung dürfen nun ausgewählte Verbände und
Organisationen wie etwa Lehrerverband oder Gewerkschaftsbund der Regierung mitteilen,
was sie von der Streichung des Angebots halten. Diese erweist sich als sehr
simpel und besteht aus einer einzigen Frage: Das Bildungsdepartement möchte
wissen, ob die Betroffenen mit der Streichung einverstanden sind oder nicht.
Man muss kein Prophet sein, um Voraussagen zu können, wie die Stellungnahmen
ausfallen werden.
Kathrin
Scholl, stellvertretende Geschäftsführerin des Lehrerverbands, erklärt, dass
der Verband die Streichung dezidiert bekämpfen werde. «Die
Intensivweiterbildung ist bald der letzte Anreiz für Lehrpersonen im Aargau zu
unterrichten», erklärt sie. Ein Wegfall verschlechtere die ohnehin schon
nachteiligen Arbeitsbedingungen zusätzlich, was nicht akzeptierbar sei. Man
habe für die erste Kürzung der Intensivweiterbildung auf das Schuljahr 2016/17
Verständnis gezeigt. Dass nun aber das Angebot noch ganz gestrichen werde, sei
nicht nur schlecht für die Lehrpersonen, sondern auch für den Ruf des Kantons
als Arbeitgeber.
Weiterbildung als Prävention
«Die
Intensivweiterbildung wirkt auch als Prävention», erklärt Kathrin Scholl. Denn
sie ermögliche Lehrpersonen, die schon Jahre lang für die Schule im Einsatz
stehen, ihre Batterien wieder aufzuladen, den eigenen Unterricht zu
reflektieren, Neues zu lernen – aber auch eine Zeit lang einfach etwas Distanz
zum täglichen Schulbetrieb zu gewinnen. Schon seit einiger Zeit seien
Schulleiter dazu übergegangen, in erster Linie jene Lehrpersonen für die
Intensivweiterbildung vorzuschlagen, die sie genau aus diesen Gründen nötig
hätten.
«Deshalb
bin ich überzeugt, dass die Intensivweiterbildung mit ihrem präventiven
Charakter zur Gesundheit der Lehrpersonen beiträgt.» Scholl fordert deshalb
eine Gesamtsicht der möglichen Konsequenzen: Zwar könnte das BKS rund 3 Millionen
Franken beim völligen Verzicht auf die Intensivweiterbildung einsparen; mit
einer gewissen Wahrscheinlichkeit würden aber nach Verlust dieser
wirkungsvollen Prävention dann beim Gesundheitsdepartement entsprechend neue
Kosten anfallen.
Trotz
dieser klaren Worte: Auch hier braucht es keine prophetische Begabung um
vorauszusagen, dass die Intensivweiterbildung für Lehrpersonen an der
Volksschule in der bisherigen Form bald Geschichte sein wird.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen